Die machen sich lustig …

Blanquilla/Venezuela, 8.10.2009

In der Tat, die machen sich lustig, und zwar über MICH!
Wenn der Ehemann und Eigner schon derartig harmlos fragt: „… schau mal, habe ich das sachgerecht getroffen!?“, dann ist etwas faul. So heute – wir haben einen guten Segeltag hinter uns gebracht, aufstehen um 5, ankerauf um 6 Uhr, 60 Meilen bei mittlerem Wetter nach Blanquilla. Ein Squall war dabei, wo ich ein bisschen lange geschaut habe, ob der denn nun was mit uns zu tun hat oder nicht; das Ende vom Lied bei solchen taltoschen Spielchen sind dann meist hektische Aktionen, und zwar sobald die ersten Regentropfen fallen. Schnell abfallen, Schrick ins Groß und weg mit der Genua. Passiert halt ab und zu, macht nix.
Aber dann diese Frage… Was da nämlich im Logbuch steht, müsste man eigentlich einscannen und hier verbreiten, um mal zu zeigen, wie schwer man es als begeisterungsfähige Bordfrau hat: ich hüpfe am Nachmittag, so in etwa in Höhe der Roques Hermanos, an der Reling auf und ab, deute in die Wasserweite und johle dazu: „.. da! Da! Guck mal!“ Der Eigner sieht nichts, ich dagegen eine schwarze Flossenspitze, die unbeweglich aus der Wasseroberfläche herausschaut. Wal?! Hai?! Lebend? Tot? Irgendwas Großes, Schwarzes in jedem Fall. Ich glotze hinterher, bis ich auch nichts mehr sehen kann.
Seit ich heute abend bei der SOLEIL vorbeigeschwommen bin, weiß ich nun, was es war, die haben es nämlich vor ein paar Tagen auch gesehen, an ziemlich genau dem gleichen Platz und in voller Lebensgröße; und während ich mir, nachdem ich brühwarm berichtet habe, das Salzwasser abspüle, malt der Eigner schon das passende Bild ins Logbuch. Ein Wassertümpel mit einer Flosse, Bildunterschrift: “ … Andrea sichtet einen Orca!“ Ja, es stimmt, ich habe keinen Orca ERKANNT, aber ich weiß, dass es einer war… Andere Leute sehen überhaupt nichts.

Und nach dieser Klage kann ich ja die nächste „… oh, nicht schon wieder!“-Geschichte gleich anhängen. Die braucht aber eine Vorbemerkung: Unser neues Dinghy ist bekanntlich mein Freund, samt seinem Zweitaktantrieb, und während Andreas‘ Abwesenheit war ja reichlich Gelegenheit, mit dieser Art Wassermoped durch’s Ankerfeld zu knätern. Was das Kompliment einbrachte, bitte merken: „… wenn sie die AKKA so fährt, wie sie das Dinghy fährt, kann man beruhigt mit AKKA segeln gehen!“. Punkt.
Unser neues Beiboot ist das gleiche, das auch die SOLEILs kürzlich erworben haben, sprich: unsere Dinghys sind gleich klein und gleich kippelig. Eines Abends – unser Schlauchboot hing schon oder noch in Relingshöhe – kam der SOLEIL-Klaus vorbei, um uns zu einem Schwatz im Cockpit abzuholen. Einstieg von unserer Badeleiter, was für uns eher ungewöhnlich ist, wir entern AKKA normalerweise über die seitliche Bordwand; aber Badeleiter ist ja auch schön. Nun ja. Ich habe jedenfalls beide Hände voll mit Mitbringseln, die ich ungern loslassen möchte, und so kommt es, wie es kommen muss: Klaus muss mir beherzt „unter die Arme“ greifen, um zu verhindern, dass ich im Wasser lande. Gelächter, mein Stolz (siehe oben) erleidet dabei ein paar Kratzer, ich habe mal wieder die ungelenke Dicke gegeben. Der Schwatz zieht sich hin, es wird dunkel und die Rückfahrt wird mit „… willst Du nicht gleich schwimmen?!“ angekündigt. Einstieg – Klaus sitzt schon, Andreas hinter mir: „… setz‘ Dich schon mal auf die Steuerbordseite!“ Mach ich. Allerdings: mein Eigner auch, auf die gleiche Seite, und unnötig zu sagen, dass Klaus in eben jenem Moment… Platsch – Ladies first! Andreas sagt dazu ganz sachlich: „Perfekt! Nur eben ohne Taucheranzug und -flasche!“

Ich glaube, die machen sich lustig …

Ach, noch was: es ist schön hier! Wir haben uns zwischen die SOLEIL und zwei Franzosen gelegt, die es jeweils schon etliche Tage hier aushalten; ansonsten herrschen Leere, blaues Wasser, weißer Strand, Eselspfade. Morgen geht’s auf Schnorcheltour – Orcas gucken, oder was sich sonst hier tummelt.

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