Unterwegs nach Trinidad

AKKA got the blues

Clifton/Union Island, 12.6.2018

Fast wäre dies stimmungsmäßig ein ganz dunkelgrauer Eintrag geworden. Zunächst mal sind wir unterwegs nach Trinidad, also ist unsere Segelsaison demnächst zu Ende. Natürlich könnte man noch abhängen, aber wir nehmen AKKA bei Power Boats für die Hurrikansaison aus dem Wasser und müssen abermals ein paar Dinge tun; ein zwischen dämlich und „wat mutt, dat mutt“ angesiedeltes Gefühl. Und dann die Politik – heute hat Donnie T. sein Dikatoren-Vorbild Kim getroffen und überschlägt sich – neben den üblichen Hasstiraden, außer auf Deutschland und die EU heute besonders lustig auf Robert de Niro… – mit Eigenlob über die gelungene Showveranstaltung, das haut ganz schön in die Magengegend, nachdem bereits der G7-Gipfel in Kanada so prima gelaufen ist. Die Linken. Die SPD. Mann, Mann…
Dazu war es heute diesig und grau, und die letzten Tage durch das Nachdenken über den Zustand der Ozeane verdunkelt. Wer mal einen guten Artikel und zwei kleine Videos dazu sehen will, kann hier gucken. Ich finde es so überraschend wie deprimierend, dass man noch immer so viel über Plastikverbrauch diskutieren muss und immer neu doofen Einwürfen à la „… die Asiaten sind die Ferkel, und wir versuchen hier die Welt zu retten!“ entgegentreten muss. Ja. Sollten wir versuchen! Kurz: es nervt. Übrigens, wir bleiben in den Tropen – Fleecejacken zu waschen sollte unter Strafe gestellt werden, was den Eintrag an Mikroplastik betrifft. Kleiner Scherz, zumindest der Tropenteil. Aber im Ernst – wir sind alle um Mitmachen gefragt, ich bitte herzlich drum.

Tobago Cays. Off-season!

Aber dann sitzen wir vorhin auf dem Vorschiff, hinterm Riff von Union Island, der Passat bläst alle trüben Gedanken davon. Der Wind wirkt wie ein feuchtwarmer Umschlag – das tut ja bei allerlei Beschwerden gut. Die Ankerfelder leeren sich jetzt zusehends, es ist nicht mehr so gestopft voll wie im Februar. Wir begießen den nicht vorhandenen Sonnenuntergang mit einem Becher Pastis und machen Zukunftspläne. Wenn man auf die Monate nach dem

Nicht ganz allein. Der ultimative Katamaran-Spaß mit Flamingos und viel Geschrei

He’s jammin‘ still!

Werftaufenthaltgucken kann – Puerto Rico, Kuba und Company – erscheint einem der anstehende Kram schon gar nicht mehr so dramatisch. Ein bisschen Welle ziehen, ein bisschen Bugstrahlruder ausbauen, der Rumpf soll eine neue Schicht Coppershield kriegen… und Kleinscheiß. Die 4 Monate werden bald um sein, und dann geht es wieder los. Was mir niemals behagt, sind Blicke in die weitere Zukunft, da kommt dann schon mal das Wort „Azoren“ ins Spiel. Ach, lass mal, das muss noch nicht… aber natürlich ist es blöd, so überhaupt nicht drüber nachdzudenken, und der Pastis zieht denn auch meine Sorgenfalten glatt. Draußen fahren währenddessen die Jungs aus den Tobago Cays heim – die meisten stammen aus Union und schippern täglich die 5 Meilen zwischen Clifton und Petit Rameau. Summertime, der uns gestern abend fürstlich mit gebackener Banane und Amberjack bewirtet hat, braust vorbei und pfeift und winkt frenetisch. Romeo und Julia. Die beiden haben gestern leider den Kürzeren gezogen bei der Auftragsvergabe für das Abendessen – wir konnten die Werbungsattacke von Summertime einfach nicht abwehren – was Julia nicht davon abhielt, meinen Eigner zum Abschied ganz besonders zu herzen. Und dann fährt eben „Handyman“ vorbei. Faust auf’s Herz – ein fist bump von Ferne. Peace. Love. Respect. Der finale Stimmungsaufheller für heute!  Wir gehören zum Inventar.

Alles gut hier!