{"id":7257,"date":"2022-06-15T08:48:50","date_gmt":"2022-06-15T12:48:50","guid":{"rendered":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/?p=7257"},"modified":"2022-06-15T09:11:45","modified_gmt":"2022-06-15T13:11:45","slug":"passagealltag-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2022\/06\/15\/passagealltag-2\/","title":{"rendered":"Passagealltag"},"content":{"rendered":"<p>Unterwegs zu den Azoren, Tag 7. 15.6.2022<br \/>\nFr\u00fche Morgenstunde. Die Sonne ist schon eine Stunde zugange, ich habe 05:03 Bordzeit\/Bermudazeit f\u00fcr den Aufgang notiert, es wird wohl Zeit, die Bordzeit der erreichten L\u00e4nge anzupassen &#8211; das ist jetzt so ungef\u00e4hr 49\u00b0 West, und noch knapp 1000 Meilen nach Horta. Das ist ein ziemlich wildes Wettergefrickel hier und im Moment laufen Diskussionen, ob Horta \u00fcberhaupt erreichbar ist: ein dickes Hoch stellt sich uns in den Weg und beschert uns schlecht \u00fcberwindliche Gegenwinde. Mal gucken. Alternativ bieten sich eigentlich nur der Englische Kanal oder A Coruna in Spanien als Ziel an.<br \/>\nCHronologisch: am Montag, 6.6., kam Alex in St. Georges zu Besuch. Ziemlich spannend, im Sinne von anspannend, denn die Wetterprognosen n\u00e4hern sich \u00fcber Tage immer weiter an, und da das eine Modell Alex \u00f6stlich der Bermudas sah und ECMWF knapp westlich, sah es nach einem &#8222;Hit&#8220; f\u00fcr Bermuda aus. Predict Wind bietet eine parallele Darstellung von GFS und ECMWF an &#8211; unser Dauerbrenner auf den Rechnern \u00fcber Tage. Sonntag werden noch einmal Leinen gezuppelt und eine sehr lange Spring zur vor uns liegenden Stra\u00dfenbr\u00fccke gelegt, und dann&#8230; warten. In den fr\u00fchen Morgenstunden geht es los, erst aus S\u00fcd &#8211; da sch\u00fctzen uns das Hafenmeistergeb\u00e4ude und das &#8222;White House&#8220;. Der Durchgang ist schulbuchm\u00e4\u00dfig, S\u00fcd, S\u00fcdwest, West, Nord. Bei S\u00fcdwest bl\u00e4st es unter der Br\u00fccke durch, die unruhigste Zeit. An Schlaf ist nicht wirklich zu denken, ich schrecke so gegen 4 auf und klettere ins Cockpit. Der Eigner steht an Land und korrigiert Leinen und Fender, er in \u00d6ljacke, neben ihm Fabian, unser Hinterlieger aus Wien, in Badehose. Praktisch denken&#8230; &#8222;Ab! Geh&#8216; ins Trockene!&#8220;  Yes, Sir. Bei West ist der Windeinfluss auf Akka schon gebrochen, weil parallel zur Inselkante, und Nord bedeutet, dass wir im Schutz des Berges sind.  Um 7, volle S\u00fcdwestlage, gehen wir raus und schauen uns an, was die Kollegen drau\u00dfen an den Ankern so machen &#8211; es sieht teilweise wild aus, obwohl ja die Bucht von St. Georges eigentlich voll geschlossen ist. Five&#038;Dime tanzt in der Gischt und zerrt am Anker, beim Docknachbarn hat sich die Fock halb gel\u00f6st und knattert im Wind. Ein infernalisches Ger\u00e4usch. Es ist bei aller Anspannung toll, einigerma\u00dfen gesch\u00fctzt im Cockpit zu sitzen, den irren Wolkenzug zu beobachten und Hoffnung machende Wolkenl\u00fccken zu entdecken. Berechtigte Hoffnung: zu Mittag bl\u00e4st es noch gut, aber eben aus Nord und damit \u00fcber uns weg, und die Sonne scheint. Vorbei. Das war Alex, der erste atlantische Tropensturm 2022. Gesehen haben wir selbst 50  Knoten, aber ich gucke da ungern hin &#8211; die Ankerlieger drau\u00dfen berichten von mehr. Gesamturteil: Ging so. Einen ausgewachsenen Hurrikan muss frau nicht miterleben. Wir g\u00f6nnen uns wie alle einen Ruhetag, aber der Sturm hat wohl die Seglergemeinde aus dem friedlichen Bermudaschlaf ger\u00fcttelt: es muss weitergehen. Am Mittwoch gehen diverse Boote raus, wir ziehen den Donnerstag vor. Weniger Welle am Reisebeginn macht sich besser. Die ersten Tage sind ziemlich ruhig, so ruhig, dass wir am Abend des zweiten Tages beschlie\u00dfen, den Genaker zu setzen, auch wenn das nicht meine Lieblingsbesegelung f\u00fcr die Nacht ist. Die Genua wird weggenommen, damit der Autopilot den Kurs halten kann, bekommt er  kurzfristig Motorunterst\u00fctzung. Ich bastele schon mal den Genakersack aus dem Vorluk, gehe wegen der Schot nach achtern und denke: &#8222;&#8230; klingt echt sonor, der Motor!