{"id":4974,"date":"2017-05-17T22:53:41","date_gmt":"2017-05-18T02:53:41","guid":{"rendered":"http:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/?p=4974"},"modified":"2023-09-26T02:20:43","modified_gmt":"2023-09-26T06:20:43","slug":"roulez-a-gauche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2017\/05\/17\/roulez-a-gauche\/","title":{"rendered":"Roulez \u00e0\u00a0 gauche!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Domburg, 17.5.2017<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Roulez \u00e0\u00a0 gauche &#8211; fahren Sie links! Viele solche Schilder haben wir in den letzten Tage gesehen, die ganze West-Ostverbindung zwischen dem Suriname Rivier und dem Marowijne Rivier ist damit gepflastert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Samstagmorgen: eine der beliebtesten AKKAnauten\u00fcbungen. Fr\u00fches Aufstehen, um 5. Die Schipperin muss noch ihren Rucksack packen, der Eigner rollt dann auch bald aus dem Bett, weil wir AKKA f\u00fcr ein paar Tage allein lassen wollen: wenn wir schon in der Gegend sind, wollen wir endlich das Raumfahrtzentrum in Kourou anschauen. Nach etwas Telefonieren hatte ich den Chef \u00fcberreden k\u00f6nnen, dass es einfacher ist, das Suriname-Auto in Albina am Marowijne Rivier stehen zu lassen, eine Piroge zu nehmen und in St. Laurent &#8211; gleicher Fluss, anderer Name: Maroni &#8211; ein zweites anzumieten. Die Besitzer unserer Moorings wiederum \u00fcberzeugen uns, dass es schlecht ist, das Dinghy an Land anzuschlie\u00dfen, gerade \u00fcbers Wochenende mit reichlich Besuchern, also soll Bep uns abholen. Bep betreibt eines der F\u00e4hrboote zwischen Laarwijk und Domburg. Telefon&#8230; nee, 6 Uhr ist zu fr\u00fch, 06:30 ist zu fr\u00fch&#8230; um 7 will er da sein. Der Schipperin wird schon leicht schwindelig (hat Comey gesagt, finde ich gut: &#8222;I feel mildly nauseous&#8230;&#8220;), denn immerhin m\u00fcssen die 170 km wahrscheinlich schlechter Stra\u00dfe, die Grenzabwicklung, die Pirogenfahrt und die anschlie\u00dfende Wanderung zu Budget bis 12 Uhr erledigt sein. So weit, so gut, Bep ist dann auch um 7:20 da, mit Singvogel im K\u00e4fig (der pfeift uns aber nix), und off we go. Der Schwindel legt sich rasch, denn es ist Samstag, der Verkehr nach Paramaribo flie\u00dft ungehindert &#8211; ein totales Wunder, denn von der Masse an mehr oder weniger klapperigen Autos, die wochentags durch die Stadt stocken, macht sich der geneigte Leser keine Vorstellung. Wenn man nicht im Stau steht, ist jede Fahrt nach Paramaribo eine mit &#8222;drempels&#8220; gepflasterte Strafe. Drempel &#8211; English: sleeping policeman. Deutsch: Schwelle zur Geschwindigkeitsbeschr\u00e4nkung. Sehr effektives Mittel zur Verkehrsstauerzeugung &#8211; so wie viele andere Autos hier setzt auch unsere alte Toyota-Schlurre mit ihren weichen Sto\u00dfd\u00e4mpfern gern auf, da reduziert man auf unter Schrittgeschwindigkeit; wahrscheinlich ist dies der Grund, warum hier gro\u00dfe und kleine SUVs beim betuchteren Teil der Bev\u00f6lkerung so beliebt sind. Drempel riders! Sehenswert auch die nat\u00fcrlichen &#8222;drempels&#8220; &#8211; untersp\u00fclte Stra\u00dfen scheinen einfach mit Asphalt \u00fcbergekleistert zu werden, das macht es schlimmer als &#8222;schwere Frostsch\u00e4den&#8220; in Europa, und meine Lieblingsstelle ist die vor dem Marinest\u00fctzpunkt Boxel. Hier wurde die Stra\u00dfe vor vielen Jahren mit Ziegeln gepflastert.