Archiv für April, 2008

Zustandsbericht

09?54,8 N 021?36.4 W, auf dem Weg nach Brasilien – 20.4.2008

Zust?nde sind das hier… ;)
Mitternacht, Bordzeit, nach UTC ist es 01:00. Drau?en ist es stockduster, ich sitze leicht gesch?rzt im Cockpit und beobachte, wie Herr Windpilot mit dem bisschen Wind umgeht, das uns vorantreibt. Wenn man bei 2 Knoten Fahrt von “treiben” sprechen kann. Und er macht es einwandfrei, sehr gut, kleiner Apparat! Das Schiff rollt ein bisschen vor sich hin, die Genua ist ausgebaumt und wir hoffen, dass wir das Konstrukt nicht w?hrend der Nacht wegnehmen m?ssen, weil etwa der Wind gedreht hat – der Spibaum
ist n?mlich zwischen den Wanten durchgesteckt, das ist immer ein sch?nes Vorschiffskunstst?ck – je Welle, umso lustig.
So weit zum aktuellen Bootszustand, an dem wir eigentlich ?berhaupt nichts meckern k?nnen. Das Wetter ist so wie es ist, und leichtwindig l?uft es auf eine lange Reise hinaus, die wir ?brigens, nicht beabsichtigt, aber doch willkommen, wieder im P?ckchen unternehmen, dieses Mal mit der PRESENT. Muss nicht, kann aber, wie R?diger Hoffmann sagen w?rde, aber uns macht es Spa?, miteinander zu funken, Taktiken abzusprechen und den K?chenzettel abzugleichen, und es gibt dazu ein Gef?hl der R?ckversicherung,
sehr angenehm. Bis zum Waypoint bei 6? N und 26? W, von dem aus wir ?ber den ?quator hoppeln wollen, sind es noch ein paar hundert Meilen bzw. mindestens 3 oder 4 Tage, und beim gerade herrschenden Wind darf es noch f?r f?nf Pfennig mehr Zeit sein, die wir uns aufpacken werden. Allerdings h?rten wir von Petite Fleur, die ja zwei Tage voraus sind und mit der wir morgens und abends auf der Kurzwelle funken, dass sie heute abend wieder Wind gefunden haben, das berechtigt zu den sch?nsten Hoffnungen.
Wir sind sehr gespannt auf den ?quator, nicht nur ob es nun hoppelt oder nicht, sondern vor allem, wie sich die Konvergenzzone gestaltet. Mit oder ohne Blitz, mit oder ohne Wind – nur eines wird es bestimmt geben: Regen, und das freut uns, wird er doch die Reste der Sahelzone von der AKKA absp?len. Wir horchen flei?ig Intermar nach Wetterinfos aus, nachmittags um 16:30 UTC, das ist 18:30 MESZ! Kann man im Internet mith?ren – wir sind so ab 16:50 dran… Eben habe ich ein Wetterfax von New Orleans
aufgenommen, das die Kalmen anzeigt und Gewitterzellen, aus der Kurzwelle quellen die Wettervorhersagen und -analysen. Meteorologischer Zustand: unter Kontrolle, sofern das ?berhaupt m?glich ist.
Der pers?nliche Zustand ist auch meckerfrei, obwohl man ja auch mal Szenen einer Bordehe beschreiben k?nnte… Zum Beipiel die letzten 24 Stunden: Der Eigner kickt w?hrend meiner Wache nachts um 1 Uhr ein Forschungsprogramm “Segeltrimm” los. Als er von mir energisch in die Koje verwiesen wird – je l?nger er in seiner Freiwache (hyper)aktiv ist, umso mehr f?hle ich mich ebenfalls zu schlafraubenden ?berst?nden verpflichtet – mault er, dass er dann eben zum Wachwechsel um 2 weiterspielen m?sse. Gut
gespielt – heute fr?h lagen wir feine 5 Meilen hinter der PRESENT zur?ck ;) . Dann die Schipperin, die ein bissschen verpennt das Fr?hst?ck bereitet – Kaffee, Eier, Toast – bis sie den Eigner im Cockpit ein fr?hliches “Schwarzbrot ist das sch?nste Brot!” anstimmen h?rt. Wie kann es sein, dass man neben dem Campingtoaster steht und nicht merkt, dass man das sch?ne, selbst gebackene Brot abfackelt?! Wir schwanken also zwischen Spa? und M?digkeit und suchen die Balance zwischen Reibung und Harmonie.
Und wenn es denn mal nicht so harmonisch l?uft, kommt ein Tagesabschluss wie der heutige: Der Chef hat gerade den Kopf abgelegt um ein versp?tetes Mittagsschl?fchen zu halten, ich sitze auf der Ducht und lese und halte Wache, da rattert die Angel. Unser erster Fisch ?berhaupt k?ndigt sich an! Andreas f?hrt etwas verwirrt aus dem Nickerchen auf, und dann folgen 25 Minuten harter Arbeit. Vor allem f?r den Bonito, der da angebissen hat: Abtauchen, springen und irgendwann gibt er auf. Jetzt liegt er
filettiert im K?hlkasten (und wird auch teilweise schon verdaut! Lecker!) – 4 kg frischester Fisch, das reicht erst einmal. Dennoch: so ganz haben wir beide noch nicht verstanden, wo der Sport-Spa? an der Angelei sein soll. Irgendwie tat er uns leid, der sch?ne Fisch.
Das war zum Abschluss der Seelenzustandsbericht. Man k?nnte auch sagen: es geht uns gut!

