{"id":995,"date":"2010-08-14T23:55:14","date_gmt":"2010-08-14T23:55:14","guid":{"rendered":"http:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/?p=995"},"modified":"2010-08-14T23:56:43","modified_gmt":"2010-08-14T23:56:43","slug":"das-paradies","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2010\/08\/14\/das-paradies\/","title":{"rendered":"Das Paradies"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Punaauia, 14.8.2010<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Paradies ist &#8230; anderswo, sagt Vargas Llosa in seinem sch\u00f6nen Buch \u00fcber Gauguin und seine Gro\u00dfmutter\u00a0 &#8211; hatte ich bestimmt schon mal erw\u00e4hnt, aber der Titel passt einfach gut zur Situation, zu Tahiti und den Fragen, die da per Mail kommen: &#8222;&#8230; wie isses denn nu\u20ac\u2122?! Sag doch mal was &#8211; Tahiti, das ist doch Sch\u00f6nheit pur&#8230;.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mal abgesehen davon, dass wir nat\u00fcrlich akkanautengem\u00e4\u00df lahmarschig noch nichts wirklich gesehen oder betrachtet haben, scheinen zumindest Teile des Paradieses tats\u00e4chlich anderswo zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind hier an der Stelle, wo viele der Boote zun\u00e4chst mal Zwangspause machen &#8211; nach der langen Pazifikstrecke d\u00fcrfen Generatoren repariert, Riggdr\u00e4hte ersetzt, Segel gen\u00e4ht werden, und einige wenige warten auf das Paket aus Deutschland, in dem der neue Herd ankommen soll&#8230; Das macht schon mal unter den Seglern eine merkw\u00fcrdige Stimmung, ein Gemisch aus Ungeduld und Betriebsamkeit, denn wir liegen ja vor der wirklich beeindruckenden Kulisse der Insel Moorea, die sich 10 Meilen von hier in Wolken h\u00fcllt, wahlweise auch massive Regenschauer, aber sie bietet dennoch einen tollen Anblick und zieht einen m\u00e4chtig an. Und jeder wei\u00df dass es da dr\u00fcben Sandstrand und hunderterlei Tauchgelegenheit gibt. Nix da &#8211; hier wird gewartet und geschuftet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind hier auch an der Stelle, wo zumindest die Europ\u00e4er gern die Krise kriegen, so meine Theorie: Entweder man erschrickt, dass die Weltumsegelung schon halb vor\u00fcber ist, oder man jammert, dass man immer noch erst die &#8211; gef\u00fchlte &#8211; H\u00e4lfte der Strecke geschafft hat. Dazu kommt: wir haben hier wieder &#8222;Wetter&#8220; &#8211; jeder hofft auf steten Passat aus gleichm\u00e4\u00dfiger Richtung, aber den st\u00f6ren gerade in dieser Jahreszeit die dicken S\u00fcdwinter-Druckgebiete. Wir kriegten es gerade heute die ganze Nacht lang dicke aus S\u00fcd, mit dem entsprechenden Chaos am Ankerplatz. So &#8222;stille&#8220; ist der Stille Ozean halt nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und mir pers\u00f6nlich scheint das Paradies auch nicht in Papeete zu liegen, ich war n\u00e4mlich zum Einklarieren dort. Du liebe G\u00fcte &#8211; Fl\u00fcchtig hingeguckt war das eine einzige lange Autoschlange entlang der unz\u00e4hligen Perlengesch\u00e4fte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Vom Anbkerplatz aus liegt das n\u00e4chste St\u00fcck Paradies 10 Minuten Dinghyfahrt und ein paar hundert Meter Fu\u00dfweg an der Einfallstra\u00dfe nach Papeete*. CARREFOUR, das bekannte, internationale Handelsmonster, das uns seit Frankreich in sch\u00f6nen Abst\u00e4nden wieder einholt. Ich gestehe, dass ich mit offenem Mund vor den Reihen von Foie Gras-Gl\u00e4sern gestanden habe und all den anderen franz\u00f6sischen Leckereien. Der Franzmann halt; keine US-Importe mehr, wie all\u00fcberall in Panama und Kolumbien und der \u00fcbrigen Karibik. Pain de Campagne, Brie, Morbier und Comt\u00e9 bis der Arzt kommt. Wildschweinpastete. Nicht zu vergessen Fromage Blanc f\u00fcr die Quarkliebhaberin. Ich find\u20ac\u2122s super, aber was die Stimmung im Paradies tr\u00fcbt, sind die franz\u00f6sischen Nukleartests in den Tuamotus. Die wurden zwar nicht wieder aufgenommen, aber die Franzosen zahlen noch immer so viel Entsch\u00e4digung in diesen Teil ihrer Grande Nation und halten den Lebensstandard in derart schwindelnden H\u00f6hen, dass die Preise zumindest zum Schlucken gereichen. Ich finde es nicht derartig schlimm &#8211; wir sind verw\u00f6hnt von langen Zeiten in S\u00fcdamerika, und viele der langgesichtigen Kiwis und Kanadier, die durch die Regalreihen schreiten und sich das Honigkaufen o.