{"id":84,"date":"2007-09-30T15:38:18","date_gmt":"2007-09-30T13:38:18","guid":{"rendered":"http:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/?p=84"},"modified":"2022-10-04T15:55:16","modified_gmt":"2022-10-04T19:55:16","slug":"lissabon-haeppchenweise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2007\/09\/30\/lissabon-haeppchenweise\/","title":{"rendered":"Lissabon, h\u00e4ppchenweise"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Standort: Cascais, Marina<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben uns darauf verlegt, die portugiesische Hauptstadt in angenehmen Portionen zu genie\u00dfen &#8211; mal ein H\u00e4ppchen Schiffstechnik, mal ein H\u00e4ppchen Kultur, zwischendurch einen Happen Alltagsleben.<br \/>\nAlltagsleben, das hat man ja schon, wenn man den Zug zwischen Cascais und der Stadt benutzt: B\u00fcrog\u00e4nger, Sch\u00fcler, Hausfrauen, Musikanten, Fischer. Am normalen Leben teilhaben, oder es zumindest beobachten k\u00f6nnen, das habe ich schon immer geliebt, und das l\u00e4sst sich in der Bahn trefflich tun. Mittlerweile sind wir im Besitz einer 5-Tageskarte f\u00fcr den Suburbano: Sehr schlichte Streckenf\u00fchrung, n\u00e4mlich geradeaus an der K\u00fcste entlang, ohne Verzweigung, nur an 3 Bahnh\u00f6fen gibt es Umsteigem\u00f6glichkeiten. Der einzige Unterschied zwischen den Z\u00fcgen besteht in der Anzahl der Haltestellen. Es gibt n\u00e4mlich die Sorte &#8222;todas&#8220;, die h\u00e4lt an allen Haltestellen, &#8222;SRAP&#8220;, das steht f\u00fcr semi-rapido, und dann noch &#8222;RAP&#8220;, rapido, das hei\u00dft Cascais\/Estoril bis zum Cais do Sodre im Herzen der Stadt mit nur 3 oder 4 Stopps. Es fahren alle diese Z\u00fcge hintereinander und \u00fcberholen sich nicht, also alles ganz einfach. Oder auch nicht &#8211; es ist n\u00e4mlich Taktik gefragt: Fahre ich mit RAP in Cascais los und will nach Belem, muss ich irgendwann in &#8222;todas&#8220; umsteigen, sonst fahre ich m\u00f6glicherweise am Ziel vorbei. Und manchmal, tricky, tricky, steigt man von einem Mittelgleis um, an dem sich die T\u00fcren an beiden Seiten \u00f6ffnen &#8211; rechts geht&#8217;s stadteinw\u00e4rts, links in die Gegenrichtung. Und so passiert es dann doch: die Verwirrung wird so gro\u00df, dass frau kurz hinter Oeiras auf das Haltestellenschema schielt und in Santo Amaro mit einem &#8222;&#8230;oh, Schei\u00dfe! Wir fahren in die falsche Richtung!&#8220; aus dem Zug springt, der Eigner solidarischerweise hinterher. Leider war die Richtung goldrichtig und Santo Amaro eine der &#8222;todas&#8220;-Stationen.<br \/>\nSo kommen wir in den seltenen Genuss, auf einem Vorortbahnh\u00f6flein auf der Bank in der Sonne zu sitzen, ein Eis zu schlecken und einen SRAP nach dem n\u00e4chsten RAP in die richtige Richtung durchrauschen zu sehen. Aber irgendwann hielt dann ein Zug, und wir kamen auch genauso &#8222;irgendwann&#8220; wohlbehalten in Belem an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tags drauf wieder: Alltagsleben. Tagelang hatten wir unseren TO-St\u00fctzpunktleiter telefonisch genervt, ob denn unser Postpaket angekommen sei. Nein, leider nicht, leider nicht, leider nicht&#8230; Am Mittwochabend eine SMS von Pedro Katzenstein: &#8220; &#8230; Paket endlich angekommen!