Erstellt am Mittwoch 30. April 2008
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Pelikane zum Abschied

12?21,22 N, 18?08,86 W, 27.4.2008

Gestern mittag: AKKA gleitet an Half Die vorbei, F?hranleger, Hafenb?ro, Marktgegend – irgendwie war es uns ja doch ein bisschen lieb geworden. Das ist das Elend an dieser Vagabundiererei: Man bleibt eine Weile, m?chte dann weiter, und so muss man halt “tsch?ss” sagen. Tsch?ss rufen wir auch den Rosa Pelikanen zu, die uns zum Abschied noch ein St?ckchen begleiten. Und dann sind wir schon bald drau?en, raus aus dem Gambia River, der uns ausnehmend gut gefallen hat, hinein in die Weiten des Atlantik.
Petite Fleur ist schon zwei Tagesreisen voraus, wir h?ren per Kurzwelle zweimal am Tag voneinander.
Am Abend zuvor hatten wir noch einmal Tom und sein Harbour Caf? besucht und ein finales H?hnchengrillen veranstaltet. Die Salatplatte wurde leergeputzt, die “peel it,cook it or forget it”-Regel, alles “forgotten”. Beim Essen lasssen wir zusammen mit Len und Janna den Afrikabesuch nochmals vorbeiziehen: all der M?ll, der Staub, der Gestank. Die umwerfende Natur. Die stets proper gekleideten Westafrikanerinnen. Die Kinder in den D?rfern upriver. All die selbst ernannten und meist unerw?nschten guides.
Der Mann, der gerade geheiratet hat, und w?hrend man seiner vermeintlichen Braut gratuliert, schnell beim Kr?mer ein Hochzeitsgeschenk einkauft. Man muss nur noch bezahlen… Andreas hatte die Variante: “Meine Frau hat heute ein Kind gekriegt und ich brauche Medizin gegen die Blutungen…”
Vor allem fallen uns aber die netten Afrikaner ein, die ganz bescheidenen, die keinen Mucks sagen, obwohl sie so viel brauchten… Tom, einer von letzteren, setzt sich zu uns, wir fragen ihn aus, wo er das Kochen gelernt hat. Alles von Mama abgeguckt sagt er, und beschreibt uns bildhaft und wortreich und mit viel Spa?, wie man die lecker-scharfe Knoblauchsauce und das s??e Zwiebelgem?se zubereitet. Wir lachen noch einmal zusammen und h?ren ein bisschen Reggae, w?hrend die H?hnchen auf der Holzkohle
auf der Staubstra?e burtzeln, die Stra?enk?ter ringsum halb im Schlaf, halb auf “Habacht”. Das Harbour Caf? – ich hoffe, ich kann irgendwann noch ein Bild einstellen – und seine Barbecues sind jeden Dalasi wert. Fazit: Ohne Tom, ohne Ceesay w?re der Oyster Creek nur die H?lfte wert.

Um 11 am Sonnabend aber war dann Schluss mit Oyster Creek und Gambia – ausklariert hatten wir schon am Freitagnachmittag, frech, frech… Und nun warten auf uns 3 Wochen Atlantik, vielleicht mehr, hoffentlich weniger. Zum Schluss wird es Dosenfra? geben und zwischendrin “V?llereitage”, an denen alles verspeist wird, was gleichzeitig reif wird… Und dann Brasilien -ob ein Pellikan-Empfangskommittee bereitsteht? Wir werden sehen.

Erstellt am Montag 28. April 2008
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Kluisbergen und Funk und Internet und so…

In Kluisbergen / Belgien, da sitzt Andr?, und das ist der, ?ber den wir hier ?berwiegend unseren Kontakt zur “alten Welt” aufrecht erhalten. Nat?rlich auch noch Philippe in Lausanne, Neil in Halifax, und diverse andere, aber diese drei sind meine zuverl?ssigsten Stationen, ?ber die wir uns bei Winlink einloggen, und es muss einfach mal gesagt werden: Die Winlink-PMBOs leisten einen wirklich dankenswerten Service leisten – freiwilig, unentgeltlich (aber nicht kostenfrei). Es sind einfach Verr?ckte,
die in ein teures Hobby investieren und wir profitieren davon! Vielen Dank daf?r, auch wenn sie das jetzt vielleicht nicht lesen. Besonders mit Andr? macht das Funken bzw. Pactorn zur Zeit wirklich Spa? – nicht nur, dass wir hier genau richtig liegen, sch?n in Nord-S?d-Richtung im Tidenstrom, nein, meist richtet er seine Antenne dann auch noch direkt auf uns (was f?r mich sicher ein Abfallprodukt vom flei?igen Len ist ;) und das wird er auch auf der Passage tun, hat er versprochen, und uns m?glicherweise
auch noch Satellitenbilder von den Kalmen zustellen. Ein sehr gutes Gef?hl!
Was die Mails betrifft, ist es so, dass wohl tats?chlich diverse verschwunden sind in letzter Zeit – die Winlink-Organisation st?bert. Vielleicht ist das alles ein unangenehmes Nebenprodukt eine Softwareumstellung in j?ngster Zeit. Vielen Dank f?r die Best?tigungsmails.

?brigens, die gestrige Website-Updateaktion war zumindest teilweise erfolgreich. Zumindest die Gambia-Bilder sind online, die Serie “In Afrika” leider nicht, dabei hatte sie l?nger f?r das Upload gebraucht. Aber “wir” haben ja Geduld ;) .

