{"id":182,"date":"2008-05-20T15:08:41","date_gmt":"2008-05-20T13:08:41","guid":{"rendered":"http:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/?p=182"},"modified":"2008-05-27T13:48:31","modified_gmt":"2008-05-27T11:48:31","slug":"brasiliansicher-alltag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2008\/05\/20\/brasiliansicher-alltag\/","title":{"rendered":"Brasilianischer Alltag"},"content":{"rendered":"<p>Jacar\u00e9, 20.5.2008<\/p>\n<p>Huch! Christian! Dein Geburtstag! Viele herzliche Gl\u00fcckw\u00fcnsche, viel Erfolg und Spa\u00df beim B\u00fccherrestaurieren!<\/p>\n<p>Einklariert ist!<\/p>\n<p>Gestern fr\u00fch ging um 10:27 brasilianischer Maybe-Time der Vorortzug nach Cabedelo &#8211; die Versp\u00e4tung erw\u00e4hnen wir einfach gar nicht . Jacar\u00e9 liegt als eher \u00e4rmliches D\u00f6rfchen zwischen der aus nicht allzu gro\u00dfer Entfernung gr\u00fc\u00dfenden, ziemlich synthetischen Skyline von Joao Pessoa &#8211; immerhin 600.000 Einwohner! &#8211;  und eben Cabedelo, der Kleinstadt an der M\u00fcndung des Rio Paraiba.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"joao-pessoa_1_1.JPG\" id=\"image190\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-content\/joao-pessoa_1_1.JPG?w=584\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/p>\n<p>Nur zwei Haltestellen und dann  ist Endstation. Man l\u00e4sst sich mit dem Strom der Einheimischen treiben, der nicht ganz representative Weg geht durch Abbruchgel\u00e4nde und schmale Marktgassen &#8211; Fisch und Huhn schicken olfaktorische Gr\u00fc\u00dfe &#8211; Richtung Hafen. Ein bisschen rumfragen; hier geh\u00f6rt es zur H\u00f6flichkeit, eine ersch\u00f6pfende Auskunft zu geben, egal welche, ob richtig oder falsch, Hauptsache man wird seinen Wortschwall los, auch wenn das fragende Gegen\u00fcber signalisiert, dass es nicht allzu viel versteht und H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe vorziehen w\u00fcrde&#8230; Ersch\u00f6pfend, diese Art der Ausk\u00fcnfte! Wir zacken ein bisschen die Hafenstra\u00dfe entlang, die Frage nach der Policia Federal f\u00fchrt aufs Steueramt (immerhin &#8222;federal&#8220;), aber dann kriegen Janna und ich den Hinweis auf die &#8222;Igreja&#8220; am Ende der Stra\u00dfe und f\u00fcr Len und Andreas z\u00fcckt ein Uniformierter einer nicht zu identifizierenden Organisation (kurze Hose, T-Shirt, alles  blau und rot und schwarzes Nylon, klimatisiertes B\u00fcro?  Geheimdienst??) sein Mobiltelefon und ruft schon mal die Policia an, denn nicht unbedingt ist jemand dort im B\u00fcro (d\u00e9j\u00e0 vue, in Fernando de Noronha!), eigentlich nur, wenn ein Cargoschiff angekommen ist; und Cabedelo hatte sich schon in der Vorbeifahrt als sehr verschlafen dargestellt. Aber siehe da, positiver Quittungston, man erwartet uns. Wirklich SEHR nette Leute, die Brasilianer, auch wenn das mit dem Wortschwall&#8230; Siehe oben. Und dann geht alles sehr schnell, niemand zuckt wirklich, weil wir nun doch schon in Fernando de Noronha waren, und um kurz nach Lunchtime-Beginn sind wir schon mit Station zwei, dem Zoll durch, auch wenn der Z\u00f6llner nicht gl\u00fccklich schaut &#8211; zwei Boote auf einmal&#8230; Kurz danach sitzen wir schon mit einem guten Teil der arbeitenden Hafenbev\u00f6lkerung in einer Soparia und kriegen Salat und Fisch und Fleisch auf die Teller geh\u00e4uft. Zum Kilopreis, wie gehabt, und der wird sich dann pro Nase auf unter 10 Reais belaufen &#8211; gut 2 Euro. Am besten gef\u00e4llt mir die Ananas, die stets zwischen den Salaten hockt und die man trefflich mit Salz und Pfeffer bestreut verspeisen kann. Die M\u00e4nner erfreuen sich derweil fleischlicher Gen\u00fcsse &#8211; eher z\u00e4hes Rind, geschmorte Gefl\u00fcgelherzen, zartes Irgendwas &#8222;Kassler Art&#8220;, noch zarteres Huhn und dazu die ganzen brasilianischen H\u00fchner, die an den Tischen hocken ;)&#8230; Wobei das M\u00e4rchen vom Frauenwunder in Brasilien wohl eher \u00fcbertrieben ist; alles doch eher Standard, es gibt auch reichlich &#8222;www.pfundsweib.br&#8220; &#8211; nur fallen einem die Sch\u00f6nheiten besonders auf, vielleicht weil die Bekleidung insgesamt und klimatisch bedingt doch eher knapp ausf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Wohl gef\u00fcllt streifen wir auf dem Weg  zur letzten Station, Capitanerie, noch eine Apotheke, stellen uns tapfer allesamt (nacheinander nat\u00fcrlich!) auf die Waage, zufriedene Gesichter allenthalben, denn die Kilorestaurantbesuche haben noch keine Spuren hinterlassen, im Gegenteil. Segeln scheint gesund zu sein, nur mein Eigner mault ein bisschen und fummelt an seinem G\u00fcrtel rum, weil der mal wieder ein paar L\u00f6cher mehr brauchen w\u00fcrde, nach innen. Der Arme ;)!