{"id":3131,"date":"2014-09-08T05:56:02","date_gmt":"2014-09-08T05:56:02","guid":{"rendered":"http:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/?p=3131"},"modified":"2014-09-09T14:55:08","modified_gmt":"2014-09-09T07:55:08","slug":"manuk-das-huhn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2014\/09\/08\/manuk-das-huhn\/","title":{"rendered":"Manuk. Das Huhn"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In der N\u00e4he von Teluk Ginggo\/Rinja, 8.9.2014<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Wasser gurgelt unglaublich! Wie in der &#8222;Bay of Islands&#8220; in Fijis Lau-Gruppe. Vollmond naht, es str\u00f6mt schon wie Ochse, und die Flut klatscht unter die ausgeh\u00f6hlten Korallen am Ufer &#8211; ein unaufh\u00f6rliches Geschw\u00e4tze und Geschmatze.<br \/>\nWir liegen hier allein &#8211; die gro\u00dfe Bucht auf der Westseite der Insel Rinja ist in viele, einzelne Buchteinschnitte geliedert &#8211; h\u00e4tten wir weniger Tiefgang, h\u00e4tten wir auch noch weiter hinein fahren k\u00f6nnen. Gestern haben wir uns von der Ranger Station in Lehok Buaya hierher verholt: &#8222;die paar Meilen&#8220;, 14 genauer gesagt, h\u00e4tten auch wieder ganz sch\u00f6n lang dauern k\u00f6nnen, h\u00e4tten wir nicht mit dem Gl\u00fcck der Dummen die richtige Tide getroffen &#8211; hier drinnen schw\u00e4tzt und schmatzt es, drau\u00dfen schwurbelt ein gewaltigen Tidenstrom, der uns mit 7-8 Knoten, in Spitzen \u00fcber 9, nach S\u00fcden dr\u00fcckte. Die entstehenden &#8222;races&#8220;, zu deutsch: Kabbelungen, sind immer ein gewaltiger Anblick, und von der Bootsgeschwindigkeit konnte man auf bis zu 5 Knoten Strom schlie\u00dfen. \u00c4u\u00dferst m\u00fchsam, wenn man es nicht erwischt! Der Witz ist, dass es hei\u00dft, man solle auf den Strom achten, aber niemand kann wirklich genau sagen, in welcher Richtung der Strom wann setzt. Wir jedenfalls waren ges tern mitten im Ebbstrom, und der setzte zwischen Rinja und Padar nach S\u00fcden. Punkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abgesehen vom Gurgeln ist es in dieser Bucht wunderbar ruhig &#8211; eigentlich der erste der indonesischen Ankerpl\u00e4tze, wo man eine ganze Nacht lang keinen Au\u00dfenborder von Fischerbooten h\u00f6rte, kein Licht war zu sehen au\u00dfer dem Mond. Gestern nachmittag kam mal ein Fischer vorbei, der auch noch &#8222;excuse me!&#8220; rief &#8211; eigentlich w\u00e4re wir es ja wohl, die sich f\u00fcr die Anwesenheit in seinen Fischgr\u00fcnden entschuldigen m\u00fcssten. Oder war es ein Wilderer? Wir sind hier n\u00e4mlich im Komodo National Park und seine jungen Begleiter sahen ein bisschen &#8222;huuh&#8220; aus&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Gesch\u00e4fte in Labuan Bajo hatten wir zum Freitag abgewickelt. Die Visa-Sache war schnell erledigt, ein bisschen umst\u00e4ndlich vielleicht &#8211; wir wurden am Donnerstag eigens ins &#8222;Kantor Imigrasi&#8220; einberufen, damit wir Quittungen f\u00fcr die eingelieferten P\u00e4sse bek\u00e4men, was man am Vortag vers\u00e4umt hatte und nun auch gleich wieder verga\u00df, weil