{"id":4656,"date":"2016-11-04T02:52:36","date_gmt":"2016-11-04T00:52:36","guid":{"rendered":"http:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/?p=4656"},"modified":"2019-01-02T10:17:56","modified_gmt":"2019-01-02T14:17:56","slug":"chiloe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2016\/11\/04\/chiloe\/","title":{"rendered":"Chilo\u00e9. Ein Abstecher"},"content":{"rendered":"<p>Hornopir\u00e9n, 31.10.2016<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere kleine Autorunde n\u00e4hert sich leider schon dem Ende. Oder auch nicht so leider, weil wir m\u00f6glicherweise noch einmal in Sachen warmer Bekleidung aktiv werden wollen, Northface nachr\u00fcsten. Heute traten wir nach einigen Regenstunden aus der T\u00fcr und sehen einen feinen Schneeschleier auf den Bergspitzen, die Wartezeit bis zum Abendessen im Hostal verbringe ich zugedeckt im Bett, und gestern haben wir uns einen Spa\u00df gemacht: der Eigner sagt: &#8222;&#8230; mach&#8216; die Segeljacke zu und setz&#8216; die M\u00fctze auf! Wir stellen uns jetzt hier in den Wind und freuen uns, dass wir hier nicht mit dem Schiff sind!&#8220; Tolles Spiel&#8230; Kurz, es ist sch\u00f6n hier, und es ist kalt. Dieses Empfinden mag weniger an der Jahreszeit liegen als an der Tatsache, dass wir mit den zur\u00fcckliegenden Jahren in den Tropen und Subtropen einfach zu Frostk\u00f6ddeln mutiert sind. Schlie\u00dflich trotzt der Los-Lagos-Bewohner den Wetterunbilden in Boxershorts und Flipflops&#8230; gelegentlich zumindest.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Puerto Varas hatten wir auch die Villa Kuschel aufgesucht, die heute das Hauptquartier des Parque Pumalin beherbergt. Sch\u00f6ne alte Holzvilla mit einem netten Angebot an patagonischen B\u00fcchern und Souvenirs, vor allem aber bot sie die Ausk\u00fcnfte mit der ausgesprochen kenntnisreichen und zug\u00e4nglichen Frau Kati, die uns diverse Empfehlungen f\u00fcr Pumalin auf den Weg gab, mit leichtem s\u00e4chsischer Zungenschlag berichtete sie auch aus dem Leben einer jungen &#8222;Auswanderin&#8220;. So konnten wir auch das Geheimnis der vielen Outdoorgesch\u00e4fte in Puerto Varas l\u00fcften &#8211; Chilenen scheinen ausgesprochene Freiluftfans zu sein, und wenn man am Wochenende, wie Kati berichtete, mit dem Schlauchboot und Zelt an einsame Str\u00e4nde f\u00e4hrt, um mit der mitgebrachten Schaufel ein Badewanne mit hei\u00dfem Thermenwasser zu graben, braucht man solche Sachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber erst einmal ging die Fahrt zur F\u00e4hre auf die Insel Chilo\u00e9. Ein grieser Tag. Die F\u00e4hren gehen alle naslang und brauchen eine knappe halbe Stunde. Mittagskaffeepause in Ancud in einem alternativen kleinen Teestube, mit &#8222;Estrudel&#8220;, das Erbe l\u00e4sst einen nicht los. F\u00fcr Castro hatten wir mal ein Billighostel gebucht, im staubigen Ortsteil Alto Gamboa es mangelt (immer noch dank El Nino?!) an Regen, also m\u00fclmt alles ein, Hunde, Pflanzen, H\u00e4user, denn die Stra\u00dfen sind hier nicht befestigt. Daf\u00fcr thront man hoch \u00fcber der Altstadt und der Bucht. Sch\u00f6n. Und die Hunde sind ein einsames Gedicht, teils als wilde Beller hinter ihren Z\u00e4unen, als friedfertige &#8222;ach, schau mal, ich\u00a0 schmei\u00df mich hin, also kraul mich&#8220;-Kandidaten, andere wieder durchgraben die M\u00fcllcontainer mehr oder weniger ungeschickt, die meisten liegen einfach dekorativ im Staub. AKKAnautenkino, interaktiv. Wir m\u00fcssen nat\u00fcrlich eine der ber\u00fchmten chilotischen Holzkirchen sehen, da bietet sich die Kathedrale an der\u00a0 Plaza an,\u00a0 au\u00dfen gelbes Blech, innen pr\u00e4chtiges, dickes Alercenholz, das ist die Patagonische Zypresse (Fitzroya cupressoides, da hat mal wieder jemand, Darwin war es nicht, den Beagle-Kaptein geehrt). Bilder darf man dort nicht machen. Sagte mir mein Mitreisender, als es zu sp\u00e4t war. Museum haben wir verpasst, das war schade, aber das normale Leben beim\u00a0 Stadtspaziergang aufzunehmen freut ja auch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hit des Chilo\u00e9-Besuches