{"id":1738,"date":"2012-08-14T13:02:00","date_gmt":"2012-08-14T01:02:00","guid":{"rendered":"http:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2012\/08\/14\/keil-hans-keil\/"},"modified":"2012-08-14T17:24:42","modified_gmt":"2012-08-14T05:24:42","slug":"keil-hans-keil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2012\/08\/14\/keil-hans-keil\/","title":{"rendered":"Keil. Hans Keil!"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: justify;\">\n<p>Matautu Bay, Savaii\/Samoa, 14.8.2012<\/p>\n<p>Handschlag, knapper Diener: &#8222;Keil!\u20ac\u009d sagt der Mann, &#8222;Hans Keil!\u20ac\u009d<br \/>\nWir gucken in ein irgendwie samoanisches Gesicht, aber wir m\u00fcssen ein  bisschen nach oben gucken: lang aufgeschossen, hager ist Hans Keil &#8211; und  so wie das Gesicht irgendwie samoanisch ist, ist die Geamterscheinung  &#8222;irgendwie\u20ac\u009d unsamoanisch.  &#8222;Hans-Joachim\u20ac\u00a6 \u20ac\u009d setzt er noch dazu, und  schon sind wir auf der Reise in die Vergangenheit. Sein Gro\u00dfvater war  Hans-Joachim Keil, und der war in den sp\u00e4ten 1890ern auf einer  Offiziersschule in Hannover. Und dann wohl mit Kaisers Armee in Samoa  gelandet. Heute stehen wir mit Hans Keil im &#8222;German Courthouse\u20ac\u009d, dem  deutschen Gerichtsgeb\u00e4ude an der Beach Road in Apia und schwatzen \u00fcber  Kaisers Zeiten, Deutsche in Samoa, damals und heute, die bedingungslose  Kapitulation zu Kriegsbeginn 1914. Und nat\u00fcrlich \u00fcber den &#8222;German  Courthouse Trust\u20ac\u009d.  Eine kleine Gruppe von Samoanern und Deutschen  m\u00f6chten gern dieses alte Holzgeb\u00e4ude erhalten, das grau-wei\u00df an der  Strandstra\u00dfe Apias steht, gleich neben der Polizei, und es ist eines der  wenigen, das noch ein bisschen geschichtstr\u00e4chtig in Apia vor sich hin  gammelt. Wenn man sich das sch\u00f6ne Stevenson-Museum anschaut, dann w\u00e4re  das bestimmt eine Attraktion f\u00fcr die kleine Stadt, und die Pl\u00e4ne sind  vielf\u00e4ltig bis gro\u00df: Kulturzentrum, &#8222;fine dining&#8220;, Caf\u00e9 (das fehlt am Stevenson!), B\u00fcros.  Shops und Galerie d\u00fcrfen nicht fehlen\u20ac\u00a6  Fragt sich nur: wer soll die  Restaurierung bezahlen?! Das Land Samoa hat mit Sicherheit nicht das  Geld daf\u00fcr. Die Rettung solcher Geb\u00e4ude geht sicherlich \u00fcber ein paar  Leichen &#8211; wirtschaftliche Interessen vornehmlich: das sch\u00f6ne alte Haus diente bis  Anfang der 2000er tats\u00e4chlich noch als Gerichtsgeb\u00e4ude bis man in einen  Beton-Prachtbau auf die Halbinsel hinaus zog &#8211; und dann geriet es in die  Finger des Ministeriums f\u00fcr Finanzen und Ums\u00e4tze.  Nomen est omen. Und  die Konstellation &#8222;Beach Road\u20ac\u009d, gro\u00dfes Grundst\u00fcck mit einem deutlich  alternden Geb\u00e4ude &#8211; damit lie\u00dfe sich Umsatz machen!  Marke: &#8222;\u20ac\u00a6verkaufen  wir\u20ac\u2122s an die Chinesen, die setzen da einen schicken Betonturm hin!\u20ac\u009d  Es  w\u00e4re schade drum, also kakeln wir eine Weile mit Hans, dem Kopf des  Trusts, und dem deutschen Honorarkonsul, der sich ebenso f\u00fcr das Projekt  einsetzt.  F\u00fcr ein paar Tage gab es eine kleine Ausstellung im alten  Gerichtssaal, der die Historie und die (architektionischen)  Zukunftspl\u00e4ne f\u00fcr &#8222;The German Courthouse\u20ac\u009d darstellt, aber in  wirtschaftlich schweren Zeiten, f\u00fcrchten wir, wird das Ministerium f\u00fcr  Ums\u00e4tze am l\u00e4ngeren Hebel sitzen.