Wenn die Zeit lang wird

Chaguaramas, 22.8.2018

Wenn die Zeit lang wird, ist es den Leuten meist langweilig – uns allerdings nicht. Hitzebedingt geht alles langsam voran, immerhin mit Betonung auf „voran“. Der Eigner hat die Technik voll im Griff, die Schipperin nimmt die Winschen auseinander und um es kurzweilig zu gestalten, ruft der Winschenpflege-Aufseher am einen Tag: „… mehr Fett!“ und am nächsten: „… weniger Fett!“.  Frau wird es wohl gelegentlich etwas zu gut meinen dürfen, oder? Jedenfalls ist der Fetttopf, der noch vom ersten Aufenthalt in Trinidad 2009 stammt, nach der vollen Runde, sprich: 8 Winschen, zu einem Viertel geleert. Wir können noch ein paar Jahre segeln, will das heißen.
Das war jetzt eine langatmige Geschichte aus dem wirklichen Leben. Eher unwirklich, aber dennoch ziemlich lang, kamen uns gestern 30 Sekunden am frühen Abend vor. Wir haben es quasi in die Tagesschau geschafft, wie wir gerade feststellen: um 17:30, wir sitzen im Cockpit, fängt AKKA an sich zu schütteln, und nicht nur sie – sämtliche Boote ringsum rappeln mit den Riggs, AKKA zittert, die Schipperin auch. Ein bisschen. „Was ist das denn?!“ fragt der Eigner. „E-e-e-erdbeben!“ Während ich die Lage überdenke – wie ist die Nähe zu den Nachbarbooten, können die Masten umfallen?! – macht Mr. Cool einen Versuch, das Geschehen als Video aufzunehmen, was daran scheitert, dass er die Videofunktion an der Kamera nicht gut kennt; im Endeffekt sieht man auch nichts, das ist wie mit großen Wellen auf See – abbilden kann man das nicht. Nach ein paar Sekunden Geschüttel – endlos! – fällt mir meine Nähmaschine auf dem Vorschiff ein; der Nähtisch, das sind 2×2 gestapelte Plastikboxen mit einem herrlich federnden Arbeitsbrett dazwischen. Ich sprinte hin – das war knapp, die schwere Maschine wollte sich gerade ins Klofenster stürzen.  Puuh! Dann wird das Zittern weniger…  Ein Nachbar sagt später: mindestens eine Minute. Ich bin sicher, dass es endlos schien, aber deutlich kürzer war *.

Ich klettere die Leiter runter – immer auf der Hut, dass einem die Nachbarschiffe nicht aufs Haupt fallen. Hinterm Zaun schnattern die Securityleute aufgeregt: „… das war Trini-Rekord!“ Auf manche Rekorde bin ich nicht wirklich scharf. Wir gucken uns um. Die Stützen, auf denen AKKA steht, sind tatsächlich ein paar Zentimeter gewandert, wir stellen sie nach und wackeln auch mal vorsichtig an denen der Nachbarboote. Reicht das für ein etwaiges Nachbeben?

Andreas fragt, was das wohl für eine Magnitude war – es gab kürzlich schon einmal einen Wackler in der Nacht, der aber kaum erwähnenswert war. Was tut man auf so eine Frage?! Internet konsultieren (der Strom ist zwar weg, aber Digicel Mobiltelefonie ist da!) – und da steht es auch schon: „Magnitude 6.8 in 80 km Tiefe vor der Küste von Venezuela, vor 7 Minuten“. Die Werte werden später noch korrigiert, etwas tiefer, etwas stärker. M 7.3 ist es schließlich – die armen Venezolanos dort drüben… Eine Tsunamiwarnung geht raus und wird wieder aufgehoben, „unsere“ Facebookgruppen schwirren vor Nachrichten: die Leute in Grenada haben das Beben im Wasser an der Mooring gespürt, Carriacou… St. Lucia… alle schreiben „habt Ihr so etwas schon erlebt?“. Bootseigener melden sich aus USA und Europa – „…wie sieht es auf den Boatyards aus“? In Martinique darf ein Flieger nicht landen, weil erst einmal die Landebahn überprüft werden muss. Die Schäden halten sich glücklicherweise in Grenzen. In unserem Supermarkt hat es die Dosen und Flaschen aus den Regalen geschüttelt, im Sails-Restaurant unten am Dock zieht sich ein langer Riss durch die Musikbühne, ein paar Wasserrohrbrüche in der Gegend.  Wie es wohl in den Dörfern oben in den Bergen aussieht? Wir hatten ziemlich ergiebige Regenfälle, da muss so mancher Erdrutsch passiert sein. Ãœbrigens: zur Häufigkeit von Erdbeben bleibt zu sagen, dass das Geschehen von gestern auf dem o.a. Link schon nicht mehr auf der ersten Seite erscheint. Ein ganz schön wabbeliger Planet, unsere Kugel.

