{"id":6775,"date":"2020-11-02T19:03:24","date_gmt":"2020-11-02T23:03:24","guid":{"rendered":"http:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/?p=6775"},"modified":"2020-11-02T19:03:24","modified_gmt":"2020-11-02T23:03:24","slug":"can-we-have-merkel-for-a-bit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2020\/11\/02\/can-we-have-merkel-for-a-bit\/","title":{"rendered":"Can we have Merkel for a bit?"},"content":{"rendered":"<p>Deltaville, 2.11.2020<\/p>\n<p>Wir stehen immer noch an Land, na sowas. Heute waren wir wirklich ganz nahe dran am &#8222;Splash&#8220;. Freitag war das Wetter zum gew\u00fcnschten Zeitpunkt ganz mies, der Regen flog mir auf dem Radelweg zum Klo waagerecht in die Augen, au\u00dferdem hing noch eine andere reparaturbed\u00fcrftige Yacht in den Gurten des Travellifts. Und Lee, Yardchef und Aushilfsfahrer, hatte auch keine wirkliche M\u00f6ge. Vertagt. Auf heute. Als es eben 14:30 schl\u00e4gt, machen wir uns auf die Suche&nbsp; und finden den Travellift arbeitslos und verwaist. &#8222;&#8230;zu viel Wind &#8230; zu viele Boote am Ponton&#8220;, was einem alles so einf\u00e4llt; noch dazu fast die gesamte Crew der Schwester-Marina Stingray Point heute&nbsp; coronakrank &#8211; man unterscheide hier zwischen Covid19 und Corona; auch die Coronalast aus zu vielen Bierflaschen f\u00fchrt zu Unwohlsein (besonders am Montagmorgen).&nbsp; Nun denn &#8211; es ist wirklich arscheskalt heute, der Wind weht gemein, uns ist es recht, wir sind fertig f\u00fcr&#8217;s Zuwassergehen, und morgen sind wir dran. Punkt. Und das wird spannend, Akka war schlie\u00dflich 15 geschlagene Monate an Land.<\/p>\n<p>Eine kleine Sorgenfalte weniger haben wir schon jetzt: kurz sah es so aus, als ob wir entgegen dem Plan, durch den Intracoastal Waterway nach Beaufort in North Carolina zu tuckern, drau\u00dfen im Atlantik am schauerlichen Cape Hatteras vorbei segeln m\u00fcssten: eine Barge rumpelt letzte Woche gegen die Eisenbahnbr\u00fccke im Hafen von Norfolk, und die Coast Guard spricht daraufhin von &#8222;bis zu 30 Tagen Verzug&#8220;, bis die Br\u00fccke wieder \u00f6ffnen kann (ja, man kann unter der geschlossenen Br\u00fccke durchfahren. Wenn man unter sechs Fu\u00df H\u00f6he misst. Wir messen achtundf\u00fcnfzig, das wird knapp.) Die Segelstrecke ist machbar nur einfach nicht unsere erste Wahl. Wir fragen rum nach pers\u00f6nlichen Erfahrungen, und die lauten von &#8222;kein Problem, wenn man aufpasst&#8220; \u00fcber &#8222;entweder 30 Meilen westw\u00e4rts von Hatteras (das ist der Intracoastal Waterway!) oder 200 Meilen \u00f6stlich vom Golfstrom&#8220; bis &#8222;never in my life, not at this time of the year&#8220;. So sind sie, die sozialen Medien. Aber im Ernst, nicht nur, dass man es hier vor der T\u00fcr mit dem Golfstrom zu tun hat, es ergibt sich sofort verst\u00e4rktes Wetterraten, und das sieht derzeit gar nicht so nett aus, oder doch zumindest etwas verwirrend: hatte das amerikanische GFS-Modell gestern noch einen fetten Starkwind-Blob im S\u00fcden, nicht so jedoch ECMWF , das europ\u00e4ische (h\u00e4ufig zutreffendere) Modell, sieht es heute genau andersherum aus&#8230; und wenn Wettermodelle sich so widersprechen, ist Vorsicht die Mutter unserer pers\u00f6nlichen Porzellankiste. In Hampton und Norfolk, also am Ausgang der Chesapeake Bay, sitzt gerade ein Haufen Yachten, die sich den Kopf blutig kratzen, denn die wollen alle zu den Bahamas. Via &#8222;Blob&#8220;&#8230;&nbsp; Aber da die Br\u00fcckenbauer in Norfolk schnelle Arbeit geleistet haben, bleibt unser Kopf in dieser Hinsicht ungekratzt. Freie Fahrt.