{"id":118,"date":"2007-12-04T21:27:59","date_gmt":"2007-12-04T20:27:59","guid":{"rendered":"http:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/?p=118"},"modified":"2022-10-05T07:46:50","modified_gmt":"2022-10-05T11:46:50","slug":"fast-wie-im-richtigen-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2007\/12\/04\/fast-wie-im-richtigen-leben\/","title":{"rendered":"Fast wie im richtigen Leben"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: justify;\">\n<p>&#8230; ist es hier. Wir sind n\u00e4mlich seit Montag in Las Palmas. Industriehafenl\u00e4rm, Verkehrsgew\u00fchl, gesch\u00e4ftige Menschen im &#8211; immerhin sonnenbeschienenen &#8211; Alltagstrott. Heute fr\u00fch haben wir uns schick gemacht, lange Hose, lange \u00c4rmel, geschlossene Schuhe, haben uns auf unsere R\u00e4der geschwungen und sind zum Konsulat der Bundesrepublik gefahren. Unterschriftenbeglaubigung war der Zweck des Unternehmens. Dass die ganze Sache dann durch eine Art Postschalter &#8211; der Konsul auf der einen, wir auf der anderen Seite &#8211; geschah, lie\u00df zwar die Verkleidung eher unn\u00f6tig erscheinen, tat aber dem merkw\u00fcrdigen Gef\u00fchl keinen Abbruch, mal wieder ordentlich gewandet zu einem festen Termin in einem B\u00fcro aufschlagen zu m\u00fcssen. Hmmh. Und schon fallen einem auf der Strandpromenade die Langfahrtsegler auf, sonnenverbrutzelt, in verschossenen Hemden und Shorts, barf\u00fc\u00dfig auf verrosteten Klappr\u00e4dern. In Mogan konnte ich das selbst auch noch, aber hier wirkt das lediglich im Bereich der Marina &#8222;normal&#8220;.<\/p>\n<p>Mit dem Beglaubigungsvorgang ergab sich eine kleine Wartezeit, die wir am nahegelegenen Parque Santa Catalina verbrachten &#8211; Sonnenschein, Caf\u00e9 con Leche, frische Zeitungen. Festellung vom Eigner (unter dem Eindruck des ZEIT-Artikels \u00fcber T\u00fcrkei-\u00dcberwinterer): &#8220; Irgendwie verstehe ich diese Langzeiturlauber &#8211; kannst Du Dir vorstellen, jetzt auf dem Kr\u00f6pcke zu sitzen??&#8220; Nee. Kann ich nicht. Erstens sitzt man derzeit in Hannover h\u00f6chstens IM Kr\u00f6pcke und versucht durch beschlagene Kaffeehausscheiben nach drau\u00dfen zu schauen, und zweitens sind wir keine Langzeiturlauber, sondern gehen einer geregelten Blauwasserseglert\u00e4tigkeit nach. Zum Beispiel gestern &#8211; 10 sehr holperige Stunden Motorsegeln gegenan (gut, dass Du nicht dabei warst, Heiner! Das w\u00e4re ein wenig genussvoller Einstieg in die AKKA-Segelei gewesen!), von Mogan nach Las Palmas, 2 Anlegeman\u00f6ver am Welcome-Ponton (tjaja, der Seitenwind und ein ungeschickter Leinenwurf von der Schipperin!), Anlegeman\u00f6ver an einem zu kurzen Liegeplatz, zur\u00fcck zum Welcome-Ponton, neuer Liegeplatz, neue Leinenman\u00f6ver; hier: Muringleinen sortieren &#8211; die Nachbarn hatten sich alle drei bis vier geangelt und f\u00fcr uns waren keine mehr \u00fcbrig. Genuapersenning aufziehen. Deck vom Hafendreck befreien, den wir mit den Muringleinen aufgeholt und weitr\u00e4umig verspritzt hatten. Kochen. Wenn nicht die Dunkelheit l\u00e4ngst eingebrochen w\u00e4re, h\u00e4tte dem Eigner auch noch St\u00fcndchen Salzkruste-Abwaschen gefallen. Das war dann heute fr\u00fch noch dran.