Archiv für April 7th, 2008

Downriver

Nach “upriver” kommt unweigerlich “downriver”, und das sogar jetzt relativ schnell. Zwar haben wir uns unsere 1-monatige Aufenthaltsgenehmigung f?r Gambia in Janjanbureh – auf der bemerkenswert afrikanischen Polizeistation ;) - noch bis zum 30. Juni, also hart an den Rand der Regenzeit verl?ngern lassen, aber mittlerweile st?hnen wir doch alle rechtschaffen unter der Hitze. Zwischen 7 und 10 ist es ertr?glich, danach erfasst uns die gro?e Mattigkeit, nachts schalfen wir drau?en im Cockpit unter dem
Moskitonetz und hoffen, dass sich ein thermischer Wind auf den Weg macht, uns zu k?hlen. Wir sind also angekommen in Afrika und ahnen langsam, was die Leistungsf?higkeit der Leute hier bestimmt. Nicht einmal die steten “hello”- oder “Toubab, Toubab!”-Rufer vom Ufer in Janjanbureh bringen ab der Mittagszeit noch die Energie f?r ihr Konzert auf. Erst am Abend ruft und pfeift es dann wieder durchdringend. Es nervt. Womit wir uns wieder dem Thema n?hern: Downriver. Im ?bertragenen Sinne k?nnte man auch
sagen “den Bach runter”, so ist Janjanbureh zu charakterisieren. Und vor allem die jugendliche Einwohnerschaft tut ein ?briges: eindringliche, aufdringliche bis r?de Forderungen nach Schulmaterial und Fussb?llen begleiten einen auf dem Weg durch ein ?rtchen, das einmal Verwaltungszentrum der britischen Kolonie war. Die Geb?ude erinnern an diese wie auch an Sklavenhalterzeiten. Aber gerade der Kontrst zwischen der Gr??e der urspr?nglichen Anlage und dem Erhaltungszustand l?sst uns “run down” empfinden.
Auch vom Forstprojekt der GTZ ist nichts mehr ?brig au?er dem aufgelassenen Verwaltungs- und Schulungszentrum – die beiden Eco-Trails und Forst-Parks in Dobo und Kunkilling, die das Projekt f?r den Tourismus schaffen wollte, sind zwar erstellt, aber in Windeseile schon nach einem Drittel der geplanten Zeit den umgebenden D?rfern ?bergeben worden, die nun ihre liebe M?h’ damit haben. Leider sind wir zum Anschauen dieser Trails doch zu weit in die Trockenzeit geraten, sagt die einzig verbliebene deutsche
Mitarbeiterin, die sich nun f?r weniger als einen Sack Reis im Monat beim Gambischen Staat verdingt hat und versucht, die Reste des Projektes zu erhalten, denn das gro?e Gel?nde bietet nicht nur Schlulungsr?ume, sondern auch Unterkunft; Geld f?r Strom gibt es allerdings nur, wenn G?ste da sind, und die G?steh?user scheinen ?berwiegend leer zu stehen. Sehr schade drum, denn es ist sch?n in diesem parkartigen Garten unten am Fluss. Ein idealer Ausgangspunkt f?r zoologische oder botanische Exkursionen,
k?nnte ich mir vorstellen.
Statt also die eigentlich geplanten Ausfl?ge in die Natur zu machen, entziehen wir uns f?r einen Abend dem Gefl?te vom Ufer und gehen statt dessen auf “birdwatching” in die Jangjangbureh-Lodge. Der Guide – genauer gesagt: der Petroleumlampenbeauftragte der Lodge ;) – dr?ckt uns ein Bestimmungsbuch in die Hand, bzw. den zerfledderten Rest davon, grobe Sch?tzung: 15% des Buches! Die meisten gesehenen V?gel sind aus der Gattung “that one”, es gibt auch einige “big one” ;) . Warum blo? war ich in Banjul
zu geizig, um mir ein ad?quates Bestimmungsbuch zuzulegen? Das muss f?r Brasilien definitiv anders werden… Ich habe trotzdem meinen Spa? und werde entsch?digt, entdecke Herrn Scarlet Breasted Sunbird nebst unscheinbarer Gemahlin und fresse mich bis zum Senegal Coucal durch den Rest des Field Guides, dessen verbliebene Seiten auch noch teilweise zusammengeklebt sind. Das erh?ht den Wiedererkennungswert der V?gel ungemein. Ein Hammerkop in der Ferne, ein blau-schillernder Roller und eben die “blue
one” und “small one”- sehr nett. Zum Abschluss des Abends nimmt die Gruppe der exstischen Langfahrt- im Kreise von zwei Handvoll europ?ischer Normaltouristen auf “upriver”-Tour (deren H?ufigkeit ?brigens die Ursache f?r die Zudringlichkeit der Toubab-Rufer ist!) ein leckeres Abendessen ein. Bush-Pig, H?hnchen, Couscous, viele Kerzen zur Beleuchtung und keine Moskitos. Perfekt. Aber irgendwie kommen selbst unsere ambitionierten Present-Segler ins Gr?beln, ob es vielleicht nicht doch zu anstrengend
ist, auch noch die Regenzeit hier in Westafrika zu verbringen. Wir finden die 40 Grad im Salon schon sehr hei?, aber 40 Grad bei 90% Luftfeuchtigkeit, das wird uns jedenfalls zuviel. Am n?chsten Abend schon werden die Monatskarten f?r den Nord- und S?datlantik auf der Petite Fleur ausgebreitet und Pl?ne f?r eine baldige Atlantik?berquerung geschmiedet.

Wir verabschieden uns ein bisschen wehm?tig von der sch?nen, anstrengenden Umgebung und treten den R?ckzug an. Ein paar Tage und ein paar Hippos bleiben uns ja noch hier oben auf dem Gambia River. Aber dann warten auch zivilisatorische Errungenschaften wie Internet, eMail-Zugang und (fast) unbegrenzte Einkaufsm?glichkeiten: es wird wieder mal frische Tomaten geben! Downriver nat?rlich.

Erstellt am Montag 7. April 2008
Unter: AKKA Online | Keine Kommentare »