Lauter Funfacts

Deltaville, 23.November 2021

Lausig kalt ist es in Deltaville geworden, und eigentlich sollte dies ein rechter Jubelthread werden, so etwas wie „…hurra! Wir sind unterwegs nach Süden!“ Dickes Plus: seit letzter Woche sind wir im Wasser, das ist ja schon mal was. Die Probefahrt verläuft friedlich und genussvoll. Wir sind zurück in der Fishing Bay.

Auf den letzten Blogeintrag hin hieß es, dass es zwar nett sei, von uns zu hören, aber diese ganze Technik… Ihr Lieben, das ist einfach, was uns umtreibt, und kurzweiliger wird dieser Eintrag daher nicht; vielleicht wird er aber ein bisschen bürokratischer. Übrigens rächt sich jetzt, wenn ich allzu lange mit einem Eintrag warte – ich weiß schon gar nicht mehr, was alles an Banalitäten passiert ist. Also los!

Oktober!  Irgendwie rückt uns die Terminlage auf die Pelle. Das US-Visum läuft am 3.12. aus, und unser Arbeitstempo lässt zu wünschen übrig. Früher war mehr „volle Kanne“. Die Tage beginnen mit dem klassischen frugalen Frühstück und einer länglichen Internetsitzung – dem läuft natürlich zuwider, dass die Tageslängen schrumpfen. Wir gehen vielleicht nicht mit den Hühnern schlafen, aber zumindest das Rumbasteln stellen wir mit dem Sonnenuntergang ein, wenn auch die Hühner das Eierlegen einstellen.  Viel Kleinkram ist im Sommer an der Hitze hängengeblieben, nun entmutigt einen der sich türmende Kleinkramberg. Zum Beispiel Thema Dinghy – hatten wir ja schon, die Luftverlustsache haben wir für erledigt erklärt, aber dass es uns beim Transport an Deck Lacksplitter serviert, stört. Projekt: Lackentfernung. Die Schipperin, die blöde, geht zu Hurd’s und guckt sich Lackentferner aus, irgendwas, das „effektiv“ aussieht. Der ältere Verkäufer empfiehlt „CitriStrip“ im hübschen, orangefarbenen Container, was die Käuferin als „höchst alternativ anmutend“ bewertet und abwählt. Die beiden gewählten Varianten erweisen sich als wenig wirksam. Sehr mühsames Geschäft. Wir fragen beim Bootshersteller in Kolumbien, aber der kann für das alte Ding keine Aussage zur Lackqualität treffen – aber bei den mühseligen Versuchen sieht man, dass die Malaysier bei ihrer Schönheitslackierung über eine alte (Pulver?)beschichtung gepönt haben, die sich als sehr widerstandsfähig erweist. Nach ein bisschen Forschung fahren wir nach Gloucester, zu Nordamerikas Farbspezialisten Sherwin Williams – wir erinnern uns nämlich an die Entfernung von 18 Antifoulingschichten im Jahr 2004 mit einer Art süßlich bis übel riechendem Pudding namens „Peel Away“, und den gibt es dort. Wunderbar, das kennen wir , das funktioniert, das Zeug wird uns auch noch als besonders wirksam gepriesen. 20 Meilen hin, 20 zurück. Glücklicherweise recherchiert der Eigner vor Öffnen des Containers im Netz, und was da steht, weist nicht unbedingt auf Entfernung modernerer Lacke hin. Telefonat mit dem Hersteller – nein! Da müsst Ihr Strypeeze nehmen (20 Meilen hin, 20 Meilen zurück – die Sherwin Williams-Mitarbeiter sind auch ganz dankbar für unsere Schulung).  Dann mal druff mit dem Zeug, das auch noch stinkt wie eine Chemiefabrik für Organisch-Chemisches (besonders wenn frau die Innenseite des Dinghys behandelt, dann sammeln sich die Gase besonders freundlich). Versuchsanordnung „Auftrag und Abdecken mit Backpapier“ folgt,  mit gestaffelter Einwirkzeit, aber Ihr denkt es Euch schon: das Geschäft bleibt mühsam. Funfact ist, dass ich unterm nicht besetzten Nachbarkatamaran sitze und gelegentlich Ratgeber vorbeitraben, die sich an den mehr, meist aber weniger großen Fortschritten freuen und vor allem zwischen „mach das doch mit der Hand“ oder „mach das doch mit der Maschine“  schwanken. Ich mach’s halt chemisch. Maschine haben wir probiert, vergeblich. Und nur mit der Hand? Ich bin nicht Popeye. Aber mühsam ist es – das sagte ich bereits. Bliebe nur eines: die Aufgabe des Projektes, aber einen Versuch geben wir ihm noch. Back to the roots, back to Hurd’s. Hurd’s ist der örtliche Hardwarestore, und der Spruch auf dem Boatyard ist: „… if Hurd’s doesn’t have it, you don’t need it!“  Wir investieren doch noch einmal in CitriStrip, das alternativ ausschauende (wer mal gucken will, wie ich auf die Fehlannahme kam, das könne nur unwirksam sein, sollte mal bei YouTube nach selbst gemachten Reinigungsmitteln aus Orangenschalenaufguss schauen…). Und CitriStrip ist… Bingo! Fun! Ein bisschen Mühe bleibt noch, aber das Zeug tut’s. Ich will nicht wissen, wie es wirkt – es riecht angenehm und wandelt doch den Lack in leicht zu entfernende Schmiere. Ende vom Lied? Ein natur-alufarbener Dinghyrumpf und eine Abbitte beim älteren Verkäufer bei Hurd’s. Nach getaner Tat sieht natürlich der alte, rutschfeste Belag im Dinghy doof aus, angefressen wie er ist. Nächster Fun: Suche nach einer Alternative (gekürzte Fassung – erst viel Internet, dann schwarze Gummifußmatte von Lowes Hardware. In Gloucester. 20 Meilen hin… ihr wisst schon. Manche Sachen, die man braucht, hat Hurd’s dann eben doch nicht). Zieht eine schwierige Suche nach einem Kleber nach sich, der nun (hoffentlich) das Gummi mit dem Alu verbindet.
Nur mal so als Beispiel für Projekte, die sich lang hinziehen.

Apostille? Was’n das?

Nun der Bürokratieteil. Es war vor einigen Tagen wirklich so weit, dass ich die Nase vergleichsweise voll vom Fun hatte. Nicht nur, dass es technisch nur langsam vorangeht, nein, es gibt immer wieder neue Kleinhindernisse. Ein Notar in Hannover möchte die Beglaubigung einer Unterschrift, die wir schon aus den Bahamas eingesendet hatten, nun mit einer Apostille – unnötig zu sagen, dass die hiesige Notarin nicht mal weiß, was das ist (wir auch nicht, es ist die behördliche Beglaubigung, dass die Notarin eine Notarin ist. Braucht zwei Briefe nach Washington.). Dann schmeißt Frau Fuchs ihren Laptop die Treppe hinunter, das ergibt eine besondere Variante eines Split Screen: das Glas ist heile, aber Display trennt sich vom Deckel und seitlich guckt eine Platine raus. Nicht gut. Zusammenbau, starten (noch einmal), danach passiert nichts mehr. Fummel, fummel, externen Bildschirm anschließen (inklusive Kurs an der YouTube Universität und beim Acer-Forum, leider ohne Diplom). Suche nach Spezialisten (nicht so dolle in rural Virginia, am liebsten ist mir der mit dem Office im Schreibwarenladen in Gloucester, der nie da ist und auch nie zurückruft. eMail-Verkehr? Ist in den USA zumindest unaufgefordert sowieso ein bisschen „off“. Wie übrigens auch Messenger. SMS schon eher…). Ach… shit happens.
Nächster Fun: fehlendes Cruising Permit für die USA – wer mit der Absicht ausreist, wieder einzureisen, sollte sein gültiges Cruising Permit beim CBP löschen lassen. Wer nicht beabsichtigt zurückzukommen, tut das natürlich nicht, so wie wir im vergangenen Januar, wir wollten ja in die Karibik; aber dann gibt es halt auch kein neues Permit, wenn der geneigte Segler es sich anders überlegt. Die Bedingung für die Neuausstellung ist, das Boot nach Ablauf des Permits 14 Tage außer Landes zu bringen, in unserem Fall nach dem 15. September. Das ist einfach unmöglich, denn jedwedes „außer Landes“ ist viele hundert Meilen fort…  – Mexiko oder Kanada sind sowieso nicht „außer Landes“, die Bahamas oder Bermuda oder die Karibikwelt liegen voll im Hurrikangürtel, um dessentwillen wir uns hier oben herumtreiben. Also muss es ohne gehen. Telefongespräch mit dem extrem netten CBP-Officer Amiss in Richmond. Es geht tatsächlich ohne – „holt Euch zur Abfahrt eine Clearance hier in Richmond, danach in jedem Hafen Clear In/Clear Out…“ Kompliziert und kostenpflichtig (à 19 US$ je Vorgang), aber wer ankert und keinen Hafen anläuft, erspart sich Weg und Kosten. Wir wissen, was wir zu tun haben werden. Trotzdem versuchen wir noch einmal einen anderen Kanal, um ein Permit zu erlangen, nämlich den Officern in Norfolk einen Überraschungsbesuch abzustatten und ihnen eines aus den Rippen zu leiern. Leider ist das Vorhaben nicht von Erfolg gekrönt. Nett sind sie, aber unnachgiebig. Wir hören von vielen solchen CBP-Stationen – nur zu einer Frau in New Bedford scheint noch nicht durchgedrungen zu sein, dass solches Ansinnen strikt ablehnend zu behandeln ist, aber Massachusetts ist weit. „Betty“ in Baltimore gibt es übrigens auch nicht mehr. Auf der Rückfahrt – diese Tagestour buche ich als „unsere Sommerreise“, zu mehr reicht es nicht – gucken wir uns einen neuen Rechner mit heilem Display für mich aus. Gut, noch ein bisschen recherchieren, am Abend dann Onlinekauf. Oder – nicht so gut, denn das zieht eine Onlinezahlung nach sich, die damit einhergeht, dass ich eine vorgegebene amerikanische Adresse als bezogene Rechnungsadresse angeben muss, eher abenteuerlich, wie ich finde, ich vergewisserem mich auch zweifach, dass das in Ordnung ist, aber der Kauf klappt. Nächster Spaß: nicht alle Abenteuer gehen gut aus – beim nächsten größeren Onlinevorgang mit dem (übrigens selten dämlichen) Satphonestore wurde die Kreditkarte unwiderruflich gesperrt; die Bank verrät einem übrigens nicht den Grund. Aufgalopp vom Posthalter und Bruder, der mühsam die Ersatzkarte zu uns schaffen muss (was DHL dann tatsächlich innerhalb 4 Tagen hinkriegt, sehr gut. Für’n Fuffi…). Das war übrigens die dritte Kartensperre in 4 Monaten, 2 irreversible „harte“, eine weiche, und die Bank sagt dazu: „… haben wir keinen Einfluss drauf, das macht das System!“. Danke für wenig.
Mittlerweile ist es November geworden, wir haben noch ein paar Mal in der Sonne am Ponton gesessen und schon Vorfreude auf die Fahrt nach Süden geübt – es ist nämlich optisch und auch atmosphärisch sehr schön hier. Die Kiefern, der Eichenmischwald, die Ferienhäuser sind noch leerer als im Sommer, ein paar Segler, ein paar Fischer. Die Chesapeake Bay glitzert. Fun bei uns: ein paar Wochen wird im Bad gespült, dazu steht das Schmutzgeschirr auf dem Klodeckel und das saubere in der Abtropfschale in der Dusche. Funktioniert gut, man muss nur drauf achten, dass man vor nächtlichen Klogängen abgewaschen hat und „den Eimer“ wieder in die Schüssel… sage mal noch einer, dass wir keinen Campingurlaub hatten. Der Grund dafür ist der ziemlich verwinkelte Einbauort für das Kühlaggregat, für das wir auch das Küchenseeventil ersetzt haben, und für besseren Zugang ist die Küche quasi entkernt, Spüle raus, Trinkwassertank raus, Aggregat raus… Glücklicherweise ist es schon ausreichend kühl, so dass Kühlgut zeitweise in einer Plastiktonne an Deck stehen kann, mit etwas Eis aus dem Fischereibedarf frisch gehalten. Siehe oben, Campingurlaub. Vorm Einbau der Spüle muss noch die neue „Lackierung“ der Arbeitsoberfläche erledigt werden, die Folienstücke hatte ich schon vor Wochen zugeschnitten, aber dann… Rückbau auf Normalzustand. Das ist so ungefähr die Zeit, in der wir endlich den Antrag auf Verlängerung unseres Aufenthaltsstatus stellen wollen, es ist Wochenende, dann hat frau Zeit dazu. Die Formulare sind… Formulare eben, es werden ein paar merkwürdige Fragen gestellt, wie überall. Waren Sie Mitglied einer terroristischen Vereinigung, haben Sie eine paramilitärische Ausbildung genossen, und… nennen Sie Ihre I94-Referenznummer. Easy. I94 ist die Aufzeichnung der Ein- und Ausreisen aus den USA, früher bekam man dafür einen kleinen Papierwisch, heute geht das zumindest bei den Seereisen elektronisch. Frau guckt dazu auf die I94-Seite der Regierung, gibt die persönlichen Daten ein und liest die Nummer ab, die unter „letzte Einreise“ steht. Alles klar. Nun noch der zweite Streich. Persönliche Daten Eigner, enter, Einreise… Ups. Die letzte Einreise des Eigners war am 21.7.2020. Stimmt, da war eine, das war, als wir aus Guatemala kamen. Jetzt steigt der Blutdruck – im Klartext heißt das, das Andreas seit Juli 20 im Land ist und damit sein Visum um 12 Monate überschritten hat. Natürlich passiert das am Wochenende. Am Montag telefoniere ich mit Paul Amiss, der mittlerweile mein bevorzugter beratender CBP-Officer geworden ist. Er kann nicht helfen, aber doch die richtige Richtung vorgeben. Vor allem Papierberge nach Norfolk mailen und das Beste hoffen. Ich untermauere das noch mit ein paar Telefonaten („Haben Sie das erhalten?“ Nächster Tag „…fehlt noch was?“) Für das zu erhoffende Beste brauche Norfolk dann 5 Arbeitstage. Der Antrag soll eigentlich 45 Tage im Voraus gestellt werden, aber bis es endlich so weit ist, sind es kaum mehr 4 Wochen. Die Bestätigung, dass der Antrag eingegangen ist, steht noch aus, aber, wie das hier so ist… so lange man den Antrag gestellt hat und nichts Negatives hört, ist der Besucher geduldet. Irgendwie gibt einem diese Ungewissheit eine Ahnung davon, wie sich Illegale hier fühlen müssen. Luftleerer Raum… und nebenbei häufen sich die kleinen Schreckensstorys von Leuten, deren Visa abgewiesen werden, weil irgendwas in die falsche Schublade gerutscht ist. Das sind vereinfachte elektronische Abläufe.

