{"id":4459,"date":"2016-06-24T16:55:25","date_gmt":"2016-06-24T14:55:25","guid":{"rendered":"http:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/?p=4459"},"modified":"2016-06-24T17:19:03","modified_gmt":"2016-06-24T15:19:03","slug":"moehrentag-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2016\/06\/24\/moehrentag-2\/","title":{"rendered":"Nichts. Oder: M\u00f6hrentag"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: justify;\">St. Helena, 23.6.2016<br \/>\nDanke, lieber Neffe, f\u00fcr das Link zum SPIEGELartikel \u00fcber den hiesigen Flughafen! Das hat uns sehr gefreut!<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst mal, lieber Spiegel, ist diese Insel \u00fcberhaupt kein &#8222;Nichts&#8220;, das \u00e4rgert mich ein bisschen, und schon gar nicht im &#8222;Nichts&#8220;. Dieses Nichts ist unser haupts\u00e4chlicher Lebensraum, und ohne das &#8222;Nichts&#8220; w\u00e4re der Mensch\u20ac\u00a6 nichts. Ende der Philosophiestunde. Jahaa, ich wei\u00df, wie es gemeint ist.<br \/>\nDie Insel, das haben wir letzten Freitag gesehen, ist erstaunlich vielf\u00e4ltig &#8211; karge, trockene Saumbereiche am Meer, fruchtbare T\u00e4ler, bewaldete (wenn auch weitgehend von der endemischen Flora befreite) Berge, immerhin 800 m hoch. Viel Vulkangestein in interessanter Schichtung. Skurril erodierte Formationen wie &#8222;Lot&#8217;s Wife&#8220;. Dicke K\u00fche grasen extrem steile Weiden ab. Der Neuseelandflachs, ein Agavengew\u00e4chs, das ehemals \u00fcber die Produktion von Sisalseilen f\u00fcr einen bescheidenen Reichtum gesorgt hatte, macht sich \u00fcberm\u00e4\u00dfig breit. Ein Regenpfeifer, der Wirebird, f\u00fchrt als unscheinbarer Trockenfl\u00e4chenbewohner ein etwas bedrohtes Leben: die Menschen haben nat\u00fcrlich allerlei unnat\u00fcrlichen Unfug eingeschleppt oder zum Vergn\u00fcgen ausgesetzt, Katzen, Hunde, Ratten\u20ac\u00a6 und solcherlei Feinde m\u00f6gen Bodenbr\u00fcter nun mal nicht. Aber: der National Trust macht Anstrengungen zu seinem Schutz, und gerade in der letzten &#8222;Independant&#8220; &#8211; es gibt au\u00dferdem noch den &#8222;Sentinel&#8220; &#8211; stand, dass die Wirebirdzahlen wieder steigen. Freut mich sehr. Und so weiter.<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">Ganz wesentliche Frage noch zum &#8222;Nichts&#8220;: wieso kann man aus dem &#8222;Nichts&#8220; heraus einen so gr\u00e4sslichen Muskelkater entwickeln wie wir in der vergangenen Woche? Zum Abschluss unseres Ausfluges waren wir auf die d\u00e4mliche Idee verfallen, man k\u00f6nne ja die 699 Stufen der Jakobsleiter vom &#8222;Ladder Hill&#8220; nach Jamestown hinabsteigen. Kann man. Geht auch ganz gut, man hat nur unten ein bisschen Pudding in den Seglerbeinen, und am n\u00e4chsten Tage kann man sich nicht so recht bewegen\u20ac\u00a6 Zusammengefasst ist St. Helena also ein Nichts mit hohen Anspr\u00fcchen an die k\u00f6rperliche Fitness, mit (immer noch ) vielen endemischen Pflanzen und Tieren und zwei Zeitungen, mit 2 Radiosendern und regiert von der ersten GouverneurIN seiner Geschichte. Geschichte, die ein sehenswertes Museum sehr sch\u00f6n zeigt.