Gleich ist Abschiedskaffe auf der Petote Fleur, die mit Wanderer2 morgen aufbrechen (erst mal nach Banjul, auschecken…). Wir r?deln noch ein bisschen, bis es so weit ist – heute war Mastfahrt angesagt, auch f?r mich, zum Salingsenden beledern, das stand schon lange an. Ich ziehe den Hut vor dem Eigner, dass er es in diesem Klettergurt stundelnag dort oben aush?lt – ein wirklich einschneidendes Erlebnis ;) .

Aaaaah! ich muss die Luken schlie?en – der Eigner ist im Putzwahn und leert P?tzen auf’s Deck. Bis dann…

Erstellt am Mittwoch 23. April 2008
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Eine Bitte und sonst nix Neues…

Oyster Creek, 21.4.2008

Mittagszeit, Blogschreibzeit. Ich bin gerade mit 3 Broten fertig, einem kleinen Atlantikvorrat an Marmorkuchen im Glas sowie den ersten Gl?sern eingekochten Mangokompottes. Damit wir unterwegs nicht darben m?ssen. Mango-Chutney und noch mehr Kofta und geschmortes Hackfleisch folgen, der Eigner f?hrt w?hrenddessen mit Len drau?en zwischen Tankstelle und PRESENT hin und her, den gro?en Reinke-Tank mit dem sch?nen, westafrikanischen Diesel f?llen, der in der Farbe ein bisschen an Malzbier gemahnt…
Danach sind wir dran. Allenthalben eifriges Gewusel, zumindest auf “unseren” drei Schiffen, die via Kapverden nach Brasilien wollen – allzu lange dauert es nicht mehr, bis die Boote aufbrechen. Petite Fleur sicher zuerst.
Es war nett, wieder nach Oyster Creek zu kommen – big hugs von Ceesay und Tom und Fatima (der ich dann auch gleich mit meiner W?sche eine “riesige” Freude machen konnte ;) , sie hat angesichts der Tasche gleich den Preis erh?ht, das gesch?ftst?chtige Wesen…). Heute abend gibt es so eine Art Flotillenabschied, eine Neuauflage des “BBQ mit Frau Pape”, ohne letztere (einem Gast auf der Wanderer2 und Transporteur zumindest von Teilmengen nach Berlin gelieferter Ersatzteile. Die Restbest?nde cruisen
mittlerweile durch Europa ;) ). Daf?r fungieren heute als Mitesser Toni von der Longyang, einem Pantalan-Kollegen aus Las Palmas und Antonio, der uns als einziger Einrumpfer “upriver” begegnete, beides Spanier. Es wird, daf?r steht der Halb-Rasta und “Harbour Caf?”-Betreiber Tom, lecker. Versprochen wurden f?r heute H?hnchen und Fisch. Die Beilagen waren sowieso umwerfend, Yassa und Knoblauchsauce und die Salate. Das Licht werden wir selbst mitbringen, das haben wir bei der Premiere gelernt… Das
Harbour Caf? das sind n?mlich zwei 20 Fu?-Container mit Palmblattdach-Verbindung und ein paar Tischen darunter. Kein Strom. Nirgendwo hier, nur der Tidenstrom…

Heute oder morgen dann ein neuer Versuch, die Internetseite upzudaten – was mich zu einer Bitte bringt: Wer auch immer in den letzten Wochen im Gambia eine Mail ?ber Winlink von mir erhalten hat, den/die bitte ich, eine kurze Best?tigung zu schicken. Wir m?ssen vermuten, dass Mails irgendwo verschwinden – wobei ich weniger die Winklink-Server im Verdacht habe als die immer “findiger” werdenden Spam-Filter auf der Empf?ngerseite. Auf meiner Liste der missing Mails sind: Schwester M?cke, Benni, Nina,
Toni+Anni, Ina Metzmann, Wolfgang, Brigitte Z., Paulsen/Arnis, Bahni Bahnsen, sowie die VIGO, SOCORRO, ANEMOS, AREAREA(NL), SALMON und GEMINI. Es w?re nett, ganz kurz was zu h?ren. Vielen Dank! Und falls jemand auf Mail gewartet, aber nichts erhalten hat – nehmt zun?chst mal diese Nachricht f?r die gute Tat…

Jetzt wird getankt, und da ich der F?llstandsaufpasser bin: Bis bald mal wieder!

Erstellt am Montag 21. April 2008
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Internetfrust

Tja, wenn man ein paar Monate auf Canton im Phoenix-Archipel/Kiribati weilt, dann ist man vielleicht daran gew?hnt. Obwohl die Gitanas (unbedingt angucken: www.seezigeuner.de) auch schon verlauten lie?en, dass ein bisschen Internet doch mal wieder ganz sch?n w?re.
Wir waren ja nach nur 4 Wochen schon wieder im Bereich dieser M?glichkeiten. Und da neuen Bildgeschichten “In Afrika” und “The Gambia” endlich fertig sind, fehlt nur noch das Upload auf den Server.
Also wurde heute eine Expedition zum Kairaba-Center zusammengestellt – es gelingt uns ja mittlerweile trefflich, uns zwischen die anderen Fahrg?ste zu zw?ngen und die 5 Dalasi f?r die Sammeltaxis abzudr?cken! Man h?lt uns quasi schon f?r assimilierte Gambier… -, Also, Caroline und ich machen uns auf nach Kairaba, wo sich ein mit “faster broadband” werbendes Internetcaf? befindet. Ich hatte schon bei den ersten Besuchen dort das gef?hl, dass “faster” ein relativer Begriff ist ;) . Und so sitzt frau
dann 2 geschlagene Stunden auf dem Steinfu?boden (”…the wire is too short!”) und wartet geduldig, dass das Upload auf 10% steigt, auf 14, auf 22… Bei 33%, das war kurz vor ABlauf der 2 Stunden, einige ich mich mit Caroline darauf, den Versuch abzbrechen.
Tut uns leid, liebe Leser, es gibt zwar eine neue Homepage mit der Ank?ndigung f?r die neuen Bilder, aber da ist leider nix dahinter; dabei sind ein paar von den Bildern wirklich sehenswert: gro?e Eigner mit kleinen Mandinkas auf dem Arm, AKKAs an lauschigem Ankerplatz, Lokalkolorit upriver und anderswo. Mal gucken, ob das Internet-Caf? in Bakau tats?chlich schneller ist, wie uns Barbara von der Wanderer versprach. Ansonsten hilft nur Geduld. Auf den Kapverden ist BESTIMMT alles anders ;) . Oder in
Brasilien…

