{"id":986,"date":"2010-07-11T02:07:00","date_gmt":"2010-07-11T02:07:00","guid":{"rendered":"http:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2010\/07\/11\/jammern-auf-den-marquesas\/"},"modified":"2010-07-11T02:07:00","modified_gmt":"2010-07-11T02:07:00","slug":"jammern-auf-den-marquesas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2010\/07\/11\/jammern-auf-den-marquesas\/","title":{"rendered":"Jammern auf den Marquesas"},"content":{"rendered":"<p>Hana Mae Noa\/Tahuata, 10.7.2010<\/p>\n<p>Puh. Blauwasser! Endlich mal wieder &#8211; keine dunkelgr\u00fcne, abgrundtiefe Bucht wie in Fatu Hiva, kein gr\u00fcnlich-schlammiges Hafenbecken wie in Atuona. Obwohl heute das gro\u00dfe Tanzfest auf Hiva Oa stattfindet, haben wir die Flucht ergriffen, und die Flucht hatte ihren Grund. 4 Tage haben wir uns gewundert, warum der ZENITUDE-Oscar geschrieben hatte: &#8222;&#8230; the anchorage is horrible&#8230;&#8220;.  Naja, man kann halt nicht schwimmen, der Haie wegen und weil es auch nicht soo sauber erschien. Und dann lag man auch recht gedr\u00e4ngt, vor Bug- und Heckanker, aber eigentlich war es doch auch ganz nett, freundliche Segler ringsum, Infrastruktur von Butter bis Internet. Toll. Weiteres siehe unten.<br \/>\nDer Gang zum Einchecken ein bisschen l\u00e4nglich, zumal es Bindf\u00e4den regnete &#8211; der Eigner hatte sich f\u00fcr einen Bastel-Morgen entschieden, und ich versuchte derweil auf dem halbst\u00fcndigen Weg bergauf eines der regelm\u00e4\u00dfig vorbeipatschenden Allradautos zum Anhalte(r)n zu bewegen. Vergeblich &#8211; die sprichw\u00f6rtliche Gastfreundschaft der Marquesaner scheint etwas abgenutzt, zumindest wenn es sich um pudelnasse Seglerinnen handelt. Kurz vor Toresschluss kann ich bei Simon, dem jungen Polizisten auf der Gendarmerie, unsere Aufwartung machen. Ziemlich easy f\u00fcr uns Europ\u00e4er mittlerweile, keine Kaution, kein Agent, auch kene Frage, woher wir kommen (Galapagos halt, nix Fatu Hiva&#8230;) &#8211; wir k\u00f6nnen 2 Jahre bleiben, einfach so. So autark Franz\u00f6sisch-Polynesien auch sein mag, man hat sich Europa ein bisschen gen\u00e4hert, und das macht es f\u00fcr arme wie reiche Segler aus der EU etwas einfacher &#8211; die Kollegen US- und Kanada-Yachties m\u00fcssen sich schon ein bisschen mehr bem\u00fchen nachzuweisen, dass sie keine armen Schlucker sind, die sich hier samt ihrem Seelenverk\u00e4ufer das Gnadenbrot geben wollen; und mehr als 90 Tage bekommen sie zun\u00e4chst sowieso nicht. Allerdings: Nachweis von ausreichenden Barmitteln f\u00fcr den Lebensunterhalt ist trotzdem manchmal von allen gefordert: zum Beispiel VOR dem Bestellen des Dinners im Restaurant Moehau. Schlechte Erfahrungen mit nicht zahlungskr\u00e4ftigen Seglern&#8230; Peinlich.<br \/>\nAls ich fertig bin mit dem Gendarmen Simon und auch gen\u00fcgend Artigkeiten \u00fcber Fussballmannschaften ausgetauscht habe (es ist ja noch VOR dem Spanienspiel!), guck&#8216; ich mich mal vorsichtig um, was man denn k\u00e4uflich erwerben kann &#8211; was bedeutet, dass ich in einen kleinen Supermarkt und damit DIE Seglerfalle trete, die bekanntlich kaum jemand ausl\u00e4sst: frisches Baguette, franz\u00f6sischer K\u00e4se, Pat\u00e9 de Campagne und Saucisson. Und ein paar hausgemachte Fr\u00fchlingsrollen dazu. Aaaaaah! Lecker! Und da die Baguettes hier in (biologisch abbaubares&#8230;) Plastik geh\u00fcllt werden, kommen sie sogar noch einigerma\u00dfen knusprig auf AKKA an.<br \/>\nSo nehmen die Tage auf Hiva Oa ihren Lauf. Das Spanienspiel sehen wir im Eisenwarenladen, zwischen Espace Jacques Brel und Gauguin-Museum, wir entdecken auch den Pickup vor der Police Municipal, von dem aus eine B\u00e4uerin Gem\u00fcse verkauft, und dazu einen &#8222;richtigen&#8220; Supermarkt, der den Bedarf f\u00fcr den franz\u00f6sichen Postbeamten oder seine Kollegen vom Milit\u00e4r abdeckt. Confit de Canard, Rotwein, s\u00fc\u00dfe Butter, dunkle Schokolade. &#8222;Kolonialwaren&#8220; andersrum, und all das macht samt dem Bezahl-Internet eine erfreuliche Ankersituation. Wir treffen auch Marie-Jo, Marquesanerin von Fatu Hiva, die Taxi f\u00e4hrt, unsere W\u00e4sche w\u00e4scht und uns zu guter Letzt rund um die Insel karrt und mit Informationen \u00fcber die Marquesas f\u00fcllt &#8211; eine nicht ganz billige Tagestour, f\u00fcr die freundlicherweise der Regenzeit-Gott ein paar Stunden die Luft anh\u00e4lt, so dass wir uns auf dem Mae