Ich bin froh, dass wir zu Hause waren – die Bilder im Fernsehen bzw. Internet zeigen Panik von Leuten in Port of Spain, Gekreische, Schüsse (Leuchtspurmunition, wer und warum?!), all das wäre nichts für mich gewesen; für mich war ausreichend, die Masten schwanken zu sehen und das Rigg-Gelärme und die Warnsirenen von den Schiffen unten am Industriedock zu hören. Unvorstellbar was passiert, wenn es mal so richtig scheppert. Die letzten, schweren Erdbeben in dieser Region sind 30 und 50 Jahre her, und die lagen in der Magnitude unter dem heutigen Geschehen.  Nachbeben? Haben wir abbestellt, leider wird trotzdem noch geliefert.
So ist das, wenn die Zeit lang wird – und diese 30 (?!) Sekunden waren ausreichend lang.

————————————–

* das Erdbebenforschungszentrum der Universität der West Indies hier in Trinidad straft mich Lügen: die Stärke variiert je nach Messmethode und beläuft sich nach ihren Messungen auf  M 6.9, und es hat ca. 90 Sekunden gedauert.

 

 

Hardstand Blues

So schaut das bei längerer Liegezeit aus

Chaguaramas, 10.7.2018

„Nee, nee“ sagt der Bruder, nachdem ich angekündigt hatte, bis zum November den Blog ruhen zu lassen. O.k., dann Sparflamme.

Was gibt es zu erzählen? AKKA war am 14. Juni in Union Island losgeeiert, mittelprächtige Winde, mal mit, mal ohne Schiebestrom, will sagen, mal mit, mal ohne riesige Abdrift -  hier treibt der Nordäquatorialstrom seine Spielchen, und das ist auf der Strecke nach Trinidad deswegen wichtig, weil man ungern durch die Gasfelder fährt, die vielleicht 30 Seemeilen nördlich der Einfahrt nach Port of Spain bzw. Chagauaramas liegen. Nicht der Gasfelder selbst wegen, obwohl dort natürlich auch ziemlicher Berufsverkehr herrscht, sondern vor allem, weil es ein Versteck für böse Buben sein soll; ich hatte das ja auf der Hinreise schon beschrieben. Mittlerweile hatten wir viele Begegnungen mit anderen Seglern, ganz real oder virtuell, die immer wieder auf diesen Fakt abhoben, von „wie segelt man sicher nach Trinidad?“ und „… waaas, Ihr geht nach Trinidad!“ oder ganz praktisch: „segelt Ihr beleuchtet?“ oder  „Trinidad kann man nicht anlaufen“ bis hin zu „dauernd Piraterieattacken“; kurz: das Thema hatte sich bei uns zum Aufreger entwickelt. Ja, natürlich verunsichert einen das („das“ ist ein Vorfall im Dezember 2015),  und wir fahren auch nicht umsonst den Achtungsbogen nach Osten – im Gegensatz zu diversen Routiniers aus Chaguaramas, die eher „100mal gefahren und nix passiert“ sagen. Fast jeder Blogbeitrag von Gastseglern, die hier liegen, hat den Hinweis auf die Gefährlichkeit der Strecke, manche klingen hochdramatisch, geradezu paranoid, und wir sind mittlerweile der Meinung, dass diese Paranoia ausschließlich hausgemacht ist. Wir müssen einfach aufhören „Piraterie“ zu schwatzen; wer mag, kann einen float plan bei der TT Coast Guard einreichen, was wir dieses Mal sogar getan haben, oder kann mit Freunden im „buddy boat“-Paket fahren. Ansonsten: Aufhören mit dem Geschwätz! Spricht’s, die AKKAnautin und plant die Ostkurve für den kommenden Herbst.
Von Union aus läuft man schnurgerade nach Süden, in nettem Abstand zu Hibiscus und Poinsettia, den Gasfeldern. Ãœber den Äther hören wir Funkgespräche unserer Kollegen Exbury und Menuet mit dem Querverkehr, allein sind wir also nicht. Im Morgengrauen laufen wir auf die Boca del Mono zu, drehen eine Ehrenrunde vor dem Zolldock und greifen uns eine Boje im Ankerfeld – nicht nur, dass das Customs Dock voll ist, nämlich mit Exbury und Menuet, die waren schneller, sondern der Ponton ist kaum zu nutzen, weil meterhoch aus dem Wasser ragend, und das liegt am Feiertag. Einem besonderen, neumondgesteuerten: Eid al Fitr ist Neumond, und deswegen ist kein Ramadanende auf dieser Welt ohne Springtide. Und kein Feiertag in Trinidad ist ohne Ãœberstundengebühren für Zoll und Immigration. Aber weil Feiertag ist, machen sich die Einklarierungsgänge schnell, leicht und fröhlich, Immigration gibt uns sogar die maiximalen 6 Monate,  und ein Blick auf die Wetterkarte mit einer ganzen Reihe anrückender Tropical Waves sagt, dass der Abfahrttermin jeden Dollar Overtimegebühr wert war. So beziehen wir unser Sommerquartier. Nach 5 Tagen -  eine der Tropical Waves macht Anstalten, ein Wirbelsturm zu werden! -  setzt uns Michael strahlend an unserem alten Platz am Zaun ab. „Gefällt Euch doch hier, oder?!“ Klar. Schöner wär’s auf dem Wasser, aber das verraten wir nicht.
Der Eigner läuft zur Internetrecherchenhochform auf, der Wartungsbetrieb läuft an. Die Windsteueranlage hat ein bisschen Spiel – lokalisieren, Werte übermitteln und Ersatzteile ordern. Sollen wir die Welle ziehen? Fachkundige Wellenrüttler sagen unisono: „… da haben wir aber schon mehr Spiel gesehen!“ Thema vertagt, dafür wird dem Motor ein neuer Satz Einspritzdüsen spendiert. Segel abschlagen und zur Reparatur bringen. Der Rumpf wird angeschliffen und neues Coppercoat bestellt. All das unterbrochen von täglichen, reichlichen Regen- und Wärmepausen; gut Ding will hier sehr viel Weile haben.

