Archiv für April 1st, 2008

Mangos, Bananen, Lilly und Co.

Gambia River, 31.3.2008

Janna und Len bitten zum Sundowner auf die Present, und wir lassen die Sonne ganz sch?n weit hinter den Horizont sinken, bevor wir zur?ck zur AKKA tuckern. Bei Wasser und Bissapsaft und in der zweiten Stufe dann einem Glas Wein, wahlweise einer k?hlen B?chse Bier, lassen wir einen ereignisreichen Tag Revue passieren. Erst einmal ging es im Slalom zwischen den Treibnetzen von 4, 5 Fischerpirogen nach Kuntaur. Klingt nach “Traffic Jam” – aber es ist immer noch relativ leer, obwohl sich die N?he des
Ortes – Kuntaur war mal Gambias zweitgr??ter Hafen! – bemerkbar macht. Hier pulst das afrikanische Leben – eine kleine F?hre schaufelt Marktbesucher vom Westufer hin?ber, Jungs kommen schon w?hrend unseres ersten Ankerman?vers her?bergeschwommen, das ?bliche: “What’s your name?”… Im zweiten Versuch h?lt der Anker, aber wir trauen dem Braten nicht so recht – solange der Strom aufw?rts l?uft, gehen wir ins Dorf, aber sobald er zu kentern droht hauen wir wieder ab. Unter den B?umen an Land sammelt
sich schon die gespannte Dorfgemeinschaft – ?ltere Manner, vor allem aber die Kinder nehmen unsere Dinghyleinen an und die Karawane zieht los. Wir suchen Zwiebeln und Tomaten, Bananen, Mangos. “Oh, yes, we have a big market where you can get everything…”. Besser w?re der Zusatz gewesen: “… but not today”, denn heute ist Loma, Wochenmarkt au?erhalb des Ortes, nur mit dem Eselskarren zu erreichen, und wegen des Tidenzeitplanes f?r uns ein bisschen knapp. Aber da gibt es Abhilfe – wir werden in
Haus 1 geleitet und kriegen eine Handvoll sehr reifer Bananen und ein paar kleine Mangos. Sehns?chtig denkt man an die Europaoasen in Dakar zur?ck, an mediokre “Superm?rkte” in Banjul oder Saly, aber wir freuen uns ?ber unsere Sch?tze. Und im Geh?ft 2 stehen wir schon vor einer gro?en Sch?ssel voller gr?ner Bananen, genug f?r alle Boote, und dann steigt einer der Jungs in einen der Mangob?ume, die den Gartenhof beschatten, und wir bestellen eine Wurfsendung Mangos. Mit 15 Fr?chten – und der Kinderkarawane
im Schlepptau – ziehen wir zur?ck zum Fluss, kriegen unterwegs noch eine d?rfliche Wohnung gezeigt, mit TIEFK?HLTRUHE, die die Hausfrau stolz ?ffnet und schlie?t, ?ffnet und schlie?t. Hier gibt es n?mlich a. Wasser aus ein paar ?ber den Ort verteilen Wasserh?hnen, b. ein paar Motorr?der und c. STROM… Und einen Laden der Fu?b?lle anbietet – wir werden ziemlich unmissverst?ndlich dorthin geleitet, und w?hrend eingekauft wird, tausche ich mit den gespannten Kickerkandidaten Fussballernamen aus. Ballack
ist da, und Miroslav Klose. Die Brasilianer nat?rlich und die Stars von Arsenal, Chelsea und Manchester United. Hier gibt es halt Strom und damit auch Fernsehen…
Len liefert zum Schluss noch unseren M?ll aus – ein bisschen Gegenleistung haben wir Toubabs uns mit den B?llen und dem Schulmaterial von der PRESENT verdient.