\u00a0 Mann, Mann, Mann &#8211; solche L\u00f6cher.\u00a0 All das vor Augen, sind wir \u00fcberraschenderweise schon nach 25 Minuten oben auf der 150 m hohen Br\u00fccke nach Osten und winken AKKA in der Ferne zu. Das flutscht ja heute, und tats\u00e4chlich, bis auf einen strengen Polizisten, der uns anweist, bei der n\u00e4chsten Polizeistation einen Surinamef\u00fchrerschein zu beantragen (da Aufenthaltsdauer \u00fcber 14 Tage!) legen sich uns kaum weitere Hindernisse in den Weg. Bis auf gelegentliche, vom Gegenverkehr durch wildes Lichthupen angezeigte Radarkontrollen. Ortschaften gibt es hier so gut wie keine. Moengo,\u00a0 Alphonsdorp, das war&#8217;s. Um 10 sind wir im Grenzort Albina und irren nun doch noch durch ein finales Schlaglochfeld\u00a0 &#8211; schlecht, wenn die L\u00f6cher so gro\u00df sind, dass man sich fragt, ob es nicht vielleicht zu tief f\u00fcr uns ist? &#8211; und zickzacken um zahllose Eink\u00e4ufer, die den Stra\u00dfenmarkt bev\u00f6lkern. Ein Nest am Ende der Urwaldwelt mit hoher Populationsdichte, so schaut es aus. Das Auto bringen wir an der Brandweer unter &#8211; die Empfehlung ist, Beh\u00f6rdenparkpl\u00e4tze zu nutzen, das tun wir brav, und die Feuerwehr verdient sich ein winziges Zubrot, 7 SRD pro Tag Parkgeb\u00fchr&#8230; Zoll. Wir sind schon von einem Pirogenfahrer gekeilt worden. Was wird&#8217;s kosten? Jetzt kommt mal ein Bekennerschreiben &#8211; wir wussten, dass es diesen doofen Trick gibt, aber dass es uns erwischt&#8230; Abzocke. Keine weiteren Fahrg\u00e4ste, also mietet man die ganze Piroge. F\u00fcr wieviel? Man wagt es nicht zu sagen &#8211; das 6 fache des Normalpreises f\u00fcr Touristen. Ihr d\u00fcrft sp\u00e4ter selbst rechnen!\u00a0 Aber dr\u00fcben ist dr\u00fcben, die exklusive Piroge geht in Ordnung, auch wenn sich flussabw\u00e4rts ein unabl\u00e4ssiger Strom von Booten hin und her bewegt &#8211; aber schlie\u00dflich sind wir ganz offiziell ausgereist, damit wir bei der R\u00fcckfahrt keine Wiedereinreiseschwierigkeiten haben. Machen au\u00dfer uns&#8230; die allerwenigsten. Dr\u00fcben angekommen laufen wir durch&#8217;s St\u00e4dtchen, vorbei am Markt, am Fu\u00dfballfeld, am Friedhof. Dahinter verbirgt sich Budgetstation, die unsere Reservierung nat\u00fcrlich nicht erhalten hat, das hei\u00dft &#8211; das Computersystem schon, denn das hat uns eine Best\u00e4tigung geschickt, aber was geht das kleine Containerb\u00fcro das zentrale Computersystem an?!. Dennoch: wir kriegen einen VW Up! und \u00fcberlegen mal wieder, wieviel mehr Auto der Mensch eigentlich so ben\u00f6tigt, wenn \u00fcberhaupt. Alles prima, mission accomplished! Wir sind in Franz\u00f6sisch-Guyana. Roulez \u00e0\u00a0 droite!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Nachmittag beginnt mit einem Besuch zum Mittagssnack bei Davide und seinem &#8222;Caf\u00e9 des Amis du Rallye Nereides&#8220;, das ist eine kleine Flotillensegelveranstaltung von Trinidad durch die Guyanas; wer mal gucken will, <a href=\"http:\/\/atanga.de\/?p=130284\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">folgt diesem Artikel der ATANGA<\/a>. Wer bei Davide die Beine ausstreckt, ber\u00fchrt die EU-Au\u00dfengrenze. Witzig!