Völlig losgelöst. Der Turbo.

Bis gestern übrigens waren wir sehr froher Dinge, dass wir bald losfahren, morgen eigentlich, nach Durchzug einer Front. Und seit gestern sind wir ganz froh, den oben beschriebenen Antrag gestellt zu haben. Warum? Weil wir gestern noch einen Motorprobelauf veranstaltet haben. Alles total schön und vibrationsfrei, so viel zur Chief-Engineer-Arbeit. Nur dass wir im selten erreichtenTurbobereich  nicht so recht auf Drehzahl kommen. Die Schipperin mit den peripher besseren Ohren wird am Motorraum positioniert. Drehzahlerhöhung, noch mehr, noch höher. Sirrt der Turbo? Nö…  Darf nicht wahr sein, oder? Not-so-much-fun: das Ding ist fest. Nein, der Turbo ist überhaupt nicht fest, im Gegenteil, seit heute ist er ausgebaut. Ersatz muss her. Ist Wochenende?  Nee. Dienstag. Und morgen ist Mittwoch. Und dann… Happy Thanksgiving! Mahlzeit!
Wir richten uns auf ein paar motorfreie Tage ein.  Schön kühl isses!

30 Tage Aequatorfahrt

Stingray Point, 1.10.2021

Kleiner Nachtrag zum gestrigen Blogbeitrag, den ich aber mit Absicht extra erstelle:
Guckt mal auf die Blogroll und die Segelyacht „Gegenwind“ – ich hatte leider die letzten Wochen nicht verfolgt, ob sie nun endlich, nach so vielen Monaten in Ost-Timor lossegeln konnten. Sie konnten, und die Geschichte ist eher qualvoll – wir hatten auf der Strecke nur gute Zeiten, aber wir durften ja auch alle naslang anhalten. Wirklich ausdauernd und tapfer, eine wahrlich ermüdende Reise über 2.000 Seemeilen mit meist wenig Wind, wenig Schlaf, wenig Wasser, wenig Diesel. Jetzt haben sie allerdings etwas Zeit – in der Quarantäne in Thailand, aber „confinement“ sind sie ja schon aus Dilli gewöhnt, die beiden…
Wer Lust hat, kann Asha und Helge zu einem Kaffee oder zu einem frischen Apfel oder Pad Thai einladen; am 27. Tag ihrer Reise erklären sie etwas zur finanziellen Lage. Zahlen ist einfach, per PayPal, oben rechts in ihrer Seitenleiste.
Das würde mich freuen, und die Gegenwinds bestimmt auch!

Sauber abgeschert

Stingray Point/Deltaville, 30.9.2021

Home, sweet home!
Boatyardleben.

Ei, ei… der Herbst ist da!  Der Herbst, der hier, wie Freundin Pat es aus dem mittleren Westen beschreibt, bedeutet, dass man vom Mittag bis 17 Uhr die Klimaanlage anwirft und in der Nacht dann Winterdeckenalarm ausgerufen wird. So isses. Oder so ähnlich. Wobei unsere Klimaanlage schon eine Weile stillsteht – hat jemand Interesse an einer 110 V Fensteranlage? Wir brauchen sie nicht mehr.

Auf Akka ist alles schön, der Eigner klopft Teakproppen ins Deck, die Schipperin wäscht die Schoten oder flickt irgendwelche Sachen, kocht, kauft ein oder kämpft mit den Rechnern und gesperrten Kreditkarten, die die Lieferung von Ersatzteilen behindern. Das AT&T-Netz hier  ist mittelmäßig schlecht, die Datenpläne teuer, das Boatyard-Internet ist auf Akka nicht einzufangen, alles doof; ein neues, aktives Verlängerungskabel und Antenne im Besantop hilft auch nicht. Aber nun… es liegt ein Tablet auf dem Cockpitdach und schubst uns – einigermaßen zuverlässig – 100 GB pro Monat in die Laptops. Geht doch. Hätten wir früher haben können.

Größere und kleinere Projekte hat es – neben dem Großprojekt „Abfahrt“ – reichlich. Das Dinghy… ist seit Jahren intermittierend schlapp. Wir stellen Versuchsreihen an, wann in welche Richtung Luft entweicht – es hat drei Kammern, einen Bugwulst und je einen rechts und links. Luft entweicht eindeutig aus dem Backbord- in den Bugwulst, wogegen der rechte absolut dicht ist, dabei ist das der verdächtige, denn er hat einen reparierten Austernschalenschnitt aus Wallis/Futuna. Nach außen können wir nichts feststellen, Spülilösungsexperimente zeigen nichts an, obwohl es auch das geben muss. Also wollen wir das Dinghy von innen abdichten, dazu gibt es Gummierungsflüssigkeit, die in die Wülste eingefüllt wird. Diese Lösung muss aber verteilt werden, also bringen wir mindestens zwei Tage damit zu, mit Taljen und Leitern eine Konstruktion zu ersinnen, die einem ermöglichen würde, das Dinghy von vorn nach hinten zu kippen und dabei gradweise zu drehen. Ein Fall für „Szenen einer Ehe“, nebenbei bemerkt. Anstrengend. Der Eigner ist für Drehen und Hebeln von Hand, in meiner Vorstellung sehr kraftraubend. Vielleicht hat er recht, und eine Beschreibung besagt, es reiche, das Dinghy bei Wellengang auf einen „wild ride“ zu nehmen. Ich kann mir das nicht vorstellen, das müsste ja in einer Eskimorolle enden, von „gradweise drehen“ keine Rede; ich bin für – übermäßig komplizierte? – Taljenlösungen. Das Dinghy bekommt unseren Jockey Pole untergeschnallt, das Heck wird per Talje aAkkas Bugbeschlag befestigt, das Vorderende auf eine A-Leiter gelegt. Die Leiter fällt beim ersten Versuch um. Wir schleppen einen hohen, hölzernen Bock an. Funktioniert auch nicht wirklich gut. Den Spibaum quer über den Bug legen und mit zwei Taljen…? Wir diskutieren, bis wir das Thema vertagen. Und das Ende vom Lied? Seit wir entschlossen sind, das „irgendwie hinzukriegen“, stellen wir keinen Druckverlust mehr fest. Projekt verschoben, die Flasche Gummierung packen wir ein, vielleicht gibt es eine Abdichtsitzung an einem schönen Bahamasstrand… Dinghyprojekt 2: wir haben beschlossen, das Aludinghy von der abblätternden Farbschicht zu befreien und danach in „Alu pur“ zu belassen, hat es doch in den letzten Jahren nicht nur hässlich ausgesehen, sondern auch zunehmend kleine Lacksplitter auf dem Deck hinterlassen, wenn es umgedreht auf dem Vorschiff gefahren wurde. Ach ja, und das neue Kühlaggregat steht immer noch auf dem Sofa und will eingebaut werden… Das wird nun wirklich Zeit, schließlich steht es in meiner Ecke, und wenn das mit der Tagestemperaturentwicklung so weitergeht, sind die Tage des Cockpits als Aufenthaltsraum gezählt. Die Pantry (Ihr seid Euch bewusst, dass das wieder einmal eine  Fehl-Eindeutschung eines englischen Fremdwortes ist? Siehe das deutsche „Handy“, englisch für „hübsch“. Und die Schiffsküche ist die galley, die pantry dagegen der Vorratsschrank…). Unsere Küche also sollte schon seit längerem eine neue Arbeitsoberfläche bekommen. Ihr wisst ja, wie die Arbeitsfortschritte bei uns verlaufen (gibt es das Wort verschleichen?), und so verschwinden manche Projekte leicht ans Ende der To-Do-Liste. So auch dieses . Als wir ankamen, hatte uns Rick (das ist der Motormann aus dem letzten Beitrag) freudig bestätigt, dass er auch Schreinerarbeiten macht, wie toll! Da lassen wir uns schickes Formica/Resopal schneiden und druff damit! Nun ist Rick aber recht beschäftigt, vielleicht ist auch unser Zutrauen in seine Künste im Allgemeinen etwas gemindert – und das Projekt rutscht zügig der Prioritätenliste abwärts, denn eher muss Rick uns mit dem Motor auf die Beine helfen! Muss er? 

Muss er nicht. Ich wage es kaum zu berichten, aber der Eigner, der Bordingenieur und Wunderknabe hat es wieder allein geschafft. Die Aktionen verlaufen vom zögerlichen „wir müssen in die Strümpfe kommen, wann hat Rick Zeit?“ über stille Entschlossenheit bis zum optimistischen „…eigentlich mache ich das ja doch ganz gern – man muss es nur anfangen“.  Kleine Entmutigungseinsprengsel inklusive.  Schritt eins: Propellerwelle ziehen. Rick hat „gerade“ keine Zeit, bringt schon mal eine große (eine überdimensionierte!) Klempnerrohrzange, das berechtigt zu schönen Hoffnungen. Die Zange stellt sich als so groß heraus – viel Länge, viel Hebel! – dass der Eigner diesen Schritt schon am gleichen Tag aus dem Ärmel schüttelt. Einhand, wie man in Seglerkreisen sagt, und Rick freut’s. Jetzt müssen die alten Motorlager (das sind die elastischen Füße, auf denen der Motor steht und mit dem Schiff verbunden ist!) raus. Tadaa! Ich hatte ja schon mehrfach angedeutet, dass ich das mit den Motorvibrationen nicht so dramatisch fand, vielleicht ein bisschen altes, hartes Gummi oder so… aber der Chief hatte den richtigen Riecher, da muss etwas Größeres faul sein. Richtig – beide

Passt doch! Fast.

