Archiv für August 5th, 2007

Leben wie…

…. Segler in Frankreich.
Es gibt zwar im hiesigen Supermarkt keine Chilies, den Vorrat muss ich dringend mal auffüllen, aber das können
wir ja morgen in Brest mal probieren. Aber was es sonst alles so gibt… Diese Charcuterien… Auch die Gemüse-
und Obstabteilungen oder gar die kleinen Gemüseläden… Die haben es mir ja angetan, und hier gibt es eben
Aprikosen, die doch ein bisschen näher am Ursprungsort geliefert werden als bei uns. Und einiges mehr.
Zum Beispiel habe ich mir eine Dose “Beurre blanc” besorgt, die köstliche Sauce zu weißem Fisch etc. In
genannten Format vielleicht mehr basse als haute cuisine, aber ich werde es mal probieren, und ich habe mir
dann, “netabord” sei dank, auch noch ein Rezept (Claude Monet war der Verursacher!) und ein paar andere aus
dem Netz geladen, damit ich es auch ohne Dose, zu Fuß versuchen kann. Am Sonnabend stand ich dann so sinnend
wie staunend vor dem Fischstand im Supermarkt, klein, aber extrem fein – die erwähnten Langoustines,
gigantische Crabes, kleine Crevettes, Palourds und wie die Muscheleien alle heißen. Und dann weiter zu den
Fischen – Thun und Co. in allen Größen und Varianten. Und, mittendrin, einer, dem man leider den Schnabel
verbinden musste – ein Espadon, ein Schwertfisch. Leider war nur noch das vordere Viertel vorhanden, aber ich
schätze mal, 2 m lang war der Rest noch. Mit Schnabel, natürlich. Ein Franzose, dito Segler, erkennbar an
einem T-Shirt, das auch ich in hohen Ehren halte – Tobagyo Cays -Sail more, work less! -, der fragt mich also,
was er denn mit den eben erworbenen Schwertfischscheiben tun müsse, “mariner…?” Ich stottere was von “le
plus simple possible” und “griller” und lasse es dabei bewenden. Irgendwie verläuft die Qualität meiner
Französisch-Unterhaltungen in ziemlichen Sinuskurven. Für uns gibt es Thun, auch sehr nett, dazu wird es
knoblauchisierte Zucchini-Tomatengemüse und Bratkartoffeln aus dem Ofen geben. Der Eigner mag den Thun dann
übrigens nicht so, also wird der Rest eingekocht und in dieser Form eine prima Grundlage für das nächste
Chowder geben. Egal, wichtig ist der Tagesabschluss – ich treffe auf der Mole den Franzosen aus dem
Supermarkt, und der küsst mir die Füße für meine weise Empfehlung, den Fisch nicht zu marinieren, sondern le
plus simple possible zuzubereiten. Na also – er hat mich sogar verstanden.

Übrigens – eine Nachricht an alle, die mehr oder weniger aktiv an der aktuellen Diskussion über Milchpreise in
D teilnehmen. Woher ich das weiß? Ich surfe ja doch immer noch bei den Pfundsweibern, die sich über sowas
immer herrlich erregen können, und außerdem hatten wir zum Sonnabendfrühstück einen wahren Zeitungsregen,
köstlich nach so langer Abstinenz. Es ist ja doch was wert, wenn Deutsche Keltenfans im Sommer zuhauf die
Bretagne auf- oder heimsuchen – auch wenn man am Vorabend dann schon mal einen nicht angeforderten Hinweis auf
die Essbarkeit von Langusten-Mandibelinhalt bekommt (Lehrer?? mit Frau und ungezogenem Hund…). Immerhin
schlägt sich deren Anwesenheit im “Tabac” in Bevorratung von SPIEGEL, SÜDDEUTSCHE (vom Freitag, was im
unumgänglichen Axel-Hacke-Vorlesen mündet) und der ZEIT nieder! Die Nachricht also: Milchprodukte sind hier
VIEL teurer als in D. Aber Käsetheken, die werden wir demnächst sicher vermissen. Drum bleiben wir noch ein
paar Tage hier, bis sich unser Wetterfenster öffnet. Und wir uns durch die Muscheln gefressen haben. Und das
ist mehr als angenehm: hier lebt es sich nämlich wie “Segler in Frankreich”.

Erstellt am Sonntag 5. August 2007
Unter: AKKA Online | 4 Kommentare »