<\/p>\n<p>Das &#8222;richtige Leben&#8220;, das fehlte ein bisschen in Puerto de Mogan &#8211; nicht bei uns, schlie\u00dflich hatten wir, abgesehen vom steten Bootsbasteln, bei Nichte Anna Renovierungshilfe zu leisten, Wasserschaden beseitigen, Decke spachteln, Silikonabdichtungen ziehen. Nicht zu vergessen, dass wir am Freitag nach 6 Monaten erstmalig nicht auf der AKKA gepennt haben &#8211; Annas Geburtstagsdinner wurde mit einer \u00dcbernachtung in Heiners Ferienwohnung beschlossen. Alles planm\u00e4\u00dfig gesch\u00e4ftig bei uns also, nur Puerto de Mogan, das war doch ein bisschen anders als fr\u00fcher. Bis 10 Uhr und abends ab 18 Uhr ging es so einigerma\u00dfen beschaulich zu, es ist eben immer noch h\u00fcbsch und f\u00fchlt sich an &#8222;wie gewachsen&#8220;. Aber es gibt viel mehr Lokale als fr\u00fcher, der alte Ort ist nicht mehr da, &#8222;El Cafetin&#8220; verschwunden wie \u00fcberhaupt der Weg bergauf zwischen die alten Gem\u00e4uer nicht mehr auffindbar ist. Daf\u00fcr ist freitags der ganze Ort ein einziger Flohmarkt, und auch sonst scheinen tags\u00fcber Busladungen von Touristen aus anderen Anlagen hier abgekippt zu werden, die dann flei\u00dfig Bilder von der AKKA am Kai schossen und sich durch Gesch\u00e4fte und Restaurants w\u00e4lzten, die mittlerweile die ehedem unbebaute Badebucht f\u00fcllen.<\/p>\n<p>Dennoch &#8211; wir hatten einen mehr als vers\u00f6hnlichen Abschluss zu verzeichnen: wenn auch die Rechnung unvers\u00f6hnlich hoch war, haben wir doch unser Abendessen in der &#8222;Bodeguilla Juanan\u00e0&#8220; in Mogan sehr genossen. Mir war zun\u00e4chst die Tafel mit dem Hinweis &#8222;Very Slow Food Area&#8220; aufgefallen. 5 grob gezimmerte Tische mit h\u00f6lzernen Sofas unter einem Flickendachhimmel, eine winzige, offene K\u00fcche f\u00fcr &#8222;Show-Cooking&#8220;. Der Chef kocht, serviert und ber\u00e4t selbst &#8211; was unweigerlich in &#8222;very slow food&#8220;, mit Betonung auf &#8222;very&#8220;, enden <em>muss<\/em>, aber wir waren ja gewarnt. Lanzarotiner Wein, hiesige Fische und Gem\u00fcse, nur das Rind war s\u00fcdamerikanisch. Die Tomatensuppe ein echtes Gedicht, die Prawns mit &#8222;Papas Arrugadas&#8220; (sehr h\u00fcbsch \u00fcbersetzt mit &#8222;Schrumpelkartoffeln&#8220;) auf einem karamelisierten, sch\u00e4rflichen Honig-Ingwer-Geheimnis einfach unschlagbar. F\u00fcr die gigantische und sehr verf\u00fchrerische K\u00e4seseite des zweiseitigen Menus (auf Packpapier geschrieben und auf ein Holzbrettchen getackert!) fanden wir in unseren M\u00e4gen leider keinen Platz mehr. Es war sch\u00f6n, mit Heiner und Barbara \u00fcber ein paar Stunden sitzen und erz\u00e4hlen zu k\u00f6nnen, und die Rechnung haben wir einfach unter &#8222;ideeller Gewinn&#8220; abgeschrieben. Und da es dem Chef nichts ausgemacht hatte, dass wir den Servierl\u00f6ffel zum Aufl\u00f6ffeln der Saucen missbrauchten, konnten wir davon noch auf der Holperstrecke nach Las Palmas schw\u00e4rmen.<\/p>\n<p>Nun allerdings gibt es wieder Salat mit Brot und Knoblauchsauce im Cockpit. Man kann ja versuchen, finanziellen Aufwand wieder auszugleichen. Dies ist schlie\u00dflich kein Urlaub hier, sondern das richtige Leben.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; ist es hier. Wir sind n\u00e4mlich seit Montag in Las Palmas. Industriehafenl\u00e4rm, Verkehrsgew\u00fchl, gesch\u00e4ftige Menschen im &#8211; immerhin sonnenbeschienenen &#8211; Alltagstrott. 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