<br \/>\nDanach das Pflichtprogramm: Camp de Transportation, das &#8222;Bagne&#8220; von St. Laurent &#8211; eine F\u00fchrung mit Claude. Ziemlich anstrengend, weil vollends auf Franz\u00f6sisch und ein ziemlich rappeliges, gef\u00e4rbtes dazu. Claude ist ein echter Guyanais mit einem Amerindiogesicht und hat 101 Geschichten zu erz\u00e4hlen. St. Laurent war eigentlich ein Durchgangslager f\u00fcr frisch angekommene Deportierte und gilt als das freundlichste der Lager in Guyana, mit der Einschr\u00e4nkung, dass man sich mehr als leicht eine Strafversch\u00e4rfung einhandeln konnte, zum Beispiel durch Unbotm\u00e4\u00dfigkeiten aller Art, und wenn es gar zu schlimm wurde, landete man statt in den Massenlagern in Einzelhaft oder gar am &#8222;Galgen&#8220;. Todesstrafe \u00fcbrigens nur f\u00fcr Kapitalverbrechen an Personen au\u00dferhalb des Lagers &#8211; wenn sich die Insassen gegenseitig umbrachten, war das vernachl\u00e4ssigbarer Schwund. \u00dcberhaupt: Todesstrafe &#8211; die &#8222;Bagnes&#8220; von Guyana wurden als &#8222;trockene Guillotine&#8220; gef\u00fchrt; die Haft an sich f\u00fchrte vorzeitig zum Tode. Es gab zwar auch die mobile Guillotine in St. Laurent, nur 40 mal wurde sie benutzt &#8211; dennoch \u00fcberlebten in Guyana die H\u00e4ftlinge bzw. Deportierten ihren Haftbeginn im Schnitt nur um 3,5 bis 5 Jahre, da brauchte es keine Guillotine. Wir bekommen eindr\u00fccklich die folterartigen Fesselmetoden in den Spezialzellen vorgef\u00fchrt, und nebenbei auch, was in den Massenlagern, wie wir sie auf der Ile St. Joseph gesehen hatten, alles so vor sich ging. Anketten mit Fu\u00dffesseln von 19 bis 5 Uhr. Wer pinkeln oder anderes musste, hatte die Wahl: lecker laufen lassen, das freut in einem f\u00fcr 40 konzipierten Massenlager, das h\u00e4ufig aber mit 80 M\u00e4nnern belegt war. Oder sich gegen Bezahlung den Gang zur Latrine erkaufen, mit was auch immer. Die Latrine war am Ende des Saales positioniert und hie\u00df auch &#8222;chambre d&#8217;amour&#8220;. Fu\u00dffessel aufschlie\u00dfen als &#8222;Liebesdienst&#8220;. Und was der Grauslichkeiten mehr sind. Der gesamte Bagne-Apparat in Guyana diente der S\u00e4uberung der Metropolregion Paris: von Vagabunden, Hausierern, Kleinkriminellen und nicht zuletzt der politischen Opposition, Napoleon III war nicht zimperlich; und selbst wenn es in St. Laurent vergleichsweise sanft zuging&#8230;\u00a0 nicht sch\u00f6n.<br \/>\nDanke Claude f\u00fcr die F\u00fchrung. 40% haben wir mitgekriegt &#8211; mir wurde schon wieder &#8222;mildly nauseous&#8220;, wenn ich an die bevorstehende, ebenfalls franz\u00f6sische F\u00fchrung in Kourou dachte, aber bis dahin: Entspannung bei franz\u00f6sischem Essen. Mit ebenso franz\u00f6sischen Gendarmen. Schicke, durchtrainierte Jungs in rauen Mengen!