…  kommt zusammen, was zusammengehört? Nö.

hinteren Motorlager sind unterhalb der Mutter sauber abgeschert. Wo gibt es denn so was?  Auch wenn das eigentlich katastrophal ist – der 450 kg-Klotz hat also eine nicht zu kurze Weile nur noch an zwei Bolzen gehangen, und das bei diesen Schiffsbewegungen! – den Eigner freut’s, die Ursache gefunden zu haben. Es folgen Überlegungen, wie man die Kraftverteilung auf die Bolzen verbessern kann, das dauert ein bisschen – und da kommt dann doch der Motortischler Rick wieder ins Spiel, denn er tischlert uns Distanzplatten aus irgendeinem tollen NASA-Material. Ich darf auch einmal mitspielen und mein ganzes Übergewicht zum Tragen bringen: den Motor diagonal kippen, um einen neuen Motorfuß in Position zu schieben. Nicht zu vergessen, dass  dabei auf dem zu bewegenden Teil noch der halbe Eigner liegt, aber was tun schon

Alt und neu. Beim rechten Lager ist was faul…

ein paar zusätzliche Kilos. Noch ein paar Tage Kleinarbeiten, und schon sind „wir“ fertig .  Der Eigner, dieser Ingenieurstyp, ist einfach der Hammer. (…ja, es hat gedauert, aber das liegt auch daran, dass man in Wahlkampfzeiten auch immer viel an politischen Nachrichten zu lesen hat). Das hintere Wellenlager ist auch neu, eine Empfehlung von Rick, der ansonsten froh ist, dass er, außer uns seine rieseige Klempnerzange und seinen Drehmomentschlüssel zu leihen, nichts weiter mit unserem Projekt zu tun hatte – aber man merkt, dass seine Hochachtung vor dem Bordingenieur massiv gestiegen ist. Wie gut alles geklappt hat, wird sich zeigen, wenn wir im Wasser sind.

Noch was? Wir haben Rick auch in seiner Funktion als Tischler überholt – die neue Arbeitsoberfläche wird doch erneuert und wird aus selbstklebender „heavy duty“-Folie bestehen. DC-Fix fixt alles – wir hatten im Erdhaus in Isernhagen von 1985 bis 2006 ein zwei Dekaden währendes, knallrotes DC-Fix-Waschtisch“provisorium“. Gute Erfahrung!  DC-Fix gibt es hier allerdings nur eingeschränkt – „not for the North American market“ merkt Amazon bei bestimmten Farben und leider auch bei Mattweiß an – aber es gibt ein vertrauenerweckendes Alternativprodukt aus US-Produktion.
Manche Projekt krabbeln eben auch wieder vom Ende der Liste nach oben. Hoffentlich kommt uns nun auch der Abfahrtstermin entgegen.

Ida, Ida

Stingray Point/Deltaville, 2.9.2021
Ganz schnell, weil Nachfragen kamen:
Es war eine längliche Ida, die gestern bei uns durchzog – gleich am Anfang ein fetter Squall mit waagerechtem Regen, aber danach zwar lang anhaltend, aber nur noch leicht windig mit ein paar Böen. Immerhin gab es Tornadowarnung – und dies zu Recht: 2011 wurde Deltaville von einem getroffen, sehr unschön, 35 von den traditionell klapprigen Häusern wurden auseinandergenommen; das passierte gestern glücklicherweise nicht. Dafür aber gleich zwei Hits in und in der Gegend um Anapolis, was sicher so manche Bootseigner mit Sorge betrachtet haben. Solche Bilder sind durchaus beunruhigend. Und in New York ist derweil „Land unter“.
Puuh… mach mal langsam, Ida! Hier ist jedenfalls „business as usual“, und ich hoffe, für die Leute weiter nördlich auch.

Fisch ohne Fahrrad

Akka trocken. Der Kakaobart ist Zeichen der ICW-Fahrt

Stingray Point, 31.8.2021

Ein Monat ohne Blogeintrag ist wie… richtig: ein Fisch ohne Fahrrad.  Aber vielleicht freut es den einen oder die andere, wenn wir den Fisch doch noch zum Radeln bringen.
Vorkommnisse in den letzten 4 Wochen: keine. Oder kaum welche. Eine Fahrt um den Stingray Point herum zu unserem neuen Standplatz bei Stingray Point Boatyard. SPB ist das Mutterunternehmen unseres letztjährigen Boatyards – 3 Brüder teilen sich das Chaos, die Farinholts. John, der Chef, Rick, der Alleskönner und Lee, der brummig-nette Antitrumper.  Als wir noch am Dock liegen – wir hatten eigens dafür die Liegezeit verlängert – kommt Rick nach einigem Drängeln in seiner Funktion als „Motormann“ zum Ausrichten unser Propellerwellen- und Motorposition. Hatten wir ja schon: Vibrationen. Der Eigner behauptet, dass Akka so sehr schüttelt, dass es die Sicherungsschrauben aus den Relingsstützen fliegen lässt. Also wirklich, Herr Hänsch… Der Termin mit Rick ist klasse – so recht nach des Eigners Geschmack: ein Mobiltelefon dient als Arbeitsfeldbeleuchtung, das von uns angebotene (und perfekte) Werkzeug wird mit Missachtung gestraft, ein Adlatus muss mehrfach rennen, um „das richtige“ Werkzeug zu holen (so viel zu guter Vorbereitung), was den Eigner tief Luft holen lässt, denn Werkzeug hier ist dann doch häufiger mal nicht metrisch, sondern „imperial“ und „ungepflegt“. Es tut ihm in der Seele weh. Das Ende vom Lied dieser Aktion ist, dass sich nicht wirklich viel tut auf der Vibrationsseite, und die Diagnose lautet: neue Motorlager, also diese elastischen, auf denen der Motor ruht (nix Inwendiges) . Doch, war nicht schlecht, Rick gebeten zu haben – es ist einfach schwere Arbeit, und die werden wir auch gern beim Einbau neuer Lager weitergeben. Weiterungen aus dem Termin allerdings: den Helfer, der außer zum Rennen wenig nützlich war,  mache ich beim nächsten Mal selbst, sagt der Eigner; möglicherweise muss ich dann den Helfershelfer anderweitig bespaßen. Kaffee anbieten oder so. Für adäquate Beleuchtung werden wir sorgen können. Das mit dem Werkzeug gilt es zu klären. Und die Lager besorgen wir selbst (siehe unten).

Fishing Bay nach Stingray Point – über Land ein Katzensprung

Zwei Tage später machen wir uns auf die oben schon erwähnte Reise – 2 Stunden dauert es, um aus der Fishing Bay herauszukommen. Spannung ist angesagt, denn es heißt von allen Seiten, dass die Zufahrt zum Stingray Point extrem flach ist. So richtig was für die tiefgangsschisserige Schipperin. Allerdings: wir sind zwei Tage nach Neumond, also knapp hinter Springhochwasser, unser Timing für die Ankunft ist ungefähr eine Stunde vor Hochwasser – was wir sehen, sind nie weniger als 2.50 m Wassertiefe. Also, entweder hat jemand gebaggert, oder wir sind die Glückskinder. Wahrscheinlich beides.  Akka jedenfalls wird aus dem Wasser gehoben und sieht „untenrum“ glatt aus wie der sprichwörtliche Babypopo – was war das eine Barnacleschweinerei, als wir aus Kuba kamen! Da hatten wir allerdings das Coppershield nicht selbst geschliffen, sondern die Trinis machen lassen – ist es das?! Kurz später stehen wir mitten auf dem neuen Schotterareal, zwischen zwei Katamaranen (sehr praktisch: Einstellplatz für den Saturn!). Einrichten, grässliche Wasserqualität entdecken, was zum Einkauf von zwei Vorfiltern führt- Unser Trinkwasser holen wir kanisterweise in der Marina, ein 8 Minuten Autoreise von hier.   Die Quelle bei der Feuerwehr im Dorf, wo sich die gesamte Nachbarschaft bedient, ist so unangenehm wie die hier vor Ort. Es sieht nicht nur „igitt“ aus, sondern schmeckt auch so. Gut dass das Auto da ist!  Der Rest ist Alltag.

Das Wetter ist gemischt, mal grottig heiß, dann wieder gewittrig, aber immer klimaanlagenpflichtig (Umweltsäue!). À propos Gewitter: eines Nachts höre ich es grollen, klettere noch schnell ins Cockpit, um die Seitenwände zu schließen, finde die kurzfristig taghelle Beleuchtung gruselig genug, um rasch wieder die Decke über den Kopf zu ziehen. Booom! Blitz! Ich liebe es. Und nochmal – diese Dinger, bei denen Blitz und Donner gleichzeitig auftreten. Schlafen ist gerade nicht –  der Eigner: „… es riecht! “ Ich: „Es stinkt! Schmorendes Plastik!“ Getroffen sind wir nicht, aber was stinkt? Der Eigner in seiner über-coolen „Gefahr im Verzug“-Stimme: „Komm!“ Raus aus der Kabine, wo es schon ein bisschen rauchig aussieht. Rundumblick. Motorraum auf –  da quillt ein Riesenschwall gelblicher Qualm heraus. Kopflampen auf, Hauptschalter aus – brennt irgendwas? Nein. Gut. Ist irgendwas wärmer als es sein sollte? Auch nicht. Die Nerven beruhigen sich etwas. Was genau das war? Keine Ahnung. Das Gewitter zieht durch, wir lüften und verziehen uns nochmal in die Koje. Ein äußerst unangenehmes Erlebnis.

Nach ein paar Stunden der Verunsicherung (die Schipperin klettert in der Früh die Leiter runter und schleicht vorsichtig um das Schiff, um Blitzspuren zu entdecken…) fällt irgendwann der Groschen: unser Landstromladegerät für die Batterien hing am Netz und hatte Überspannung bekommen. Und war im wahrsten Sinne des Wortes abgeraucht. Das lässt sich reparieren. Der Eigner ist ein bisschen traurig: dieses Ladegrät war ein Schnäppchen aus dem Gebrauchtteilehandel in Martinique, 2018. 10 Euro, da „defekt“. Hat gut gedient bis zu diesem Vorfall – und der Ersatz schlägt mit 400 Dollar zu Buche.

Dann kommt der Alltag zurück. Die Motorlager sollten längst auf dem Weg sein, was ist damit? „Backorder“ ist das Modewort dieser Tage. Alles ist in Backorder, Stoff für Cockpitsitze, Kleinkram, Motorlager. Leider sagt uns das der Lieferant in Fort Lauderdale erst nach 14 Tagen. Telefonieren, anderweitig suchen und „backorder – backorder –  backorder“ hören. Der Bootsteile-Discounter Defender hat 2 vorrätig, wir witzeln, wie man die am günstigsten einbaut (diagonal!). Und wo werden wir fündig? In Deutschland. Immerhin storniert der Lieferant in Florida unsere Bestellung anstandslos – Mitte Oktober wollen wir wieder im Wasser sein und nicht noch auf „backorder“ warten. Vielleicht kann der Versender in Tostedt ja unsere Wahlunterlagen hinzufügen?! (Scherz…)

Was noch? Das neue Aggregat für die Kühlbox ruht auf dem Sofa, und wir auch ganz gern. Es ist heiß, das schlägt auf das ohnehin schneckenartige Arbeitstempo. Der Herd – sagte ich schon? – tut’s immerhin wieder, eine Streichung von der To-Do-Liste. Das Leben geht seinen Gang. Ab und zu gibt es Ärger mit dem Webspace-Provider in München, falls es jemand bemerkt hat. Mal ist nur der Mailserver gekappt, mal auch die Website – aber da der Blog sowieso ein Fisch ohne Fahrrad… aber wir bemühen uns!

Ida kommt!

Ach ja – meine Großmutter ist im Anmarsch: Ida kommt. Am Donnerstag. 

Dieser Blogbeitrag ist dem Bruder und meiner Schwiegernichte Silke gewidmet. Was wäre ich ohne Eure Arschtritte!?