war zun\u00e4chst mal der Ausflug in den Parque Nacional de Chilo\u00e9 bei Cucao und der Gang durch&#8217;s Tepu\u00e0l, ein &#8211; abgesehen vom prima pr\u00e4parierten Wanderweg &#8211; schier undurchdringliches St\u00fcck gem\u00e4\u00dfigter Prim\u00e4rwald mit zahllosen Moosen und Farnen, Epiphyten, hohen Alercen, verschiedenen Notofagus-Arten. Bei uns stand so eine kleine S\u00fcdbuche mit ihren zierlichen Bl\u00e4ttchen am Gartenteich; wenn die geahnt h\u00e4tte, wie gro\u00df die Kollegen werden k\u00f6nnen, w\u00e4re sie vielleicht \u00fcber die Strauchgr\u00f6\u00dfe hinaus gewachsen &#8211; aber was macht eine S\u00fcd-(oder Schein-)buche auch in der n\u00f6rdlichen Hemisph\u00e4re. Wir legen uns b\u00e4uchlings auf den Bohlenweg und versuchen vergeblich, den kleinen Darwinfrosch zu ersp\u00e4hen, der sich durch zartes Quaken bemerkbar macht. Ein vom Aussterben bedrohtes Fr\u00f6schlein, 2-3 cm gro\u00df. Passend zum Thema Artenschutz laufen wir an diesem Tag kostenfrei durch den Park, das Personal streikt: Unterbezahlung, wie an so vielen Stellen im chilenischen Regierungsbetrieb, sorgt f\u00fcr Unmut. Und dabei hat die \u00f6kologische Landschaft in Chile so vieles Sch\u00fctzenswertes. Aber Wert hat halt nur, was Geld macht, also schietegal, ob der T\u00e9pu, eine Myrtenart, der einzige seiner Art ist und njcht nur Namensgeber f\u00fcr die wilde Feuchtwaldformation ist, die wir gerade betrachtet haben, sondern auch wichtig f\u00fcr deren Erhalt&#8230; nee, T\u00e9puholz ist gutes Bau- und Feuerholz. Ich will angesichts der allgegenw\u00e4rtigen Holzverbrauches zum Bauen und Verfeuern gar nicht wissen, wieviel davon gerodet und eingeschlagen wird. An jedem Haus hier quiemelt eine Schornstein. Das kleine Tepu\u00e1l bei Cucao ist jedenfalls nur noch eine von Riedgras umgebene Fl\u00e4che. Gegen die Wand gesprochen, sorry.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir schauen noch die vorgelagerten D\u00fcnen an, auch hier sch\u00f6n und eing\u00e4ngig erkl\u00e4rt (ein nicht streikender Guide w\u00e4re wohl noch besser gewesen) wie sich die d\u00fcnne Vegetationsschicht der Erstbesiedlung \u00fcber die Sekund\u00e4rvegetation mit kleineren Str\u00e4uchern zum dichten Terti\u00e4rwald steigert. Auch sch\u00fctzenswert. Warum sag ich das? Na, weil das Interesse bei der Handvoll Backpacker sich eher an Strand und dem Nichtvorhandensein von Netzabdeckung orientiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kommt der n\u00e4chste Hit &#8211; die Holzkirchen mal beiseite gelassen, und von der indigenen Bev\u00f6lkerung kriegt man wenig mit, lediglich die lang und floral berockten Damen auf der Plaza in Castro geben von Letzterem ein Bild. Sie betteln und benutzen dazu ihre Kinder&#8230; Daf\u00fcr nehmen wir einen lokalen Tramper mit, der sich \u00fcber den Lift Richtung Ruta5, auch als Panamericana bekannt, freut. F\u00fcr ein gigantisches &#8222;Oh, ah, to-oll!&#8220; sorgt der Blick, der sich in der Anfahrt nach Quell\u00f3n bietet: hinter einer Kuppe leuchten pl\u00f6tzlich Michinmahuida und Corcovado \u00fcber die Meerenge her\u00fcber. Kann man gar nicht genug von kriegen, zumal noch ein paar Schneegipfel mehr einen geb\u00fchrenden Rahmen f\u00fcr diese beiden gro\u00dfen\u00a0 Vulkane bieten. Ein Schild am Hito Cero, dem Kilometer Null besagter Panamericana sagt, dass man dazwischen zeitweilig die Rauchs\u00e4ulen des Chait\u00e9n sieht. Da wollen wir hin. Noch ein paar Stunden bis zur F\u00e4hre. Kilometer 0 der Transamericana angucken, Picknick und Hundef\u00fctterung (im nicht anderweitig besetzten Unterstand f\u00fcr Obdachlose), ein bisschen Autoschlaf, und nachts um 3 &#8211; der Mensch muss Opfer bringen! &#8211; geht die F\u00e4hre in Richtung Chait\u00e9n.<\/p>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hornopir\u00e9n, 31.10.2016 Unsere kleine Autorunde n\u00e4hert sich leider schon dem Ende. Oder auch nicht so leider, weil wir m\u00f6glicherweise noch einmal in Sachen warmer Bekleidung aktiv werden wollen, Northface nachr\u00fcsten. 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