<br \/>\nSonntagfr\u00fch. St. Laurent du Maroni schl\u00e4ft. Eine einzige Kneipe scheint ge\u00f6ffnet, gl\u00fccklicherweise sehen wir Kaffeetassen vor den rauchenden M\u00e4nnern stehen. Fr\u00fchst\u00fcck a la fran<span data-dobid=\"hdw\">\u00e7<\/span>aise, das hei\u00dft: Kaffee und Croissant, im Beiprogramm ein Els\u00e4sser am Nebentisch, der sich \u00fcber ein paar Deutsch\u00fcbungen freut. Ringsum, sagt er, die \u00fcbliche Sonntagbesetzung: ausschlie\u00dflich M\u00e4nner, vorwiegend Arbeiter, die sich hier auch zu technischen Problemen austauschen. Und mittendrin dieser baumlange, schon etwas angejahrte Mensch, der uns fragt, ob wir denn auch noch &#8222;in den Wald&#8220; wollen. Hm, sagen wir, schon &#8211; haben wir f\u00fcr Suriname geplant. Dieser Kerl, Rentner mit einem Nebenjob bei der Grenzpolizei, hat ein Hobby, und das hei\u00dft: Wasserf\u00e4lle; besser: unkartierte Wasserf\u00e4lle. Man geht ab und an mal mit dem Flugzeug auf Erkundung aus der Luft, sucht sich einen Wasserfall aus, notiert die Position, und versucht, das Ding zu Fu\u00df zu erreichen. &#8222;Wichtig:\u00a0 geheimhalten!\u00a0 Blo\u00df keine Position verraten!&#8220;. Eine sehr m\u00fchsame Angelegenheit, bei der ihm dann auch rasch die Zigaretten, die er vor unseren Augen kettenweise raucht, ausgehen. &#8222;&#8230; nee, da gibt es dann auch keine Chinesen mehr, die einem was verkaufen. Ist die ersten Tage etwas unangenehm ohne die Raucherei&#8230;&#8220;\u00a0 Ein Wasserfallsammler. Abenteurer, w\u00fcrde ich sagen &#8211; dieses Land, seine Tiefen, der ganze unerschlossene S\u00fcden sind h\u00f6chst faszinierend. Es geht in unserem Gespr\u00e4ch aber auch um das Zusammen- oder Nebeneinanderleben der Ethnien und Nationen in St. Laurent bzw. dem Departement Guyana &#8211; mit den Brasilianern und den Indios geht&#8217;s leicht, die Maroon sind schon eher ein Problem; das sind die afro-amerikanischen St\u00e4mme, hier die Ndyuka, die \u00fcber lange Zeit recht isoliert im S\u00fcden der Guyanas in den W\u00e4ldern gelebt haben, jetzt aber mit Macht in die St\u00e4dte dr\u00e4ngen. Konfliktpotenzial&#8230; Deswegen sind die starken Jungs aus Frankreich hier, die Gendarmerie, die f\u00fcr ein Viertel- oder ein halbes Jahr verpflichtet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir brechen auf, es sind noch 200 km bis Kourou. Das kennen wir von unserem Besuch mit AKKA 2008 und versuchen nun, uns in einer sich rasch entwickelnden Stadt wieder zurechtzufinden. Gar nicht so einfach. Hauptr\u00e4tsel: der Supermarkt und die Apotheke, wo es damals Lesebrillen und Antihistaminika gegen Hitzepickel gab, wo ist die geblieben? Eine kleine Meinungsverschiedenheit als Sonntagsvergn\u00fcgen. Als das R\u00e4tsel gel\u00f6st ist, k\u00f6nnen wir uns getrost dem Angebot des &#8222;Glacier des 2 Lacs&#8220; hingeben &#8211; so ein leckeres Eis, und so sch\u00f6n schlecht wird einem von den Mengen! Der Verdauungsspaziergang f\u00e4llt prompt ins Wasser, ins von oben rauschende, aber es rauscht nur kurz. Zum Feierabend steht \u00fcber dem Leuchtturm ein wundersch\u00f6ner, gro\u00dfer Macao-Ara in den B\u00f6en, \u00fcber den benachbarten Mangob\u00e4umen ein zweiter. Rote Blickpunkte vor Gewitterwolken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Montag. Nochmals Fr\u00fchst\u00fcck \u00e0\u00a0 la <span id=\"result_box\" class=\"short_text\" lang=\"fr\"><span class=\"\">fran<span data-dobid=\"hdw\">\u00e7<\/span>ais<\/span><\/span>e, dieses Mal in der Totaltankstelle. Nicht unbeliebt um 7 Uhr in der Fr\u00fch, sicher frequentiert von vielen Mitarbeitern des Raumfahrtzentrums, das nur wenige Kilometer entfernt liegt.