irgendetwas anderes zu bereden war. Aber Freitagfr\u00fch ging alles rasch &#8211; Ivan holt uns mit dem Motorkanu ab, hopp! auf die Ojeks, zack! ins B\u00fcro, bezahlen (355.000 Rp. pro Nase), kurze Wartezeit mit Unterhaltung durch 3 Volunteers aus Polen und England, die in gleicher Sache vorstellig waren. Nach einer Weile wird Andreas in den &#8222;Behandlungsraum&#8220; gerufen, es schallt lautes Gel\u00e4chter und Gequatsche. Dann ich &#8211; Mann, Mann, biometrische Fotos, da mag man (siehe Australien) gar nicht hingucken, aber wenigstens gab es keinen Ausdruck. Fingerabdr\u00fccke waren dagegen lustig, sie wirken ja auch nicht entstellend, und ich konnte die Deutsch stunde, die Andreas offensichtlich angefangen hatte, durch Abfragen der neuen Vokabeln weiterf\u00fchren: &#8222;THUMB &#8211; DAU-MEN!&#8220; &#8222;SA-MEN!?&#8220; &#8222;Nein: DAU-MEN!&#8220; &#8222;Ah, DA-MEN!&#8220; &#8222;No, that&#8217;s something different again&#8230;&#8220;. Als ich fertig bin, hat Andreas schon ein H\u00e4ndchen auf ein Papier gemalt und ein Merkblatt gefertigt: &#8222;DAUMEN, ZEIGEFINGER, MITTELFINGER&#8230;&#8220; H\u00e4ngt jetzt in Labuan Bajo an der Wand. Zum Abschluss noch einmal mit dem neuen Visastempel zur Kopierbude an der Stra\u00dfenecke (wirklich: das Verfahren wie in Griechenland anno 80!) und dann das Ende vom Lied: wir haben Visa bis Anfang November. Prima und nicht mal so zeitaufw\u00e4ndig wie die Vorwarnungen von Lop To und Forty-Two lauteten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die oben angef\u00fchrten Sprach\u00fcbungen sind aber nicht die einzigen dieser Tage: ich stelle fest, dass ein Grundwortschatz in Bahasa Indonesia (gleich f\u00fcr Malaysia mit) nicht wirklich unn\u00fctz ware. Es gab n\u00e4mlich pl\u00f6tzlich kein Internet mehr, weil das Datenvolumen, das wir f\u00fcr einen Monat in Kupang erworben hatten, aufgebraucht war, nicht zuletzt wahrscheinlich weil wir in epischer Breite Google Earth-Bilder von den Ankerpl\u00e4tzen angeschaut und f\u00fcr die Verwendung in OpenCPN heruntergeladen haben &#8211; auch das \u00fcbrigens ein tagesf\u00fcllenden Gesch\u00e4ft mit den Nerven, bis frau es endlich kapiert hatte. Jedenfalls schickte Telkomsel, die indonesische Telefongesellschaft, nun \u00fcber die international \u00fcblichen &#8222;Versende 10 SMS und Du gewinnst ein Popkonzert-Ticket, wenn Du XYZ an 1234 sendest&#8220;-Meldungen (Inhalt geraten!) auch solche, in denen eindeutig steht, dass wir noch 0 MB \u00fcbrig haben. Was tun? Ich hatte es so verstanden, dass man mit dem bestehenden Verrag nicht einfach e inen neuen Monat beginnen kann, sondern auftoppen muss. Sprachh\u00fcrde 1: gehe zur Telkomselbude und verlange ein Top-Up f\u00fcr das Datenvolumen. Nix verstaan, dies- wie jenseits des Tresens (ein &#8222;Grapari&#8220;, das sind die Telkomsel-Flagships, oder einen gro\u00dfen Telkomselladen gibt es in Labuan Bajo nicht, nur die Kioske verkaufen &#8211; unter anderem, Betonung auf &#8222;unter&#8220;! &#8211; Telefonkram). Ich toppe das Telefon mit den in Kupang erworbenen Scratch-Cards auf, was gut