{"id":165,"date":"2008-04-16T16:58:00","date_gmt":"2008-04-16T14:58:00","guid":{"rendered":"http:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/?p=165"},"modified":"2019-02-22T19:25:40","modified_gmt":"2019-02-22T23:25:40","slug":"ceesay-karamba","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2008\/04\/16\/ceesay-karamba\/","title":{"rendered":"Ceesay Karamba"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: justify;\">\n<p>Lamin, 15.4. 2008<\/p>\n<p>Ceesay, der zweite. Professional Birdwatcher, so sagt es der handgeschriebene &#8222;Visitenzettel&#8220;\u009d, den er mir zum Schluss zusteckt. Mit Ceesay hatten wir einen sch\u00f6nen Vormittag, die Schweizer, die Holl\u00e4nder und ich. Der Eigner bleibt derweilen an Bord und sucht selbstlos nach der Quelle f\u00fcr Luftblasen im Kraftstoffsystem.<br \/>\nWir hatten verabredet &#8222;early&#8220;\u009d aufzubrechen, zum Naturreservat Abuko, hier gleich um die Ecke. Fr\u00fch war es dann nicht unbedingt, jedenfalls nicht nach Vogelbeobachterregeln, es war um die 8 Uhr, als wir in die Dinghies stiegen. 4 km sandiger Fu\u00dfmarsch nach Lamin und von da noch ein paar hundert Meter Asphalt Richtung Banjul.<br \/>\nW\u00e4hrend die einen den Eintritt entrichten (Urs: &#8222;&#8230; der einzige, der NICHT rechnen kann, steht an der Kasse!&#8220;\u009d. Stimmt!) werden wir schon an einen guide vermittelt; den selbsternannten &#8222;birdwatcher&#8220;\u009d in Janjanbureh noch im Hinterkopf, willigen wir ein bisschen z\u00e4hneknirschend ein. Ich stoppe das Z\u00e4hneknirschen aber sofort, sehe ich doch einen VOLLST\u00c4NDIGEN (!) Fieldguide &#8222;Birds of The Gambia&#8220; in den H\u00e4nden des (sehr) jungen Mannes, der sich da mit &#8222;Ceesay Karamba&#8220;\u009d vorstellt. Am Ticketh\u00e4uschen ist dann auch bald die Rechenaufgabe gel\u00f6st, 5 x 35! Ich hatte das ziemlich pragmatisch auf 4 x 35 reduziert, indem ich mal schnell f\u00fcr mich selbst bezahlt hatte, und die anderen machten daraus 2 x 70 Dalasi. Schlimm genug&nbsp; \u20ac\u00a6 Ein Fall, den wir unter &#8222;t.i.A.\u20ac&#8220; buchen &#8211; &#8222;that is Africa&#8220;\u009d, Zitat aus dem Film Blood Diamond, unser neuer running gag. Dann stiefeln wir durch&#8217;s Geh\u00f6lz. Zun\u00e4chst mal noch begleitet vom sp\u00e4rlichen Verkehrsrauschen der Ausfallstra\u00dfe zum Flughafen, aber die Red Colobus-Affen und Green Vervets in den B\u00e4umen st\u00f6rt das kaum. Uns auch nicht &#8211; wir sind in einem naturbelassenen St\u00fcckchen Urwald, auch jetzt, zum Ende der Trockenzeit noch gr\u00fcn, gr\u00fcn, gr\u00fcn, und lassen uns vom geduldigen Ceesay Vogelnamen nennen und Pflanzen erkl\u00e4ren. An der zentralen Wasserstelle &#8211; der Stra\u00dfenl\u00e4rm ist schon nicht mehr wahrzunehmen und wird durch Vogelgeschrei ersetzt &#8211; machen wir uns ein bisschen selbst zum Affen, indem wir uns nicht sattsehen k\u00f6nnen am Fangverhalten des Black Egret:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"image166\" src=\"https:\/\/i2.wp.com\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-content\/abuko-black-egret.jpg?resize=584%2C499\" alt=\"abuko-black-egret.jpg\" width=\"584\" height=\"499\"  data-recalc-dims=\"1\"><br \/>\nKopf einziehen, Fl\u00fcgel schirmartig \u00fcber den K\u00f6rper und &#8211; zack! &#8211; aus dem selbst gebastelten Schatten heraus ein Fr\u00fchst\u00fcck erbeutet. Es sieht albern aus, aber wahrscheinlich ist es noch alberner, dass wir uns so am\u00fcsieren. Rings ums Wasserloch ist einiges los &#8211; Krokodile, die bekannten schwarz-wei\u00dfe und besonders die malachitfarbenen Kingfisher, bildhaft sch\u00f6n, die allgegenw\u00e4rtigen Hornbills in verschiedener Ausfertigung, diverse Reiher und Turacos und Rallenarten und, und, und\u20ac\u00a6<br \/>\nIch beschlie\u00dfe, an einem der n\u00e4chsten Nachmittage noch einmal zur\u00fcckzukommen, um auch den S\u00e4ugern an der Wasserstelle zusehen zu k\u00f6nnen. Ein kleines, sehenswertes Paradies inmitten einer doch urbanisierten Umgebung, entdeckt und initiiert von der Familie Brewer, die hier in den 60er Jahren ihr Schimpansenprojekt begonnen haben. &#8222;VERY hardworking people&#8220; hatte der Ranger auf Baboon Island \u00fcber Eddie Brewer und seine Tochter Stella Marsden hochachtungsvoll gesagt, und dass es sehr traurig sei, dass beide mittlerweile gestorben seien, Stella erst vor ein paar Wochen.