&#8220; DHL hatte sich den kleinen Scherz erlaubt, den Eingang des Paketes in der Zentrale als &#8222;ausgeliefert&#8220; zu verzeichnen. Da muss man erst mal drauf kommen. Also auf nach Lissabon! Nach einer ereignislosen Bahnfahrt &#8211; von Endstation zu Endstation kann einem nicht soo viel passieren \ud83d\ude09 &#8211; machen wir einen langen Gang durch &#8222;Lissabon zur Mittagszeit&#8220;. Vom Cais do Sodre, Flussf\u00e4hrhafen, Bahnhof und Metrostation in einem, zur Praca de Commercio, derzeit mit sch\u00f6nen Fotografien aus dem letzten Jahrhundert geschm\u00fcckt. Die &#8222;deutsche Kolonie&#8220; bei der Ankunft von Kaiser Wilhelm 1905 &#8211; kleine Jungs in Matrosenanz\u00fcgen inklusive. Oder des K\u00f6nigs Pferd im Trauergewand&#8230; bis zur Nelkenrevolution und dar\u00fcber hinaus. Sehenswert. Durch den Triumphbogen die Rua Augusta entlang, im Slalom durch&#8217;s Touristengew\u00fchle, mitten darin eine gro\u00dfe Gruppe \u00e4lterer Niederl\u00e4nder mit ihren Rennr\u00e4dern &#8211; &#8222;Madrid-Lissabon 2007&#8220;. Kleine Verbeugung. Dann tiefer hinein in die Seitengassen, in denen der Lissabonner B\u00fcromensch seine Mittagspause verbringt, im Stra\u00dfenlokal. Vom &#8222;Rossio&#8220;, eigentlich &#8222;Praca Dom Pedro&#8220; aus die Avenida Liberdade hinauf &#8211; allerfeinste Allee, allerfeinste Adressen rechts und links, Caf\u00e9s unter Platanen auf dem Mittelstreifen, moderne Geb\u00e4ude, alte Geb\u00e4ude, Entkernungsprojekte, bei denen nur noch die mit Azulejos, den ber\u00fchmten portugiesischen Kacheln, besetzten Aussenw\u00e4nde stehen bleiben. Allein diese schwarz-wei\u00df gepflasterten Gehwege sind eine Augen- und Fu\u00dfweide. Am Marques Pombal, bei EdP, Energias de Portugal, sind wir am Ziel. Mal wieder \u00e4u\u00dferst zuvorkommende Portugiesen am Empfang und dann ein noch netterer Pedro Katzenstein mit unseren Paketen. Nochmals vielen Dank, Pedro, f\u00fcr den Service &#8211; aufbewahren, telefonieren, SMS schreiben, Paket jagen, wirklich keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Hilfsbereitschaft, das gilt sicher f\u00fcr alle diese ehrenamtlichen TO-St\u00fctzpunktleiter, aber wir hatten mit Pedro Katzenstein einen besonders geduldigen gefunden &#8211; es war eine riesige Hilfe, vom ersten Kontakt bis zur Abholung. Dass in der aufgelaufenen Post kein (null, in Zahlen: 0!) privates Schreiben war, mal abgesehen von Heiners Begleitbrief und zwei Gaben, die erst sp\u00e4ter Erw\u00e4hnung finden werden, daf\u00fcr konnte ja Pedro nix ;). Wie wird Daniel am Abend dazu sagen: Sie vermissen Euch eben nicht! Stimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit den Paketen &#8211; das waren die gesammelte Post, die neue, externe WLAN-Antenne und ein Briefumschlag mit unserer neuen Crew, zwei Foomps \ud83d\ude09 (f\u00fcr Interessierte: www.foomp.nl!) &#8211; im Rucksack zuckeln wir wieder los, durchs warme, tr\u00e4ge gestimmte Lissabon am Nachmittag. Wir krabbeln die steilen Gassen rauf und runter, schauen in kleine und kleinste Kraml\u00e4den. Hier haben Tante Emma bzw. Onkel Joao noch Hochkultur. Obwohl uns die Orientierung zum Schluss, im Wegelabyrinth der Alfama doch etwas schwer fiel, landeten wir wieder am &#8222;Rossio&#8220;.