von Puamau vor gro\u00dfen Stein-Tikis die Beine zerstechen lassen, unter Pinien am Meer ein Picknick genie\u00dfen und die atemberaubende Berglandschaft bewundern k\u00f6nnen; mir haben es die Fargata angetan, Schirmakazien, deren platte Wipfel die Berge \u00fcberragen und die Grate mit einer Art Spitzenbesatz versehen. Ein wirklich sch\u00f6ner Tag. Sehr h\u00e4ufig lassen wir AKKA ja nicht lange allein, und bei der R\u00fcckkehr sitzen wir noch ein bisschen vertr\u00e4umt auf dem Dock, bis wir Alex von der ARTEMO wild winken sehen. Ach, die wollen ja los, wir fahren mal helfen, Heckanker ziehen&#8230; Als wir n\u00e4her kommen &#8211; ich habe noch immer meinen duftenen Bl\u00fctenkranz, den Lei, um den Hals h\u00e4ngen, den Marie-Jo mir geschenkt hat &#8211; deuten die ARTEMOs allerdings auf die AKKA. Oh, alte Gans&#8230; Man kann Dich nicht alleine lassen. 4 Tage ist Ruhe, dann geht der Heckanker auf Slip &#8211; und AKKA kuschelt mit der australischen MISTRAL.  Lei ab, mittlere Hektik; ich versuche, das Heck dank Radeffekt von Mistrals Ankerkette freizuziehen, was nicht funktioniert. 1 Sekunde, bevor unsere Windsteueranlage &#8222;Kontakt&#8220; macht, sagt Andreas in diesem ganz bestimmten Tonfall:&#8220;&#8230; vorw\u00e4rts&#8230;&#8220; Hebel auf den (nicht vorhandenen) Tisch, blaue Rauchwolke. Geschafft&#8230; So was brauchen wir wirklich nicht. John von der KEHUALANI hilft uns, den Heckanker neu auszubringen &#8211; irgendwie brauchen wir uns alle gegenseitig hier. Ian kommt von der MISTRAL r\u00fcber und macht sich Sorgen um sein Unterwant, an dem unser Solarpanel gescheuert hat (wir machen uns &#8211; Edelstahl gegen Alurahmen! &#8211; umgekehrt Gedanken um unser Panel&#8230;) &#8211; , und wir wundern uns immer noch was eigentlich passiert ist.  Hat jemand beim Man\u00f6vrieren unseren Heckanker versehentlich aufgefischt? Gut gegangen, einigerma\u00dfen jedenfalls, und abhaken, das Ganze. Nachtruhe. Um 2 geht Andreas mal raus&#8230; Waaah! Ich wei\u00df nicht warum ich auch aufwache, es ist ein bisschen rollig geworden, vielleicht drum, und irgendwas zieht mich auch an Deck &#8211; irgendwas?! AKKA liegt friedlich am Platz, mit der KEHAULANI auf 20 cm Abstand. Der Eigner knallt schon mit dem Bootshaken auf deren Deck herum: &#8222;Kehualani! John! Wake up!&#8220;  Das dauert&#8230; Und es dauert auch, bis sie begriffen haben, dass ihre Heckankerleine durchgescheuert ist, dass sie ankerauf gehen m\u00fcssen &#8211; von 0 auf 100 um 2 Uhr nachts&#8230; Uns ginge es nicht anders. Leider liegt ADAMAS ziemlich ungl\u00fccklich vor uns beiden, also dauert das Man\u00f6ver noch l\u00e4nger, so kommt auch schon der n\u00e4chtliche Squall rechtzeitig; wir tragen Fender durch die Gegend  sind klatschnass, und als die Amerikaner schlie\u00dflich frei sind, kommt ADAMAS uns auf 3 Meter nahe. Wir geben auf. Geben Kette auf dem Buganker und verholen uns mit dem Heckanker nach achtern. Und das bedeutet: Ankerwache&#8230; Am Morgen pisst es immer noch, ich eile ins Dorf, um Gem\u00fcse zu kaufen &#8211; und dann: blo\u00df weg hier! The anchorage IS horrible! 2 Stunden Motorsegeln und hohe Wellen sp\u00e4ter f\u00e4llt der Anker in den Sand. Die ENOLA strahlt uns vanillegelb auf t\u00fcrkisem Grund an, Sabine und Frank winken und freuen sich auf&#8217;s mitgebrachte Gem\u00fcse. Funkruf ARTEMO: &#8222;&#8230;we are glad you made it here &#8211; come over to the beach and bring something to eat&#8230;&#8220;  Blauwasser. Alles v\u00f6llig easy. Alles vergessen. X Kinder von vier &#8222;kids boats&#8220; wuseln durch wei\u00dfen Sand und lassen sich von den Wellen auf den Strand tragen &#8211; wie quietschendes Treibgut. Ein Feuerchen kokelt, auf einem ausgebreitetn Pareo l\u00e4cheln aus den Tuppersch\u00fcsseln allerlei Leckereien. Bei Kartoffelsalat und (ihh! Nicht f\u00fcr uns, Ciguateragefahr!) gegrilltem Grouper erz\u00e4hlen wir unsere Abenteuergeschichten.<\/p>\n<p>Jacques Brel sagt: &#8222;G\u00eamir n&#8217;est pas de mise aux Marquises!&#8220; Jammern ist auf den Marquesas nicht angesagt. Gestern dachte ich noch anders &#8211; aber er hat Recht&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hana Mae Noa\/Tahuata, 10.7.2010 Puh. Blauwasser! Endlich mal wieder &#8211; keine dunkelgr\u00fcne, abgrundtiefe Bucht wie in Fatu Hiva, kein gr\u00fcnlich-schlammiges Hafenbecken wie in Atuona. 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