{"id":6573,"date":"2020-02-22T22:16:09","date_gmt":"2020-02-23T02:16:09","guid":{"rendered":"http:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/?p=6573"},"modified":"2020-02-22T22:16:09","modified_gmt":"2020-02-23T02:16:09","slug":"yatama","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2020\/02\/22\/yatama\/","title":{"rendered":"Yatama."},"content":{"rendered":"<p>Puntarenas, 18.2.2020<\/p>\n<p>Abgang aus La Fortuna. Bisschen spannend, weil nirgendwo ein Busfahrplan h\u00e4ngt. Tags zuvor hatte mir ein Mann beteuert, dass ab 8 alle Stunde einer nach Ciudad Quesada f\u00e4hrt. So finden wir uns gegen 9 ein, ich parliere mit einer jungen Nachbarin, die aber auch irgendwie keine Ahnung hat&#8230; bis deren Nachbarin ostentativ an die Decke voraus zeigt. Was hei\u00dft das? Steht in Gottes Hand, wann die Busse fahren? N\u00f6, ein gro\u00dfer LED-Bildschirm zeigt alles an, was ich wissen will. Dussel.<\/p>\n<p>Umsteigen in Quesada, dann rasch nach Puerto Viejo de Sarapiqui. Rasch&#8230; die gesch\u00e4tzten 1 1\/2 Stunden ziehen sich auf 3, und mal abgesehen davon, dass wir einen noch nicht bekannten Anschluss nach Horqueta erwischen m\u00fcssen, ben\u00f6tigt unser Lodgemanager eine ungef\u00e4hre Ankunftszeit, immerhin braucht er selbst 40 Minuten vom Berg herunter. Aber hurra, moderne Kommunikation:&nbsp; in Pt. Viejo gibt es endlich Netz, Pedro ruft via WhatsApp schon &#8222;what is you position?&#8220; . Der Anschlussbus scharrt bereits mit den Hufen, wir m\u00fcssen nur noch klarmachen, dass wir am SuperRoyka- Markt aussteigen wollen, und selbst das klappt, dank 220 Tagen Duolingotrainig (jaja, lacht nur. Hilft aber; die Verst\u00e4ndigung ist allerdings eher einseitig gut, da zun\u00e4chst immer eine schnell gerappelte Antwort kommt. Herrje&#8230;m\u00e1s despacio, por favor).<\/p>\n<p>Hola, Pedro! Wir entern seinen Mitsubishi Pajero (der hier aus gutem Grund Montero hei\u00dft, denn Pajero ist der Wichser&#8230;), eine alte Klapperb\u00fcchse, die f\u00fcr den Weg zur Lodge j\u00e4hrlich einen Satz neue Sto\u00dfd\u00e4mpfer und Reifen braucht. Auf den letzten 5 km wird es auch wirklich rumpelig &#8211; so m\u00f6gen wir&#8217;s, und Pedro freut sich, dass wir&#8217;s m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Tukane fliegen auf, die Weiden werden von Wald abgel\u00f6st, nach einer Dreiviertelstunde tut sich ein Tor auf: in den Regenwald. Yatama EcoLodge. Und fast niemand au\u00dfer uns. Doch, eine deutsch-schweizer Familie mit drei T\u00f6chtern und ein photow\u00fctiger Franzose mit Frau. Und Alba, die die K\u00fcche schmei\u00dft (und wie! Lecker!) Sch\u00f6ne Fachb\u00fcchersammlung *. Am netten, schlichten Holzhaus empf\u00e4ngt uns ein<a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;source=web&amp;rct=j&amp;url=https:\/\/www.youtube.com\/watch%3Fv%3DwVFuDeUQmYo&amp;ved=2ahUKEwjyrpz33tvnAhUEU80KHbOcCa4Qt9IBMBJ6BAgKEDc&amp;usg=AOvVaw2ZraYAG4O3lCfkzWWpGX43\"> Gelbhosen-Manakin<\/a> (guckt es Euch an&#8230; Manakins beim Balzen sind immer einen Blick wert. Es gibt auch welche, die mit den Fl\u00fcgeln singen und knallen). Es ist einfach sch\u00f6n hier oben, ziemlich exklusiv im Sinne von &#8222;nur f\u00fcr uns&#8220;. Eigentlich \u00fcber unserem Budget, aber die 70 Dollar, die wir pro Tag und Person einreichen, sind gut angelegt, denn nicht nur, dass wir ein nettes Holzhaus bewohnen, das keine Glasscheiben, sondern nur Insektennetz in den Fenstern hat (damit die Waldger\u00e4usche direkt ins Bett dringen, sagt Pedro; und es riecht nach feuchtem Wald, erg\u00e4nze ich), nein, au\u00dfer dem leckeren Essen gibt es auch mindestens eine gef\u00fchrte Waldwanderung am Tag, normalerweise 2. Sagte ich schon, dass es sch\u00f6n ist? Nach dem Abendessen machen sich Pedro und Adlatus Luis (der Reptilienspezialist) mit dem Franzosen in den n\u00e4chtlichen Wald auf. Schlangenjagd mit der Kamera. Langsam entfernen sich die Kopfleuchten, die durchs Unterholz blitzen. Uns wird es schon bettschwer nach dem langen Tag im Bus. Andreas streift vor der T\u00fcr vom Gemeinschaftshaus umher &#8211; und wenn er so ganz harmlos tut, dann ist was im Busch: &#8222;&#8230; gib doch mal Deine Kamera!&#8220; Warum? &#8222;&#8230; ach, nur ein Frosch!&#8220; Da sitzt doch direkt vor unserer Nase das Vieh, das hier alles sehen wollen: ein etwas verpennter Rot\u00e4ugiger Baumfrosch, und der Kollege Maskenbaumfrosch nur ein paar Schritte weiter. Wir verlegen unsere erste Nachtwanderung auf die Terrasse.