Schokolade und Sonne

Chaguaramas, 25.9.2017

Hier ist die versprochene Fotogalerie vom Ausflug nach Santa Cruz.

Ein Kater

Unsere Werkstatt samt Fuhrpark unterm Nachbarschiff

Chaguaramas, 25.9.2017

Wir haben einen Kater. Insbesondere ich – der hat mich heute früh schon um halb 5 aus dem Bett getrieben.  Herrje, was für ein beschissener Wahlausgang, noch dazu ohne unsere Beteiligung, denn unsere allereiligste Eilaktion – die Wahlbriefe kamen am letzten Dienstag in Trinidad an und waren schon nach 2 Stunden wieder auf dem Weg zurück! – war nicht von Erfolg gekrönt: nachdem der Expressbrief seit Donnerstagnacht bei DHL Leipzig gelegen hatte, wird er heute zugestellt, frisch für die Tonne. Aber das ist sicher nicht so schlimm wie dieses geradezu grauenerregende Wahlergebnis. 28% der Stimmen in Sachsen für eine Partei, die offen rassistisch/völkisch/fremdenfeindlich argumentiert, das ist gar nicht zu fassen. Wir sitzen hier und sind wie vor den Kopf gestoßen. Klar – ein AfD-Einzug ins Parlament war zu erwarten, aber was das bedeutet, vor allem, was so ein riesiger Stimmenanteil wie in Sachsen bedeutet, kann man nur ahnen. Und hoffen…

Alles im Griff (Jonas am anderen Ende, oben!)

Auf AKKA ist alles bescheuert wie immer, das Schiff sieht aus wie explodiert, woran ich einen nicht unwesentlichen Anteil habe, weil ich nicht mehr weiß, wo vorn und hinten ist. Der Eigner müht sich in Kleinstschritten des Chaos‘ Herr zu werden, poliert Wantenspanner und Toggles etc. Zwischendrin gibt es auch mal Stress der besonderen Art; ich bin ja bekanntlich platzängstlich, und weil ich die längeren Arme von uns beiden

Rigger Jonas in Aktion. Alter Schwede…

habe, kommt mir die schöne Aufgabe zu, am Fußende unserer Betten ins letzte Eck des dortigen Schapps zu angeln und dort die Muttern und Scheiben für die Befestigung der Badeplattform zu lösen und ein paar Tage wieder anzusetzen. Die Kopfhöhe für die Aktion beträgt genau Fußlänge,, vielleicht 30 cm, schiffstypisch halt, und die Aktion findet  auf dem Rücken liegend statt, blind.  Die Schappöffnung reicht gerade so, dass man bis zur Nase hineinrutschen kann.

Restaurierungsobjekt Auspuffkrümmer

Nee, nix für mich, jedenfalls nicht täglich. Die Belastung für den Eigner – der die beschriebene Montageaktion auch als stressig beschreibt, danke! – liegt dagegen im Gehakel mit Zulieferern, z.B. mit dem Edelstahlmenschen: Maße und Ausführung ein bisschen ungefähr.  Bitte nehmt das Teil wieder mit, andere Scheiben dranschweißen und bitte polieren und passivieren. Er ist wirklich ein anstrengender Kunde – Terminabsprache, auch nicht leicht: nach tagelanger Trinidad-Maybe-Time liege ich gerade an der o.a. Stelle, um die Muttern für die ebenfalls dort befindlichen (aber leichter zu erreichenden) Windpilotschrauben gegenzuhalten. Da rumpelt es draußen… und schon höre ich den Chef sagen: „… you are too early! I am still busy!“  Mein durch die Bordwand gebrülltes „… neeeein! Schick‘ ihn nicht weg!“ kam zu spät. Noch ein halber Tag drangehängt. Der „alte Schwede“ Jonas/Trinidad Rigging hat einen Rigg-Check durchgeführt und schätzte sich glücklich, dass wir nicht zu den Kunden gehören, die alles vorher polieren – dann sieht man die Spuren von ersten Anrissen nämlich besser. Und tatsächlich, es waren welche da, also gibt es ein paar neue Wanten.  Und was der Stories mehr sind.

Ende September… eigentlich wollten wir schon bald ins Wasser, aber da sind ja noch Irma, Harvey und Maria. Die schrecklichen Folgen für viele der Karibikinseln habt Ihr ja sicher alle gesehen und vielleicht auch gehört, dass die Virgin Islands, St. Martin und Dominica ein massives Plündererproblem haben – hier laufen gerade Hilfsaktionen per Segelschiff an, und solche Segelschiffe werden in Dominica zur Zeit mit militärischen Ehren: empfangen. Eine französische Yacht wurde gestern von 3 Hubschraubern, einem Coast Guard-Schiff und einem holländischen Kriegsschiff begleitet. Besser ist das….
Für uns sind die Hurrikanfolgen erträglich, aber es gibt welche: das Schiff, das Ende August unsere neuen Batterien und einiges mehr ais Miami bringen sollte, ist noch nicht in Sicht. Hoffen wir mal, dass die nächste Tropical Depression ein bisschen auf sich warten lässt, damit der Frachter mal nach Trinidad hineinflutschen kann. Man merkt übrigens im Supermarkt, dass Importe nicht nachkommen: kein Rogga-Knäcke mehr bei „Peppercorn“. Eine Akkanautenkatastrophe.

