{"id":6763,"date":"2020-09-21T10:34:21","date_gmt":"2020-09-21T14:34:21","guid":{"rendered":"http:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/?p=6763"},"modified":"2020-09-21T11:23:09","modified_gmt":"2020-09-21T15:23:09","slug":"winterdeckenalarm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2020\/09\/21\/winterdeckenalarm\/","title":{"rendered":"Winterdeckenalarm"},"content":{"rendered":"<p>Deltaville, 21.9.2020<\/p>\n<p>&#8230; der Sommer ist vergangen, ich seh&#8216; des Herbstes Schein.&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oh je, es ist kalt geworden in den letzten Tagen, und daran \u00e4ndert auch die Aussicht auf ein paar warme Tage in dieser Woche wenig. 24 Grad sind ja auch nicht wirklich viel. Der Swimmingpool hat, nachdem ich am Freitag ein letztes Mal plantschen war, seit gestern geschlossen, und es tut bei diesen Temperaturen nicht mal wirklich weh. Am Mittwoch kam Hurrikan &#8222;Sally&#8220; von achtern durch, brachte bei noch warmen Temperaturen tagelangen Regen und lie\u00df dann die T\u00fcr nach Norden offen. Brr. Und so erwischt mich gestern der Wunsch, m\u00f6glichst bald in w\u00e4rmere Gefilde aufzubrechen. Ein sehr frommer Wunsch&#8230; bis der in Erf\u00fcllung geht, h\u00f6ren wir w\u00e4rmende Musik (ich habe zum Jahrestag von Hurrikan Maria ein sch\u00f6nes <a href=\"https:\/\/youtu.be\/xCmFLhCQhEw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Remix von Lin-Manuel Mirandas Puerto Rico Song<\/a>&nbsp; entdeckt. Das w\u00e4rmt in der Tat!).&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass Sally hier war und zeitgleich Maria-Jahrestag (daher der Puerto Rico-Song) 2017, wirft ein Licht auf die recht wirbelige Saison im Atlantik &#8211; hatten wir voriges Jahr gerade mal D wie Dorian durchgewinkt, ist den Wetterfr\u00f6schen in diesem Jahr schon das Alphabet ausgegangen, als Ersatz dient das griechische&#8230; Beta steht gerade im Golf von Mexiko, aber nun darf sich das Geschehen gern beruhigen. W\u00e4re in unserem Sinne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben mittlerweile einen Entspannungsausflug (Entspannung vom Dauerbastelurlaub) hinter uns gebracht: Am letzten Montagmorgen hurtig mit dem (Leih)Auto nach Baltimore. Erstens brauchen wir ein neues Cruising Permit f\u00fcr die USA, zweitens hatten wir vor Kurzem mal die Haube vom Kompass genommen&#8230; huch? Was&#8217;n das f\u00fcr eine Luftblase? Kennen wir doch&#8230; anno 10, Tonga-Neuseeland. Wenn es k\u00fchl wird, zieht sich D\u00e4mpfungsfl\u00fcssigkeit zusammen. Dann ist die gealterte Ausgleichsmembrane gefordert, und wie das so mit \u00e4lteren Herrschaften ist &#8211; alles nicht mehr so elastisch&#8230; Inkontinenz nennt man das wohl. Also auf zum Kompassservice.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">War sch\u00f6n, Donald T.&#8217;s &#8222;rat infested shithole&#8220; zu besuchen. Es sieht tats\u00e4chlich schwer nach industriellem Niedergang aus, oder nach Niedergang der Schwerindustrie, und Brian, unser Mr. Kompass, warnte auch, den inneren Stadtbezirk nicht zu verlassen, denn das m\u00f6ge durchaus gef\u00e4hrlich sein. Auf der Suche nach einem fu\u00dfl\u00e4ufigen Supermarkt (witzig, witzig, die Idee. This is the USA&#8230; wir sind im Endeffekt im CVS Drugstore gelandet) kamen uns dann am Abend auch folgerichtig Zweifel. Das Hotel \u00fcbrigens weitgehend leer, schicke Suite im 11. Stock, Fr\u00fchst\u00fcck &#8222;americano&#8220;, bah. Daf\u00fcr alles prima mit Maske, was die Schipperin beim Abholen der Fr\u00fchst\u00fcckst\u00fcte erst merkt, als sie nackt an der Rezeption steht. Mund-Nasen-nackt, versteht sich. Als Boatyardanwohner ist man da nicht so in \u00dcbung, aber der Mensch braucht Lehrst\u00fccke.