{"id":4558,"date":"2016-10-07T20:40:53","date_gmt":"2016-10-07T18:40:53","guid":{"rendered":"http:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/?p=4558"},"modified":"2016-10-07T21:20:49","modified_gmt":"2016-10-07T19:20:49","slug":"ein-bus-um-2030","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2016\/10\/07\/ein-bus-um-2030\/","title":{"rendered":"Ein Bus um 20:30"},"content":{"rendered":"<p>Hanga Roa\/Osterinsel, 7.10.2016<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8230; die Sache mit den Mennoniten in Santa Cruz lie\u00df uns nicht los. Leider war der Sonnabend rein sabbatm\u00e4\u00dfig nicht dazu angetan, zu einer gro\u00dfen Forschungsreise auszur\u00fccken: Menno-Deposito geschlossen, auch die Latzhosendichte hatte eklatant abgenommen. Aber gerade deswegen kamen wir doch mit einem versprengten H\u00e4uflein frisch ausgewachsener Jungm\u00e4nner ins Gespr\u00e4ch. Was man so Gespr\u00e4ch nennt. &#8222;Nit deitsch?&#8220; sagt der pausb\u00e4ckige blonde Schlaks mit den Sommersprossen. Ich denke, die roten Wangen waren der Tatsache geschuldet, dass man sich hier auf offener Stra\u00dfe mit &#8222;Weltlichen&#8220; unterhielt. Aufregend! Das Gespr\u00e4chsthema allerdings blieb beschr\u00e4nkt &#8211; die Frage,\u00a0 in welcher Kolonie sie wohnen oder wie lange sie in der Stadt bleiben und was man hier besorgen muss, all das blieb unverstanden. Also gingen wir gemeinsam den Aushang der Witwe Ellermann durch, die ihren Hausstand zur Ver\u00e4u\u00dferung bot. Trotz Zeichensprache &#8211; Butterfass, Melkschemel&#8230; &#8211; blieb die Unterhaltung einseitig. D\u00fcrfen sie nicht, k\u00f6nnen sie nicht verstehen? Fast f\u00fcrchte ich, dass sie nicht d\u00fcrfen, aber ich denke, wir waren trotzdem eine Supershow f\u00fcr 3 halbstarke Mennoniten. Samstagnachmittag (nicht) zu Hause.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eigentlich hatten wir einen weiteren Tag in Santa Cruz bleiben wollen, aber die Auswahl an Bussen hin\u00fcber nach Argentinien war beschr\u00e4nkter als gedacht. Und Don Pablo von Bolipar hatte gedonnert: um 20:00 hier! O.K. Dankbar f\u00fcr unsere Beratung in Sachen Hotelqualit\u00e4t &#8211; der Akkanaut als solcher ist ein freundlich kritischer Gast mit einem Hang zu gnadenloser Offenheit &#8211; spendiert uns Esteban ein Taxi zum Bahnhof, das nun r\u00e4tselvolle Schleifen durch die Hintergassen von Santa Cruz zieht. Uns egal, so lange wir diese omin\u00f6sen 20:00 Uhr schaffen. Im unabl\u00e4ssig\u00a0 wuselnden Bahnhof &#8222;Bimodal&#8220;, also der Kombination aus Eisenbahn und Bus, sacke ich auf den Stuhl vorm Busb\u00fcro. Geschafft. Noch 30 Minuten. Die beiden jungen Damen die an diesem Samstagabend dort die Stellung halten, bedeuten uns mit einem Kopfnicken, dass wir die Rucks\u00e4cke ins B\u00fcro kippen d\u00fcrfen und versinken wieder in ihr Smartphonekoma, aber immerhin, wir sind p\u00fcnktlich Je l\u00e4nger wir unterwegs sind, umso lieber werden uns ausreichende Pufferzeiten, und in diesem Fall bin ich richtggehend dankbar: die Erk\u00e4ltung ist in vollem Aufwind, und so kann ich den Strom der doch sicher bald anr\u00fcckenden Mitfahrer aus einem bequemen Sessel im Auge behalten. Eine alte Dame aus den Bergen, in weitem Rock und Kittelsch\u00fcrze, wird vom Sohn abgesetzt. Ein Japaner mit geringen Spanischkenntnissen, flankiert von zwei sprachkundigen Landsleuten. Sonst? Scheint ja nicht sehr voll zu sein der Bus. 20:10. Die alte Dame wird, versehen mit einem Briefumschlag und unverst\u00e4ndlichen Instruktionen, weggef\u00fchrt. 20:20: der Japaner ist weg. &#8222;Que pasa con nosotros?