&#8220; Da springt schon der Eigner an Deck: &#8222;Kein K\u00fchlwasser!&#8220;  Mannnn. Klar. Eigentlich h\u00e4tte ich jetzt Freiwache, gleich wird es dunkel. Wat nu?  Weitermachen. Der Pinnenpilot h\u00e4lt den Kurs tapfer auch unter reinem Be,sanantrieb, gutes Kerlchen. Wir zerren den Genaker hoch, sch\u00f6pfen kurz Luft im Cockpit und dann ein ergebenes: &#8222;Ich geh dann mal runter, Diagnose und Instandsetzung!&#8220;. &#8222;O.k. &#8211; ich bleibe so lange am Ruder!&#8220; Genakerblase vorn und Windpilot vertragen sich n\u00e4mlich nicht hundertprozentig, da bedarf es ab und zu einer zackigen Korrektur. W\u00e4hrend unten T\u00fcren klappern und Werkzeug klirrt genie\u00dfe ich den fr\u00fchen Abend. Angenehm. Akka zieht ordentlich davon, es hat auch ein bisschen Wind zugelegt, vielleicht sogar einen Ticken zu nah an der Windst\u00e4rkengrenze f\u00fcr die dicke Blase. Nach einer Weile kommt von unten eine mittelm\u00e4\u00dfige Entwarnung. Es ist eindeutig so, dass wir d\u00fcnnh\u00e4utiger geworden sind und solche Zwischenf\u00e4lle rufen gleich irgendwelche Horrorvorstellungen von nicht reparablen Defekten hervor. Nicht so schlimm, wenn man nicht gerade mehrere hundert Meilen von Land entfernt ist. Aber nun &#8222;&#8230; ist t\u00e4ts\u00e4chlich nur der Impeller!&#8220;. Es klappert weiter. UNd bei mir? Ritsch! Das war das Vorliek vom Genaker, ach Du Schande.  Das Riesentuch flattert wild im Wind. Jetzt braucht es den Motormann leider auf dem Vorschiff. Hoffentlich kriegen wir das Teil ohne Theater runter. Obwohl der Genaker defekt ist, hat er noch genug Zug, um den Eigner, der die Bergesocke herunterzieht, auf dem Hintern sitzend \u00fcber&#8217;s Deck zu hoppeln. Aber doch, das Vieh kommt runter. Ein Teil geht baden &#8211; eine sch\u00f6ne Demonstration, wie schwer so ein &#8222;Leichtwindtuch&#8220; pl\u00f6tzlich ist, wenn frau es aus dem Ozean heraufzerren muss. Das nasse Teil wird gestaut, der Eigner geht seiner Impelleraufgabe nach, und kaum ist meine Freiwache vorbei, l\u00e4uft der Motor, Akka zieht unter Genua friedlich dahin, und wir genie\u00dfen ein St\u00fcck Belgische Importschokolade aus Bermuda. So viel Belohnung muss sein.<br \/>\nAch, \u00fcbrigens: eMailverkehr ist immer noch qu\u00e4lend langsam. Aber Wetter kriegen wir trotzdem &#8211; nachdem so viele Leute berichtet hatten, dass sie Wetterwelt und Predict Wind parallel benutzen, gab es einen Predict Wind-Testballon auf Akka. Und siehe da: gro\u00dfr\u00e4umige Gribfiles kommen herein! Nicht in Windeseile, aber doch in angemessener Geschwindigkeit! Sch\u00f6nen Dank f\u00fcr die Ermutigung aus Hawai&#8217;i an die Flora. Sagt der Eigner k\u00fcrzlich, als der Satellitenrouter einen kurzen Schluckauf hatte: &#8222;Siehste! Der Computerkram ist Dein Impellerstress!&#8220; Stimmt.<br \/>\nWir laufen gerade vor einem Tief weg, in Richtung Hoch, das uns nicht nach Horta lassen will. Aber davon lassen wir uns nicht stressen. Kochen, essen, schlafen. H\u00f6rb\u00fccher h\u00f6ren. Lesen. Passagealltageben<br \/>\n &#8212;- This e-mail was delivered via satellite phone using Global Marine Networks, LLC&#8217;s XGate software. Please be kind and keep your replies short. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unterwegs zu den Azoren, Tag 7. 15.6.2022 Fr\u00fche Morgenstunde. 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