Bisschen Kanten, bisschen Hebeln: das Bugstrahlruder

Der Salon sieht aus wie Schlachtfeld, weil das Vorschiff leergeräumt ist  – die Batterien für Ankerwinde und Bugstrahlruder sollen ersetzt werden. Außerdem hatte das Bugstrahlruder selbst vor Monaten den Dienst quittiert, bzw.  wir hatten ihm wegen äußerst unangenehmer, metallischer Mahlgeräusche die weitere Mitarbeit verweigert. Es geht zwar ohne, aber repariert werden sollte es dennoch. Testanordnungen verschiedener Art werden probiert. Propellerdrehen von Hand: Stille. Mit Motorantrieb:  „KKKrrrrrr“. Getriebe abgekoppelt: „KKKrrrrrr!“. Also ist es der Motor. Und jetzt? Daraus ergibt eine Anekdote: die Räumlichkeiten im Vorschiff sind etwas beschränkt, und schon bei den vorbereitenden Untersuchungen hatte des Eigners Rücken gemuckt.  Wie kriegen wir bloß den fetten 10 PS-Motor aus dem engen Loch? Wurschtel, wurschtel, abschrauben, kippen – irgendwie ist kein Platz für 4 Hände. „Ach, Mist, ich hole jetzt einen starken Mann!“, spricht der Baustellenleiter und verschwindet. Derweilen bastele ich aus Gurtbändern und einer Talje eine Hebevorrichtung. Ich bin grottenstolz, als Andreas mit Krendol anmarschiert. Aus dem Cockpit rufe ich runter: „… ich habe da eine Talje ange…“ und bin noch nicht fertig, da jumpt Krendol mit dem gelben 10 PS-Monster in der Linken an mir vorbei. „…der hat den einfach so rausgehoben!“, staunt der Eigner. Oh, je. Jugend hebt!

Krendols Werkstatt

Krendol ist übrigens des Eigners Lieblingswerkstatt, ein wunderbares Chaos mit wenig Arbeitsfläche, dafür umso mehr reparaturbedürftigen Aggregaten unterschiedlichen Alters (und einem ewig smartphonenden Mitarbeiter im Hintergrund). Krendol hatte eilends unseren Bugstrahler auseinandergebaut, was allerdings nicht in des Eigners Sinne war – wir wollten ihm gern das Geräusch vorführen.