Erstellt am Sonntag 20. April 2008
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Ceesay Karamba

Lamin, 15.4. 2008

Ceesay, der zweite. Professional Birdwatcher, so sagt es der handgeschriebene “Visitenzettel”, den er mir zum Schluss zusteckt. Mit Ceesay hatten wir einen schönen Vormittag, die Schweizer, die Holländer und ich. Der Eigner bleibt derweilen an Bord und sucht selbstlos nach der Quelle für Luftblasen im Kraftstoffsystem.
Wir hatten verabredet “early” aufzubrechen, zum Naturreservat Abuko, hier gleich um die Ecke. Früh war es dann nicht unbedingt, jedenfalls nicht nach Vogelbeobachterregeln, es war um die 8 Uhr, als wir in die Dinghies stiegen. 4 km sandiger Fußmarsch nach Lamin und von da noch ein paar hundert Meter Asphalt Richtung Banjul.
Während die einen den Eintritt entrichten (Urs: “… der einzige, der NICHT rechnen kann, steht an der Kasse!”. Stimmt! ;) ) werden wir schon an einen guide vermittelt; den selbsternannten “birdwatcher” in Janjanbureh noch im Hinterkopf, willigen wir ein bisschen zähneknirschend ein. Ich stoppe das Zähneknirschen aber sofort, sehe ich doch einen VOLLSTÄNDIGEN (!) Fieldguide “Birds of The Gambia” in den Händen des (sehr) jungen Mannes, der sich da mit “Ceesay Karamba” vorstellt. Am Tickethäuschen ist
dann auch bald die Rechenaufgabe gelöst, 5 x 35! Ich hatte das ziemlich pragmatisch auf 4 x 35 reduziert, indem ich mal schnell für mich selbst bezahlt hatte, und die anderen machten daraus 2 x 70 Dalasi. Schlimm genug ;) … Ein Fall, den wir unter “t.i.A.” buchen – “that is Africa”, Zitat aus dem Film Blood Diamond, unser neuer running gag. Dann stiefeln wir durch’s Gehölz. Zunächst mal noch begleitet vom spärlichen Verkehrsrauschen der Ausfallstraße zum Flughafen, aber die Red Colobus-Affen und Green Vervets in den Bäumen stört das kaum. Uns auch nicht – wir sind in einem naturbelassenen Stückchen Urwald, auch jetzt, zum Ende der Trockenzeit noch grün, grün, grün, und lassen uns vom geduldigen Ceesay Vogelnamen nennen und Pflanzen erklären. An der zentralen Wasserstelle – der Stra?enlärm ist schon nicht mehr wahrzunehmen und wird durch Vogelgeschrei ersetzt – machen wir uns ein bisschen selbst zum Affen, indem wir uns nicht sattsehen können am Fangverhalten des Black Egret:

abuko-black-egret.jpg
Kopf einziehen, Flügel schirmartig über den Körper und – zack! – aus dem selbst gebastelten Schatten heraus ein Frühstück erbeutet. Es sieht albern aus, aber wahrscheinlich ist es noch alberner, dass wir uns so amüsieren. Rings ums Wasserloch ist einiges los – Krokodile, die bekannten schwarz-weiße und besonders die malachitfarbenen Kingfisher, bildhaft schön, die allgegenwärtigen Hornbills in verschiedener Ausfertigung, diverse Reiher und Turacos und Rallenarten und… und… und…
Ich beschließe, an einem der nächsten Nachmittage noch einmal zurückzukommen, um auch den Säugern an der Wasserstelle zusehen zu k?nnen. Ein kleines, sehenswertes Paradies inmitten einer doch urbanisierten Umgebung, entdeckt und initiiert von der Familie Brewer, die hier in den 60er Jahren ihr Schimpansenprojekt begonnen haben. “VERY hardworking people” hatte der Ranger auf Baboon Island über Eddie Brewer und seine Tochter Stella Marsden hochachtungsvoll gesagt, und dass es sehr traurig sei, dass beide mittlerweile gestorben seien, Stella erst vor ein paar Wochen.
Ceesay, das stellt sich auf dem Gang über die verschlungenen, schattigen Waldwege heraus, ist zum Besuch der Secondary School von Kuntaur nach Serekunda gezogen, ohne Familie, musste aber seine Schulzeit wegen Geldmangels unterbrechen und versucht nun, Geld für den Fortgang aufzutreiben. Da ist es wieder, das zwiespältige Gefühl zwischen Hilfsbereitschaft und Hilflosigkeit, das man als Tourist in dieser Gegend so oft hat, nur dass diesmal nicht jemand “… any school material” oder “… do you have a pen – I go to school!” ruft, sondern nur beiläufig ein “… I have no sponsor…” anmerkt. Ceesay ist voller Bewunderung für “sein” Reservat und führt uns begeistert weiter durchs Grün. Große Würgfeigen umschlingen Baumstämme, durch das Blätterdach über uns fällt spärliches Licht, Hörnchen flitzen durch das Geäst. Ceesay stoppt, geht zwei Schritte zur?ck und sagt: “An osprey!” und deutet auf irgendeine Astgabel. Es dauert ein Weilchen, ehe wir die Silhouette des Fischadlers im Gegenlicht erkennen.
Einen Lizard Buzzard können wir beim Fang einer Echse beobachten, nachdem wir ihn eine Weile statuesk in einem hohlen Palmstamm haben hocken sehe. Aus Unterständen heraus kann man auf Affen plieren, über allem schweben Geier und Weihen in der Thermik. Zum Schluss schräg über uns eine Reihe dünner, pelziger Lianen: auf einem dicken Ast laust sich eine Red Colobusfamilie und lässt die schnurgeraden Schwänze in die einsetzende Mittagshitze baumeln.

