{"id":21,"date":"2007-02-13T17:00:54","date_gmt":"2007-02-13T16:00:54","guid":{"rendered":"http:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/?p=21"},"modified":"2009-06-28T22:50:20","modified_gmt":"2009-06-28T20:50:20","slug":"wunderbar-wunderlich-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2007\/02\/13\/wunderbar-wunderlich-2\/","title":{"rendered":"Wunderbar. Wunderlich."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Harburg<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Freitag stiess ich zuf\u00e4llig darauf, dass am Wochenende auf dem Werftgel\u00e4nde ein Astronomie-Seminar stattfinden sollte &#8211; ein Bereich der Naturbeobachtung, der mir bislang immer verschlossen geblieben war. Der Blick in die Sterne, rein optisch, ist mir sp\u00e4testens seit den langen N\u00e4chten der Atlantik\u00fcberquerung besonders lieb, aber von Orientierung konnte bislang keine Rede sein, also h\u00e4ngen wir uns an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir lernen gleich, wie man mit einer Sternenscheibe umgeht, wie man Sternenauf- und -unterg\u00e4nge ermittelt; Kulmination, Fr\u00fchlingspunkt, Ekliptik &#8211; die alten Bekannten aus der Astronavigation kommen zu neuen Ehren.<br \/>\nAm Abend gibt es einen Ausflug in den Hamburger Stadtpark, wo wir die gerade stattfindende Saturnopposition beobachten wollen, k\u00fchl kalkuliert, nach Sternenscheibe und Uhr, k\u00fchl auch nach dem Thermometer; nur leider h\u00e4lt sich der Himmel v\u00f6llig bedeckt. Aber wir lernten ja auch, dass wir diese Konstellation noch l\u00e4nger sehen k\u00f6nnen und hoffen so auf bessere Beobachtungsbedingungen in den kommenden Tagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Nachmittag war ichbei einigen Stichworten\u00a0 schon die ersten Male ein bisschen zusammengezuckt: Es ist zwar toll zu sehen, welchen Status die Astronomie historisch oder kulturhistorisch hatte; schlie\u00dflich waren die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten des Himmels bis in die j\u00fcngste Zeit einziger Fixpunkt f\u00fcr die Menschen, bis halt Uhren und nicht zuletzt die alles \u00fcberstrahlende k\u00fcnstliche Beleuchtung diesen Bezugspunkt relativierte. Aber die immer wiederkehrenden Ankl\u00e4nge an Magie, an F\u00fcgung, kurz: an die Astrologie bereiten mir doch Unwohlsein. Ich habe zwar schon mal Gustav Holsts &#8222;Die Planeten&#8220; geh\u00f6rt, aber als Untermalung zu einer &#8211; sehr eindrucksvollen &#8211; Computersimulation der Umlaufbahn des Saturn beschleicht mich doch leiser Zweifel. Das ist mir zu mystisch. Gl\u00fccklicherweise fragt am Ende des ersten Abends ein teilnehmender Mathematiker, ob denn die Sonne ein Fixstern sei. Ich bl\u00f6ke sofort: &#8222;&#8230; nat\u00fcrlich!&#8220; Der Seminarleiter: &#8222;&#8230;NEIIIIIIN!&#8220;. Nach ein paar Ja\/Nein-Fragen einigen uns darauf, dass beide Seiten Recht haben. Aus astronomischer oder astronavigatorischer Sicht mag die Sonne kein Fixstern sein, wohl aber aus kosmologischer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch am zweiten Tag schwingen astrologische Zusammenh\u00e4nge immer wieder mit. Selbst wenn diese Assoziationen nicht unbedingt gewollt sein m\u00f6gen, ergeben sie sich zwangsl\u00e4ufig aus den historischen Bez\u00fcgen &#8211; Kriegsherren, P\u00e4pste, Entdecker, alle hatten sie einen Astrologen zur Seite. Dann allerdings verbinden wir die Zeitpunkte von Venuskonjunktionen ud bei der zweiten Gerade schwant mir, dass wir dabei sind, ein Pentagramm zu konstruieren. Das ist nun ebenso interessant wie gespenstisch, denn die zeitlich und r\u00e4umlich weite Verbreitung von Pentagrammen als magische Zeichen deutet in vielen Kulturen weltweit auf fr\u00fchzeitige und tiefgreifende Kenntnisse der Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten, mit denen Sterne und Planeten erscheinen. Aber selbst die Einspielung von Goethes Faust taugt mir nicht als Beleg f\u00fcr die Wirksamkeit eines Drudenfu?es&#8230; Zumal Pudel ja als \u00e4u\u00dferst intelligent gelten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir drehen noch einen Schwenk \u00fcber die Keplerschen Gesetze &#8211; ich sehe den Stern der Aufkl\u00e4rung wieder leuchten! &#8211; und dann ist unser astronomisches Wochenende vor\u00fcber. F\u00fcr mich hat es sich gelohnt, es gibt mir zu denken. Es ist wahr: astronomische Kenntnisse sind weitgehend vergessen, und das ist ein Verlust, denn zu dieser Art von Naturbeobachtung hat jeder st\u00e4ndigen Zugang. Ich werde versuchen, mich fortan h\u00e4ufiger am Himmel zu umzuschauen und zu identifizieren, was ich sehe. Vorausgesetzt, der Himmel erlaubt mir den Einblick. Und ich hege nun eine noch tiefere Bewunderung f\u00fcr die vielen Menschen, die schon in Fr\u00fchzeit und Altertum, auch ohne unsere vielf?ltigen technischen Hilfsmittel, die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten des Sonnensystemes und der Sterne erkannt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um meine eigenen Kenntnisse zu erweitern, habe ich mich allerdings eines Idols besonnen, das mich schon zu Zeiten meines Jobs durch schlaflose N\u00e4chte begleitet hat: Statt an den Himmel zu schauen habe ich damals h\u00e4ufig ins TV geguckt und Harald Lesch zugeh\u00f6rt. Also steht demn\u00e4chst in unserer Schiffsbibliothek &#8222;Kosmologie f\u00fcr Fu\u00dfg\u00e4nger&#8220;. Auch Lesch verlangt naturphilosophische Sichtweisen, aber er ist Astrophysiker. Sonnenklar und wunderbar ist mir lieber als nebul\u00f6s und wunderlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Harburg Am Freitag stiess ich zuf\u00e4llig darauf, dass am Wochenende auf dem Werftgel\u00e4nde ein Astronomie-Seminar stattfinden sollte &#8211; ein Bereich der Naturbeobachtung, der mir bislang immer verschlossen geblieben war. 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