<br \/>\nWir waren am Freitag nat\u00fcrlich auch in Longwood, das l\u00e4sst man sich ja nicht entgehen, und am &#8222;Tomb&#8220;, der Grabst\u00e4tte, die sich Bony f\u00fcr den Fall seines Todes ausgeguckt hatte, in einem engen Seitental, unter Weiden, nahe an einer Quelle. Idyllisch. Er soll hier \u00f6fter spazieren gegangen sein und hat dann auch 19 Jahre streng bewacht hier gelegen, bis er exhumiert und nach Paris \u00fcberf\u00fchrt wurde. Das Haus selbst &#8211; oh, weh! Sicher nicht schlecht, aber ganz sicher nichts f\u00fcr den anspruchsvollen ex-Kaiser. Auf der Fahrt dorthin ahnt man schon &#8211; die vielen Flechten an den B\u00e4umen kommen nicht von ungef\u00e4hr, und in der Tat war Longwood House mitten in den aufsteigenden Passatwolken gelegen. H\u00fcbsch feucht da oben! Mahlzeiten wurden unfranz\u00f6sisch kurz gehalten, da das Esszimmer gegen die extreme Feuchte stets mit (ebenfalls nassem) Holz beheizt wurde. Huust! Und so fort. Kein wirkliches Vergn\u00fcgen, dazu ein englischer Oberbewacher, der sich als besonders harte Nuss erwies: der Gouverneur Sir Hudson Lowe; der hat seine Pflicht erf\u00fcllt und Napol\u00e9on nicht noch einmal entwischen lassen, unter anderem, weil er die Bewohnerzahl der Insel mit 3000 Wachsoldaten (!) zu einem Allzeithoch angehoben hat. Miteinander gesprochen haben die beiden nur eine Handvoll Mal und das auch nur im ersten Jahr. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass auch &#8222;der Kaiser&#8220; weder ein angenehmer Gefangener noch ein guter Gespr\u00e4chspartner war (angeblich hat er bez\u00fcgliche Lowe verlauten lassen, dass er nicht mit Leuten argumentiere, die er nicht auf dem Schlachtfeld getroffen habe\u20ac\u00a6).<br \/>\nAber St. Helena ist viel mehr als Bonaparte, auch geschichtlich. Alle ber\u00fchmten Seefahrer waren hier, viele der damaligen Astronomen (Maskelyne und Halley\u20ac\u00a6) und Charles Darwin hat die Beagle f\u00fcr eine Woche vor Jamestown ankern lassen und kartiert, was das Zeug h\u00e4lt &#8211; das hat dem K\u00e4pt\u20ac\u02dcn sicher gut gefallen. Damals gab es noch keine Moorings, und der Ankerplatz ist nicht unbedingt ruhig zu nennen\u20ac\u00a6<br \/>\nNebenbei erhielten wir auf der Tour auch eine kleine Inselkunde f\u00fcr das hier und heute: Robert berichtete \u00fcber die Sisalproduktion (in der er gearbeitet hat), \u00fcber die Bedeutung der Insel als Funkrelaisstation, \u00fcber die Insel Ascension etc. , und wir bekamen den neuen Airport gezeigt. Was f\u00fcr ein Drama\u20ac\u00a6 4 Jahre wurden hier ganze Berge verschoben, um irgendwie im S\u00fcdosten der Insel eine plane Fl\u00e4che zu schaffen, auf der gro\u00dfe Verkehrsflugzeuge landen k\u00f6nnen, und als es jetzt so weit war, stellt man fest, dass die Scherwinde so stark sind, dass den Piloten wahrscheinlich der Angstschwei\u00df schon beim Abflug Richtung St. Helena auf der Stirn steht. Man gibt sich aber hoffnungsfroh, dass sich eine L\u00f6sung findet. Touristenverkehr mit kleineren Maschinen, m\u00f6glicherweise ab Walvis Bay in Namibia. Und ganz pragmatisch: eine Frau meinte, dass die M\u00f6glichkeit, Medivac-Fl\u00fcge zu bestreiten, schon die Geldausgabe wert sei. &#8222;Money well spent!&#8220;.<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">Der ganz gro\u00dfe Touristenstrom wird allerdings zun\u00e4chst ausbleiben. St. Helena ist wie immer: abh\u00e4ngig vom Fahrplan des Royal Mail Ship ST. HELENA, das nun weiter ackern muss. N\u00e4chste Woche kommt sie, und dann gibt es mal wieder Kartoffeln. Und Zwiebeln! Ich war wahrscheinlich nicht die letzte, die auf dem Gang durch den Ort angesprochen wurde: &#8222;\u20ac\u00a6 where did you get the banana?&#8220; Sieht so aus, als bliebe das Prinzip &#8222;kauf das Gem\u00fcse, wenn es welches gibt!&#8220; noch eine Weile erhalten. Und heute war M\u00f6hrentag. Every Thursday! Das Leben im Nichts!<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">&#8212;<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>St. Helena, 23.6.2016 Danke, lieber Neffe, f\u00fcr das Link zum SPIEGELartikel \u00fcber den hiesigen Flughafen! Das hat uns sehr gefreut! 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