Anker auf! Nur ein paar Meilen sind es bis zu den Baboon Islands, auf die wir alle schon so lange warten, obwohl doch zwei Segelf?hrer von wenig Gl?ck berichten, was die Beobachtung von Hippos und/oder gar Schimpansen berichten. AKKA f?hrt voraus,, hinein in den Kanal zwischen den Nationalparkinseln. Was f?r ein Schauspiel f?r die anderen. Petite Fleur und Present d?rfen zuschauen, wie wir stecken bleiben und versuchen aus dem weichen Grund wieder loszukommen… Ranger aus dem National Park versuchen
uns eher ungeschickt zu helfen, aber nach langen 30 Minuten sind wir wieder frei. Als wir gegen 16 Uhr am S?dende der gro?en Baboon-Insel Anker werfen, kommt schon das n?chste Rangerboot, wir reichen kaltes Wasser mit Zitronensirup ?ber die Reling, bekommen Anweisungen. “We’ll go and have a look where the chimps are…” – kurz biegen die beiden um die Ecke und kommen stante pede zur?ck”… they are at their feeding place!” Das k?nnen wir uns nicht entgehen lassen. Wir entern die Rangerpiroge, die
anderen tuckern in Presents Beib?tchen hinterher, und wir sind kaum in den Kanal eingebogen, da pr?sentieren sich zur Linken die ersten Hippos, obwohl ein hei?er Wind weht und Flusspferde dann gern lange unter Wasser bleiben. Und zur Rechten… – ein Pavian. Und?! Lilly, die 31-j?hrige Schimpansenenahnin guckt SEHR interessiert aus dem Unterholz. Ein 3-j?hriger Affenknabe klettert in einen Baum und ?bt ein bisschen Imponiergehabe, das ist “Delaware”. Einer etwas j?ngere Dame mit Kind schaut aus dem
Hintergrund. Das hatten wir nicht zu hoffen gewagt… Schimpansen. Und dass ringsum noch Kingfisher und Flussadler, Reiher, Hornbills und afrikanische G?nse sich an/im/?ber einem dichten Wald tummeln, macht den Eindruck perfekt.
So sitzen wir dann auf der PRESENT, nippen am Bissapsaft und horchen in die Zikaden- und Vogelges?nge hinaus. Dies ist der lauteste Platz seit Tagen – wir sind im S??wassserbereich angekommen, mit allem, was die reiche Vegetation so mit sich bringt. Palmen, Organ-Trees, Baobabs – und Schimpansen.

Erstellt am Dienstag 1. April 2008
Unter: AKKA Online | Keine Kommentare »

Still und leer…

Bird Island / Gambia River, 30.3.2008

Nicht m?hsam, aber langsam bewegen wir uns den Gambia River hinauf. Hatten wir in Bombale auf einem engen Seitenarm des Gambia geankert, erweiterte sich der Fluss gleich hinter Elephant Island auf “friesische” Weiten, es fehlten lediglich die Schwarzbunten. Nun gut, es waren auch keine Weiden hinter den etwas sp?rlicher werdenden Mangroven,, sondern Reisfelder, aber die Fliegen ?hneln sich verbl?ffend: dort Bremsen, hier Tsetse… Das Wetter ist zunehmend windstill und diesig, das Licht entsprechend
gebrochen, die gro?en Wasserfl?chen liegen spiegelglatt im hei?en Dunst. In den Morgenstunden fahren wir jeweils ein St?ckchen weiter, bis zum Kentern der Tide, und ankern dann. Dinghytour an den Mangroven entlang, Flussadler und Kingfisher bestaunen, und ab und zu mal in einen kleinen Seitencreek hineinsteuern. Es ist gespenstisch still, nicht nur in den hei?en Stunden, sondern den ganzen Tag ?ber. Und es ist leer – nur ab und zu quert mal eine Piroge mit einem Fischer unseren Weg und l?sst ein
Treibnetz stromabw?rts driften. Schall tr?gt meilenweit – wenn es denn Schallquellen gibt. Die Stille ist ohrenbet?ubend und man mag gar nicht seinen Au?enborder anwerfen. So staken wir denn mit den Paddeln durchs knietiefe Wasser oder lassen uns mit der Str?mung um Bird Island treiben. Auf dem Nordufer erheben sich schon den ganzen Tag Rauchschwaden hinter der Uferb?schung – Bauern brennen den Unterwuchs ab, um ein neues Reisfeld anzulegen.
Zur?ck an Bord lassen wir uns ermattet im Cockpit nieder und ?ben “Schwitzen”… Sehr erfolgreich! Dann ein leiser Funkspruch, Urs: “PETITE FLEUR hat gerade ein Hippo gesichtet!” Tats?chlich – alle paar Minuten taucht 200 m vor den Schweizern ein Kopf aus dem Wasser, ein Flusspferd auf dem Weg vom S?dufer zur Insel. Das h?tten wir nicht gedacht, dass die solche Strecken zur?cklegen… Wenn wir hier baden, dann paddeln wir im Bereich der Heckplattform gegen den Strom. Richtiges Schwimmen f?llt aus
- man k?hlt zwar ein bisschen ab im 30 Grad warmen Fluss, aber der Strom ist stark und jede Anstrengung l?sst einen nachher umso mehr schwitzen. Also starren wir vom Vorschiff in den Dunst und schauen dem Hippo zu, dass auch zu “baden” scheint: mal hin, mal her. Dann geht die Sonne unter, wir ziehen uns zur?ck und das Moskitonetz ?ber das Cockpit. Ein paar M?cken sirren, in der Ferne ein paar Zikaden, und ab und zu pl?tschert es… Ein Fisch? Ein Hippo, das mit dem Schwanz wirbelt? Es schnauft. Ganz
klar – ganz kurz f?llt dieses laute, heisere abgehackte Hippoger?usch – so eine Art Schnarch-Bellen – die Luft. Gleich ist es wieder still, aber leer ist es gewiss nicht. Irgendwo da drau?en im Dunkeln ist ein Flusspferd…

Erstellt am Dienstag 1. April 2008
Unter: AKKA Online | Keine Kommentare »