Neujahrsgrüße

Paramaribo/Suriname, 1.1.2009

Die spinnen, die Surinaamse! Dass es seit letztem Wochenende ununterbrochen böllert, hatte ich ja schon erwähnt, aber dass wir mit AKKA mitten in einem Feuerwerk liegen würden, einem vielstündigen, das hatten wir nicht erwartet.

Pünktlich zu dem Zeitpunkt, zu dem wir das Dinghy besteigen und an Land rudern wollten, ging gestern ein Squall durch, der sich gewaschen hatte (oder besser: das alles wusch, inklusive unserer selbst!). Die Holländer vor uns machten merkwürdige Bewegungen am Anker und schmissen jeweils schon mal die Maschinen an, so wie wir. Es goss derartig, dass wir erstmalig nach einer gewissen Gedenk- = Spülzeit die Decksabflüsse geschlossen haben und das sich sammelnde Regenwasser in den Haupttank geleitet haben. Der war auch ratz-fatz voll.

Wer aber nun gedacht hatte, dass ein tropischer Regenguss dieser Güte die Feuerwerkskörper, die in ganz Paramaribo verteilt sind, durchweicht und damit un-knallbar gemacht hätte, täuscht sich. Wir blieben an Bord und genossen das Schauspiel mit wechselnden Gefühlen.

Hannovers Silvesterknallerei ist völliges Pille-Palle dagegen. Und es beteiligen sich hier wirklich alle daran – selbst die Wache vor dem Präsidentenpalast hatte eine mindestens 2 m lange und mehr als armdicke Girlande von Böllern auf ihre Schranke gehängt.

Da hat sich der Präsident bestimmt gefreut, als das Ding losging… Wir gehen jetzt gleich mal gucken, wie viele von den Kartons „Firework crackers, 20.000 pcs., made in China“ wir finden können. Es sind VIELE!

Und dann wird schon mal geübt – bis sich der Himmel verdunkelt. Tagelang!

WIr sahen, und das muss jetzt einfach nachgetragen werden, die „Bescherung“ gestern morgen, als wir um 07:30 zur VIsaabteilung aufbrachen. Fast hätten wir alle Einklarierungsrekorde geschlagen, wäre denn das Visum wie versprochen schon am 30.12. mittags fertig gewesen, aber man wünschte unseren Besuch dann doch lieber nochmal am Tag drauf, ganz in der Frühe. Gut so, weil die Einwanderungsbehörde wollte um 9 Uhr Feierabend machen; man sass schon in Zivil auf den Tischen und war eigentlich gar nicht so recht willig, uns einen Einreisestempel zu geben. Um 08:20 waren wir fertig – weniger als 48 Stunden nachdem uns das Highlight dieser Prozedur passiert war:

Diverse Schiffe hier haben keine Zolleinklarierung – von „immer noch nicht“ bis „wir verzichten drauf“. Ich war am Montag zu Fuß zum Zoll gedackelt, durch tropischen Nieselregen, aber mitten durch’s Surinamleben, wundervoll. Angekommen hatte ich mich zwischen die Warnwestenträger von den Seeschiffen gedrängt und geduldig gewartet, bis ich unser Anliegen vortragen konnte. Und dann ging alles ganz schnell, der „Zuständige“ guckte kurz auf und orderte einen Untergebenen, mit mir zurück zur AKKA zu fahren. Dieser Blick! Waidwund, desinteressiert – was weiß ich und ich denke „… ausgerechnet so einer…“. Ich versuchte es mit Lächeln. Nix. Da ich zu Fuß gekommen war, gab es natürlich auch kein Taxi, das musste geordert werden, alles offensichtlich so recht nach dem Geschmack „unseres“ Zollbeamten. Ah, je, und mit denen muss man sich doch gut stellen. Ich versuch’s. Und auf der Mitte der Fahrt taute die Stimmung ein bisschen auf, und als wir auf dem Fähranleger des Hotels standen, klärte sich die kleine Missstimmung: „That’s the boat over there!“ Verschmitztes Grinsen: „Well, we can do the procedure here on the dock…“. Es war ihm schlicht unheimlich. Dinghyfahrt, wackeliger Segler – nix für Romero, so weit waren wir immerhin schon gekommen. Dass er am Ende doch mit auf die AKKA kam, lag daran, dass man eine Ladeliste verlangte, und die konnten wir nur an Bord fertigen. Und da siegte dann wohl Neugier über Furcht: „I’ll go with you!“ Andreas holte uns ab, Romero – chinesisch-afrikanischer Abstammung und Nichtschwimmer, wie er kleinlaut zugab – klammerte sich an alles einigermaßen Feste auf dem Schlauchboot, unter anderem auch den Motor, kletterte unter Mühen an Bord, aber dann hatten wir wirklich eine gute Zeit. Ein unbestechliches „No, thanks!“ auf Getränkeangebote, aber dafür gab es Surinam-Informationen frei Haus. Wirtschaftslage, Familiengeschichten, Politik, Sklavereivergangenheit.

Das sind die Begegnungen, die diese Reiserei so lohnend machen – wir haben es genossen. Und wurden noch dazu mit einem offiziellen Zollstempel geehrt. Als einzige in unserer kleinen Ankerliegergruppe.

Heute früh dann zum Abschluss der Feiertage noch ein „Neujahrsgruß spezial“ für AKKA: eine Gruße Delfine ums Schiff. Wenn das kein gutes Omen für 2009 ist. Wir rufen , frei nach Janosch: „Oh, wie schön ist Surinam“ und wünschen allerseits ein gutes Neues Jahr!

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