<br \/>\nIst das, was folgte, Kultur? Alltagsleben? In jedem Fall ist es Kult &#8211; die Fahrt mit der Stra\u00dfenbahn No. 28 durch die Alfama. Die Portugiesen, die dieses Verkehrsmittel t\u00e4glich f\u00fcr den Einkauf, f\u00fcr die Fahrt zur Arbeit oder den Besuch bei den Enkeln benutzen, werden sicher froh sein, wenn demn\u00e4chst die Welle der Touristen etwas abebbt und sie mal in Ruhe und vielleicht sogar im Sitzen fahren k\u00f6nnen. Es hatte etwas Schrilles: ausnahmslos jeder, der am Fenster sitzt &#8211; mich eingeschlossen &#8211; h\u00e4ngt den Kopf raus, um ihn an den engen Stellen fix wieder einzuziehen. Jeder, der die M\u00f6glichkeit hat, h\u00e4lt seine Kamera raus&#8230; Aber diese Gef\u00e4hrte sind einfach sensationell, wie sie durch dichteste Wohnbebauung kreisen, die Stra\u00dfen so steil wie die Kurven eng. Und die Autofahrer, die hier parken, wissen genau, was sie tun. Zentimetergenau.<br \/>\nAm Largo Sta. Lucia springen wir raus, bewundern den Ausblick auf Tejo und die riesige Igreja Graca, auf die Alfamad\u00e4cher unter uns, ich freue mich \u00fcber einen Capverdischen S\u00e4nger, der Lieder von Cesaria Evora singt. Und \u00fcber das Wasser und die Kaffees, die wir schl\u00fcrfen, w\u00e4hrend wir die Pakete pl\u00fcndern, scheel von einer Gruppe \u00d6sterreicher beobachtet. Wie der Zufall es will, liegt der Aussichtspunkt unter dem Castelo Sao Jorge, das Andreas mir unbedingt zeigen wollte, also erklimmen wir diese H\u00f6he auch noch. Und es ist wirklich beeindruckend &#8211; mag ja sein, dass es langsam langweilig wird, aber die mittelalterlichen Bauten haben es mir angetan. Noch dazu spielt im Innenhof ein Gitarrist ein merkw\u00fcrdiges Potpourri aus Portugiesischem und Barockem, aber die Musik f\u00fcllt die alten Gem\u00e4uer mit der richtigen Stimmung, mit Leben, und so wird nicht mal von den Besuchern gequakt. Man kann rund um die Zinnen laufen, ganz weit blicken, \u00fcber den Tejo nach S\u00fcden, auf das H\u00e4usergewirr unter uns, die gro\u00dfen Pl\u00e4tze, hinaus auf den Atlantik.<br \/>\nIrgendwo dahinten liegt Madeira. Und da vorn um die Ecke die AKKA. R\u00fcckzug. Fu\u00dflahm nehmen wir nochmals die 28 hinunter in die Stadt, erwischen gerade so eben &#8211; die neueste Ausgabe der ZEIT in der Hand! &#8211; den Rapido nach Cascais und plumpsen erledigt auf die Cockpitkissen. Das waren ein paar ganz sch\u00f6ne Happen heute. Ein bisschen &#8222;Schiff&#8220;, dazu viel Alltagsleben und Kultur. Lissabon. Mehr davon&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Standort: Cascais, Marina Wir haben uns darauf verlegt, die portugiesische Hauptstadt in angenehmen Portionen zu genie\u00dfen &#8211; mal ein H\u00e4ppchen Schiffstechnik, mal ein H\u00e4ppchen Kultur, zwischendurch einen Happen Alltagsleben. Alltagsleben, das hat man ja schon, wenn man den Zug zwischen &hellip; <a href=\"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2007\/09\/30\/lissabon-haeppchenweise\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":"","jetpack_publicize_message":""},"categories":[1],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9lYZL-1m","jetpack_likes_enabled":true,"jetpack-related-posts":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/84"}],"collection":[{"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=84"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/84\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7364,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/84\/revisions\/7364"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=84"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=84"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=84"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}