<\/p>\n<p>Es stellt sich auch gleich das Problem der kommenden Tage ein &#8211; der Eigner hat sich in Deutschland eine neue Kompakt-Reisekamera gekauft, und k\u00e4mpft mit der un\u00fcberschaubaren Vielzahl an Einstellungen. Freundlicherweise hat er mir seine alten Canon weitergegeben, wahrscheinlich, damit er nicht allein zu k\u00e4mpfen hat. Wie oft sagen wir dieser Tage, dass es mit einem 36er&nbsp; Film in einer Agfa Klack leichter war? Oft. Ich stecke meine Kamera dann auch weg und konzentriere mich aufs schlichte Gucken, da gibt es genug Gelegenheit. Auch genug zu Fluchen, f\u00fcr mich, denn Yatama liegt in den Bergen &#8211; Regenwaldstiefelei (im wahrsten Sinne des Wortes, ohne Leih-Gummistiefel geht nichts!) bergauf und bergab ist total anstrengend, rutschig, steinig. Und sch\u00f6n dazu. Man muss gestehen, dass es nicht einfach ist, die sehenswerten Dinge zu entdecken, da kommt die Waldf\u00fchrung ganz recht. Yatama liegt in einem Sekund\u00e4rwaldgel\u00e4nde an der Grenze zum Braulio Carillo-Nationalpark. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich der erst vor 20 Jahren auf alten Weidefl\u00e4chen aufgeforstete Wald zu einem veritablen Regenwald entwickelt hat &#8211; nat\u00fcrlich geh\u00f6rt zu unserem Revier auch der angrenzende Prim\u00e4rwald auf dem Nationalparkgel\u00e4nde. Zu mehr als Tapirspuren reicht es zwar nicht, kein Jaguar weit und breit, aber Agutis und Nasenb\u00e4ren kommen bis direkt ans Haus, nachts schmei\u00dft ein Opossum, das im Baum \u00fcber uns haust, mit Birnenfr\u00fcchten, das knallt so sch\u00f6n (denkt das Opossum&#8230; wir eher nicht). Wenn niemand schmei\u00dft, prasselt tropischer Regen aufs Dach, oder die gro\u00dfen Soldatenaras kreischen im Morgengrauen um die Wette. In der Ferne schreit ein Br\u00fcllaffenm\u00e4nnchen, so gut es kann (muss es ja, es sind die mit dem geringsten Testosteronspiegel, die am lautesten br\u00fcllen). Rote Pfeilgiftfr\u00f6sche mit blauen Hosen gibt es, eher unscheinbare Pristimantis-Fr\u00f6schlein, ein K\u00f6nigsspecht &#8211; ba-bamm! &#8211; h\u00e4mmert auf einen hohlen Baum ein**. Ein Motmot versucht sich in Camouflage &#8211; man m\u00f6chte denken, dass ein so bunter Vogel auff\u00e4llig ist, aber im Blattgewirr und dem st\u00e4ndig wechselnden, schwachen Licht l\u00f6st er sich quasi optisch auf. Die Insekten- und Spinnenschar ist nat\u00fcrlich auch vertreten, Gottesnabeterinnen und Stabheuschrecken, Taranteln und die allgegenw\u00e4rtigen Blattschneiderameisen, denen man st\u00e4ndig zusehen m\u00f6chte. Da fahren wehrhafte Soldaten auf der Last mit, es scheint auch Vorhuten zu geben, die mal eine Probe von einer blauen Bl\u00fcte anschleppen: &#8222;&#8230;wie w\u00e4re es heute damit? Nur eine halbe Stunde durchs Unterholz von hier&#8230;Ich habe schon eine Pheromonspur gelegt.&#8220; &#8211; eine unglaubliche Leistung. Nat\u00fcrlich auch bullet ants, die 24h-Ameise, eine der gr\u00f6\u00dften Tropenameisen, vor der man sich gut in Acht nehmen sollte. Was wieder zur\u00fcck zu den beschwerlichen Wegen im Wald f\u00fchrt &#8211; so uneingeschr\u00e4nkt nach einer sichernden Liane greifen mag man nicht, wenn&#8217;s rutschig wird. K\u00f6nnte ja eine Schlange sein oder eine bullet ant dran sitzen. Ach ja, Lianen. Und Epiphyten. Und gewaltige B\u00e4ume&#8230;&nbsp;<\/p>\n<p>Zu kurz war&#8217;s. Am vierten Tag rumpelt uns Pedro wieder zur Hauptstra\u00dfe. \u00dcberraschungsbus nach Gu\u00e1piles und \u00fcber ein paar Stationen weiter an die Karibikk\u00fcste. Aber das ist eine andere Geschichte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr>\n<p>* Wer Lust hat, googelt oder Ecosia-t mal den Bildband von Armin Dett, Moths of Costa Rica. Ein wunderbares Coffee Table Book. Es ist so unglaublich &#8222;entomologist&#8220;.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>** Sch\u00f6ne Waldbilder und eine witzige Story&#8230;<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Talking with a Pale-billed Woodpecker\" width=\"584\" height=\"329\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/ajVQ0orAGyY?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Puntarenas, 18.2.2020 Abgang aus La Fortuna. Bisschen spannend, weil nirgendwo ein Busfahrplan h\u00e4ngt. Tags zuvor hatte mir ein Mann beteuert, dass ab 8 alle Stunde einer nach Ciudad Quesada f\u00e4hrt. 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