 

Alles wie immer

Deltaville, 28.6.2021

…ach, ist das nicht schön? Vor genau einem Monat habe ich dieses Datum geschrieben, aber danach ist die Blogenergie erlahmt. Also, auf ein Neues:

Deltaville, 28.7.2021

Der Beitragstitel besagt es schon: alles wie immer. Außer vielleicht, dass wir sehr nett in der Fishing Bay Marina am Dock liegen, gute vier Wochen nun schon – wenn es nach mir geht, dann gern noch länger, denn es gibt den Pool, die Waschmaschine, gelegentlich einen Grillabend. Kein Staub vom Schotterplatz. Der Supermarkt ist in Radelnähe… aber es geht ja nicht nach mir, sondern nach Akka, und die hat Bedürfnisse. Oder der Eigner hat Haul-Out-Bedürfnisse. Kurz: so unendlich lange werden wir hier nicht mehr schaukeln, wir werden um die Ecke ziehen und uns im Stingray Point Boatworks an Land hieven lassen. Chesapeake Boatworks, unsere alte Heimat der letzten beiden Jahre, macht zum Jahresende zu und holt darum an diesem Ort niemand mehr an Land.

Alles wie immer –  auch die Fahrt von North Carolina herauf. Nach dem schon beschriebenen Cape Fear-Aufenthalt haben wir uns an Beaufort vorbeigeschlichen – die hohe Populationsdichte am engen Ankerplatz (Vairea, Flora, Easy und andere) wollten wir nicht noch verstärken. Besuch bei Hoover und Eisenhower, den wunderbaren, etwas zickigen Katern in der Oriental Marina. Premiere: Restaurantessen im „Toucan“, das war mal nett nach längerer Zeit, so richtig mit Vorspeise und Hauptgang. Auf Terrassen schrecken uns Mit-Esser nicht mehr so sehr. Wir gucken schon mal bei Deakon am Whitaker’s Point, ob Motorhilfe in Reichweite ist, den Eigner stören die Vibrationen im Propellerwellenbereich nachhaltig (die gefühllose Schipperin sagt dazu: „…geht doch!“). Die haben aber keine Zeit, die Saison beginnt, alle wollen ins Wasser… (und 14 Tage später sehen wir im Netz, dass Deakon gerade von der in der Chesapeake Bay weit verbreiteten Firma Zimmerman übernommen wurde. Vielleicht ja auch deshalb kein Platz für uns). Das Wetter sieht für die folgenden Tage eigentlich auch mehr nach „zügige Weiterreise“ aus, also tun wir das. Zwei wunderbar ruhige Nächte am Anker folgen, vor dem Pungo/Alligator-Kanal und nach dem Überqueren des Albemarle Sound. Pünktlich zu einem angekündigten Starkwind trudeln wir in Coinjock ein und binden uns für 2 Tage an. Die Marina nimmt wegen des Windes sogar das Corona-Outdoor-Dining-Zelt weg, was des Eigners Traum vom Primerib zerplatzen lässt – in traditionell konservativen Südstaaten-Kneipen mögen wir ungern eng mit Gästen zusammensitzen, bei denen Maskenverweigerung politisches Programm ist; als Outdoor Dining hätten wir’s gern genossen. Stattdessen gibt es Radausflüge in die nähere Umgebung – ehrfurchtsvoller Blick auf Kitty Hawk zum Beispiel, wo vor 120 Jahren die Brüder Wright ihre ersten Flugversuche unternommen haben. Nächster Stopp ist schon Great Bridge, ein freies Towndock direkt am neuen Great Bridge Battlefield Museum, das wir besuchen, und das auch den Bau des Intracoastal Waterway beleuchtet. Also, die Schipperin fand’s interessant… Abends sitzen wir mit der Petronella im angrenzenden Park am Tisch und leeren gemeinsam eine Flasche Wein. Französisches Schiff, amerikanischer Eigner mit brasilianischer Frau, die aber – worauf sie eigens hinweist – wenig brasilianisch, dafür ganz schön russisch aussieht. Total interessant, auch im Hinblick auf europäische Auswanderergeschichte. Die Nazizeit, der Irrweg ihrer Großeltern und Eltern durch Russland und Deutschland, anschließend als sprachunkundige Einwanderer nach Brasilien, mit erfolgreichen Kinder, die von ganzem Herzen Brasilianer sind (minus Bolsonaro) – diese Geschichts- und Politikstunde hat richtig Spaß gemacht.  Und schon sind wir in Norfolk, unser Anker fällt nun bereits traditionell vor dem größten Marinehospital der Welt, am „Hospital Point“. Wir suchen einen Kühlaggregatspezialisten – und finden einen, der uns davon abrät, in die Mobjack Bay einzubiegen „… vor dem Severn Yacht Club ist es soo flach!“. Lieber besucht er uns in Deltaville – und plötzlich haben wir es eilig, unsere Endstation zu erreichen. Natürlich ist Grottenflaute auf dem Weg – was bedeutet, dass wir lustige Vibrationsuntersuchungen bei verschiedenen Motordrehzahlen unternehmen können, bis wir am späten Nachmittag „daheim“ ankommen. Der Besuch von Dave mit seiner Vakuumpumpe gleich am nächsten Tag bringt das alte Kühlaggregat wieder auf die Beine, einigermaßen jedenfalls (ein bisschen Gas müssen wir gelegentlich noch nachfüllen). Und mit Dave ist gut schwatzen, über alte und neue, große und kleine Segelboote und weite Reisen und gelebte Träume. Netter Typ.

Zwischenzeitlich hatten wir bereits festgestellt, dass Leihautos in diesem Jahr unerschwinglich bzw. überhaupt nicht erhältlich sind. Corona, Corona. Was tun?  Schlau machen, wie das mit dem Autokauf hier geht, die Kassiopeia hatte es uns vorgemacht, die Naja auch. Der Eigner verbringt lange Stunden im Netz und vergleicht hübsche und weniger hübsche Autos. Es gibt eine Funktion, die CarFax heißt und die Service- und Schadensgeschichte des jeweiligen Autos darstellt – sehr informativ. Unser Eindruck ist, dass der Gebrauchtautomarkt selbst ziemlich abgegrast ist und sich steigender Preise erfreut. Zunächst bekommen wir von Gary, Segelyacht (Segel-?! …seit Jahren hoch und trocken) Independence, einen schicken Chevrolet Plymouth geliehen. Sonderausstattung: Loch im Schweller. „Könnt Ihr jederzeit nehmen, Schlüssel steckt – sagt nur Bescheid. Ach ja, die Bremsen sind schwach. Klima geht nicht – und der Motor überhitzt manchmal“. Ganz unser Standard! Die erste Tour geht fast in die Hose, weil das Auto nach einem ersten Gebrauchtautostopp fürchterlich zu stottern anfängt. Wir hatten von einem „Saturn“ gehört, das ist eine nicht mehr existierende Tochterfirma von GM, das Auto steht in Gloucester Point, und bis dorthin geht noch alles glatt. Nur der Saturn springt nicht an, wie enttäuschend. Und dann stottert der Plymouth – für eine Weile, aber es hört  wundersamerweise auf (ganz wenig Gas geben hilft…), wir beschließen doch noch über den York River nach Newport News zu rollen. Während den einen die Autowahl umtreibt, muss die andere ein weiteres Kapitel in Mobiltelefonie aufmachen – T-Mobile funktionierte weder in Oriental noch in Deltaville, und wo keine Telefon- oder Datenverbindung, da auch kein Auftoppen oder Planwiederbelebung (die Text-Nachrichten dazu sind sehr kryptisch „Plan suspended…“. Siehe Blogeintrag Canaveral – Faulheit siegt zwar, zahlt sich aber langfristig nicht aus). Alles wie ich es am liebsten habe. Wir legen bei MacDoof in Newport News an, trinken einen Kaffee, toppen das Telefon auf (was nur peripher hilft, der „plan“ lässt sich nicht reaktivieren), suchen die nächsten Gebrauchtwagenhändler und… der Plymouth, mittlerweile liebevoll „das Plumeau“ genannt, stottert wieder. Nein, damit fahren wir nicht weiter, lieber das gute Auto heil nach Hause bringen. Schneller Stopp im Walmart, ob ad hoc vielleicht unsere zweite Modernaimpfung verabreicht werden kann. Kann, aber da hätten wir warten müssen, the pharmacist is out for lunch. Zurück Richtung Heimat – das Internet (guckt mal: www.vaccines.gov – PLZ eingeben und sich die Impfstoffquellen anzeigen lassen; was für Qualen hatten wir aus Deutschland gehört!) hatte uns die Rite Aid-Apotheke in Gloucester als „Moderna in stock“ ausgewiesen. Wir winken dem schwarzen Saturn zu, der brav an der Straße steht, halten noch ein-, zweimal bei Gebrauchtwagenhändlern an (ich finde ja dieses ultimative Reklame „Vet-owned“ besonders attraktiv. Nein, nicht Vet wie Tierarzt, sondern wie „Veteran“. Da will man/frau unbedingt hin… owned by Grandma? Wer will denn sowas?). Die Versuche sind nicht von Erfolg gekrönt, entweder zu teuer oder nix vorrätig. In Gloucester ein super netter Apotheker, der uns vor den „adverse reactions“ bei der zweiten Spritze warnt, weil es seine Frau für 1 1/2 Tage von den Beinen gehauen hat. Und zack! 2. Impfung. Wunderbar. Auf dem Weg heimwärts rasch noch um einen Volvo herumgeschlichen, der prima aussieht (und von dem Jochen „Arcadia“ später sagt: „… mach das nicht – kriegst Du nie wieder los, die Ersatzteile sind so teuer!“. Egal, es war sowieso niemand greifbar). In der Nacht schleicht sich das „es-haut die Apothekersfrau-von-den-Beinen“-Syndrom auch bei uns an, das Frühstück sieht uns mit Fieberthermometern im Mund, und wir können gerade noch Leinen verdoppeln und Akka in Sturmposition bringen, ehe wir in die Kojen fallen – der tropische Wirbelsturm Elsa naht von Süden und will volle Kiste über uns hinwegziehen. Mittagsschlaf und danach Nachmittagsruhe, statt Abendessen gibt es Fiebermessen und dann… kommt Elsa, wahrscheinlich jedenfalls. Wir haben sie total verpennt. Im Tran merken wir, wie Akka wackelt und wie der Regen trommelt. Fazit: Impfreaktion ist gar nicht so schlecht beim Durchzug  tropischer Wirbelstürme – selten so gut geschlafen in einer Sturmnacht. Am Freitag klemmt unsere backbordsche Vorleine als Zeichen, wie sehr Akka dran gezerrt hat, aber ansonsten ist Elsa auf dem Weg nach New York und wir auf dem Wege der Besserung. 