<br \/>\nCeesay, das stellt sich auf dem Gang \u00fcber die verschlungenen, schattigen Waldwege heraus, ist zum Besuch der Secondary School von Kuntaur nach Serekunda gezogen, ohne Familie, musste aber seine Schulzeit wegen Geldmangels unterbrechen und versucht nun, Geld f\u00fcr den Fortgang aufzutreiben. Da ist es wieder, das zwiesp\u00e4ltige Gef\u00fchl zwischen Hilfsbereitschaft und Hilflosigkeit, das man als Tourist in dieser Gegend so oft hat, nur dass diesmal nicht jemand &#8222;&#8230; any school material?&#8220; oder &#8222;&#8230;do you have a pen &#8211; I go to school!&#8220;\u009d ruft, sondern nur beil\u00e4ufig ein &#8222;I have no sponsor&#8230;&#8220;\u009d anmerkt. Ceesay ist voller Bewunderung f\u00fcr &#8222;sein&#8220;\u009d Reservat und f\u00fchrt uns begeistert weiter durchs Gr\u00fcn. Gro\u00dfe W\u00fcrgfeigen umschlingen Baumst\u00e4mme, durch das Bl\u00e4tterdach \u00fcber uns f\u00e4llt sp\u00e4rliches Licht, H\u00f6rnchen flitzen durch das Ge\u00e4st. Ceesay stoppt, geht zwei Schritte zur\u00fcck und sagt: &#8222;An osprey!&#8220; und deutet auf irgendeine Astgabel. Es dauert ein Weilchen, ehe wir die Silhouette des Fischadlers im Gegenlicht erkennen.<br \/>\nEinen Lizard Buzzard k\u00f6nnen wir beim Fang einer Echse beobachten, nachdem wir ihn eine Weile statuesk in einem hohlen Palmstamm haben hocken sehe. Aus Unterst\u00e4nden heraus kann man auf Affen plieren, \u00fcber allem schweben Geier und Weihen in der Thermik. Zum Schluss schr\u00e4g \u00fcber uns eine Reihe d\u00fcnner, pelziger Lianen: auf einem dicken Ast laust sich eine Red Colobusfamilie und l\u00e4sst die schnurgeraden Schw\u00e4nze in die einsetzende Mittagshitze baumeln.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"image167\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-content\/abuko-colobus2.JPG?resize=527%2C394\" alt=\"abuko-colobus2.JPG\" width=\"527\" height=\"394\"  data-recalc-dims=\"1\"><\/p>\n<p>Das k\u00f6nnen wir gut nachvollziehen &#8211; wir w\u00fcrden jetzt gern in der H\u00e4ngematte baumeln oder die Beine ins Wasser h\u00e4ngen. Die Aussicht auf ein k\u00fchles Getr\u00e4nk l\u00e4sst uns aufbrechen, der R\u00fcckweg zu den Schiffen ist schlie\u00dflich hei\u00df und staubig und ausreichend weit. Ceesay haben wir f\u00fcrstlich entlohnt, er strahlt jedenfalls am Schluss. Ich auch &#8211; der Spaziergang hat mir sehr gefallen. T.i.A. That is Africa. Auch.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lamin, 15.4. 2008 Ceesay, der zweite. Professional Birdwatcher, so sagt es der handgeschriebene &#8222;Visitenzettel&#8220;\u009d, den er mir zum Schluss zusteckt. Mit Ceesay hatten wir einen sch\u00f6nen Vormittag, die Schweizer, die Holl\u00e4nder und ich. Der Eigner bleibt derweilen an Bord und &hellip; <a href=\"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2008\/04\/16\/ceesay-karamba\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":"","jetpack_publicize_message":""},"categories":[1],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9lYZL-2F","jetpack_likes_enabled":true,"jetpack-related-posts":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/165"}],"collection":[{"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=165"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/165\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6094,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/165\/revisions\/6094"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=165"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=165"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=165"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}