Mate

So muss es sein: Calabaza, Bombilla – und der Mate schräg fest gedrückt

Jahreswechsel 2016/17

Seit drei Monaten sind wir unterwegs in Südamerika – Bolivien haben wir gestreift, dann Chile und Argentinien ausgiebig, und schon in Argentinien waren sie uns aufgefallen: die Mate-Trinker.
Mate ist ein Aufgussgetränk aus Ilex paraguayensis, das man im südlichen Südamerika überall kaufen kann – egal ob bei Tante Emma oder im Carrefour, und die Packungsgrößen erreichen bisweilen Waschmittelkartonmaße. Vor allem in Uruguay folgt einem der Anblick der Mate-Trinker auf Schritt und Tritt.
Francisco, der uns in El Calafate auf Nebenpfaden zum imposanten Gletscher Perrito Moreno führt, gibt uns eine Einführung in die Gepflogenheiten des Mate-Trinkens. Erste Regel für den Fremden: wenn Dir das Mate-Gefäß angeboten wird, dann kannst Du es eigentlich nicht ablehnen – das gebieten die Regeln der Höflichkeit und der Freundschaft, die Dir damit angetragen wird. O.k., Francisco – was muss ich tun?  Er reicht mir die Calabaza – nimm einen Schluck! Mir wird sofort klar, warum man versucht ist, nein zu sagen: es ist gelinde gesagt bitter…

Dabei hatte Francisco einen Mate nach den Regeln der Kunst bereitet. Das Gefäß ist die calabaza, typischerweise ein Abschnitt des Kalebassenkürbis, am oberen Rand mit Metall verstärkt. Die Calabaza (auch „mate“ genannt, die Guaraní nennen Becher so) wird zur Hälfte mit dem grau-grünen, gehäckselten Kraut gefüllt, kunstvoll geschüttelt und gedreht und gepresst und dann mit heißem Wasser gefüllt. Klingt einfach, ist aber wirklich eine Kunst – irgendwie müssen die groben und die feinen Häckselteile richtig verteilt sein, und das Wasser nicht zu heiß und nicht zu kalt. Und dann muss die Yerba erst einmal quellen, und überhaupt darf die Calabaza nicht einfach gefüllt werden – nein, sie wird schräg festgepresst, so dass das Trinkröhrchen, die Bombilla, nicht im Kraut steckt. Das Wasser lässt man auch nicht einfach in das Gefäß pladdern – es muss am Trinkröhrchen entlang rinnen, und zwar nicht zu langsam, damit es nicht abkühlt, und nicht zu schnell, damit es die Yerba nicht aufwirbelt. Irgendwann ist es dann so weit – der erste Schluck ist bereit. Und der muss vom Zubereiter, dem „cebador“ genommen werden, der ist quasi der Gastgeber und beurteilt Geschmack, Stärke, Temperatur. Gibt es etwas zu meckern, gießt er erneut auf und probiert. Und dann sind die Freunde dran – aber wehe, Du reichst die Calabaza weiter und die Bombilla weist nicht auf den neuen Trinker… Und alles immer schön rechts herum!
Wenn man all das in Rechnung zieht, versteht sich von selbst, warum nach all diesen Mühen ein Mateangebot nicht abgelehnt werden kann. Die Calabaza wird jetzt – vom Cebador! – nachgefüllt und wieder gefüllt und gefüllt. Immer schön aufmerksam sein – genussvolles Saugen und Schmecken, aber ja nicht zu lange quatschen, bevor man den Tee weiterreicht – dann heißt es: „… hol mal den Schwätzer-Mate!“
… und wenn man wie ich unschuldig fragt, ob man das auch süßen kann, dann kriegt man rollende Augen zu sehen: „… wie meine Mutter! Das kann man (Mann!) noch nicht trinken!“. Doch, kann man. Es gibt sogar vorgesüßte Sorten zu kaufen, und überhaupt: im südlichen Brasilien wird Mate mit Fruchtsaft aufgegossen und kalt genossen. Aber das ist sicher Mate-Ketzerei.

Übrigens ist nicht nur die Mate-Runde unter Freunden ein äußerst soziales Element im argentisch-uruguayanischen-paraguayanischen Leben. Es spielt auch auch ganz große Rolle in der Mannwerdung, sagt uns einer unserer Führer später: Du himmelst ein Mädchen an und fragst Dich wochenlang: „… wann?!“  Und dann, eines Tages: „Wollen wir Mate zusammen trinken?“  Tadaaa!