funktioniert, und bestelle auf gut Gl\u00fcck das neue Datenvolumen. Sprachh\u00fcrde 2: Jetzt sagen die SMS, dass der Bestellprozess l\u00e4uft, aber nicht abgeschlossen ist. So ungef\u00e4hr jedenfalls &#8211; die Volunteers bei der Immigration sind des Bahasa schon ein bisschen besser m\u00e4chtig (und haben eine Bahasa-App. Neid!). Wie ich das &#8222;Ungef\u00e4hre&#8220; sch\u00e4tze! Sprachh\u00fcrde 3: neuer Anlauf f\u00fcr ein Volumen-Topup &#8211; nach einer jungen Frau, die mich fassungslos anguckt und ein paar Buden weiter die Stra\u00dfe hinunter verweist, finde ich einen jungen Mann, der etwas Englisch spri cht und der mir 500 MB verkauft f\u00fcr 20.000 Rp., umgerechnet 1,30 \u201a\u00ac. Prima. Internet l\u00e4uft. Eine kurze Weile zumindest, aber dann ist Schicht. Fummel, fummel, gro\u00dfes Rumraten, bis der Eigner vorschl\u00e4gt vielleicht doch mal die internationale Hotline anzurufen. Drei Anrufe &#8211; Hotlines! My favourite thing! &#8222;&#8230; es widerstreiten mehrere Datenvolumina auf Deinem Account!&#8220;, &#8222;&#8230; da stimmt was mit den Einstellungen am Telefon nicht, pr\u00fcfe mal APN-Name und Netzwerkeinstellungen!&#8220; &#8211; braucht es, bis wir am sp\u00e4ten Abend herausgefunden haben, dass wir uns bis zum n\u00e4chsten Tag (n\u00e4mlich \u00fcber den Ablauf des ersten Datenvolumens hinaus) warten sollen, und uns dann wieder melden. Das war dann nicht n\u00f6tig &#8211; als ich tags drauf mit der neuen SIM-Karte, die ich vorsichtshalber f\u00fcr den mobilen Router gekauft hatte, an Bord zur\u00fcckkehre, l\u00e4uft auch das Smartphone wieder. Es war wohl tats\u00e4chlich einfach die Tatsache, dass man das neue Volumen erst nutzen kann, wenn das Abo-Datum verstrichen ist. Immerhin: ich wei\u00df jetzt ein paar wichtige Worte &#8211; hari, der Tag; minggu, die Woche; bula, der Monat. Das Jahr wusste ich schon vorher, denn wir mussten schon zum Geburtstag gratulieren: selamat udang tahun! Tahunan &#8211; j\u00e4hrlich, bulayan &#8211; monatlich&#8230; und so fort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All das h\u00e4lt die AKKAnauten nat\u00fcrlich nur wenig bei Kr\u00e4ften &#8211; man muss auch einkaufen, und ein Hauptinteresse lag in der Beschaffung von Fleisch. Der Markt war olfaktorisch schon so auff\u00e4llig, dass wir lieber erst einmal die diversen kleinen Superm\u00e4rkte abklapperten. Chicken Nuggets scheinen hier recht beliebt &#8211; aber wenn ich mich an die Bilder, die man so auf Facebook sieht, erinnere (eine Nuggetmaschine, wo oben das ganze Huhn reingeht und unten eine rosa Paste rauskommt?!) sind mir klar erkennbare K\u00f6rperteile doch lieber. Bei &#8222;ROXY&#8220; gab es zumindest &#8222;H\u00fchnchenfl\u00fcgel scharf&#8220;, die wir ebenso testen wie je eine Dose Corned Beef und Corned Chicken. Ersteres: prima! Nachschub wird beschafft! Letzteres&#8230; gaah! Nicht nur, dass das Zeug aus der gleichen Maschine zu kommen scheint wie die Nuggetsmasse, nein, dieses Corned Beef hat nicht mal die in Mitteleuropa (und vor allem vom Eigner) als eklig empfundene Eigenschaft, in der Pfanne zu