abuko-colobus2.JPG

Das können wir gut nachvollziehen – wir würden jetzt gern in der Hängematte baumeln oder die Beine ins Wasser hängen. Die Aussicht auf ein kühles Getränk lässt uns aufbrechen, der Rückweg zu den Schiffen ist schließlich heiß und staubig und ausreichend weit. Ceesay haben wir fürstlich entlohnt, er strahlt jedenfalls am Schluss. Ich auch – der Spaziergang hat mir sehr gefallen. T.i.A. That is Africa. Auch.

Erstellt am Mittwoch 16. April 2008
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Mimpi manis

…. sagte Caroline gestern abend, indonesisch f?r “s??e Tr?ume”. Wir w?nschen uns immer sehr zivilisiert eine gute Nacht, meist ?ber Funk und ich habe mich schon gut an diese Rituale gew?hnt, so richtig mit “over and out”, aber manchmal habe ich den etwas ungeb?hrlichen Impuls, mir einen Jux daraus zu machen, und es rutscht mir ein “Gute Nacht, Mary-Ellen”…” – “Gute Nacht, John-Boy” heraus. Gemein, die AKKA ist eine wirklich unwirtliche kleine Insel ;) .
“Mimpi manis”, das war, als wir nach dem Abendessen die Lamin Lodge verlie?en – Caroline und Urs hatten die ganze kleine Flotille zur Feier der R?ckkunft an der Gambiam?ndung eingeladen, wir hatten Schlammaustern in Zitrone, scharfe afrikanische Gem?sesuppe und Fisch und H?hnchen und Filetsteaks auftischen lassen, sehr lecker und sehr bequem. Endlich musste man mal nicht schweren Gedanken nachh?ngen, wie man aus den Trockenvorr?ten und Konserven etwas Appetitliches zubereiten k?nnte. Zumindest kulinarisch
hat unsere Langfahrt jetzt richtig begonnen: wir haben Kartoffelbrei aus der T?te gegessen und Gerichte mit Corned Beef zubereitet, letzteres sogar als Wurstersatz eingesetzt. Mit sauren Gurken. Wenn das kein Zeichen ist, dass wir wirklich unterwegs sind.

In der Lamin Lodge sind wir jetzt nicht mehr ganz so weit vom Schuss – sprich: von der Pipeline Avenue mit den beiden Superm?rkten und dem Serakunda-Markt – weg, aber doch weit genug, dass es ringsum noch sehr still ist, auch wenn man in der Ferne schon Zivilationsger?usche wummern h?rt, wenn man nur genau genug lauscht. Das gab es nun wochenlang nicht. Die Lodge selbst ist sehenswert schlicht und grob aus Holz gezimmert, mit nach allen Seiten offenen Luken, durch die der Wind streicht (k?hl f?r
unser upriver-Gef?hl!). Mangroven, wohin das Auge blickt. Und dennoch: nach 3 Wochen fast ohne andere Yachtbegegnungen – bis auf 2 Katamarane und einen Einrumpfer!- empfinden wir es hier mit 10, meist unbelebten Booten als voll. Wir werden heute mal testen, was Lamin zu bieten hat, ich w?rde n?mlich gern einen h?bschen Vorrat Mangos einmachen und frisches Obst und Gem?se w?ren sehr gut. Die jeweils 25 Mangos, die wir auf Kiia Island einem (illegalen?!) Malinesen in seinem Mangog?rtchen abgekauft
haben, wurden zwar auf den anderen Schiffen zu sch?nen Sachen verabreitet, n?mlich Konfit?re (Caroline, extrem lecker, mit Bissap-Saft!) und Mango-Chutney (Janna, muss auch lecker gewesen sein, denn sie haben den Vorrat gleich aufgefressen ;) ), die AKKAnauten haben sich eine Woche an den rohen Fr?chten g?tlich getan oder Mango-Zwiebelsalat serviert. Noch drei Fr?chte, da lohnt sich eine Einkochorgie nicht mehr. Inzwischen ist die Liste der Wunschartikel vom Supermarkt lang geworden – Fleisch zum
Einkochen, Obstkonserven (!!), mehr Kichererbsen und Tahin f?r selbst gemachtes Hummus, Vollkornmehl und Weizenk?rner f?r’s Brot, und Butter, damit die Shortbreadvorr?te immer aufgestockt werden k?nnen ;) ; au?erdem die Testergebnisse korrigieren – das M?sli vom Araber war n?mlich im Gegensatz zu dem vom Inder muffig, df?r gibt es dort gutes Rindfleisch und Kaffee, der den Langfahrttest bestanden hat – liebe Leser, Ihr wisst gar nicht, wie gut Ihr es in Euren SPAR-EDEKA-REAL-Paradiesen habt. Ich
tr?ume vom PLUS-Markt, vom “KAISERS” oder LIDL in Harburg, wer h?tte das gedacht. Das sind meine s??en Tr?ume, und dazu kommen noch ein paar unerf?llbare. Ein Buchladen, ein Zeitungskiosk. MARE-Hefte, eine aktuelle ZEIT oder ein frischer SPIEGEL. VIELLEICHT ja in Salvador… Weiter tr?umen…