&#8220; Schulterzucken, Smartphone. \u00a1Hola! Der Bus f\u00e4hrt gleich! Achso. Ja. Mitkommen! Rucks\u00e4cke schultern. In einer Abseite des Busbahnhofes kriegen wir Baggagetags und werden hinausgeleitet. Der Gro\u00dfteil der S\u00fcdamerikaner tritt ja seine Reisen per Bus an, nicht anders in Bolivien, und Santa Cruz ist Boliviens gr\u00f6\u00dfte Stadt, Nachtbusse sind das Hauptgesch\u00e4ft, also man kann sich das Gedr\u00e4nge vorstellen. Wir laufen hinter unserer Smartphoneuse her, warten kurz an Plattform 48, stehen mit anderen potenziellen Fahrg\u00e4sten Gep\u00e4cktr\u00e4gern mit schweren, klapprigen Karren im Weg und wehren Verkaufsversuche f\u00fcr allerlei hei\u00dfes Geb\u00e4ck ab, dessen Qualit\u00e4t man in der Dunkelheit schlecht bewerten kann. Andreas besorgt Sandwiches &#8211; no risk, no fun. Umzug &#8211; unsere Betreuerin hat sich zwischenzeitlich erkundigt: Busgesellschaft Avaroa, ganz am Ende! Geduld ist gefragt. Sie dr\u00fcckt uns nun ebenfalls einen Brief in die Hand: &#8222;&#8230; an der Grenze wartet Sr. Miguel xyz auf Euch!&#8220; Wir f\u00fchlen uns v\u00f6llig rundumbetreut, aber, Ende der Busreihe gut, alles gut, es kommt eine Bus der Gesellschaft TransCruz2 (von wegen Avaroa), es steht sogar drauf, dass der Bus nach Yacuiba f\u00e4hrt, sogar unsere Rucks\u00e4cke werden angekarrt. Passt doch. Liegesitz nach hinten schnacken lassen, Fleecedecke raus und dann sch\u00f6n abgehustet. Morgen fr\u00fch: Argentina.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Morgengrauen, es ist 05:20, rollen wir in einem \u00e4rmlichen Ort an der S\u00fcdgrenze Boliviens auf den Bushof. Ein Taxifahrer pickt uns auf, er scheint Eile zu haben, aber wir d\u00fcrfen doch noch pieseln gehen. Der Weg zur Grenze ist weiter als gedacht. 5 km vielleicht? Jedenfalls nicht gerade in Laufentfernung, und jetzt stellt sich auch der Grund f\u00fcr die offensichtliche Eile heraus: das Taxi muss bis 6 Uhr wieder Heim und Hof erreicht haben, denn heute ist autofreier Sonntag. Wir laufen die restliche 200 m zur Grenzstation, reihen uns ein, grabbeln die P\u00e4sse hervor. Andreas will die Reihe der m\u00fcden Grenzpassanten ablichten: &#8222;&#8230; wo ist eigentlich meine Kamera?&#8220; Adrenalinschub. Die Kamera muss beim Graben nach den Kopflampen aus der Tasche gerutscht sein. Begeisterung macht sich breit. Und Mutlosigkeit. Die Dame, die mich kurz zuvor angesprochen hatte, ob wir einen Brief f\u00fcr Sr. Miguel xyz haben (tats\u00e4chlich, Rundumbetreuung!), antwortet mir auf die Frage, welche Chance wir h\u00e4tten, a. am autofreien Sonntag nach Yacuiba zur\u00fcckzukehren und b. den Bus samt Kamera ausfindig zu machen, ziemlich unverbl\u00fcmt: &#8220; &#8230;has perdido ya!&#8220; Die hast Du schon verloren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinter der Grenze treffen wir unsere alte Dame wieder, die das gemeinsame Ziel mit einem anderen Bus erreicht haben muss, sie verschhwindet aber schnell in einem alten Auto. Uns wird, wie es scheint, ein etwas angejahrtes Taxi zum n\u00e4chsten Busbahnhof bringen. Wir versehen unsere Schleuserin auf des Taxifahrers Wunsch mit einem Trinkgeld, verstauen das Gep\u00e4ck zwischen Reisetaschen und Kinderspieldecke einer jungen, mitreisenden Argentinierfamilie und klappern los. Und es f\u00e4hrt und f\u00e4hrt, das Taxi. Kurz: f\u00fcr den Rest der Fahrt nach Salta sitzen wir zusammengepfercht, aber friedlich mit Papa, Mama und S\u00f6hnchen. Theorie: schon der geplante Bus von Santa Cruz nach Yacuiba fuhr nicht, also wurden wir irgendwie umgeschichtet. Oder vielleicht hat die Methode auch System, man verkauft ein Ticket ohne festen Platz? Und dann ab Grenze gab es auch keinen verf\u00fcgbaren Bus, also: ein wildes Taxi, im Busticket inbegriffen. Vorteil: trotz Milit\u00e4rkontrolle an jeder Landkreisgrenze &#8211; gern im Abstand von wenigen 100 m, inklusive Herauswuchten der Rucks\u00e4cke und \u00d6ffnen derselben &#8211; waren wir nach 5 Stunden in Salta. 400 km in einem kleinen Ford.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Bus fuhr um 20:30. Oder etwas \u00c4hnliches&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hanga Roa\/Osterinsel, 7.10.2016 &#8230; die Sache mit den Mennoniten in Santa Cruz lie\u00df uns nicht los. 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