&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend wir also auf die F\u00fcllung und Reparatur unseres Kompasses warten, ist Gelegenheit, die Sache mit dem Cruising Permit in Angriff zu nehmen, und Customs and Border Protection ist eines unserer Lieblingsst\u00fccke im B\u00fcrospiel. Das sch\u00f6ne, alte Zollhaus ist gleich ums Eck. Pr\u00e4chtig. Viel dunkles Holz, Stuckdecken, ein bisschen Gold, dazu l\u00e4cheln Trump\/Pence vom Sims. Pr\u00e4chtig leer allerdings. Room 120.&nbsp; Die lange Reihe der Schalterfenster ist mit einer Dame im Hintergrund besetzt, die uns ostentativ den R\u00fccken zukehrt. Schlie\u00dflich tritt ein sehr freundlicher, zivil gewandeter Herr auf. &#8222;Well&#8220;, sagt er, &#8222;&#8230; das ist schon das richtige Haus&#8220;. Oder bis vor Kurzem sei es das gewesen, die Schifffahrtssektion sei aber zum Flughafen umgezogen. Ja, logisch. Hafen=Flughafen. H\u00e4tten wir uns denken k\u00f6nnen. Wir werden mit einer Ortsanweisung gebrieft und bekommen gleich noch ein &#8222;&#8230; ich wei\u00df auch nicht, wann und wie dieser Mist hier ein Ende nimmt&#8220; hinterhergerufen &#8211; war das jetzt regierungskritisch? Der Officer jedenfalls hat Heimweh nach M\u00fcnchen. Ach, wie war es doch vordem in der Army so bequem: W\u00fcrstel und Bier statt Institutionenabbau. Nett. Und desillusionierend.<br \/>\nZweiter Akt. Auto aus dem Valet Parking abrufen (Premiere f\u00fcr uns! Valet Parking, also &#8222;Autoschl\u00fcssel l\u00e4ssig dem Portier zuwerfen&#8220;, hatten wir noch nicht). Raus zu Washingtons drittem Flughafen, \u00fcbrigens mit Namen Thurgood Marshall, seines Zeichens wichtiger Supreme Court Chefrichter &#8211; ich hoffe, die gerade verstorbene Rechtsikone RBG, The Notorious Ruth Bader Ginsburg, kriegt einen Weltraumbahnhof! Der Flughafen ist ein bisschen schockierend &#8211; schon in der Ann\u00e4herung sehen wir v\u00f6llig leere Parkpl\u00e4tze und drinnen&#8230; applaudieren wir jedem Reisenden, den wir treffen, einzeln. Nichts, aber wirklich nichts los, und das liegt nicht an der Mittagszeit. Freund Jochen beschreibt den Flughafen aus dem vorigen Jahr als &#8222;brummend&#8220;, w\u00e4hrend hier derzeit nur die Klimaanlagen brummen. Das CBP-B\u00fcro zu finden ist mittelschwierig, unter Missachtung von &#8222;kein Zutritt&#8220;-Schildern windet sich ein schmaler, dunkler Gang durch das fensterlose erste Untergeschoss, macht einen Knick und endet an einem Zwei-Fenster-Schalter. Kein Stuck, keine dickes Holz, kein Gold, daf\u00fcr Sackgasse, wohl mit Bedacht, denn laut Jochen werden hier auch die verd\u00e4chtigen Einreisenden hingef\u00fchrt. Eben Jochen und Helga&#8230;. Wir sind nicht sicher, ob wir hier richtig sind. Der gem\u00e4chlich reagierende Officer am Schalterfenster &#8211; wir \u00fcberholen eine Reihe von &#8222;Verd\u00e4chtigen&#8220;, die irgendwie slawisch sprechen &#8211; best\u00e4tigt aber, dass man &#8222;unfortunately&#8230;&#8220;, also ungl\u00fccklicherweise die Schifffahrtssektion hierher verlegt habe. Klingt ja alles total fr\u00f6hlich und zufrieden beim CBP und der Homeland Security. Der uns behandelnde Officer allerdings ist fix und verst\u00e4ndnisvoll, fragt ein bisschen nach Woher und Wohin, wann wir eingereist sind und wieder ausreisen wollen, und kommt nach 10 Minuten mit einem schmucklosen Blatt wieder, das nun als Cruising Permit in unserem Ordner ruht. Ich denke, das Wesentliche ist die Aufnahme ins elektronische System &#8211; wir m\u00fcssen eine &#8222;Nummer&#8220; haben. Haben wir.