Erstellt am Sonntag 13. April 2008
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Downriver

Nach “upriver” kommt unweigerlich “downriver”, und das sogar jetzt relativ schnell. Zwar haben wir uns unsere 1-monatige Aufenthaltsgenehmigung f?r Gambia in Janjanbureh – auf der bemerkenswert afrikanischen Polizeistation ;) - noch bis zum 30. Juni, also hart an den Rand der Regenzeit verl?ngern lassen, aber mittlerweile st?hnen wir doch alle rechtschaffen unter der Hitze. Zwischen 7 und 10 ist es ertr?glich, danach erfasst uns die gro?e Mattigkeit, nachts schalfen wir drau?en im Cockpit unter dem
Moskitonetz und hoffen, dass sich ein thermischer Wind auf den Weg macht, uns zu k?hlen. Wir sind also angekommen in Afrika und ahnen langsam, was die Leistungsf?higkeit der Leute hier bestimmt. Nicht einmal die steten “hello”- oder “Toubab, Toubab!”-Rufer vom Ufer in Janjanbureh bringen ab der Mittagszeit noch die Energie f?r ihr Konzert auf. Erst am Abend ruft und pfeift es dann wieder durchdringend. Es nervt. Womit wir uns wieder dem Thema n?hern: Downriver. Im ?bertragenen Sinne k?nnte man auch
sagen “den Bach runter”, so ist Janjanbureh zu charakterisieren. Und vor allem die jugendliche Einwohnerschaft tut ein ?briges: eindringliche, aufdringliche bis r?de Forderungen nach Schulmaterial und Fussb?llen begleiten einen auf dem Weg durch ein ?rtchen, das einmal Verwaltungszentrum der britischen Kolonie war. Die Geb?ude erinnern an diese wie auch an Sklavenhalterzeiten. Aber gerade der Kontrst zwischen der Gr??e der urspr?nglichen Anlage und dem Erhaltungszustand l?sst uns “run down” empfinden.
Auch vom Forstprojekt der GTZ ist nichts mehr ?brig au?er dem aufgelassenen Verwaltungs- und Schulungszentrum – die beiden Eco-Trails und Forst-Parks in Dobo und Kunkilling, die das Projekt f?r den Tourismus schaffen wollte, sind zwar erstellt, aber in Windeseile schon nach einem Drittel der geplanten Zeit den umgebenden D?rfern ?bergeben worden, die nun ihre liebe M?h’ damit haben. Leider sind wir zum Anschauen dieser Trails doch zu weit in die Trockenzeit geraten, sagt die einzig verbliebene deutsche
Mitarbeiterin, die sich nun f?r weniger als einen Sack Reis im Monat beim Gambischen Staat verdingt hat und versucht, die Reste des Projektes zu erhalten, denn das gro?e Gel?nde bietet nicht nur Schlulungsr?ume, sondern auch Unterkunft; Geld f?r Strom gibt es allerdings nur, wenn G?ste da sind, und die G?steh?user scheinen ?berwiegend leer zu stehen. Sehr schade drum, denn es ist sch?n in diesem parkartigen Garten unten am Fluss. Ein idealer Ausgangspunkt f?r zoologische oder botanische Exkursionen,
k?nnte ich mir vorstellen.
Statt also die eigentlich geplanten Ausfl?ge in die Natur zu machen, entziehen wir uns f?r einen Abend dem Gefl?te vom Ufer und gehen statt dessen auf “birdwatching” in die Jangjangbureh-Lodge. Der Guide – genauer gesagt: der Petroleumlampenbeauftragte der Lodge ;) – dr?ckt uns ein Bestimmungsbuch in die Hand, bzw. den zerfledderten Rest davon, grobe Sch?tzung: 15% des Buches! Die meisten gesehenen V?gel sind aus der Gattung “that one”, es gibt auch einige “big one” ;) . Warum blo? war ich in Banjul
zu geizig, um mir ein ad?quates Bestimmungsbuch zuzulegen? Das muss f?r Brasilien definitiv anders werden… Ich habe trotzdem meinen Spa? und werde entsch?digt, entdecke Herrn Scarlet Breasted Sunbird nebst unscheinbarer Gemahlin und fresse mich bis zum Senegal Coucal durch den Rest des Field Guides, dessen verbliebene Seiten auch noch teilweise zusammengeklebt sind. Das erh?ht den Wiedererkennungswert der V?gel ungemein. Ein Hammerkop in der Ferne, ein blau-schillernder Roller und eben die “blue
one” und “small one”- sehr nett. Zum Abschluss des Abends nimmt die Gruppe der exstischen Langfahrt- im Kreise von zwei Handvoll europ?ischer Normaltouristen auf “upriver”-Tour (deren H?ufigkeit ?brigens die Ursache f?r die Zudringlichkeit der Toubab-Rufer ist!) ein leckeres Abendessen ein. Bush-Pig, H?hnchen, Couscous, viele Kerzen zur Beleuchtung und keine Moskitos. Perfekt. Aber irgendwie kommen selbst unsere ambitionierten Present-Segler ins Gr?beln, ob es vielleicht nicht doch zu anstrengend
ist, auch noch die Regenzeit hier in Westafrika zu verbringen. Wir finden die 40 Grad im Salon schon sehr hei?, aber 40 Grad bei 90% Luftfeuchtigkeit, das wird uns jedenfalls zuviel. Am n?chsten Abend schon werden die Monatskarten f?r den Nord- und S?datlantik auf der Petite Fleur ausgebreitet und Pl?ne f?r eine baldige Atlantik?berquerung geschmiedet.

