Archiv für Oktober 6th, 2007

Bacalhau…

Das mit dem Bacalhau, das war so ein Ding, das ich nun schon Jahrzehnte vor mir hergeschoben habe. Wo immer
man in einen portugiesischen Supermarkt kommt – wenn nicht der ganze Laden, so riecht doch zumindest eine Ecke
deutlich nach Stockfisch, und meist hört man eine Bandsäge laufen, gern von einer Angolanerin oder
Mosambicanerin bedient, die die brettharten, salzstarrenden Stinker in handliche Stücke schneidet. Handlich
wohl – aber appetitlich?! Nun rief zu meinem Geburtstag Sigrid Feldhoff an, meine ehemalige Kollegin, und weil
sie ja Qualitätssicherung macht, muss sie ja wissen was “gut” ist ;) … Pasteis kamen in ihrer Liste vor,
siehe letzter Eintrag, “so ein Fischtopf” in der Fischkneipe – und Bacalhau. Und so war es dann gestern so
weit – wir schleichen uns am “Grillen auf dem Steg” vorbei, hinein in die Altstadtgässchen von Cascais. Schon wieder war
ein Tag mit bastel-bastel dahingegangen (Holzlackieren kann ansteckend sein! siehe unten…) und wir hatten
uns ein feines Abendessen verdient, dachten wir. Keine Ahnung, wohin. An einer besonders engen Ecke – baulich, es war eher ruhig… – sitzen unter einer mageren Bougainvillea 3 junge Frauen an einem Tischchen, das macht uns aufmerksam. Restaurant?
Stimmt! Um’s Eck geht es die Treppe rauf – Hinterhof… Wir kriegen einen Zweiertisch auf dem Treppenabsatz
vor der Eingangstür, drinnen sitzen erfreulicherweise Portugiesen im Maurerdress und erfreuen sich des
Nationalfeiertages. Wir werden gleich mit Rat überhäuft: aus den geplanten zwei Salaten wurde gleich mal nur
einer, aber dazu ein Weichkäse aus dem Ofen, mit Gewürzen. Der Robalinho wurde von der Chefin in Gambas-Curry
umgewidmet, nur meiner Wahl konnte sie kritiklos zustimmen: Bacalhau. Und das war: LECKER!! Mit viel Knoblauch
und noch mehr Olivenöl, etwas Tomate und Pellkartoffeln. Eines von, wie man sagt, 365 Rezepten, wie mal Bacalhau zubereiten kann. Wundervoll. Das Mangomousse zum Schluss war ebenso köstlich. Wir wankten wohl gefüllt zurückund konnten den Abend, mit einer klitzekleinen Knoblauchfahne, doch noch mit den anderen – Kanada, England, Schweiz, Dänemark, Westfalen, Sachsen-Anhalt, Bremen, Lübeck… – you name it, they were there – beschließen. Auf den Stegplanken unterm Sternenhimmel.

Und worüber hatten wir bei Bacalhau und Gambas gesprochen? Natürlich über unsere Nachbarn seit einer Woche.
Hallberg-Rassy 46, 11 Jahre alt, Neuseeland. Da wird gerade “mal schnell” der Schandeckel lackiert (siehe
oben ;) , meinen Eigner hielt da nichts mehr, unser Niedergangsluk strahlt in frischem Glanze!) ) Nach der
typisch anglophon-offenen Ouvertüre war der Kontakt zunächst ein bisschen reserviert. Mittlerweile sind “wir”
aber etwas aufgetaut: frisch aus Spitsbergen eingetroffen ist sie, die MAHINA TIARE III. Was soll man dazu
sagen – guckt es Euch an: www.mahina.com … Schade, dass wir die nicht früher getroffen haben – so ein
Training hätte uns wohl gut zu Gesicht gestanden. Zumal die Mahina Tiare “zwo” eine mit AKKA identische 42er
war, identisch bis hinunter zum Bleikiel. Nur unseren Reckmannmast, den hatte sie nicht. Jedenfalls wissen
wir auf diese Weise, dass unser Schiff easy in der Anarktis zurechtkäme. Oder auf den Aleuten. Aber diesen und
ähnlich extreme Pläne haben wir gestern beim Abendessen in der Weißweinflasche versenkt – vielleicht haben wir doch
ein bisschen spät angefangen… Oder wir müssten doch noch einmal bei John und Amanda anheuern. Amanda ist
übrigens Segelmacherin und Wachführerin auf “Maiden” gewesen, dem ersten Frauenboot auf dem Whitbread round
the world-Race. Wenn sich irgendjemand “Salzbuckel” schimpft, dann diese beiden: heute sprach ich mit John
über unseren Ruderlagerschaden… ” oh, we had that on the 42 as well, and we had it made twice on this boat,
after 50000 miles each. Now we have 110.000 miles…” Der armen AKKA wurde ganz schwindelig bei diesen
Meilenzahlen ;) .

Was es sonst noch gibt?! Wer nach Lissabon kommt, MUSS unseren Freund, den Sonnenfisch, im Oceanario besuchen.
Und seine Kumpels, die Seeotter. Die Pinguine. Die Stachelrochen, die Bonito- und Makrelenschwärme. Da war
die Frau im Frauenparadies. Das Männerparadies hatten wir am Nachmittag schon in der “Handwerker”-Straße
abgehakt – ein Laden vollen Keilriemen, O-Ringe, EPDM-Moosgummis und anderen Kunststoffwundern.

Ach ja, es gibt noch was: Morgen fahren wir los. Nach Madeira. Bis Freitag soll das Wetter erträglich sein und
4 Tage werden wir brauchen. Und da soll es auch Bacalhau geben…

Erstellt am Samstag 6. Oktober 2007
Unter: AKKA Online | 1 Kommentar »