\u00e4. verkneifen, vergessen einfach, dass wir hier auf einer doch relativ kleinen Insel sind, fern von allen M\u00f6glichkeiten, den gew\u00fcnschten Luxus kosteng\u00fcnstig zu importieren, wenn man ihn schon nicht hier produzieren kann. Und dass da auch noch ein bisschen Politik im Spiel ist. Wer einkaufen will, muss es halt, wie es viele machen, in Panama tun, nach Amerikanisch-Samoa weiterreisen oder auf Neuseeland warten. Oder man geht eben nichts ins CARREFOUR, sondern guckt in den kleineren L\u00e4den Richtung Stadt, kauft Obst und Gem\u00fcse vom Stra\u00dfenstand &#8211; und keine Braeburn aus Kiwiland, sondern Brotfrucht und Melone aus den Bergen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Da f\u00e4llt mir was ein: Der Hafen in Papeete. Die Einklarierungsprozedur. Die Herren von der Police d*Immigration spielten &#8211; es war kurz nach der Mittagspause, oder auch mittendrin, denn der Immigration Officer erw\u00e4hnte mit einem Augenzwinkern, sie h\u00e4tten Pause bis 17 Uhr&#8230; &#8211; \u00a0dem Hafenkapit\u00e4n Ukulelen- und Gitarrenst\u00e4ndchen, w\u00e4hrend AKKAs Schiffsdaten unter feierlichem polynesischem Gesang in den Computer gef\u00fcttert wurden?? Schon besser. Der &#8222;Edle Wilde&#8220; bei der Arbeit? Eine Konzertprobe?!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man sich M\u00fche gibt, sieht man vom Ankerplatz aus die Berge &#8211; \u00fcber 2.000 m hoch, gr\u00fcn und feucht und &#8211; paradiesisch?!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir werden uns dieser Tage den Luxus eines Leihautos erlauben und mal suchen gehen. Irgendwo hier muss, es sein, das Paradies.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">*&#8230; ich muss einfach mal was zu den polynesischen Sprachen sagen: ich finde sie faszinierend. Dass Papeete nicht Papehte oder schon gar nicht P\u00e4piedie gesprochen wird, sagte ich ja schon, aber diese endlose Abfolge von einzelnen Vokalen ist was Tolles. Ab und zu ist auch ein Knacklaut dazwischen, und ich h\u00f6re gern zu, wenn sich Polynesier unterhalten. Nicht dass ich ein Wort verst\u00fcnde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ia ino ana\u20ac\u2122eta oe pute, e tauihia mai te ho\u00e0\u00aa pute ap\u00e0\u00aema te tamoni ore i roto i to mau fare toa atoa i tapaohia i te titiro o teie ne faanahoraa\u20ac\u00a6 Das hei\u00dft ungef\u00e4hr &#8222;Recyclebare T\u00fcten, die nach Gebrauch von den beteilligten H\u00e4ndlern kostenlos zur\u00fcckgenommen werden&#8220;. Steht auf der CARREFOUR-T\u00fcte und klingt&#8230; umwerfend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Punaauia, 14.8.2010 Das Paradies ist &#8230; anderswo, sagt Vargas Llosa in seinem sch\u00f6nen Buch \u00fcber Gauguin und seine Gro\u00dfmutter\u00a0 &#8211; hatte ich bestimmt schon mal erw\u00e4hnt, aber der Titel passt einfach gut zur Situation, zu Tahiti und den Fragen, die &hellip; <a href=\"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/2010\/08\/14\/das-paradies\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":"","jetpack_publicize_message":""},"categories":[1],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9lYZL-g3","jetpack_likes_enabled":true,"jetpack-related-posts":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/995"}],"collection":[{"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=995"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/995\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=995"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=995"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sy-akka.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=995"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}