Samstag. Gary hat uns das Geheimnis des stotternden Motors verraten – ausmachen und wieder anmachen (und Zaubersprüche murmeln) – und er hat die Klimaanlage in Gang gesetzt. Wir fahren nach Norfolk zwecks Autokauf! Norfolk, wie Ihr wisst der Welt größte Navy Base, hat eine außerordentliche Fluktuation an Einwohnern, die alle naslang ihre alten Schrottkisten loswerden wollen, wenn die Soldaten versetzt werden. Unser Ding! Zwischendrin noch ein Stopp bei T-Mobile, damit wir wieder erreichbar sind und vor allem Daten wenigstens unterwegs saugen können. Funktioniert (ein grausamer Arbeitsplatz übrigens, laute Musik, Fernseher brüllen, die Kunden brüllen lauter. Mein japanischer Servicemann sieht schon ganz mitgenommen aus und bedauert, dass Covid ihn nicht nach Hause lässt). Wir probieren zwei Autohändler am North Military Highway, wo sonst …. Die ersten beiden Autos sind so richtig „Hinterhofverkauf“. Hm. Beim zweiten Händler sieht es schon besser aus, und es steht auch ein – etwas zu großer – Ford Explorer zur Verfügung, allerdings unter der Voraussetzung, am Montag die Reise noch einmal zu machen. Sehr umständlich – da gucken wir doch lieber noch bei Carland in Portsmouth vorbei. Bei der Vorauswahl im Netz hatten des Eigners Äuglein schon beim Anblick eines knallroten Mercury Mariner gestrahlt (auch der einen Ticken zu groß), der soll es sein. Was nicht (mehr) dort steht, ist der Mariner. Enttäuschung macht sich breit und ruft die Stimme der Vernunft ans Licht: „… was ist denn das für ein unscheinbares Auto da in der Ecke?“ Ein Subaru Forester von Anfang der 2000er. Sieht – abgesehen von der schlichten Karosse – gut aus, sauber, technisch… naja, wird schon in Ordnung sein, der Security Check ist ganz frisch, quasi ganz neuer TÜV. Klimaanlage geht nicht „… da fehlt der Keilriemen!“. Ficht uns alles nicht an. Kurz später ist die Schipperin Autobesitzerin und steuert den Forester, genannt „Förster“, zurück nach Deltaville – ganz schön anstrengend im wilden Norfolkverkehr.  Straßenverkehr in den USA fließt eigentlich meist ruhig vor sich hin, aber hier wirkt wohl das Navy-Testosteron, und die Schipperin ist vielleicht auch aus der Übung mit der Autofahrerei. Hinter dem Förster hängt das Plumeau. „Ich blinke Dich an, wenn was ist!“  Kurz hinter Williamsburg blinkt es. Was’n los? Wo fährst Du denn hin? Naja, dahin, wo die Navigationstrulla von GoogleMaps mich lockt!? Da wir beide ein Tablet auf dem Beifahrersitz stehen haben, wäre davon auszugehen, dass wir der gleichen Strecke folgen… so ist es aber nicht. Nun gut, kleiner Umweg über West Point, landschaftlich schön, gewundene Landstraßen durch Wein- und Obstbaugebiete und Wald. Und es ist sowieso ein schöner Tag, wir haben ein Auto, wir sind frisch geimpft und gut gelaunt… Das war der erste Teil dessen, was sich zur Slapsticknummer entwickeln wird.

Am Montag bereiten wir Papiere vor, ich versichere das Auto via Internet (super „smooth“), und am Dienstag machen wir uns auf den Weg, das Auto anzumelden, ein bisschen nervös, ob das alles so klappt. Jochen hatte uns geraten, sich nach Matthews zu wenden „… die haben da nix zu tun!“. Zunächst mal muss ein Termin vereinbart werden. Nach 15 Meilen kommt man in Mathews an, nur um zu erfahren, dass man mit einem „internationalen Führerschein“ zu einem Vollservice-DMV (Department of Motor Vehicles) muss, also nach Kilmarnock, 15 Meilen zurück, 12 Meilen weiter nach Norden. Wir stehen mindestens eine Stunde vor der Rapahannock-Brücke nach Kilmarnock, die wird gepönt, und mit dem berühmten „stop“ und „slow“-Schild wird die Autoschlange häppchenweise ans andere Ufer gelassen. Bis wir beim DMV sind, geht es auf 12. Eines muss man den Amerikanern lassen: „freundlich“ können sie! So werden wir freundlich beschieden, dass man extremely sorry sei, weil gerade Mittagszeit sei und nein, Termine mache man nicht hier. Wie bitte?  Nein, die macht man online! Sehr witzig, also quasi bei Akka im Cockpit, bei einem gemütliche Frühstückskaffee – aber so ein Autoausflug ist ja auch ganz schön. Im Front Porch Café in Kilmarnock klopfen wir den Anmeldetermin fest. Reichlich Alternativen hat es nicht – eine Woche später oder dann erst in weiteren 10 Tagen. Also den nächstbesten. Auf dem Weg nach Hause sagt der Eigner: ich bringe den Förster morgen zu John in die Dorfautoschmiede, der soll mal gucken, ob was dran zu machen ist. So geschieht’s. Es dauert nicht lang, bis Johns Adlatus eigens zu uns herausgefahren kommt, und er hat keine guten Nachrichten: am Förster ist allerlei marode, der Klimaanlage fehlt nicht nur der Keilriemen, sondern sie ist einfach tot, Fahrwerksteile sind falsch verbaut, irgendwo leckt’s… vor allem aber ist die Bescheinigung für den Security Check eindeutig ohne physische Kontrolle des Autos ausgestellt worden; er benutzt die Worte „fraud“ und schlimmer noch „death trap“. Slapsticknummer mit leicht unangenehmem Unterton. Der Eigner macht sich auf die Socken – John will bei Carland anrufen und den Leuten Dampf machen. Was ihm gelingt. Er droht mit der State Police, und schon ist die Sache geklärt – wir kriegen unser Geld zurück. Mein schöner Förster! Zurück auf Anfang… Die Nacht ist unruhig, irgendwie ist das Zutrauen zu dem Händler dahin, das macht einen paranoid. Was, wenn die uns jetzt das Geld nicht geben wollen oder herumfeilschen. Oder Schlimmeres (aus der Ecke „get off my lawn“ vielleicht). Zweite Fahrt mit zwei Autos nach Portsmouth, auch an einem Donnerstagmorgen kein Geschenk. Immerhin stelle ich fest, warum wir unterschiedliche Strecken angezeigt bekamen: mein Tablet auf „avoid toll road“ war auf eingestellt, und die Brücke über den York River – die 2 Dollar werden nur in Nordrichrung kassiert – ist nun einmal Mautstrecke. Aha. Slapstick für Seepomeranzen. Die Transaktion geht glatt vonstatten, wir sind beidseitig ein bisschen angestrengt, man verlangt uns die zuvor erlassene „processing fee“ ab, 299 Dollar. Das rechnen wir uns schön, entspricht der Leihwagengebühr für zwei, drei Tage. Ärgerlich, trotzdem verschmerzbar. Aber unsere Energie ist dahin. Lass uns heimfahren. Übern Tisch gezogen werden macht mürbe.

In Yorktown ist Kaffeepause mit Familienanschluss – eine junge Frau hört uns sprechen und freut sich: „… is that German? … in September we move to Kaiserslautern!“  Ich empfehle ihr gleich zum Abgleich von Kulturunterschieden eines meiner neuen Lieblingspodcasts – „Understanding Trainstation“, zu deutsch: „Bahnhof verstehen“. Witzig und informativ*.
So aufgemuntert rollen wir über die York River-Brücke, die Energie ist zurück; als wir am Saturn vorbeifahren, winken wir nicht nur, sondern biegen ein. Es ist eine schwarze Stufenhecklimousine, 4-türig, manuelle Schaltung (wovon der Verkäufer sagt, dass die jungen Leute hier das gar nicht mehr bedienen können). Nach unserer Erstbesichtigung hat das Fahrzeug neue Reifen bekommen und einen echten Security Check. Und er springt an, der Saturn – kleine Fehlbedienung unsererseits beim Erstbesuch, man muss die Kupplung zum Anlassen treten. Nach einer Probefahrt sind wir wild entschlossen- das ist unser Gefährt(e). Der Preis geht noch ein bisschen runter, das kann er gut, der Eigner und schon… habe ich 40 Jahre nach dem letzten zum zweiten Mal innerhalb von 10 Tagen ein Auto erworben. Funktionieren tut so etwas einfach: die persönlichen Daten werden in einen Besitzurkundenvordruck („title“) eingetragen, vorläufige Nummernschilder werden ausgedruckt und… fertig. Das Plumeau folgt dem Saturn nach Deltaville. Die Fahrt zur Zulassungsstelle in Kilmarnock – der Förstertermin besteht noch – erfolgt mit leichtem Unbehagen, weil deutsche Führerscheine außer ein paar „international verständlichen“ Pictogrammen (guckt mal drauf! Very international! Der rosa Lappen konnte das besser!) so gar nichts Internationales haben, und wir dazu Kompliziertes gehört hatten. Aber die Nummer F 103 wird aufgerufen, es wird eine „feste Adresse“ abgefragt – das ist die Marina – und was für Nummerschilder man möchte (natürlich Standard, billig, dafür steht „Virginia is for lovers“ drauf). Der Title wird offiziell ausgehändigt und… Ende der „übern Tisch gezogen“-Geschichte. Hurra.

Noch ein Slapstick gefällig? Das wäre dann der Versuch, irgendeiner Telefonfirma ein neues Mobiltelefon abzuluchsen. Online. Was im vorigen Jahr einfach war, ging dieses Jahr überhaupt nicht. Verizon wollte uns keines verkaufen, weil „Deltaville als Hauptnutzungsort liegt nicht im Bereich der Verizon-Abdeckung“. Interessant – dabei ist Verizon der einzige Anbieter, der hier unten wirklich zuverlässig funktioniert. AT&T tat es im vorigen Jahr meist auch, also zweite Wahl, AT&T. Aber nicht mit … dieser Hausnummer. Unsere Marinasekretärin Kylie verrät uns eine alternative. Klappt. Bestellbestätigung. Liefertermin 1: 2 Tage später, ein paar Zeilen drunter Liefertermin 2: im April. *kopfkratz*. Wer nicht wagt, kriegt auch kein Telefon – also haut frau auf den „order now“-Button. Ja, gern, vielen Dank, … aber nicht mit…  Ihrer Kreditkarte, Frau Fuchs. Vielleicht mit der vom Herrn Hänsch (im xten Anlauf)? Jaa – aber … dann sucht das dumme System die deutsche Postleitzahl in den USA. Das war jetzt die absolute Kurzversion – zusammengefasst: es war über Tage nervenaufreibend. Aber nun sind wir wieder erreichbar, auch telefonisch und mit einem lesbaren Telefon mit brillantem Display. Dank der äußerst rundlichen jungen Männer im AT&T Protel-Shop in Gloucester, die wir dann doch noch persönlich ansteuern. Die fallen bestimmt jedes Mal in Ohnmacht, wenn ich den Laden betrete. Aber wie ich schon sagte – eines können die Amerikaner: geduldig und freundlich. Ich dagegen habe zuerst ein Gedulds- und dann ein Freundlichkeitsdefizit. Auch an dieser Stelle alles wie immer. Wir arbeiten dran.

Bis demnächst! Gruß aus dem heißen Deltaville.
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*Feli, eine junge Münchenerin in Cincinnati und Josh, ein junger Amerikaner von ebendort, nun in München, berichten über Sprachliches, Kulturelles, über Unis und Schulen etc.
Klasse. Vielleicht ein bisschen lang manchmal (gut zu hören beim Kochen oder Nähen), teils mit interessanten Gästen. Die Folge mit Rachel Stewart, bekannt aus der YouTubeSerie der Deutschen Welle „Meet the Germans“ hat mir besonders gefallen, sehr interessant auch die mit Clemens Hufeld über das britische Schulsystem; es ist toll zu sehen, wie Amerikaner und andere Anglophone Deutsche sehen und umgekehrt, auch wenn meine Begeisterung für den „american way of life“ nicht ganz so ungestört ist. Alternativ ist der YouTube-Kanal von Feli „German Girl in America“ ganz kurzweilig und fordert die Geduld nicht heraus.

Schönwettersegler

 

Cape Lookout, 12.6.2021

Das Canaveral-Highlight nach der Impfung ist … die Impfung. Der rechtsaußen-orientierte Dockmaster runzelt die Stirn, als er mich zum Clubdinner lädt, und wir ein bisschen zögerlich reagieren. Viele Menschen, enger Innenraum – und wie viele Ungeimpfte? Wir gehen auch folgerichtig nicht hin. Dafür klopft es am nächsten Tag – eine namenlose Frau mit einer blauen (Wein?-)Flasche in einem Cozzie. „Sin‘ Sie doitsh?“  Hat 30 Jahre in Lampertsheim gelebt und ist nun wieder Floridian. Weil ich mein Publix-Pflaster noch wie eine Trophäe trage, kommt die Sprache schnell auf die Impfung, und sie erzählt mir eins vom Pferd. Hm. Vom Virus. It’s just a flu. Du musst die richtigen Ärzte fragen. Nicht dem Mainstream glauben. Die Absicht dahinter sehen. Deep State! Die Impfung ist tödlich!  Krebs ist die eigentliche Pandemie (langsam wird es allzu irrational).  Bei „es sind nach der Impfung mehr Leute gestorben als vorher an der Viruserkrankung!“ wird es mir zu blöd, aber ich war ein Muster an Contenance. Abgang, nicht ohne dass ich noch ein zickiges „… aber Du musst Dir ja keine Gedanken machen, Du bist ja jetzt geschützt, hahahaha“ nachgeworfen kriege. Zug aus der (Wein-)Flasche. Mit Sicherheit Wein oder Schlimmeres und davon ein bis zwei Zug zu viel. Oder eine Überdosis aus dem evangelikalen Predigtnapf.
Dafür treffen wir am nächsten Morgen vor der Abfahrt noch den Eigner der bis dato unbemannten Nachbaryacht. „Slow Dancing“ hatte bei mir was klingeln lassen, nur dass ich die Richtung, aus der es klingelt, nicht orten konnte – bis Richard sagt: „Akka rings a bell!“. Und ob wir 2009 bei Peakes in Trinidad waren. Das ist schon eher eine Unterhaltung auf unserer Wellenlänge -wir sollten uns mehr mit Leuten unserer Alterklasse unterhalten, die dauernd ihre Pläne ändern oder verkaufen oder Hüften reparieren lassen und auf Trawler umsteigen. Das tröstet! Nette, kleine Welt.
Abfahrt.