Aber na ja – es gibt auch wirklich schöne Momente.  Den Schokoladentag auf dem Green Market in Santa Cruz zum Beispiel. A day out in the sun! Voilà – nebenan gibt es gleich eine Galerie zu einem Ausflugstag ins Grüne. Ein paar sonnige Bilder zu unserem und Eurem Trost.
Vielleicht ist Schokolade auch gut gegen Kater. Ansonsten: der Plan für den heutige  Feiertag – es ist Republic Day! – ist, sich einen kleinen Kater zu holen, Sonnenuntergang mit einem Carib-Bier am Wasser. Das gibt einen ganz winzigen Anti-Kater-Kater.

Irma und José

Hau ab, Irma!

Chaguaramas, 5.9.2017

Jeez, wie man so sagt… wir gucken uns den Scheiß zwar aus der sicheren Entfernung an, aber das ist schon sehr beunruhigend.

Irma wird heute Nacht auf die nördlichen  Leewards treffen, Antigua/Barbuda, St. Martin. Ina, wir hoffen Scoobidoo ist sicher und vor allem Ihr selbst – Eure Hurricane-Routine macht’s vielleicht… Vor allem auf Facebook sehen wir, wie sich betroffene Segler vorbereiten, in die Mangroven verziehen oder auch verzweifelt nach Schlupflöchern oder geeigneter Taktik  fragen – nicht jeder hat diese Routine. Raus aus dem Wasser, an Land abwettern. Oder umgekehrt: das Boot ins Wasser setzen und noch schnell abhauen? Aber wohin? Wer weiß denn wirklich, wohin es Irma zieht? In  jedem Fall wird sie weiter über die BVIs und den Nordrand von Puerto Rico und die DomRep ziehen, aber je weiter die Vorhersagen in die Zukunft schauen, umso unwägbarer wird der tatsächliche Verlauf der Zugbahn. Zum Wochenende wird Irma dann Florida erreicht haben, und es sieht alles nach einer zackigen Kurve nach Norden aus – die Europäer haben die Kurve etwas später als die Amerikaner, das ist Fluch und Segen zugleich. Je länger Irma über Festland schraddelt, umso mehr verliert sie an Kraft, und umso weniger bekommt der Rest der Ostküste ab; wir hoffen es für die Chesapeake Bay und diverse Freunde, die ihre Boote dort haben. Ganz doof, wenn man, wie Kassiopeia, sich das Drama aus der Ferne anschauen muss (fingers and toes crossed, wobei es durchaus Hoffnung gibt.). Biegt Irma vorher ab, bleibt sie über warmem Wasser und legt möglicherweise noch zu, um dann in den Carolinas einzufallen.

Was wir mit größter Bewunderung lesen, sind solche Dinge, wie das Advisory #16 von heute früh sie verzeichnet. Da hat nämlich der Hurrikanflieger der Airforce die nördliche Wand von Irmas Auge nicht untersuchen können – das tut er im Moment. Fest stehen 155 Knoten Wind, an der Nordwand sind es mehr (es sind… um 18 Uhr UT waren es 185. Danke, das reicht). Der Eigner sagt: fast die Geschwindigkeit wie bei meiner Testfahrt mit dem McLaren – nur, dass ich nicht die Nase aus dem Fenster gehalten habe… schlechter Scherz. Ich weiß, dass ich schon bei 40 Knoten und stärkeren Böen schlecht schlafe, egal ob am Anker oder in der Marina; unterwegs auch nicht gemütlich.
Wir hoffen, dass Irma vielleicht ihre Handtasche verschludert hat und sich mal kurz über die rechte Schulter umschaut … das würde den Leewards kurzfristig helfen und der Zugbahn allgemein gut tun, aber leider ist sie gut organisiert. Eines sollte sie auf keinen Fall: auf das mickrige Tropensturmmännchen warten, das ihr auf den Fersen ist. José ist unterwegs…

Für alle, die getroffen werden, hoffen wir, dass es schnell vorübergeht, und dafür steht, dass Irma eher klein und eilig ist. Möge sie nicht noch an Umfang und Behäbigkrit zunehmen.

PS: Doch, sie hat an Umfang zugenommen… Dramatisch. Wir haben gerade die ersten Bilder von Barbuda gesehen – da bleibt einem jedes Scherzen im Hals stecken.

Irma und José, ein doofes Paar