<br \/>\nDer Rest des Aufenthaltes ist Tourismus, Besuch in Annapolis, das Seglerzentrum der Chesapeake Bay (Annapolis Boatshow gerade frische ausgefallen&#8230;), Besuch am Fort McHenry, wo das erste Mal das &#8222;Star Spangled Banner&#8220; wehte, vor dem man nicht auf die Knie gehen darf, Spaziergang am &#8211; in seltsamem Kontrast zum verfallenden Industriehintergrund stehenden &#8211; glitzernden Hafen von Baltimore (nein, wir waren nicht bei der Cheesecake Factory, und ja, die historischen Schiffe sind alle geschlossen&#8230;). Ein Tag in Washington &#8211; wir parken am neuen &#8222;Black Lives Matter&#8220; Triangle, wo noch immer der riesige Schriftzug auf der Stra\u00dfe prangt, in Spuckweite zum Wei\u00dfen Haus. Die Glasfronten sind zwar mit Holz verschlagen, aber die H\u00e4user mit &#8222;BLM&#8220; Schildern bepflastert. Beeindruckend. Beeindruckend auch, dass das Parkhaus quasi so leer ist wie sich die National Mall &#8211; die Verbindung zwischen Capitol und Lincoln Memorial &#8211; eigentlich wie die ganze Stadt als leer herausstellt. Keine Touristen, nur vergleichsweise wenige, gesch\u00e4ftige Ortsans\u00e4ssige, und die Leere im Parkhaus ist den &#8222;Home Office&#8220;-Zeiten geschuldet &#8211;&nbsp; in dem B\u00fcrogeb\u00e4ude sitzen Firmen wie die New York Times, aber die sind halt alle daheim.<br \/>\nDonald ist nicht zugegen, der reist umher und t\u00f6nt. Um dem etwas entgegenzusetzen, spiele ich ich unseren Tischnachbarn beim Fr\u00fchst\u00fcck in South Side Diner in Baltimore am letzten Tag des Ausfluges dieses sch\u00f6ne Lied vor &#8211; ich glaube, ich habe es schon einmal verlinkt, aber da es Laune macht und auch politische Neuerungen aufgenommen hat (die Taliban, zum Beispiel) kommt es hier noch einmal, und die Tischnachbarn, afroamerikanisch, versprechen, sich daran zu halten: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=JlZg-dObruo\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vote Him Away.<\/a><br \/>\nWas das betrifft sind wir gespannt. Was auch immer passiert, hier spielt sich ein Krimi ab &#8211; eben lese ich, dass Donnie (von Freunde gern IQ45 genannt) gerade angedroht hat, eine &#8222;presidential executive order&#8220; zu erlassen, die die Wahl von Biden unterbinden soll. Nein, das steht nicht in der &#8222;Onion&#8220;. Und die einen Leute jubeln, w\u00e4hrend andere sagen, dass sie sich keinen Biden-Bumpersticker ans Auto bappen &#8222;because you never know&#8220;. So weit ist es gekommen.<br \/>\nDr\u00fcckt mal sch\u00f6n die Daumen, dass wir einen zeitigen und eleganten Weg heraus finden. Nicht nur wegen des Wetters &#8211; wir ziehen uns warm an, politisch gesehen. Wetterm\u00e4\u00dfig? Winterdeckenalarm.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deltaville, 21.9.2020 &#8230; der Sommer ist vergangen, ich seh&#8216; des Herbstes Schein.&nbsp; Oh je, es ist kalt geworden in den letzten Tagen, und daran \u00e4ndert auch die Aussicht auf ein paar warme Tage in dieser Woche wenig. 24 Grad sind &hellip; <a href=\"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2020\/09\/21\/winterdeckenalarm\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":"","jetpack_publicize_message":""},"categories":[1],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9lYZL-1L5","jetpack_likes_enabled":true,"jetpack-related-posts":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6763"}],"collection":[{"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6763"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6763\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6769,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6763\/revisions\/6769"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6763"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6763"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6763"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}