Das war nicht so einfach mit der Strecke von Canaveral nach North Carolina..  Wir sind halt Schönwettersegler. Die Gewitterlage, sofern man darauf rechnen kann, zeigt uns ein „Loch“  am Montag, mit Updateverpflichtung der Vorhersagen von unterwegs. So richtig schick sieht es nach hinten, zur Ankunft in Beaufort, nicht aus. Weil der Ankerplatz dort recht eng und strömungsbeaufschlagt ist, und die Invia von unangenehmen Schwoisituationen in Gewittersqualls berichtet hatte, fragen wir schnell bei Homer Smith nach, ob er vielleicht einen Platz für uns hat, dann könnten wir in Ruhe einkaufen radeln, sein Courtesy Car nutzen, vielleicht Frau Turecek bei der Feuerwehr besuchen (jenau, ein Jahr um, wir müssen der Rentenversicherung nachweisen, dass wir noch leben…). Wäre nett! Matt lacht am Telefon:“Crazy times!“  …und „Wir sind voll für 14 Tage. Großes Marlin-Angelturnier“. Das Towndock setzt eins oben drauf:“…freie Plätze? In Oriental“. Na gut, wir werden ankern und nicht warten.

Die Ausfahrt ist blöd: für mich. Am Anfang 2 Stunden bolzen, bis wir auf Kurs gehen können, zieht die potenzielle Kotzgrenze vor, die ich bei ruhigem Wetter und vor dem Wind eher nach 8 Stunden erreiche, wenn überhaupt. So quält sich frau durch den Tag, auch als wir schon längst angenehm nach Norden rollen. Die Nachtwachen gehen mit „Sag mal, Du als Physiker..“ und „Spiegel Daily “ dahin, und zum Frühstück ist schon wieder alles in  Butter (und Rührei). Dass sich diese Episoden nicht vermeiden lassen!  Indes kündigt sich andere Episode an – Wetterwelt zeigt uns für den Donnerstag ein fieses Gewittergebiet für die Ankunftszeit. Baah! Gewitter auf See ist so, so… kacke, und aus  „mal schau’n“ wird  „Warum gehen wir nicht nach Charleston?“ Die Idee reift zum Sonnenuntergang (der breitengradbedingt täglich später kommt), gerade noch im rechten Moment, um nach Westen zu laufen. Zum Frühstück liegen wir vorm berühmten Fort Sumter/Fort Moultrie. Bürgerkriegsfantasien beschleichen einen. Hier ging es 1861 los, als Lincoln auf den Präsidentenstuhl gehoben wurde – so recht stabil scheint die Lage auch dieser Tage nicht, wenn man auf die verrückten Waffenfetischisten und die white supremes schaut, die die Wahlrechte einschränken wollen. Einziger Unterschied: dass damals die Republikaner die Fortschrittlichen waren und die Demokraten die Hartleibigen (Don Caron betrachtet in seiner „Battle Hymn of the Republic-Parodie“ aber beide Seiten. Hartleibig ist eine schöne, allseits gelebte Tradition hier. * ).

Wir überlegen, ob wir in Charleston bleiben sollen, die Wetteraussichten für die kommende Woche sind nicht reisegünstig, Strom gegenan, Wind gegenan oder gar Fehlanzeige. „Wir gucken uns das heute Nacht um 3 nochmal an“ sagen wir um 23 Uhr. Das ist ein kurzer Schlaf – als wir uns in der Annäherung an Beaufort gestern erinnern, stellen wir fest, dass wir uns gegenseitig gern hätten überreden lassen, den Anker in dieser mondlosen Nacht stecken zu lassen; es hat nicht viel gefehlt. Aber im Schein der Decksbeleuchtung heben wir das Ding und fahren den langen Fairway aus dem Hafen von Charleston hinaus. Nachtfahrten sind ja eigentlich ein einfaches Ding und schön dazu. Auf See. Wenn denn nicht Hunderte Lichter um einen blinken, blitzen, leuchten. Von hinten haut einem das Richtfeuer ins Genick, vorn gurkt ein Lotsenboot herum –  anstrengend. Ich steuere Akka über das – nicht wirklich enge –  Fahrwasser hinaus  „… da kommt uns was Dickes entgegen!“. BERLIN heißt die Dicke. So lang, dass das AIS-Signal noch immer voraus ist, als wir schon querab an ihr vorbeigleiten. Sehr angenehm als die seitliche Seawall endet, wir das Fahrwasser verlassen können und Kurs auf Beaufort nehmen – der Wetternavigator (aka „Eigner“) hat einen eleganten Gewittervermeidungszacken eingeplant. Es ist das Übliche: Schiebestrom kombiniert mit nicht ganz so viel Wind wie erwartet, das macht einige Stunden Motorsegeln, aber lieber Schönwetter als Unwetter! Und es wirkt. Die zweite Nacht bricht an, es wetterleuchtet  und grummelt an Backbord, es wetterleuchtet und grummelt voraus und dann an Steuerbord. Aber nicht direkt bei uns. Zu langsam wollen wir auch nicht sein, dann knallt es wieder voraus – so treffen wir leider den denkbar döfsten Zeitpunkt für die Einfahrt nach Beaufort: ablaufendes Wasser und maximaler Gegenstrom plus Wind gegenan, dazu die Vorstellung von durchgeknallten Marlinfischern, die ordentlich Welle schmeißen. Alles schon gesehen. Eklig. Augen zu und durch?  Nee – die Alternative heißt Ankerplatz am Cape Lookout. Guckt das Bild an – ist es nicht schön?!  Allerdings ein bisschen abgelegen von Eier- und Gemüsenachschub, wir werden uns lösen müssen.
Bis demnächst in diesem Theater!

Traumankerplatz. Zu dem Sailing Dinghy am Heck des Nachbarn gehört ein Terrier, der das Ding HASST!

* … sehr schön auch Don Carons The Devil went down to Georgia   . Eine Hommage an Stacey Abrams – und anwendbar auf viele Staaten, wo man auf Unterdrückung von Wahlrechten sinnt.

Drei Fliegen, eine Klappe

Unterwegs nach Port Canaveral. Es wird gewittrig…

Port Canaveral, 4.6.2021

Das ist jetzt mal eine Überraschung, oder? Aber nein, es gibt keine Blogeintragsflut, aber heute ist ein schicker Tag…

Am vergangenen Dienstag klarieren wir aus Lucaya auf Grand Bahama aus. „When do you leave?“  Abfahrt? … am Abend vielleicht? Ausklarieren ist eine neue Sitte in den Bahamas, also gibt es Beamte, die das lässig handhaben, und solche, die es genau wissen wollen – ich hab die strengere Version gewonnen. „Na, so um 20:00…“. Sprech’s und werfe die Leinen los, wir verschwinden. Knapp 30 Meilen sind es bis Westend, wo wir  vielleicht noch einmal das Wetter prüfen wollen, es fängt dieser Tage an, gewittrig zu werden, und das bestätigt sich: es gießt derartig, dass wir das Radar einschalten. Sicht=null. 3 Meilen vorher gibt es eine als eng beschriebene Einfahrt zu einem aufgelassenen Development, wo wir übernachten können (siehe oben, Abfahrt 20:00, muss ja keiner wissen). Entgegen den Beschreibungen ist die Einfahrt breit wie ein Scheunentor, nach links und rechts ziehen sich Kanäle, an denen schicke Häuser stehen sollten. Wir biegen rechts ab, es öffnet sich eine kleine Bucht. Anker runter. Der als sehr mittelmäßig bezeichnete Ankergrund erweist sich als gut haltend – natürlich gibt es eine Husche gerade zum Ankermanöver, aber zum Kaffee ist schon alles wieder fein. Ginn Sur Mer nennt sich die Anlage. Nüscht zu sehen außer

Ginn sur Mer. Unser Ankerplatz. Mit Gewitter…

angelegten Wegen, ein paar Elektrokästen und… Stopppschildern. Das Ding soll in dieser Form seit mehr als einem Jahrzehnt brachliegen. Mr. Bob Ginn (irgendwie erinnern Name und Projekt an einen Dschinn, den niemand mehr zurück in die Flasche lässt…) ging schon bald nach Baubeginn 2006 Pleite, aus einer Luxussiedlung mit Monte Carlo-style Casino,  Megayachtmarina mit 900 Plätzen und zwei Golfplätzen mit wer weiß wie vielen Löchern wurde nichts – wir genießen den ruhigen, geschützten Ankerplatz und die vielen Seeschwalben, die uns umfliegen.

Die Gewitterwolken am Morgen lassen wir noch durchziehen, danach ist eine Kurzpassage nach Canaveral angesagt. Die ist so anstrengend wie jedes „overnightie“ im 3-Stunden-Wachwechsel. Erst kann frau nicht schlafen, da zu früh, dann laufen Frachter am östlichen Rand des Golfstroms hinter uns her oder kommen entgegen, je näher wir der Floridaküste rücken, umso größer ist die Gefahr, über Angler zu rennen, die eher auf Fische als auf Querverkehr achten. Ist halt so. Die fetten Squallwolken allerdings sparen uns freundlicherweise aus. Ankunft in Canaveral nach 22 Stunden. Und nun… eine Slapsticknummer! Während Elon Musk zu unserem Empfang mal wieder einen fliegen lässt – wir hören ein unnatürlich gedehntes Donnergrollen (nächsten Freitag die nächste Show… alles für Euch, Ihr lieben Telefonierer und GPS-Nutzer!) – versuche ich, Kontakt zum CBP (=Customs and Border Protection) aufzubauen, verantwortlich für Zoll und Einreise. Ich hatte, da AT&T vor genau einer Woche die US-Telefon-SIM für ungültig erklärt hatte, eigens für das Bahamesische Telefon 1 Woche US-Roaming mit Telefonieren und 1 GB Datenvolumen gekauft. Super. Der Anruf klappt auch: CBP Canaveral sagt, man möge sich über die ROAM-App anmelden. Das bedeutet, dass sie nur noch ein Videogespräch mit den Einreisewilligen führen. Das sollte ja funktionieren, mit 1 GB Datenvolumen. Sollte… leider meldet sich BTC, dass man bereits mehr als 30 Dollar in Daten verbraucht habe, abzurechnen in 0,15 Cent pro MB. Nach Adam R. wären das 20 GB. Wann und wo habe ich die verbraucht? Auf See? Habe ich nicht, aber die Bahamas sind weit, ohne Daten oder Guthaben kann frau nicht telefonieren, weder lokal noch sonstwo hin. Luft holen. Wat nu? Mittlerweile ist es fast 16 Uhr, noch eine Stunde bis Büroschluss. Die ROAM-App hatte ich kürzlich vom Tablet geschmissen, da schon 2019 nicht funktionstüchtig. Per Marina-Hotspot neuer Versuch. Erfolgreich – aber das schlaue Teil erkennt mich wieder, nur weiß ich weder Passwort noch den Eingangscode, ich habe da wirklich rückstandslos gelöscht. Neues Passwort anfragen? Klaro. Dazu braucht es aber einen Securitycode über eine Authentifikationssoftware, die ich auch nicht mehr habe. Es geht mehrfach hin und her, Passwort neu, bitte identifizieren Sie sich mit dem Eingangscode. Haben Sie nicht? Dann löschen Sie das alte Passwort und beantragen ein neues. Bitte identifizieren Sie sich mit dem Eingangscode! Haben Sie nicht. Dann löschen Sie Ihr Pass… ein wahrlich einbruchssicheres System. Ich habe einen Schweißausbruch. Der Eigner macht kalten Kaffee. Neuer Anlauf: Konto löschen. Einfach – kann man machen, wird 24 Stunden nach der Beantragung ausgeführt. Auch nicht zielführend, wenn man noch 45 Minuten Zeit hat. Nächster Schweißausbruch, mittlerweile schon mit hilflosem Gelächter untermalt. Vollkommen neues Konto beantragen. Tick-tick sagt die Uhr. Glücklicherweise finde ich auf Nebenwegen die – „not recommended“, mit Ausrufezeichen! – Methode, sich Verifikationscodes per SMS schicken zu lassen, und das Alttelefon mit der T-Online-SIM ist, hurra, a. geladen und empfängt b. SMS. Es geht voran, mit ein paar Kinken (wir haben Ihnen einen Secure Code geschickt. Nicht erhalten? Fordern Sie einen neuen…), aber es geht. Dateneingabe. Abschicken. Und nun? Das Bahama-Telefon hat kein Guthaben, kann also im Roamingbetrieb nicht angerufen werden, dito das deutsche. Wie wollen die ein Videogespräch mit uns führen? Sie wollen! Sie schicken auf die App eine Nachricht, dass wir „conditional“ berechtigt sind, die USA zu betreten (das ist 300% besser als 2019, als uns die Einreise per App-Nachricht in knappen Worten untersagt wurde). Man möchte ein Videogespräch führen. Na, denn man tau. Wir warten – aber der Bildschirm bleibt leer. O.k. … ich skype mit CBP Canaveral und gebe den Status durch. „… dann rufen sie bitte die 0800… an und melden sich telefonisch, morgen sehen wir uns dann hier im Büro“. Gut! Nur dass Skypeanrufe bei der Servicenummer nicht angenommen werden… Ayy! Gute Nacht, mehr konnten wir nicht tun. Slapstick Ende.