<br \/>\nEs kann ja nicht anders sein, als dass uns Hans Keil dann noch diverse  Ziele in Apia aufz\u00e4hlt, die wir unbedingt noch aufsuchen m\u00fcssen &#8211; die  meisten hatten wir zu seiner Begeisterung schon inhaliert. Friedhof,  German Memorial und so fort. Was leider nicht mehr passierte, war ein  Besuch bei den Kruses. Die Kruses entstammen dem legend\u00e4ren Fritz Kruse,  einem Lotsensohn von der Insel Fehmarn, der als einziges  Familienmitglied einen schweren Sturm \u00fcberlebte, sich dann als  Schiffsjunge verdingte und in Samoa h\u00e4ngenblieb. Nicht nur der Friedhof  verzeichnet zahlreiche Kruses &#8211; Adele Kruse leitet heute noch ein (recht  modern-n\u00fcchtern ausschauendes) Hotel, aber bis auf den Namen ist da  nicht viel Deutsches geblieben &#8211; Andreas\u20ac\u2122 Wunsch nach einer  Schwarzw\u00e4lder Kirschtorte w\u00e4re jedenfalls nicht entsprochen worden;  daf\u00fcr aber sind die &#8222;Surf&amp;Turf\u20ac\u009d Nights ber\u00fchmt, Steak und Hummer,  und nat\u00fcrlich, unentbehrlich auf dem Wochenplan, ein &#8222;Fia Fia\u20ac\u009d mit  Buffet. Oka bis der Arzt kommt &#8211; das w\u00e4re ohnehin meine Wahl, der rohe  Fisch in Zitrone und Kokosmilch (ich k\u00f6nnte drin baden!).  Dennoch &#8211;  nicht nur &#8222;Adele Kruse\u20ac\u009d klingt deutsch, auch der Hotelname. Dreimal  d\u00fcrft Ihr raten\u20ac\u00a6  &#8222;\u20ac\u00a6oh, Insell F\u00f6hmorn\u20ac\u009d sagt der Taxifahrer\u20ac\u00a6<\/p>\n<p>Was noch?! Ach ja, der Gang zu Stevensons Grab stand ja noch aus, und  der fand planm\u00e4\u00dfig statt. Fast, fast, fast h\u00e4tten Louis und Fanny vom  Grab aus die AKKA sehen k\u00f6nnen, aber ein bisschen zugewachsen ist die  sch\u00f6ne Aussicht &#8211; wir h\u00e4tten 2, 3 Stege weiter au\u00dfen festmachen m\u00fcssen.   W\u00e4hrend unsere Sportskanonen von der MAHINA TIARE gemient hatten &#8222;\u20ac\u00a6 you  jump up the hill in 5 minutes\u20ac\u009d (haha!), hatte eines ihrer  Crewmitglieder berichtet, es sei ein &#8222;Todesmarsch von 30 Minuten\u20ac\u009d  gewesen, und dieser junge Kanadier war schon etwas n\u00e4her an der Wahrheit.  Ein schmaler, holperiger Weg immer f\u00fchrt bergauf &#8211; wir hatten die lange  Variante f\u00fcr den Anstieg gew\u00e4hlt, und das war schon steil genug. Selbst  bergab auf der &#8222;Direttissima\u20ac\u009d dauerte es noch 20 Minuten zur\u00fcck bis zum  Museum.  ; die Samoaner mit dem Sarg hatten damals fast den ganzen Tag  gebraucht, insofern waren wir schnell. Wir hatten allerdings au\u00dfer der  Trinkflasche auch nichts zu schleppen.<\/p>\n<p>Und dann noch Einkaufen (f\u00fcr das angeblich sauteure Wallis), Stoffe  shoppen &#8211; ich kann einfach nicht die Finger davon lassen! &#8211; auschecken,  die ganze Litanei: Immigration (immer wieder wunderbar inmitten eines  Haufens einheimischer Passbeantrager zu sitzen und zu scherzen), Zoll,  Hafenbeh\u00f6rde. Dieses Mal mit der besonderen Ma\u00dfgabe, dass wir zwar Apia  verlassen, nicht aber Samoa: F\u00fcr die Insel Savaii, die fest in der Hand  autonomer Matais ist, ben\u00f6tigt man zun\u00e4chst eine sehr einfach zu  bekommenden Sondergenehmigung. Dazu radelt die Schipperin zu Lolo, die  mit ihre ganzen, sympathischen samoanischen F\u00fclle  im 5. Stock des  Government Buildings residiert. Ich war zun\u00e4chst etwas irritiert, denn  diese Etage ist dem B\u00fcro des Premierministers vorbehalten &#8211; bis eben auf  ein kleines B\u00fcro, dass sich mit Einwanderungsbelangen besch\u00e4ftigt und  damit auch Lolo beherbergt. An der Wand 6 Blatt mit sachlichen  Informationen zu Vorgangs-Geb\u00fchren (Arbeitsvisa, Aufenthaltsgenehmigung,  in dieser Art) umrahmt von einer Vielzahl gottesf\u00fcrchtiger Sinnspr\u00fcche.  Allein diese Sammlung war den Weg in den 5. Stock wert (es geht mit dem  Fahrstuhl, nat\u00fcrlich).  Lolo macht das sehr nett und sehr effektiv &#8211;  sie wei\u00df Bescheid, dass Segler nicht sagen k\u00f6nnen, wann genau sie  abfahren: &#8222;\u20ac\u00a6 weather allowing\u20ac\u00a6\u20ac\u009d sagt sie. Stimmt. Ich kann mich an  solchen Vorg\u00e4ngen immer freuen &#8211; es sitzen ja auch noch ein paar andere  Leute da, man tauscht aus, warum man hier sitzt, man witzelt hin und her  und kriegt noch 20 gute W\u00fcnsche auf den Weg, wenn man fertig ist. Ich  mag\u20ac\u2122s.