{"id":6600,"date":"2020-03-10T17:13:23","date_gmt":"2020-03-10T21:13:23","guid":{"rendered":"http:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/?p=6600"},"modified":"2020-03-10T17:13:23","modified_gmt":"2020-03-10T21:13:23","slug":"nicaragua","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2020\/03\/10\/nicaragua\/","title":{"rendered":"Nicaragua"},"content":{"rendered":"<p>Rio Dulce, 10.3.2020<\/p>\n<p>Das wird ein kurzer Eintrag&#8230;&nbsp;<\/p>\n<p>Nicaragua stand eigentlich gar nicht auf dem Programm, eher eine &#8222;wenn wir schon mal hier sind&#8220;-Station. F\u00fcr die Geografie-Unge\u00fcbten: unser Weg von Costa Rica nach Guatemala, das ja urspr\u00fcnglich unser Erstziel sein sollte, f\u00fchrt zwangsl\u00e4ufig \u00fcber Nicaragua, Honduras und El Salvador.<\/p>\n<p>Erster Stopp nach elend langen Grenzprozeduren in Pe\u00f1as Blancas ist Ometepe im Nicaraguasee &#8211; das ist der, der immer mal wieder in der Diskussion ist f\u00fcr einen alternativen Kanal von der Karibik in den Pazifik, schon seit 150 Jahren. Derzeit sind die Pl\u00e4ne auf tropisches Eis gelegt, der chinesische Billion\u00e4r, der das zuletzt geplant und sogar begonnen hat, ist pl\u00f6tzlich keiner mehr, seine Investmentgesellschaft hat sich&#8230; verdaddelt, aber was 150 Jahre w\u00e4hrt, kann sicher auch wiederbelebt werden. Zun\u00e4chst scheint das mal schlecht f\u00fcr die nicaraguanische Wirtschaft, besser aber f\u00fcr die ohnehin geschundene Natur, denn den zweitgr\u00f6\u00dften See S\u00fcdamerikas von einem S\u00fc\u00dfwasser- in einen Salzwassersee zu wandeln, h\u00e4tte weitreichende Wirkung, \u00f6kologisch gesehen. Das Projekt als solches ist auch sozialpolitisch extrem umstritten, geht es doch mit massiven Enteignungnen einher, zumal in Gebieten mit indigener Bev\u00f6lkerung. Und innenpolitisch, man horche auf, ist der Chef des nicaraguanischen Entwicklungsb\u00fcros der Sohn von Daniel Ortega, dem ehemaligen Hoffnungstr\u00e4ger der Sandinisten, heute wieder Regierungschef und gehasster Despot. Und nicht genug mit Ortega-Kl\u00fcngel: da die Investmentgesellschaft eine chinesische ist\/war, sprich: es eigentlich &#8222;die Chinesen&#8220; waren, die da ihre Finger ausstrecken, h\u00e4tten sich, wie die USA&nbsp; in Panam\u00e1, die Erbauer des Kanals mit den Enteignungen weitreichende Land- und Abbaurechte erschlichen. Sehr anr\u00fcchig und alles allzu wohlbekannt in der zentralamerikanischen Geschichte, nur mit dem Unterschied, dass hier der neue &#8222;Kolonialherr&#8220; von der anderen Pazifikseite k\u00e4me. Die nicaraguanische Bev\u00f6lkerung ist allerdings auf der Hut &#8211; die Unruhen im Sommer 18 nahmen ihren Ausgang von den Kanalbaupl\u00e4nen. Warten wir&#8217;s ab. W\u00fcnschenswert w\u00e4re so ein Kanalbau nicht.<\/p>\n<p>Wir erreichen mit Ach und Krach die letzte F\u00e4hre von San Jorge nach Moyogalpa auf Omotepe, schultern nach einer Stunde Sunsettour auf dem See die Rucks\u00e4cke und wandeln an zahlreichen &#8211; eher unbelebten &#8211; Toruistenllokalen entlang Richtung Hostel. Es ist sehr dunkel. Am Ortsende grillt eine Dame das unvermeidliche H\u00fchnchen, ein bisschen Schwein und ein bisschen Rind. Dazu gibt es Tortillas und&#8230; schaaarf! Die letzte Erfahrung mit &#8222;schaaaarf&#8220; l\u00e4sst uns z\u00f6gern. Zu Recht. Des Eigners Gesicht nach einem gro\u00dfz\u00fcgigen L\u00f6ffelchen &#8222;Chile&#8220; auf seiner Ceviche in San Jos\u00e9 werde ich so bald nicht vergessen, aber auch ohne ist es lustig, in einem Vorgarten zu sitzen und sich von einem von Mopeds umkurvten Grill das Abendessen hereinreichen zu lassen. Auf den &#8222;frischen Saft&#8220; aka refresco natural aus der Plastikt\u00fcte