zerflie\u00dfen &#8211; es bleibt unge r\u00fchrt in der Pfanne liegen und widersteht jedem Versuch, ihm das extrem Mehlige auszutreiben und etwas Knuspriges draus zu machen. Ein Fall f\u00fcr die Tonne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am liebsten w\u00e4re mir ein ganzes Huhn. Auf dem Weg vom Kantor Imigrasi in die Stadt kommen wir zweimal an Schildern vorbei, die &#8222;Ada jual ayam pedaging&#8220; ank\u00fcndigen. Das klingt gut, aber was ist das f\u00fcr ein &#8222;ayam&#8220;, ein Huhn? Ein H\u00fchnergericht? H\u00fchnerfutter? Die Chinesin im ROXY kann Auskunft geben &#8211; sowohl was es ist, n\u00e4mlich ein Masthuhn, wie auch eine Quelle: &#8222;&#8230; zwei L\u00e4den weiter!&#8220; Sie meint aber auch, dass ein ayam kampung besser sei, &#8222;&#8230; die werden nicht aufgespritzt!&#8220;. Na, herzlichen Gl\u00fcckwunsch. Die angegeben Quelle erweist sich als Riesenkramladen, in dem in der Auffahrt gerade gro\u00dfe Mengen an Eiern (Tropenregel: Eier m\u00fcssen nicht gek\u00fchlt werden!) sortiert werden, wof\u00fcr auch immer. Wir linsen in die winzige K\u00fchltruhe. &#8222;Raus hier!&#8220;<br \/>\nF\u00fcndig wurden wir in einem Laden, der als &#8222;The Winehouse&#8220; firmiert, eine Tochter des Restaurants Mediterraneo, eines der auff\u00e4lig vielen italienischen Lokale in Labuan Bajo, aber wohl das &#8222;Wasserloch&#8220; f\u00fcr westkranke Touristen und Ex-Pats. In der appetitlichen K\u00fchltruhe fanden sich Salami, Rinderfilet, Lammkoteletts, Hackfleisch von vertrauensw\u00fcrdiger Qualit\u00e4t. Plus ein Joghurt, der als neuer Joghurtstarter herhalten wird. Und wegen des Huhnes verweist uns die Besitzerin 2 H\u00e4user weiter. Im Eingang sitzen Mutter und Tochter Metzgerin. Der Eigner meint: &#8222;&#8230; siehste, Lebensmittelbetrieb! Hier wird auf Hygiene geachtet!&#8220; &#8211; was er meint ist die gegenseitige Haarkontrolle, die gerade durchgef\u00fchrt wird, aber eine kleine Entlausungsitzung kann einem zu kaufenden &#8222;ayam pedaging&#8220; ja nicht abtr\u00e4glich sein. Die Dame zaubert zwei angefrorene H\u00fchner hervor, mit denen ich abzocke. Mittlerweile ist alles im Glas. Wir sind sehr zufrieden mit unserem ayam, auch wenn es nicht &#8222;kampung&#8220; ist, ein Bauernhuhn. Den Leuten in Flores ist das sowieso egal &#8211; auf manggiara hei\u00dft sowieso eines wie das andere: &#8222;manuk&#8220;. Huhn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gack, gack, gack.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da es vom Huhn zu den Echsen hin\u00fcber evolutionsgeschichtlich nur ein kleiner Schritt ist, werde ich mich mit dem Bericht zu den Komodowaranen beeilen!<br \/>\nMal gucken ob es eine Funkmeldung wird &#8211; Winlink wird deutlich d\u00fcnner und Internet brauchen die Warane nicht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8212;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der N\u00e4he von Teluk Ginggo\/Rinja, 8.9.2014 Das Wasser gurgelt unglaublich! Wie in der &#8222;Bay of Islands&#8220; in Fijis Lau-Gruppe. 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