Der Maler im Vorschiff.

Also wieder zusammenbauen… der geduldige Krendol macht alles, wobei Andreas leichtes Bauchkneifen hat, so wie die Teile dort einzeln verstreut umherliegen – ob der Motor jemals wieder komplett wird? Dann der Tag des Tests. Kurze Zeit später kommt ein etwas konsternierter Eigner an Bord geklettert: „… läuft wie geschmiert, der Motor! Keine Geräusche mehr!“ Nee, das kann nicht sein, oder? Auseinanderbauen+Zusammensetzen=Wunderheilung. Das nehmen wir immer wieder gern!
Ob ich meine Nähwerkstatt doch wieder draußen auf dem Vorschiff aufbaue? Das mit dem Vorschiff und dem Salon kann noch dauern…

Unterwegs nach Trinidad

AKKA got the blues

Clifton/Union Island, 12.6.2018

Fast wäre dies stimmungsmäßig ein ganz dunkelgrauer Eintrag geworden. Zunächst mal sind wir unterwegs nach Trinidad, also ist unsere Segelsaison demnächst zu Ende. Natürlich könnte man noch abhängen, aber wir nehmen AKKA bei Power Boats für die Hurrikansaison aus dem Wasser und müssen abermals ein paar Dinge tun; ein zwischen dämlich und „wat mutt, dat mutt“ angesiedeltes Gefühl. Und dann die Politik – heute hat Donnie T. sein Dikatoren-Vorbild Kim getroffen und überschlägt sich – neben den üblichen Hasstiraden, außer auf Deutschland und die EU heute besonders lustig auf Robert de Niro… – mit Eigenlob über die gelungene Showveranstaltung, das haut ganz schön in die Magengegend, nachdem bereits der G7-Gipfel in Kanada so prima gelaufen ist. Die Linken. Die SPD. Mann, Mann…
Dazu war es heute diesig und grau, und die letzten Tage durch das Nachdenken über den Zustand der Ozeane verdunkelt. Wer mal einen guten Artikel und zwei kleine Videos dazu sehen will, kann hier gucken. Ich finde es so überraschend wie deprimierend, dass man noch immer so viel über Plastikverbrauch diskutieren muss und immer neu doofen Einwürfen à la „… die Asiaten sind die Ferkel, und wir versuchen hier die Welt zu retten!“ entgegentreten muss. Ja. Sollten wir versuchen! Kurz: es nervt. Ãœbrigens, wir bleiben in den Tropen – Fleecejacken zu waschen sollte unter Strafe gestellt werden, was den Eintrag an Mikroplastik betrifft. Kleiner Scherz, zumindest der Tropenteil. Aber im Ernst – wir sind alle um Mitmachen gefragt, ich bitte herzlich drum.

Tobago Cays. Off-season!

Aber dann sitzen wir vorhin auf dem Vorschiff, hinterm Riff von Union Island, der Passat bläst alle trüben Gedanken davon. Der Wind wirkt wie ein feuchtwarmer Umschlag – das tut ja bei allerlei Beschwerden gut. Die Ankerfelder leeren sich jetzt zusehends, es ist nicht mehr so gestopft voll wie im Februar. Wir begießen den nicht vorhandenen Sonnenuntergang mit einem Becher Pastis und machen Zukunftspläne. Wenn man auf die Monate nach dem

Nicht ganz allein. Der ultimative Katamaran-Spaß mit Flamingos und viel Geschrei

He’s jammin‘ still!

Werftaufenthaltgucken kann – Puerto Rico, Kuba und Company – erscheint einem der anstehende Kram schon gar nicht mehr so dramatisch. Ein bisschen Welle ziehen, ein bisschen Bugstrahlruder ausbauen, der Rumpf soll eine neue Schicht Coppershield kriegen… und Kleinscheiß. Die 4 Monate werden bald um sein, und dann geht es wieder los. Was mir niemals behagt, sind Blicke in die weitere Zukunft, da kommt dann schon mal das Wort „Azoren“ ins Spiel. Ach, lass mal, das muss noch nicht… aber natürlich ist es blöd, so überhaupt nicht drüber nachdzudenken, und der Pastis zieht denn auch meine Sorgenfalten glatt. Draußen fahren währenddessen die Jungs aus den Tobago Cays heim – die meisten stammen aus Union und schippern täglich die 5 Meilen zwischen Clifton und Petit Rameau. Summertime, der uns gestern abend fürstlich mit gebackener Banane und Amberjack bewirtet hat, braust vorbei und pfeift und winkt frenetisch. Romeo und Julia. Die beiden haben gestern leider den Kürzeren gezogen bei der Auftragsvergabe für das Abendessen – wir konnten die Werbungsattacke von Summertime einfach nicht abwehren – was Julia nicht davon abhielt, meinen Eigner zum Abschied ganz besonders zu herzen. Und dann fährt eben „Handyman“ vorbei. Faust auf’s Herz – ein fist bump von Ferne. Peace. Love. Respect. Der finale Stimmungsaufheller für heute!  Wir gehören zum Inventar.