verzichten wir, zu dunkel der Platz f\u00fcr eine optische Kontrolle! Wenige hundert Meter weiter warten die Wirte von der Casa Mauro, mit denen wir schon von der Grenze aus im Mailkontakt standen (&#8222;&#8230; wissen nicht, ob wir die F\u00e4hre schaffen&#8230; &#8220; ). Ein zum Hostel umgewandeltes Geh\u00f6ft, ein paar H\u00e4ngematten unterm Vordach, schlichte Zimmer, alles ein bisschen grob. Sehr nette Leute, Mutter Sohn und Enkelin betreiben das Hostel, obendrein gibt es einen den G\u00e4sten sehr zugewandten Jung-Husky, der das Dauerbellen noch verlernen sollte &#8211; was macht so ein aufs Rennen versessener Hund aus kaltem Klima an einer Kette in den Tropen? Kleiner Wermutstropfen..<\/p>\n<p>Wir erkunden den Ort und die Insel, und so vergeht die &#8222;wo wir schon mal hier sind&#8220;-Zeit. Die dem Festland abgewandte Seite, insbesondere der Ort Alta Gracia, erinnert uns dann schon sehr an das bescheidene \u00c4u\u00dfere von Kuba. Nicht zuletzt wegen der B\u00fcrgerkriegsmahnmale \u00e0 la &#8222;Genosse Pedro&#8230; k\u00e4mpfte heroisch in den Nordprovinzen&#8220;. Die meisten Todesdaten 1983\/84. Wo man geht und steht &#8211; der Kalte Krieg, seine hei\u00dfen Stellvertreterkriege und das scheindemokratische Gefummel der USA verl\u00e4sst einen nicht. Hier: erst Somoza. Die Sandinisten, die ihn abl\u00f6sten. Reagan, der das nicht zulassen mochte und die Contras unterst\u00fctzte&#8230; kein Ende in Sicht.<\/p>\n<p>F\u00e4hre zur\u00fcck nach San Jorge, Sammeltaxi nach Rivas, Chickenbus nach Granada. Das ist die alte Hauptstadt Nicaraguas, spanisches Kulturerbe pur und Touristenmagnet &#8211; wir kommen in der Casa Amarilla unter, in einer Seitenstra\u00dfe zum alten Zentrum; nicht so leicht zu erreichen von der Chickenbus-Haltestelle. Wem traut man mehr, dem Herrn, der hinter einem &#8222;nicht dort runter&#8220; ruft (jau, war ziemlich unbefestigt und ein bisschen \u00e4rmlich!) oder Google Maps? GM nat\u00fcrlich und prompt ist die Stra\u00dfe, die eigentlich \u00fcber einen Fluss f\u00fchren sollte und direkt zu unserem Haus f\u00fchrt, mit Wellblechw\u00e4nden gesperrt. Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, dass hier ein ziemlich armes Viertel von einem getrennt wird, in dem sich Touristen und das nur mittelarme Granada treffen. Egal, wir finden eine Br\u00fccke, nach einer Weile auch unsere Casa Amarilla, und die ist toll: ein veritables ger\u00e4umiges Ferienappartment. Mit&nbsp; K\u00fchlschrank und Mixer (ha! Kalter Kaffee, Fruchtmatschegetr\u00e4nke! Bratkartoffeln vom 3-Flammen-Gaskocher!). Das genie\u00dfen wir ein paar Tage. W\u00e4schereibesuch und so, quasi ein bisschen Haushalting, und alles im altkolonialen Umfeld &#8211; es kommt einem schon sehr spanisch vor. Abends die volle Dr\u00f6hnung Livemusik und Stra\u00dfenbier f\u00fcr alle, Nicas und Touris vereint, gl\u00fccklicherweise in ohrfreundlicher Distanz zu unserer Bleibe.<\/p>\n<p>Weiter! Managua! Das ist noch mehr &#8222;Kuba&#8220; &#8211; au\u00dfer viel schlichter Wohnbebauung leicht \u00fcberdimensionierte Moderne in Form von weitr\u00e4umigen Stra\u00dfen und Kreiseln mit zum Beispiel einem gro\u00dfen Hugo Chavez, um den sich nun alles dreht. Hola, Hugo!