Wir verabschieden uns ein bisschen wehm?tig von der sch?nen, anstrengenden Umgebung und treten den R?ckzug an. Ein paar Tage und ein paar Hippos bleiben uns ja noch hier oben auf dem Gambia River. Aber dann warten auch zivilisatorische Errungenschaften wie Internet, eMail-Zugang und (fast) unbegrenzte Einkaufsm?glichkeiten: es wird wieder mal frische Tomaten geben! Downriver nat?rlich.

Erstellt am Montag 7. April 2008
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Mangos, Bananen, Lilly und Co.

Gambia River, 31.3.2008

Janna und Len bitten zum Sundowner auf die Present, und wir lassen die Sonne ganz sch?n weit hinter den Horizont sinken, bevor wir zur?ck zur AKKA tuckern. Bei Wasser und Bissapsaft und in der zweiten Stufe dann einem Glas Wein, wahlweise einer k?hlen B?chse Bier, lassen wir einen ereignisreichen Tag Revue passieren. Erst einmal ging es im Slalom zwischen den Treibnetzen von 4, 5 Fischerpirogen nach Kuntaur. Klingt nach “Traffic Jam” – aber es ist immer noch relativ leer, obwohl sich die N?he des
Ortes – Kuntaur war mal Gambias zweitgr??ter Hafen! – bemerkbar macht. Hier pulst das afrikanische Leben – eine kleine F?hre schaufelt Marktbesucher vom Westufer hin?ber, Jungs kommen schon w?hrend unseres ersten Ankerman?vers her?bergeschwommen, das ?bliche: “What’s your name?”… Im zweiten Versuch h?lt der Anker, aber wir trauen dem Braten nicht so recht – solange der Strom aufw?rts l?uft, gehen wir ins Dorf, aber sobald er zu kentern droht hauen wir wieder ab. Unter den B?umen an Land sammelt
sich schon die gespannte Dorfgemeinschaft – ?ltere Manner, vor allem aber die Kinder nehmen unsere Dinghyleinen an und die Karawane zieht los. Wir suchen Zwiebeln und Tomaten, Bananen, Mangos. “Oh, yes, we have a big market where you can get everything…”. Besser w?re der Zusatz gewesen: “… but not today”, denn heute ist Loma, Wochenmarkt au?erhalb des Ortes, nur mit dem Eselskarren zu erreichen, und wegen des Tidenzeitplanes f?r uns ein bisschen knapp. Aber da gibt es Abhilfe – wir werden in
Haus 1 geleitet und kriegen eine Handvoll sehr reifer Bananen und ein paar kleine Mangos. Sehns?chtig denkt man an die Europaoasen in Dakar zur?ck, an mediokre “Superm?rkte” in Banjul oder Saly, aber wir freuen uns ?ber unsere Sch?tze. Und im Geh?ft 2 stehen wir schon vor einer gro?en Sch?ssel voller gr?ner Bananen, genug f?r alle Boote, und dann steigt einer der Jungs in einen der Mangob?ume, die den Gartenhof beschatten, und wir bestellen eine Wurfsendung Mangos. Mit 15 Fr?chten – und der Kinderkarawane
im Schlepptau – ziehen wir zur?ck zum Fluss, kriegen unterwegs noch eine d?rfliche Wohnung gezeigt, mit TIEFK?HLTRUHE, die die Hausfrau stolz ?ffnet und schlie?t, ?ffnet und schlie?t. Hier gibt es n?mlich a. Wasser aus ein paar ?ber den Ort verteilen Wasserh?hnen, b. ein paar Motorr?der und c. STROM… Und einen Laden der Fu?b?lle anbietet – wir werden ziemlich unmissverst?ndlich dorthin geleitet, und w?hrend eingekauft wird, tausche ich mit den gespannten Kickerkandidaten Fussballernamen aus. Ballack
ist da, und Miroslav Klose. Die Brasilianer nat?rlich und die Stars von Arsenal, Chelsea und Manchester United. Hier gibt es halt Strom und damit auch Fernsehen…
Len liefert zum Schluss noch unseren M?ll aus – ein bisschen Gegenleistung haben wir Toubabs uns mit den B?llen und dem Schulmaterial von der PRESENT verdient.