Am Morgen schälen wir uns aus den Kojen – wieso macht einen eine solche Pipi-Passage so müde? – kramen die Räder raus und los geht’s. Ich bin von einer Nachricht von Dorothee  eingestimmt „… wie war das Einklarieren? Wir haben gehört, dass CBP in Florida unfreundlich zu NonUS-Einreisenden ist!“ Können wir zwar aus Marathon nicht bestätigen, aber es erhöht die Spannung, insbesondere meine – ich bin so eine Behördenschisserin. Officer Halliday lächelt freundlich (das muss zum Training gehören: freundlich, distanziert, wachsam. Immer!) nimmt unsere Papiere und Pässe und verschwindet in den Tiefen der sehr ruhigen Büros. Es dauert – wir rekapitulieren den Vorgang in Marathon. Da war’s genauso, ruhig und von langer Dauer – wer weiß, durch welche elektronischen Mühlen unsere Daten geschickt werden. Gelegenheit über amerikanische Freiheitsfantasien zu spekulieren und den neuen Homeland Security-Minister Mayorkas zu betrachten. Kein Biden, aber auch kein Donald. Gut! Und dann Halliday: „… your ROAM application did work!“ Tatsächlich, das Hickhack hat funktioniert, bis auf die face-to-face-Sache per Video. Ausreise: 3. Dezember. Hurra!  „Welcome back to the USA“ sagt er noch, freundlich und distanziert, aber mit einem Ticken weniger Wachsamkeit. Nett!

Jetzt geht es an des Eigners Geduld, eine lange Radtour zum AT&T  in Cocoa Beach. Die Telefonsache muss geregelt werden. Nicht meine bevorzugte, doch meine häufigste Aufregerdisziplin: Mobiltelefonie. Er –  das muss gesagt werden – hasst es, und weil mir schwant, dass die Fahrt nach Cocoa Beach wirklich lang ist, schlage ich vor, mal bei TMobile anzuhalten, gleich neben unserem Publix-Supermarkt. Der Eigner lässt sich breitschlagen, mit in den Laden zu gehen – und heute haben wir mal Glück. Jayse Diaz versteht Anliegen (viel Daten, ein wenig Telefonie), Gerätekonfiguration (europäische Tablets und Telefone gemischt mit US-Geräten) und finanzielle Limits (viel Hotspot für wenig Geld) auf Anhieb, kurz, die Sache mit den neuen SIM-Karten ist innerhalb einer halben Stunde erledigt. Hm. Funktioniert schlecht an der Westküste? Das können wir verschmerzen. 

Impfung to-go

Next stop: Publix. Die Bahamas sind nicht schlecht versorgt, aber in so einem Supermarkt gehen einem die Augen über. Es erschlägt einen. Wir sammeln „das Nötigste“ ein, steuern auf die Kasse zu, da stellt sich uns am Apothekentresen etwas in den Weg: walk-ins welcome for the Covid-19 vaccine. „You wanna shot?“ fragt der Apotheker. Ja klar wollen  wir eine Impfung, aber wir sind keine Floridians. Macht nix – also… wollen Sie? We have Moderna. Aber sicher doch! Dokumente ausgefüllt, ID geprüft… eine Viertelstunde später sitzen wir Moderna-geimpft und warten die Reaktionskarenz ab (praktisch: frau kann derweil noch Zahnbürsten und Kaffee shoppen). Das war… Spitze, wie der schreckliche, alte Herr Rosenthal zu hüpfen pflegte. Sämtliche Fliegen des Tages, Zoll, Telefon, Einkaufen, mit einer Fahrradtour erschlagen, und die Impfung gab es als Überraschungsei dazu. Zweitimpfung in 4 Wochen – bei Walmart…

Impfung bei Publix Supermarket

Moderna-Zeiten!

Mai

Tschüss, Bahamas!

Grand Bahama, 28.5.2021

Da ist er, der Mai! Fast vorüber, und vorüber auch die schöne Zeit in den Bahamas. Um mir die Einträge zu erleichtern, hatte ich begonnen, mir Notizen gleich in einem neuen Beitragsentwurf zu machen – Motto: einfach mal notieren, was schön war. Hat prima geklappt! Für drei Tage…

Am letzten Tag des April verlassen wir Georgetown, das übrigens „smack bang“ auf dem Wendekreis des Krebses liegt, also haarscharf in den Tropen. Gut warm hatten wir es trotz dieser Grenzlage – da war, schnatter, schnatter, Nuku’alofa schon deutlich kühler, dort unten kurz oberhalb vom  Steinbock. Tonga fehlt es wohl ein bisschen an Landmasse in der Nähe. 

Erstes Ziel auf dem Weg nach Norden ist der Galion Cut –  Cuts sind die Meerengen zwischen den Inseln. In der Regel ist es auf der Westseite der Exumas flach, zu flach für Akka an manchen Stellen, also müssen wir für ein paar Meilen in den tiefen Exuma Sound ausweichen. Und so eine Cutdurchfahrt will berechnet sein, möglichst um Stillwasser herum will man dort hindurch – wer dann, wie wir in diesem Fall, ein bisschen zu bescheiden ist mit der vorhergesehenen Geschwindigkeit, ist zu früh dran und trifft auf ein mittelmäßiges Gegurgel und Gewelle. Ungefähr treffen wir den Zeitpunkt schon, aber „still“ ist es noch nicht. Vor Monaten lagen wir mit einer amerikanischen Familie zusammen, die hatten sich überhaupt nicht um einen Zeitpunkt gekümmert – und ihr letztes Stündlein gekommen gewähnt; das geht dann so: die Strömung zieht und zerrt das Boot hin und her, mna blickt zur Seite und macht keinen Meter vorwärts gut, im Gegenteil, rückwärts kann auch sein. Da heißt es dann „Vollgas“. Hebel auf den Tisch… Für uns aber alles gut – hinter dem Cut fällt der Anker in den Sand, in großem Abstand liegt noch eine kleine Sloop, sonst ist Ruhe. Wunderbar.
Tags drauf geht es gleich weiter nach Little Farmer’s Cay – kein Cut, aber nicht weniger spannend, weil es innen übers Flache geht. Wir sehen von Ferne 3 größere Motorboote auf unseren Ankerplatz über die Flachs zirkeln, bisschen vor und zurück und Abgleich über Funk inklusive – das ist nicht unsere Absicht. Wir fahren einen ordentlichen Achtungs-Zacken, mit der Schipperin als Spionin auf dem Vorschiff, und es geht auch alles gut. An der Mooring am „Little Farmer’s Cay Yacht Club“ geht’s uns prächtig und Little Farmer’s Cay stellt sich als Juwel heraus. Leider hat – es ist der 1. Mai, Grabesstille im Ort! – die Küche des Ocean Cabin-Restaurants schon geschlossen – 17:00 „… kind of late!“ meint Terry, der Besitzer. Wir lachen uns eins – und kriegen aus den Tiefen der Kühltruhe ein Kalik Lite gefischt. Man merke… Kalik „Lite“-Bier hat 5 Vol.% Alkohol, viel mehr vertragen Akkanauten gar nicht, und es bedurfte eines netten Abends mit 2 solchen Bieren und einer Portion Überraschung über die Wirkung, um zu erkennen, dass dieses Bier nur relativ „lite“ ist: die Gold-Version dreht mit 7 Vol.%…
Immerhin hat die Akkaküche noch geöffnet, wir beschließen einen sehr stillen und sehr güldenen 1.Mai im Cockpit und erfreuen uns an dem starken Strom, der hier zwischen Great Guana und Little Farmer’s setzt. Hartes Brot, hier zu schwimmen. Den vorbeischaukelnden Schildkröten macht das allerdings nix.
Little Farmer’s wurde von den Briten der Familie einer freigelassenen Sklavin aus den US-Südstaaten zur Verfügung gestellt, unter der Maßgabe, Landwirtschaft zu betreiben. Es ist ein eher karges Inselchen, das benachbarte Great Guana gibt da mehr her, aber man war es wohl zufrieden, und so hat sich diese kleine Gemeinschaft von super freundlichen Menschen entwickelt.
Sehr viel belebter wird es auch am nächsten Tag nicht, aber doch sehr lustig: wir alarmieren den „Yacht Club“, dass wir gern in ein Abendessen investieren würden. Das macht wirklich Spaß, weil der Besitzer Roosevelt (mit Nachnamen, wie so viele Familien hier, Roosevelt Nixon!) uns einen wunderbaren Vortrag über die Inselgeschichte hält, über Kinder, die nach Nassau (phonetisch übrigens Nässo) abwandern und solche, die noch weiter nach Kanada oder die USA gehen – nun freuen sich Roosevelt und Shirley, die uns lecker bekocht, auf den Muttertag, wenn die ganze Blase aufs Inselchen zurückkehrt.  Außer uns ist noch ein deutsch-spanischer Kat an der Mooring, und wir verquatschen den Abend. Und gleichen unterschiedliche Blicke auf die Pandemie ab. Interessant…
Der Ort ist so nett, dass wir noch einen Tag dranhängen. Spaziergang (die Insel umrundet man leicht zu Fuß) und Lunch bei Ty’s, damit hätten wir dann alle Lokale frequentiert. Nochmal extrem freundlich und zugänglich mit vielfacher Entschuldigung, als wir lange auf unseren Fisch warten müssen. Ty’s Restaurant liegt am Ende der Landebahn, quasi im Zentrum allen Geschehens. Wenn denn etwas passiert. So lange wir da waren, passierte allerdings nichts. So ist es auf den „out islands“. Schön.