<br \/>\nUnsere Tour stellt sich als wirklich lohnend heraus: zun\u00e4chst das Kontrollzentrum f\u00fcr die Einsatzleitung, die h\u00f6heren Chargen, f\u00fcr die Wissenschaftler, Politiker, Presse.\u00a0 Dann das noch wichtigere, in einem weit abgelegenen Bunker liegende f\u00fcr die Techniker. Die Geb\u00e4ude f\u00fcr den Zusammenbau der Ariane-Raketen und die Endmontage der Satelliten. Das Launchpad &#8211; alles mit viel informativen Fakten dargeboten, absolut sehens- und h\u00f6renswert; und entweder rutscht es heute schon besser als noch im Bagne von St. Laurent, oder die beiden Guides, Lucie und Renata, sind einfach besser zu verstehen. Nicht zu sehen bekommen wir das Sojus-Launchpad, denn dort wird ein Start vorbereitet; morgen, am Donnerstag um 08:54 werden wir an den Himmel starren! Interessant \u00fcbrigens die Stammbesatzung f\u00fcr das Gel\u00e4nde, neben Polizei und Gendarmerie auch die Feuerwehr, bei der wir uns schon auf der \u00cele Royale gewundert hatten, was die &#8211; auf einer Plakette verzeichnete &#8211; Pariser Feuerwehr hier zu suchen hat. Es sind nicht einfach die &#8222;pompiers parisiens&#8220;, sondern eine Milit\u00e4reinheit, die auf Explosivstoffe spezialisiert ist, und die auch die ersten sind, die den Startbereich nach einem Abschuss wieder betreten. Das Wachpersonal: die Fremdenlegion f\u00fcr den europ\u00e4ischen Teil der Startpads und die dazu geh\u00f6renden Geb\u00e4ude, sowie eine russische Eliteeinheit f\u00fcr den Sojusbereich; bestimmt alles ganz zarte Kerlchen. Dass hier \u00fcberhaupt Sojus abgeschossen werden liegt an einem Chartervertrag, den die ESA bzw. CNES insbesondere f\u00fcr das Galileo-Programm geschlossen hat. Dessen GPS-Satelliten sind f\u00fcr die kleine VEGA-Rakete zu dick, und f\u00fcr die Ariane zu klein, es sei denn, man schickt gleich 4 auf einmal hinauf. Im Vergleich zum schon verlinkten Start der gro\u00dfen (aber nicht mit der gigantischen Saturn der Amerikaner zu vergleichenden) Ariane hat die Sojus einen recht einfachen Start &#8211; rein kerosingetrieben geht das 6-5-4-3-2-1-bumm, d\u00e9collage&#8220;. Fertig. Da hat es die Ariane schon schwerer &#8211; faszinierend zu sehen: 4 Antriebseinheiten &#8211; die beiden Booster mit Festbrennstoff, einem Aluminiumperchlorat namens &#8222;Propergol&#8220;, in der Mitte der &#8222;vulcan&#8220;-Motor mit dem riesigen Zentraltank, der mit Sauerstoff und Wasserstoff gef\u00fcllt ist, und oben drauf noch einer f\u00fcr kryotechnischen Treibstoff f\u00fcr die Endphase, in der der Satellit seine neue Heimat erreicht.<br \/>\nZum Abschluss ein Film \u00fcber die ziemlich wertvolle und penibel kontrollierte \u00d6kologie des Areals &#8211; mit Jaguar und Anaconda und was sonst so kreucht und fleucht. Ihr seht &#8211; mir hat&#8217;s gefallen. Das kleine Museum auch &#8211; das stopfte noch einmal ein paar Verst\u00e4ndnisl\u00fccken. Wenn man so die Nase an einen Vulcan-Motor h\u00e4lt, fragt frau sich, was eigentlich an einer Fahrradnabe oder der Oberfadenspannung an meiner Bernina so schwierig ist. Guter Besuch!