Anker auf! Nur ein paar Meilen sind es bis zu den Baboon Islands, auf die wir alle schon so lange warten, obwohl doch zwei Segelf?hrer von wenig Gl?ck berichten, was die Beobachtung von Hippos und/oder gar Schimpansen berichten. AKKA f?hrt voraus,, hinein in den Kanal zwischen den Nationalparkinseln. Was f?r ein Schauspiel f?r die anderen. Petite Fleur und Present d?rfen zuschauen, wie wir stecken bleiben und versuchen aus dem weichen Grund wieder loszukommen… Ranger aus dem National Park versuchen
uns eher ungeschickt zu helfen, aber nach langen 30 Minuten sind wir wieder frei. Als wir gegen 16 Uhr am S?dende der gro?en Baboon-Insel Anker werfen, kommt schon das n?chste Rangerboot, wir reichen kaltes Wasser mit Zitronensirup ?ber die Reling, bekommen Anweisungen. “We’ll go and have a look where the chimps are…” – kurz biegen die beiden um die Ecke und kommen stante pede zur?ck”… they are at their feeding place!” Das k?nnen wir uns nicht entgehen lassen. Wir entern die Rangerpiroge, die
anderen tuckern in Presents Beib?tchen hinterher, und wir sind kaum in den Kanal eingebogen, da pr?sentieren sich zur Linken die ersten Hippos, obwohl ein hei?er Wind weht und Flusspferde dann gern lange unter Wasser bleiben. Und zur Rechten… – ein Pavian. Und?! Lilly, die 31-j?hrige Schimpansenenahnin guckt SEHR interessiert aus dem Unterholz. Ein 3-j?hriger Affenknabe klettert in einen Baum und ?bt ein bisschen Imponiergehabe, das ist “Delaware”. Einer etwas j?ngere Dame mit Kind schaut aus dem
Hintergrund. Das hatten wir nicht zu hoffen gewagt… Schimpansen. Und dass ringsum noch Kingfisher und Flussadler, Reiher, Hornbills und afrikanische G?nse sich an/im/?ber einem dichten Wald tummeln, macht den Eindruck perfekt.
So sitzen wir dann auf der PRESENT, nippen am Bissapsaft und horchen in die Zikaden- und Vogelges?nge hinaus. Dies ist der lauteste Platz seit Tagen – wir sind im S??wassserbereich angekommen, mit allem, was die reiche Vegetation so mit sich bringt. Palmen, Organ-Trees, Baobabs – und Schimpansen.

Erstellt am Dienstag 1. April 2008
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Still und leer…

Bird Island / Gambia River, 30.3.2008

Nicht m?hsam, aber langsam bewegen wir uns den Gambia River hinauf. Hatten wir in Bombale auf einem engen Seitenarm des Gambia geankert, erweiterte sich der Fluss gleich hinter Elephant Island auf “friesische” Weiten, es fehlten lediglich die Schwarzbunten. Nun gut, es waren auch keine Weiden hinter den etwas sp?rlicher werdenden Mangroven,, sondern Reisfelder, aber die Fliegen ?hneln sich verbl?ffend: dort Bremsen, hier Tsetse… Das Wetter ist zunehmend windstill und diesig, das Licht entsprechend
gebrochen, die gro?en Wasserfl?chen liegen spiegelglatt im hei?en Dunst. In den Morgenstunden fahren wir jeweils ein St?ckchen weiter, bis zum Kentern der Tide, und ankern dann. Dinghytour an den Mangroven entlang, Flussadler und Kingfisher bestaunen, und ab und zu mal in einen kleinen Seitencreek hineinsteuern. Es ist gespenstisch still, nicht nur in den hei?en Stunden, sondern den ganzen Tag ?ber. Und es ist leer – nur ab und zu quert mal eine Piroge mit einem Fischer unseren Weg und l?sst ein
Treibnetz stromabw?rts driften. Schall tr?gt meilenweit – wenn es denn Schallquellen gibt. Die Stille ist ohrenbet?ubend und man mag gar nicht seinen Au?enborder anwerfen. So staken wir denn mit den Paddeln durchs knietiefe Wasser oder lassen uns mit der Str?mung um Bird Island treiben. Auf dem Nordufer erheben sich schon den ganzen Tag Rauchschwaden hinter der Uferb?schung – Bauern brennen den Unterwuchs ab, um ein neues Reisfeld anzulegen.
Zur?ck an Bord lassen wir uns ermattet im Cockpit nieder und ?ben “Schwitzen”… Sehr erfolgreich! Dann ein leiser Funkspruch, Urs: “PETITE FLEUR hat gerade ein Hippo gesichtet!” Tats?chlich – alle paar Minuten taucht 200 m vor den Schweizern ein Kopf aus dem Wasser, ein Flusspferd auf dem Weg vom S?dufer zur Insel. Das h?tten wir nicht gedacht, dass die solche Strecken zur?cklegen… Wenn wir hier baden, dann paddeln wir im Bereich der Heckplattform gegen den Strom. Richtiges Schwimmen f?llt aus
- man k?hlt zwar ein bisschen ab im 30 Grad warmen Fluss, aber der Strom ist stark und jede Anstrengung l?sst einen nachher umso mehr schwitzen. Also starren wir vom Vorschiff in den Dunst und schauen dem Hippo zu, dass auch zu “baden” scheint: mal hin, mal her. Dann geht die Sonne unter, wir ziehen uns zur?ck und das Moskitonetz ?ber das Cockpit. Ein paar M?cken sirren, in der Ferne ein paar Zikaden, und ab und zu pl?tschert es… Ein Fisch? Ein Hippo, das mit dem Schwanz wirbelt? Es schnauft. Ganz
klar – ganz kurz f?llt dieses laute, heisere abgehackte Hippoger?usch – so eine Art Schnarch-Bellen – die Luft. Gleich ist es wieder still, aber leer ist es gewiss nicht. Irgendwo da drau?en im Dunkeln ist ein Flusspferd…

Erstellt am Dienstag 1. April 2008
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