Next stop: Waschmaschine.  Raus durch den Cut in den Exuma Sound, entlang von Great Guana Cay und wieder hinein. Am nördlichen Ende von Great Guana wartet die Wäscherei in Black Point – es wird Zeit. Gleichzeitig kann man schauen, was Mrs. Wong vor dem Besuch des Versorgerschiffes (noch) zu bieten hat (nicht so viel, immerhin gibt es kostenlos einen Korb mit Sapodillas (zu deutsch: Breiapfel). Leckeres Zeug, ein bisschen karamellig im Geschmack und für einen Pfannkuchen allemal gut. Lilliana’s Restaurant sorgt für eine schöne Fischmahlzeit – wir genießen es, auf Terrassen zu sitzen und uns wenig Gedanken um Covid zu machen; wir vertrauen einfach darauf, dass die Bahamians reagieren, und sie tun’s: Cat Island, Eleuthera, die Abacos, alle machen mal ein bisschen auf und wieder zu oder verlangen zumindest negative Test bei Reisen zwischen den Inseln. Aber Maske, frische Luft und möglichst viel Abstand zu breitbeinig auftretenden Touristen aus Staniel Cay sind 80% der Corona-Miete. Hoffentlich.

Noch ein Schritt weiter nach Norden: O’Brien’s Cay, von dem aus wir das herrlich anzuschauende „Sea Aquarium“ mit dem Dinghy besuchen. Selbst der wasserscheue Eigner freut sich: „… so wie wir es kennen!“ Leider hat am Tag unseres Besuches der Wind etwas dagegen, dass wir ein abgegluckertes Flugzeug, das quasi am Wegesrand liegt, betrachten können. Betrachten hätten wir es schon können, aber da wir in dem Gewelle von oben nichts sahen, haben wir uns die Gelegenheit entgehen lassen – wer aber schöne Bilder sehen will, den verweise ich gern auf Wiebke und Ralfs Flora-Blog und ihren Eintrag „Aquarium“ (über den hinaus der Blog allgemein sehr lesens- und anschauenswert ist!)

Noch ein Favorit: eine kleine Wanderung auf Little Bell’s Cay, eigentlich nur zum Dünengipfelstürmen – aber der bietet ein Tropikvogelschauspiel, allerfeinst und erinnerungswürdig. Bis Shroud Cay (revisited) bleiben uns die Tropikvögel noch erhalten, danach ist Schluss. Der Rest? Highbourne Cay zum Einkaufen, Nassau West Bay zum Verschnaufen, ein Übernachtungsstopp am Soldier Cay in den Berries, sehr schön, sehr abgelegen – ein neugieriger Ammenhai beobachtet unser Ankermanöver genauestens, so genau, dass er sich – etwas unwirsch, wie ich mir vorstelle – unter unserer auslaufenden Ankerkette herauswinden muss. Dumme Bootsleute das! Dumme Schipperin auch, die diese letzte Gelegenheit zum Schwimmen in den Bahamas ungenutzt verstreichen lässt – nicht nur die eher harmlosen Ammenhaie sind neugierig, hier füttern wohl die heroischen Sportangler gern die Reef- und Lemonsharkwelt, und plötzlich scheint mir der Platz doch nicht mehr so einladend. 

Bye-bye, Bahamas also! Wir sind schon auf Absprungposition auf Grand Bahama. Und rätseln noch al Ziel : längerer Schlag nach North Carolina oder? Mal schau’n.

Nice!

Tiny’s Hurricane Hole. Netter Platz!

Thompson Bay, 18.4.2021

.. wie die Zeit vergeht. Immer wenn die Monatsuhr 20 zu schlagen droht, überkommt mich das schlechte Gewissen.

Brennerrohr mit Verstellschelle. Vom lokalen Gasmann ausgebaut. Das war’s nicht.

Also, was gab’s in diesen 4 Wochen? Nüscht, oder wenig. Mehrheitlich Dinge aus dem Alltagsbereich. Der Backofen… bäckt seit 2010, aber nu‘ – nicht mehr. Bei Brot Nummer 200 (sehr grobe Schätzung) kommt er nicht mehr auf Temperatur, das ist doof. Da taucht die Schipperin dann mit einem Zahnstocher in die Tiefen und stochert völlig sinnbefreit die Austrittslöcher am Gasbrennerrohr frei. Noch freier, als sie ohnehin schon waren. Der eigentliche Tipp deutet mehr auf „verschmutzte Gasaustrittsdüse“. Und schon geht es los: wer doof fragt, kriegt klasse Antworten. „Deine Gasflaschen sind verrostet, da ist Rost in der Leitung“.  Ich hoffe nicht, dass unsere Aluminiumflaschen sich von innen auflösen… Bukh Bremen empfiehlt, dass wir uns an den „lokalen Gasmann“ wenden, weil es auch die „Verstellschelle am Brennerrohr“ sein könne. Den Job hat sich unser lokaler Gasmann auf die ToDo-Liste geschrieben. Derweil wird Brot auf dem Herd gebacken, im brasilianischen Backtopf, mit dem Wok als (guss)eisernem Helfer, der speichert ordentlich Hitze (zu ordentlich, wie die Unterseite des Brotes zeigt. Die Nase sagt das auch…)

Nächste Überraschung auf dem Weg nach Long Island: die große Genua klemmt, 15 cm können wir rausziehen, dann federt sie nur noch lustig. Da, wo man gut drankommt – am unteren Ende der Rollanlage – liegt der Fehler nicht. Neuer Punkt auf der ToDo-Liste: Mastfahrt. Und ein paar Hirngespinste à la „hoffentlich müssen wir nicht die Rollanlage legen“. Das würde voraussetzen, dass man das Segel abschlägt. Wie schlägt man es ab, wenn man es nicht auswickeln kann? Richtig. Von Hand ums Vorstag. Die große Genua, was für ein Spaß. Da wir am Anker aber nicht segeln, surfen wir lieber ein paar Tage im Internet, procrastination at its best. Stimmungsaufheller willkommen, und damit Dank an Lille Venn, die uns einen Abend zum Drink einladen –  „…und wenn ich jetzt ein Risotto koche, würdet Ihr dann bleiben?“  Wir blieben… sehr lecker, sehr nett; vielen lieben Dank, das hat uns sehr gefallen. Das macht dann auch Mut für die Mastfahrt, und das Problem ist schnell gelöst, im wahrsten Sinne des Wortes, ein paar mutige Schläge auf den Wirbel, bisschen ölen, und schon rollt es wieder.

Alltag zum Dritten: der Wassermacher. Dröppelt schon seit ein paar Monaten vor sich hin, vielleicht 1 Esslöffel pro Sitzung, und vielleicht täte er das nicht, wenn wir anno 18 die Generalüberholung der Hochdruckpumpe hätten vornehmen lassen, die damals vom Hersteller in Trinidad noch als  „nicht unbedingt notwendig“ beurteilt wurde. Ein paar Dichtungen wollen ersetzt werden, kein Drama, nur eben nicht hier. Aber… ein Kavitationsgeräusch ist auffällig, es verstärkt sich während des Wassermachens. Kavitation ist einer meiner Lieblingsausdrücke aus den alten Motorsportzeiten, eine Chef-Goldstein-Spezialität. Ich behaupte einfach, dass es Kavitation ist, in der Flüssigkeit bilden sich unter Druck Gasbläschen, die dann implodieren – klingt halt so und erinnert mich an: „Blasenfrei zapfen!“. Das ist aber nicht alles –  auch die Drehzahl der Pumpe geht „irgendwie“ in die Knie – eine rein akustische Feststellung, wobei das eher ein Ratespiel ist. Wirklich, war das vor 4 Tagen auch so, oder spinnen wir? Hier ist der Chief gefragt, der eine unzulässige Abnutzung der Kohlebürsten feststellt. Das bedeutet: frau muss tief in die Schapps im Vorschiff tauchen und die Wassermacherersatzteile hervorholen, und, Überraschung, es gibt frische Kohlen; Erleichterung macht sich breit – wir neigen in letzter Zeit zu oben schon erwähnten Hirngespinsten, hier: „..wie lässt man Ersatzteile in die Bahamas fliegen.?“. Punkt abgehakt, Pumpe läuft wieder wie neu, das Kavitieren bleibt allerdings. Auffällig ist dabei, dass auch der Druck beim Rohwassereintritt verdächtig niedrig ist: er tendiert

Akka und Flora in der blauen Suppe

gegen Null. Wo sind wir hier? In Long Island, und in der Geografie/Geologie liegt der Hund begraben: wir schwimmen in einer sehr hübschen, blauen, aber doch milchigen Suppe, der Ankergrund ist (beängstigend!) flach, der Sand ist kalkig weiß, die Strömung sorgt für Wassertrübung (und niedliche, weiße Wölkchen aufwirbelnde Schildkröten beteiligen sich) –  die Vorfilter setzen sich schlicht mit Sediment zu. Das zu „reparieren“ braucht nicht mal den Chief – Vorfilter ausbauen, auswaschen, das war’s.

Noch mehr Alltag? Hm. Wir sind ja – zack sind 10 Tage um! – schon wieder auf Great Exuma, und trauern zwei Dingen hinterher, die wir in Long Island lassen mussten: eine Saugscheibe von meinem Glassauger, mit dem ich mich beim Schrubben am Rumpf festhalte, habe ich verloren, und aus 16 m Höhe wirft der Eigner einen unserer treuesten Schraubendreher zielsicher ins Wasser. Hätte kein Problem sein sollen, das Zeug aus 2.50 m hochzuholen. Wenn es nicht so milchig gewesen wäre…

Sonnenuntergang – der Vulkan in St. Vincent schickt Grüße

Sonst ist alles fein auf der Akka. Fein langsam, man kann auch sagen: etwas antriebsarm. Mir steckt die Aufgabe des Jahreszieles „Antillen“ doch mehr in den Knochen, als ich gedacht hatte. Dennoch freuen wir uns jetzt auf die USA, auch wenn wir noch nicht wissen, was dort geschehen wird. Impfung steht obenan – die Crew der Luna Mare hat sich im Vorbeifahren (mit dem Auto) auf dem Indianapolis Speedway impfen lassen, das klingt vielversprechend. Virginia muckelt noch an den vorerkrankten 70ern rum, Maryland dagegen impft alles, was sich bewegt und willig ist (ungeachtet des „immigration status“). Insgesamt sollte das Unterfangen klappen. Die letzten Tage inmitten von hochmotivierten (und -talentierten!) Seglern haben mich etwas nachdenklich gemacht: hochmotiviert war ich auch, talentiert noch nie. Ich glaube, man merkt, dass wir uns der Endphase einer sehr langen Reiseperiode nähern, und wenn wir denn – was ja selten vorkommt – „in froher Runde“ sitzen, treten die Unterschiede besonders zutage. Viel frische Energie, viel Gucken, viel Segeln, häufig gepaart mit stringenten Zeitplänen, die auch viel Strecke bedeuten, wenn auch zur Zeit etwas durch Corona eingeschränkt. Wetter? Ist doch kein Problem, da muss man durch. Hm.
Viel gucken tun wir allerdings auch – sehr häufig in die alten Bilder, wo einem dann auffällt, dass unser Segeln Transportstrecke ist, von einer Sensation zur anderen. Die wirklich herzerwärmenden Erlebnisse waren die an Land – nicht nur auf den großen Side-Trips à la Südafrika, Australien oder Südamerika, sondern auch, wenn wir nur länger an einem Ort lagen. Jacaré fällt mir ein, wo wir schon fast zum Dorfinventar gehörten. Opua (da liegt mein Herz noch herum…). Panama City (schönes zentralamerikanisches Chaos, gibt es auch in der indonesischen Variante namens Jakarta). Pangkor (Obst vom Gartenverkaufsstand an der Straße. Die Bananen so „nature“, dass sie kleine Maden beherbergen. Die feuerwehrpflichtigen Biryani-Restaurants nicht zu vergessen).  Die Bahamas haben es da schwer mit uns. Es ist schön, rein optisch und die Menschen sind freundlich, aber mir fehlt ein Kick. Vielleicht wäre das anders, wenn ich eine Seaglass-Sammlerin wäre oder täglich zum Spearfischen ausrückte. Trotzdem: Nice! Dennoch wäre ich jetzt gern unterwegs in die Antillen, wo sich so viele, unterschiedliche Inseln, auch Kulturen, reihen. Oder in Guatemala oder Mexiko. Heute schickt Facebook uns eine ganze Liste von „Erinnerungen“ an frühere Reisen. Gambia. Gleich zweimal Landreise in Australien – das lässt das Herz hüpfen. Und motiviert zu neuen Taten.
Drum: auf nach Norden! Nice!