Alles gut hier!

Idylle und andere schöne Sachen

Franzosen in Sicht?! Ausguck auf Brimstone Hill Fortress

Charlestown/Nevis, 16.5.2018

Bevor wir einen langen Schuh zurück nach Martinique machen – aarrgh! Gegenan! – noch ein paar Worte zu den vergangenen Tagen. Nach so viel Irma-Ãœberbleibseln sind wir bereit für „mal was Schönes“, und das erreicht man nach 50 Meilen, jaja, gegenan, mit der Insel Statia, seligen Angedenkens von Charterreisen. Nicht viele Segler dort, 3 andere Boote vielleicht, aber ein schickes neues Dock für Fischer und Dinghys, und ein Österreicher hat sich mit einem semi-mobilen „Bordwalk-Café“ breitgemacht – nach dem Einklarieren im benachbarten Behördencontainer gibt es daher guten Kaffee und ein Eiskrem, dazu ein paar Bücher aus dem Boardwalk-Regal. Sehr freundlich. Nebenan sitzt ein junges holländisches Paar und genießt den Freitagabend, kühler Rosé und schicke Tapas, während die Söhnchen ihre Dreiräder traktieren; die militante deutsche Mutter würde – so dicht am Dock – Krämpfe kriegen. Hier gibt es viele Gastarbeiter aus dem europäischen Heimatland, die kurze oder längere Dienstperioden in dieser kleinen holländischen Gemeinde verbringen. Ein entspannter Feierabend zwischen Anglern und wenigen Yachties, AKKA schaukelt dekorativ im (beträchtlichen) Schwell vor den Relikten einer ehemals sehr reichen, holländischen Kolonie. Fast schon idyllisch zu nennen.
Ach ja. Idylle. Hatte ich kürzlich mit „muss sein“ bezeichnet. Natürlich muss Idylle nicht sein, aber es überkommt einen manchmal dieses nicht unwillkommene Gefühl. Manche suchen allerdings die Idylle oder sonstige Idealzustände – und finden sie nicht. Kürzlich trafen wir ein Schiff, das frisch aus den Kapverden eingetroffen war. Die Kapverden kennen wir nicht, oder nur sehr sporadisch – 1991 gab es einen 3-tägigen Notstopp in Mindelo, um eine Mitseglerin im Krankenhaus vorzustellen, ein sehr begrenzter Eindruck von einem damals sehr armen Land mit, zugegeben, sehr mitreißender Musik. „Ach, die Kapverden…“, Musik, Sang und Tanz überall, heißt es von den beiden Seglern, während wir abends im lauen Abendwind am Strand von Dominica sitzen und uns vom Barbecue bedienen. Lange Gesichter machen sie:  „Es ist schrecklich hier! Nichts los… Die englischen Inseln sind furchtbar! Und niemand tanzt…“  – man war auf einem der abgelegensten (und abwegigsten) Inselchen gelandet und hatte auch schon eine Nacht vor Antigua geankert, das erlaubt umfassende Urteile. „… und die französischen Inseln haben nichts zu bieten außer günstigen Lebensmittelpreisen!“ Dito: vor Marigot/St.Martin geankert und  gewiss, der Blick kann dort an Hurrikanschäden hängenbleiben, aber nee: „…so touristisch! Schrecklich!“ Anfangs versuche ich, dem entgegenzutreten, aber die Urteile und Vorurteile versiegen nicht, die beiden sind in Gedanken auch schon unterwegs nach Guyana, auf der Suche nach dem verlorenen Idyll. Mit Sang und Tanz – mein Einwand, dass am Wege Trinidad liegt, das eine besondere Musiksparte pflegt, gilt nicht, „…das ist nur für Touristen“ (stimmt, ich freu mich schon auf das Big5-Konzert. Allein unter Trinis.)
Schön auch die Unterredung mit einem gar nicht so uner-/unbefahrenen Amerikaner, wir warten in Statia auf die Sonntagsbesetzung der Hafenkapitanerie, denn wir müssen noch unseren Inselobulus entrichten, Wochenend-Dienstzeit 9-11. Niemand da, und es dauert. Im 15-Minutentakt gehen wir zur Frau an der Wache und fragen, wie es aussieht mit der Dame vom Dienst. „Ich kann sie nicht erreichen!“ Zoll und Immigration sind schon erledigt, aber wir kriegen die Papiere nicht, ehe wir die Quittung aus der Kapitanerie vorlegen. Ich find’s lustig, auch weil man Lebensgeschichten austauscht, bzw. in diesem Fall einer solchen lauscht: Kinderarzt mit diversen Auslandseinsätzen von Salzburg bis nach amerikanisch Samoa, später ein Yacht-Geschäft in Biloxi – bis Katrina die Texasküste trifft (wann war das? 2005?). Nach Totalverlust ein paar Jahre Oregon, und dann auf den Kat gezogen. Politisch eindeutig demokratisch gesonnen mit harten Worten bezüglich seines Präsidenten. „Aufgeschlossene Leute“ denken wir, nur die Bemerkungen über die Polynesier in Samoa sprechen ein bisschen dagegen  – bis der Satz fällt: „In Martinique sind wir umgedreht – diese Inseln sind ja alle gleich!“ Motto: siehste eine, siehste alle. Oh, je, was haben wir hier die ganze Saison gemacht? Immer die gleiche Insel angeschaut, egal ob sie St. Vincent oder Dominica hieß? Französisch, englisch, nie kolonialisiert…  alles egal, keine Unterschiede im Kopfschmuck, in der Mentalität, vulkanisch, nicht vulkanisch – alles eine Sauce. Haben wir gar nicht bemerkt – das kommt vom naiven Gemüt, das wir mit herumschleppen. Obendrein können wir auch noch lachen, wenn – nachdem die Hafenkapitänin höchstselbst die dienstliche Lücke gefüllt hat – die Sonntagsvertretung doch noch eintrudelt: sie musste doch erst in die Kirche! Eben. Wir kichern. Schlichte Geister, die AKKAnauten. Wofür wir dankbar sind.