&nbsp;<br \/>\nWir kratzen dennoch, denn das Ziel unserer Reise ist &#8211; wie sollte es in diesen Zeiten anders sein &#8211; ungewiss. Sollen wir Beaufort-St. Thomas anliegen? Das w\u00e4re Covid-testtechnisch schlau, da St. Thomas US-Gebiet ist, und man sich dort testen lassen k\u00f6nnte, aber es ist auch ein St\u00fcck Arbeit &#8211; 10 Tage rechnen wir; nach 15 Monaten Pause gleich mal ein &#8222;richtiger Schlag&#8220;, noch dazu einer mit Wetter-Hin-und-Her. Mit dem Test reist man dann nach St. Martin, jedenfalls zur Zeit. Allerdings haben die CARICOM-Staaten gerade ihren hehren Plan, eine Reise-Blase zu bilden, in der man ohne Quarant\u00e4ne umhersegeln k\u00f6nnte, wieder aufgegeben.&nbsp; Plan B w\u00e4re der &#8222;Thornless Path&#8220;, der so dornenlos auch nicht ist: durch die Bahamas s\u00fcdostw\u00e4rts bummeln. Das hei\u00dft: ganz viele Wetterstopps einlegen und eigentlich viel gegenan segeln, durch die Turks&amp;Caicos Richtung DomRep &#8211; alles wei\u00dfe Flecken auf unserer Landkarte. Es schl\u00f6sse sich Puerto Rico an und dann die Virgins. Zeitplan? Dat duurt. Wochen. Monate. Aber schee w\u00e4r&#8217;s scho&#8216;.&nbsp; Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte man auch in den Bahamas g\u00e4nzlich versacken, wie es so viele Amerikaner tun, aber&#8230; wir wollen nicht klagen. Irgendwohin wird es gehen.<\/p>\n<p>Erst einmal ist morgen der 3.11., da hat nicht nur meine Freundin Ulrike Geburtstag (Alles Gute!), sondern, genau&#8230; der hei\u00dfeste Tag des bescheuerten Jahres 2020. Nicht nur in Europa bei\u00dfen sich die Politikinteressierten die Fingern\u00e4gel kurz. Als wir eben zur Diskussion unseres Splashs im Marinab\u00fcro sind, mache ich, wie so oft dieser Tage, Wahlwerbung &#8211;&nbsp; ganz einfach &#8222;&#8230;did you vote already?&#8220; oder &#8222;&#8230;pleeeaase, go voting&#8220; in die Menge werfen. Der eine Mitarbeiter &#8222;klar, morgen fr\u00fch&#8220;, w\u00e4hrend Missy (die Sekret\u00e4rin) schamhaft verstummt.&nbsp; Was &#8217;n da los?&nbsp; Das R\u00e4tsel ist nach ein paar Minuten gel\u00f6st: auf dem Steg treffen wir Cecil und halten einen langen Politikschwatz, schlie\u00dflich hat er eine Biden\/Harris-Fahne ans Stag geknotet. Weitgehend unkenntlich allerdings &#8211; warum das denn? &#8222;Ach, ich habe heute mit Missy gesprochen. Die guckt ja den ganzen Tag auf uns herunter&#8230; &#8211; das kann ich ihr nicht antun!&#8220; Trump-W\u00e4hlerin, wie so viele hier. Ist doch nett von Cecil. So wie ich sie einsch\u00e4tze, h\u00e4tte ein echter Trump-2020-Vertreter das f\u00fcr eine Biden\/Harris-Sympathisantin nicht getan.&nbsp; Aber morgen, wenn Cecil vor Anker geht, geht die Fahne hoch, das hat er versprochen. Wir schnacken noch lange, \u00fcber Wahlen in den USA allgemein, von Andrew Jackson \u00fcber Ulysses Grant zur 1876er Wahl, \u00fcber Wahlabsprachen, \u00fcber Sozialismus und was Amerikaner daf\u00fcr halten (&#8222;&#8230; our nation is based on socialism!&#8220;; Puritaner-Tradition halt) und nat\u00fcrlich dar\u00fcber, warum Trump trotz seines &#8230; Adjektiv gestrichen&#8230; Auftretens immer noch so viel Gefolgschaft hat. Dazu gab es \u00fcbrigens im Spiegel einen ganz interessanten Artikel &#8222;Trump, meine amerikanische Familie und ich&#8220; &#8211; gibt es auch auf der ARD-Mediathek zum Anschauen.&nbsp; Erkl\u00e4rt einiges, aber l\u00e4sst es einen trotzdem nicht verstehen. Das Gespr\u00e4ch mit Cecil auf dem Ponton endet mit kalten F\u00fc\u00dfen. Und der freundlichen Frage: &#8222;&#8230; can we have Merkel for a bit?&#8220;&nbsp; Ich reiche die Frage mal nach Berlin weiter &#8211; vielleicht ist Angela M. ja an einem Anschlussjob interessiert, Cecil w\u00fcrde sie sofort nehmen. &#8222;&#8230; gute Regierungsf\u00fchrung, das brauchen wir. Notfalls nehmen wir Jacinda Ardern&#8220;. K\u00f6nnten wir Angela Merkel ein Weilchen ausleihen? Fragt sich nur, wer das dann in Berlin macht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deltaville, 2.11.2020 Wir stehen immer noch an Land, na sowas. Heute waren wir wirklich ganz nahe dran am &#8222;Splash&#8220;. 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