&nbsp; Mehrst\u00f6ckige Geb\u00e4ude gibt es wegen der Erdbebengefahr nur sehr wenige;&nbsp; au\u00dfer ein paar Prachtbauten der Regierung und, was sonst, den Hotelbauten der ausl\u00e4ndischen Ketten ist alles maximal 2-geschossig, was den Eindruck nicht \u00fcberm\u00e4chtig werden l\u00e4sst. Der Managuasee ist leider gekippt, schon seit Jahren, daran hat auch die&nbsp; mehrheitlich deutsch finanzierte Kl\u00e4ranlage nichts \u00e4ndern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zum Besuch von Managua gibt es eher negative Meinungen, und wir lassen uns hier folgerichtig sch\u00f6n verunsichern. Wir setzen die Rucks\u00e4cke im netten Hostal Los Cisneros ab (diese zentralamerikanischen H\u00e4user mit den sch\u00f6nen Innenh\u00f6fen sind toll!) und marschieren in die nahe Busstation., denn mit TicaBus wollen wir weiter nach Guatemala. Gelesen hatten wir schon zur Sicherheitssituation in Managua, tags\u00fcber w\u00e4ren diese 300 m oder 1 1\/2 Blocks geradeaus und noch einer nach rechts gar kein Problem &#8211; aber in diesem Viertel hei\u00dft es die Dunkelheit zu meiden. Hei\u00dft es&#8230; Und siehe da, der Bus f\u00e4hrt morgens um 5. Minus 45 Minuten vorher dort sein bedeutet das: um 4 Uhr durchs Viertel stiefeln. Wir fragen rum&#8230; TICABus-Angestellter: dann solltet Ihr lieber knapp hierher kommen, ab 4:30 sind die Stra\u00dfen etwas voller. Hotelrezeptionist: nebenan ist die japansiche Botschaft, da steht die Polizei! (Hm, ja, nebenan ist relativ. 1 Block in die falsche Richtung, und ob die dann, wenn wir gerade eins \u00fcber den Sch\u00e4del kriegen, in die richtige Richtung gucken und losrennen?). Am Abend machen wir einen Testgang. Hotelbesitzer (und Notar&#8230;): ach, nee, in diese Richtung lieber nicht laufen. In die andere gern. Wir laufen trotzdem bis zum Eck &#8211; es sind auch noch Familien mit Hund und Kind unterwegs, man l\u00e4uft mitten auf der Stra\u00dfe. Da kommt eine Stimme vom Gehweg: &#8222;&#8230; das solltet Ihr nicht tun, nach Einbruch der Dunkelheit im Hotel bleiben. Hier ist es gef\u00e4hr&#8230;&#8220;. Genau die Nachricht, die ich gern h\u00f6re, so was Bl\u00f6des. Und hier eiern wir dann um 4 mit Gep\u00e4ck rum? Wir mischen uns in der Eckkneipe noch ein bisschen unters Volk, bei R\u00fcckkehr hat das Hostel schon die Gitter verschlossen, das tr\u00e4gt alles zu meiner Begeisterung bei. Das Ende vom Lied? Wir geben unser Zimmer in der zweiten Nacht auf und kaufen uns ein Bett im Busbahnhof. Feige Bande&#8230; oder zumindest zu 50% feige.&nbsp;<\/p>\n<p>Das war dann Nicaragua &#8211; ja, wir haben die K\u00fcste ausgelassen, wo sich die backpackende Jugend der Welt surfenderweise finanziell vom teuren Costa Rica erholt (tats\u00e4chlich, Backpacker, die riesige Surfbretter herumschleppen sind kein Einzelfall!). Der Bus f\u00e4hrt auf die Minute p\u00fcnktlich los, die Grenzabfertigung nach Honduras geht unkompliziert, nach ein paar Stunden ist man in El Salvador. Da kommt dann erstmalig Corona ins Spiel, wir werden mit Infrarotthermometern beschossen und m\u00fcssen Kontaktdaten angeben (Anweisung an den Chef: nicht husten!). Nicht ganz fahrplanm\u00e4\u00dfig ein pl\u00f6tzlicher Busstopp ca. 150 km vor San Salvador &#8211; Getriebedefekt. Der Fahrer bugsiert uns r\u00fcckw\u00e4rts 2 km zur\u00fcck an eine &#8222;sicherere Stelle&#8220;.&nbsp; Da b\u00e4ckt eine Frau die salvadorianische Nationalspeise namens Pupusas, mit Hackfleischmasse gef\u00fcllte Maisfladen. Sehr nett. Bis Ersatz kommt ist es allerdings stockeduster und Vvn San Salvador sehen wir so nur einen erstaunlich modernen und amerikanisierten Innenstadtteil und&#8230; das Tica-Hotel. Wird schon seinen Grund haben, dass die Busgesellschaft ihre Sch\u00e4fchen nicht allein herumtraben l\u00e4sst. Es folgt ein weiterer 5-Uhr-Bus.<\/p>\n<p>Ein paar Stunden und ein Infrarotthermometer sp\u00e4ter rollen wir in Guatemala Stadt ein. Ab hier wird&#8217;s Maya!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rio Dulce, 10.3.2020 Das wird ein kurzer Eintrag&#8230;&nbsp; Nicaragua stand eigentlich gar nicht auf dem Programm, eher eine &#8222;wenn wir schon mal hier sind&#8220;-Station. 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