<br \/>\nAuch die Capitanerie ist schnell erledigt, ein bisschen Fernando-Mucken gibt es dann doch noch, zumindest eine kleine Bemerkung, dass das nicht ganz in Ordnung ist, aber nicht wirklich ein Problem. Wir sind Brasilianer auf Zeit &#8211; 90 Tage. Und dann noch einmal 90 Tage  &#8211; aber nicht weitersagen! Man muss am Tag, an dem das Visum ausl\u00e4uft, verl\u00e4ngern, um eine Strafgeb\u00fchr zu umgehen; wer vorher bekannt gibt, dass er l\u00e4nger bleiben will, hat die Vorab-Visumpflicht umgangen, und das kostet. Pro Tag! Also fl\u00f6ten  wir leise vor uns hin und wissen noch nicht, dass wir in 3 Monaten immer noch in Brasilien sind. Visa sind f\u00fcr Transatlantiksegler allerdings rein terminlich kaum machbar, weil man sie  im Heimatland beantragen und danach die brasilianische Grenze innerhalb 90 Tagen erreichen muss. \u00dcbrigens ist der Maximalaufenthalt hier 180 Tage pro Kalenderjahr, will sagen: sollten wir l\u00e4nger hier bleiben wollen, m\u00fcssen wir im November\/Dezember f\u00fcr 5 Wochen au\u00dfer Landes, danach bricht das neue Jahr an und die n\u00e4chste 180 Tage-Periode. Aber dann w\u00e4re wohl endg\u00fcltig &#8222;Schicht&#8220;. Nur die AKKA, die darf einfach 2 Jahre bleiben&#8230; . Spielregeln, Spielregeln&#8230;<\/p>\n<p>R\u00fcckfahrt mit dem Vorortzug, wir schl\u00e4ngeln uns \u00fcber den Markt zur\u00fcck zum Bahnhof. Und shoppen erst einmal Fr\u00fcchte &#8211; Ananas, Melonen, Orangen, Maracuja, verschiedene Mangosorten &#8211; das wird ein Fr\u00fchst\u00fccksfest! Die Jackfruit und andere Experimentelassen wir f\u00fcr den n\u00e4chsten Marktbesuch liegen. Es ist ein fruchtiges Schlaraffenland hier!<\/p>\n<p>Schwer bebeutelt gelangen wir zum Bahnhof, wo auf der Stra\u00dfe schon Massen an Mitfahrern sitzen, auf einem Stuhl eine ziemlich frisch gebackene Mutter mit S\u00e4ugling &#8211; wir tippen mal auf eine knappe Woche.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image184\" alt=\"bahnhof.jpg\" src=\"https:\/\/i2.wp.com\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-content\/bahnhof.jpg?w=584\" data-recalc-dims=\"1\" \/><br \/>\nIm Zug ist dann irgendwas los &#8211; es wird getrunken und musiziert und getanzt. Fahrt zum Fu\u00dfballspiel? Kindergeburtstag? Junggesellenabschied? Who knows, wir fragen lieber nicht, wegen des Wortschwalles, obwohl der nicht zu umgehen ist, denn wir wiederum werden ja auch neugierig angesprochen, woher &#8211; wohin &#8211; warum. Bleibender Eindruck dieser Fahrt &#8211; schlie\u00dflich hockt man auf der Bank und guckt auch mal auf den  Boden &#8211; : Alle &#8211; ALLE! &#8211; haben Flipflops an. Die paar anderen Schuhe kann man an einer Hand abz\u00e4hlen. Flipflops in Silber und in Gold, mit und ohne Abs\u00e4tze, mit Bl\u00fcmchen, Schnallen, Zusatz-Riemchen, dezent oder knallig, pfuschneue B\u00fcro-Exemplare oder abgelatschte Treter. Scheint ein sehr praktisches Schuhwerk zu sein, und vielleicht w\u00fcrde sich der gemeine deutsche Orthop\u00e4de auch freuen ;). Mal gucken, wann weitere Flipflops auf der AKKA Einzug halten- ich wei\u00df ja schon dass ich meine bei GLOBETROTTER erworbenen liebe&#8230;<br \/>\nWir lassen unseren Aufenthalt jetzt langsam angehen &#8211; wir m\u00fcssen ein bisschen &#8222;Schiff&#8220; machen, dann die Ausr\u00fcstung f\u00fcr tropisch-feucht vorbereiten, denn hier schimmelt es alles schon sch\u00f6n&#8230; Und dann haben uns Traudl und Jochen von der Bluesong beim Fondue (boah! Lecker. Traudls Mayonnaisen. Da legst di nieder!) einen kleinen Floh ins Ohr gesetzt &#8211; die fahren n\u00e4mlich nach Peru. Mit dem Schiff, aber nicht mit der Bluesong, die wartet hier&#8230; Most tempting idea. Wobei die Idee, vielleicht doch noch nach Uruguay und Argentinien zu gehen, auch soo schlecht nicht ist, aber schlecht getimet. Im Sommer geht man nach S\u00fcden, nicht im Winter.  Mal schau&#8217;n. Erst mal Informationen sammeln &#8211; und den Alltag genie\u00dfen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jacar\u00e9, 20.5.2008 Huch! Christian! Dein Geburtstag! Viele herzliche Gl\u00fcckw\u00fcnsche, viel Erfolg und Spa\u00df beim B\u00fccherrestaurieren! Einklariert ist! Gestern fr\u00fch ging um 10:27 brasilianischer Maybe-Time der Vorortzug nach Cabedelo &#8211; die Versp\u00e4tung erw\u00e4hnen wir einfach gar nicht . 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