<\/p>\n<p>Die Immigration braucht mit dieser Konstellation nat\u00fcrlich etwas  l\u00e4nger, als wenn man einfach das Land verl\u00e4sst, aber auch das ist in 30  Minuten geschafft*. Beim Hafenkapit\u00e4n wird\u20ac\u2122s dann lustig &#8211; unser  Abrechner z\u00e4hlt die Tage: &#8222;one, two, three, four, five, six, seven,  eight, ten\u20ac\u009d. Diese Z\u00e4hlweise hatten wir 3mal hintereinander und kamen  entsprechend auf 31 Tage Aufenthalt &#8211; wir haben dann mit Fingern und  Kalenderhilfe nachgez\u00e4hlt und so lange rumgelacht, dass wir im Endeffekt  einen Tag weniger bezahlt haben als notwendig. Was sich am Sonntag  herausstellte &#8211; unsere Abfahrt war einen Tag vorverlegt worden, richtig  gez\u00e4hlt! Um den Fehler zu korrigieren komme ich nebenbei noch einmal in  den Genuss eine samoanische Brotzzeitt\u00fcte zu begutachten: der  Port-Authority-Mann, der am Gate in den Handelshafen f\u00fcr &#8222;schwierige  F\u00e4lle\u20ac\u009d bestimmt wurde, kommt gerade mit dem Taxi vorgefahren, noch wei\u00df  gekleidet, also frisch aus der Kirche. Und hat in der Hand\u20ac\u00a6 Das Essen  f\u00fcr eine ganze Familie?! Nein, sein Lunchpaket, sagt er. Sandwich?!\u00a0 Das reicht wohl nicht:\u00a0 Ein ganzes Wei\u00dfbrot,  Fr\u00fcchte, eine gro\u00dfe Schale mit irgendwas\u20ac\u00a6  Es l\u00e4sst sich aber auch  schwer auf den Stuhl fallen und schleudert die plattgetretenen Flipflops  von den F\u00fc\u00dfen. Von n\u00fcscht kommt n\u00fcscht, ich werde es mir merken.  Immerhin telefoniert er mit seinem Vorgesetzten (bestimmt in der  Kirche!) und richtet uns aus, dass am Montag um 8 jemand zum Kassieren  kommt. Prima!<br \/>\nDer Rechenfehler ging \u00fcbrigens &#8222;auf\u20ac\u2122s Haus\u20ac\u009d, wie sich herausstellen sollte.<br \/>\nDann noch Ablegen, kurzes Winken in die Runde, 45 Meilen nach West-Nordwest &#8211; und schon sind wir hier.<br \/>\nSavaii. Die &#8222;richtig samoanische\u20ac\u009d Insel. Wir sind gespannt.<\/p>\n<p>\u20ac\u201d-<\/p>\n<p>Kleine Sachinformation:<br \/>\nImmigration ist im Geb\u00e4ude neben dem Kino in der Stadt. Man zieht eine  Nummer, erbittet eine Departure Card, die man schon mal ausf\u00fcllt. P\u00e4sse  mit Departure Cards bei Aufruf abgeben, muss ggf. die Genehmigung f\u00fcr  Savaii vorlegen, man erh\u00e4lt 3 weitere Formulare zum Ausf\u00fcllen; nochmals  kurz anstehen, danach werden die P\u00e4sse gestempelt. Fertig.<br \/>\nZoll &#8211; einfacher Vorgang, zwischen Marina und Hafenbeh\u00f6rde hinter der Einfahrt ins Handelshafengel\u00e4nde<br \/>\nMarina &#8211; im Ports Authorities Geb\u00e4ude. Claire ist &#8222;klasse\u20ac\u009d<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matautu Bay, Savaii\/Samoa, 14.8.2012 Handschlag, knapper Diener: &#8222;Keil!\u20ac\u009d sagt der Mann, &#8222;Hans Keil!\u20ac\u009d Wir gucken in ein irgendwie samoanisches Gesicht, aber wir m\u00fcssen ein bisschen nach oben gucken: lang aufgeschossen, hager ist Hans Keil &#8211; und so wie das Gesicht &hellip; <a href=\"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2012\/08\/14\/keil-hans-keil\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":"","jetpack_publicize_message":""},"categories":[1],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9lYZL-s2","jetpack_likes_enabled":true,"jetpack-related-posts":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1738"}],"collection":[{"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1738"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1738\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1739,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1738\/revisions\/1739"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1738"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1738"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1738"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}