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nebenbei gab es noch eine weitere Begegnung mit einem Franzosen, der einige der unangenehmeren Details zum Leben in Franz\u00f6sisch Guyana beisteuerte. Als da w\u00e4re: die Tatsache, dass Ndyuka und andere St\u00e4mme aus allen Teilen der drei Guyanas nach &#8222;Frankreich&#8220; str\u00f6men, um an den Segnungen des franz\u00f6sischen Sozialnetzes teilzuhaben. Dazu muss man allerdings die Kinder in die Schule schicken, dann ist alles geritzt. Ein merkw\u00fcrdiges Kontrollmittel. Ob&#8217;s stimmt? Schwangerschaft ist auch eine Berechtigungsgrundlage, also sorgt man daf\u00fcr, dass die M\u00e4dchen sehr fr\u00fch schwanger werden, 11-j\u00e4hrige M\u00fctter sollen keine Seltenheit sein. Angeblich fahren auch Busse aus Paramaribo nach Albina, wo man sich zwecks kostenfreier \u00e4rztlicher Behandlung nach St.Laurent \u00fcbersetzen l\u00e4sst. Wir sind perplex &#8211; das erkl\u00e4rt den regen &#8222;kleinen Grenzverkehr&#8220;, den wir auf dem Maroni gesehen haben, zumal Claude zu berichten wusste, dass man nat\u00fcrlich zum Einkaufen nach Suriname f\u00fchre. Ob m\u00f6glicherweise die Freiz\u00fcgigkeit dieses Grenzverkehrs auch f\u00fcr Stabilit\u00e4t in der Region sorgt?\u00a0 Im S\u00fcden dringen die illegalen Goldgr\u00e4ber aus Brasilien \u00fcber die Grenze &#8211; da fragte auch der frankreichkritische Claude schon, warum man das nicht unterbinden kann und das Gold f\u00fcr die eigene Provinz ausbeuten. Ich f\u00fcrchte, die Frage ist einfach zu beantworten: das ist schlicht zu un\u00fcbersichtlich, dichtester Urwald, kein Weg, kein Steg. Xavier sagt: da sind richtige St\u00e4dte im Wald, mit allen Klassikern eines Goldrausches &#8211;\u00a0 Kneipen, Bordelle, Selbstjustiz. &#8222;&#8230; und dann kommt die Gendarmerie und bittet die Herren, das Land zu verlassen. Wenn die Polizei abr\u00fcckt, sind sie am gleichen Tag wieder da.&#8220; Hm&#8230; (Gold)R\u00e4uber und Gendarm. Doofes Spiel. Frankreichs problematischstes D\u00e9partement.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur\u00fcck nach St. Laurent. Wir haben drei ziemlich gute Tage erwischt in dieser regenreichen Jahreszeit. Sagte ich schon, dass die Regenzeit nicht nur gem\u00fctlich ist?\u00a0 AKKA kriegt regelm\u00e4\u00dfige Essigpackungen, gegen den Schimmel&#8230; Wie sie wohl aussieht, wenn wir wiederkommen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dienstag. Die Pirogenfahrt f\u00fcr \u00fcppige 8 Euro, der normale &#8222;wei\u00dfe Franzosen-Tarif&#8220; (braune und wei\u00dfe \u00e0\u00a0 4, schwarze Leute \u00e0\u00a0 3 \u201a\u00ac!). Wir besuchen kurz Moengo, ein St\u00e4dtchen, das mit ehemals sicher h\u00fcbschen und ger\u00e4umigen Wohnhausern gl\u00e4nzt. Gl\u00e4nzte &#8211; denn heute steht das meiste leer und ist dem Verfall preisgegeben; der Bauxitabbau ist versiegt, die Hafenanlagen am Fluss verwaist, die Gesch\u00e4fte leer. ALCOA hat das Land verlassen, es gibt auch keinen funktionierende Aluminiumschmelze mehr. Ein trauriger Anblick, nicht nur wegen des str\u00f6menden Regens. Heimw\u00e4rts, AKKA wartet! Et Roulez \u00e0\u00a0 gauche!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Domburg, 17.5.2017 Roulez \u00e0\u00a0 gauche &#8211; fahren Sie links! Viele solche Schilder haben wir in den letzten Tage gesehen, die ganze West-Ostverbindung zwischen dem Suriname Rivier und dem Marowijne Rivier ist damit gepflastert. Samstagmorgen: eine der beliebtesten AKKAnauten\u00fcbungen. 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