{"id":989,"date":"2010-07-27T17:45:00","date_gmt":"2010-07-27T17:45:00","guid":{"rendered":"http:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2010\/07\/27\/intuition-gegen-mathematik\/"},"modified":"2010-07-27T17:45:00","modified_gmt":"2010-07-27T17:45:00","slug":"intuition-gegen-mathematik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2010\/07\/27\/intuition-gegen-mathematik\/","title":{"rendered":"Intuition gegen Mathematik"},"content":{"rendered":"<p>Fakarava, 26.7.2010<\/p>\n<p>Es war ja versprochen: das neue Wochenr\u00e4tsel. Ein bisschen peinlich, dass wir das hier unten im Pazifik immer noch nicht begriffen haben. Wir hoffen allerdings, dass die versammelten Schlauberger, zum Beispiel unsere frisch gebackenen Yachtmaster von der VIGO, vielleicht einen Hinweis, eine L\u00f6sung oder wenigstens einen Literaturtipp f\u00fcr uns haben k\u00f6nnten. Unsere Funkrunde sagt eher Sachen wie: &#8222;&#8230; ach, das muss ich gar nicht so genau wissen &#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Genug der Vorrede: Es ging um Tidennavigation, besser noch: Tidentheorie. Aufgabenstellung (f\u00fcr die L\u00f6sung haben wir eine EINS gekriegt!): Pass S\u00fcd Fakarava so zu treffen, dass einen weder die Flut mit 8 Knoten ins Atoll zieht, noch die Wind-gegen-Strom-Brecher vor dem Pass einen an der Einfahrt hindern; wir wussten ja, noch halb in den Marquesas, nicht, dass Fakarava S\u00fcd nicht nur auf dem Papier, sondern auch in Wirklichkeit perfekt betonnt, nicht so grauenhaft eng und insgesamt easy-peasy ist.<br \/>\nAls Ostseesegler hat man von Tidennavigation nur einen fernen Dunst, bis man in Brunsb\u00fcttel aus der Schleuse guckt, bei AKKA hie\u00df das: Learning by doing. Zur Bew\u00e4ltigung des Problems hat man au\u00dfer der pers\u00f6nlichen Erfahrung verschiedene Hilfsmittel: Tidentabellen, in unserem speziellen Fall die &#8222;Tide Tables 2010, Central and Western Pacific and Indian Ocean&#8220; und diverses elektronisches R\u00fcstzeug, kleine Tidenprogramme wie &#8222;WXTide&#8220;, leider kein &#8222;Total Tide&#8220; (das steht auf der Ausr\u00fcstungsliste, falls es sich denn im Vergleich als wirklich f\u00e4higer erweist), und last but not least der Kartenplotter mit der Datenquelle von Navionics; und mit all dem sind wir ja auch weit gekommen. Die BR- und BK-Scheininhaber werden sich erinnern, dass man in die Tidentabellen geht, sich die Zeiten und H\u00f6hen von einem &#8222;Bezugsort&#8220; oder Standard Port sucht, den eigenen Ort \u00fcber eine &#8211; sehr fein gestaffelte &#8211; Liste der Anschlussorte sucht, alle paar Meilen einer, und daraus eigentlich minutengenau den jeweiligen Wasserstand ermitteln kann. Jedenfalls ist das so in der Nordsee und angrenzenden Ozeanen, \u00e0 la &#8222;Harlesiel, Buhne A&#8220;. UNSER Standard Port ist Apia\/Samoa, 1.500 Seemeilen entfernt, und der n\u00e4chst gelegene Anschlussort ist das Atoll Rangiroa, 150 Meilen, der n\u00e4chstweitere schon 300 Meilen nach Osten. Da hei\u00dft es &#8222;interpolieren&#8220;&#8230; und dann sieht man pl\u00f6tzlich, dass die Angaben der einzelnen Quellen weit auseinander gehen, das Atoll Ah\u00e9 aus der Reihe der Tidendaten v\u00f6llig herausf\u00e4llt! Kann das sein &#8211; ist da was falsch?! Wann ist denn nun Hochwasser in Fakarava? So verfielen wir in tagelanges Gr\u00fcbeln \u00fcber die schiere Theorie, Fliehkr\u00e4fte, Gravitation, Systemschwerpunkt; von wo nach wo die Tide l\u00e4uft, was die lokalen Unterschiede erzeugt, was der Mond denn nun wirklich damit zu tun hat. Und WikiTaxi fasst das in einem sch\u00f6nen Satz zusammen: &#8222;&#8230; somit erkl\u00e4ren sich die Gezeiten allein durch die Kombination von inhomogenem Mondgravitationsfeld und konstanter Fliehkraft durch Revolution um den Systemschwerpunkt&#8230;&#8220; Wir machen die Fragezeichen dazu&#8230;<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicher- wie tr\u00f6stlicherweise stand in einem der Cruising Guides f\u00fcr den Pazifik, dass es wenigen Leuten bekannt sei, dass man den Zeitpunkt des Stillwassers &#8211; also unseren idealen Einfahrtpunkt in Fakarava &#8211; ermitteln kann, indem man dem Monduntergangs- bzw. Mondaufgangszeitpunkt feststellt, und dann hei\u00dft es: Slack Water 4 Stunden vor Mondaufgang (oder auch nur eine!), dann einlaufendes Wasser, 5 Stunden nach Mondaufgang Slack Water und ablaufendes Wasser usf. Wie man sieht, gibt es auch daf\u00fcr 2 ziemlich unterschiedliche Rechenmodelle. Aber ein bisschen Spa\u00df muss bekanntlich sein, und es sind ja nur 2 Modelle.<br \/>\nUnd: Wir waren absolut p\u00fcnktlich, die Einfahrt ein Kinderspiel. <\/p>\n<p>Und heute? GANZ was Neues: Ermittlung Stillwasser im Pass Fakarava S\u00fcd! Wir wollen mit dem Dinghy raus, uns ins Wasser fallen lassen und mit der einlaufenden Flut an der Riffkante entlangschnorcheln. Und sitzen schon wieder \u00fcber dem WIKITAXI und Tidentabellen, dieses mal wegen der Tidenversp\u00e4tung. Warum tritt manchmal die Flut mal nur eine halbe Stunde versp\u00e4tet auf und dann wieder die planm\u00e4\u00dfigen 55 Minuten &#8211; na klar, Nippzeit und Springzeit sind die Stichworte. Aber jetzt k\u00f6nnen wir einfach ins Wasser gucken, Empirik hei\u00dft so was.<br \/>\nUnser Schnorcheltour war toll, und wir waren schon wieder p\u00fcnktlich. Morgen machen wir das Gleiche noch einmal, es ist einfach zu sch\u00f6n, Korallen, Haie, bunte Fische. Und Annabelle, die seit vielen Jahren am Pass die Tauchstationsidylle TETAMANU betreibt (ob das zu finden ist bei Google!?) sagt auf Befragen zum Wochenr\u00e4tsel: &#8222;Attend!&#8220; und nimmt die Finger: &#8222;Un, deux, trois&#8230; \u00e0 16 heures!&#8220;. Von wegen Tidenversp\u00e4tung und Mond und Gravitation und Rechenmodelle&#8230;<br \/>\nGenau wie WikiTaxi sagt: Intuition vor Mathematik!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fakarava, 26.7.2010 Es war ja versprochen: das neue Wochenr\u00e4tsel. Ein bisschen peinlich, dass wir das hier unten im Pazifik immer noch nicht begriffen haben. 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