ParaMira РLunch-Caf̩ im Gingerbreadstil

Wo haben wir bloß hingeguckt und das Einerlei nicht erkannt? In Statia zum Beispiel unterhalten wir uns darüber, ob  man in dieser „puppigen“ (O-Ton Mutter Haensch) Umgebung leben könnte (Antwort: nö!). Ein Dorf, das auf den Grundmauern des großen goldenen Jahrhunderts der Holländer steht – die hatten sich nämlich zeitweise (nicht immer, siehe unser Fort de France-Besuch) aus den Händeln zwischen Franzosen und Briten

Relikt des Goldenen Zeitalters – 1850 leicht hurrikangebeutelt

herausgehalten und dabei kräftig abgesahnt, gerade in Statia (auch Sint Eustatius), das Ende des 18. Jahrhunderts Umschlagort für alle Handelswaren der neuen Welt war. Namentlich Waffen und Munition wurden an die sich von Großbritannien lösenden Kolonien in Nordamerika vertickt, und was sie sonst noch für ihre Unabhängigkeitsbestrebungen brauchten. Dass der Schuss im Endeffekt nach hinten losging, lag daran, dass die Briten nicht

Eines der wenigen originalen Lagerhäuser in Gallows Bay/Statia. Aufgehübscht.

verzeihen mochten, dass der Gouverneur von Statia die „Andrew Doria“, ein Schiff, das unter der neuen Flagge der USA fuhr, mit Salut begrüßte und damit die abgefallenen Kolonien als eigenständig anerkannte. Der nachfolgende Krieg machte dem goldenen Zeitalter den Garaus, und so schreiten wir nur im Meer versunkene Mauerreste ab, blicken in die leeren Fensterhöhlen der alten Synagoge, bestaunen die mächtige Kirche ohne Dach – diese wehrhaft ausschauenden Kirchen mit dicken Hurrikanshuttern waren zwar immer auch Schutzraum, aber ganz offensichtlich hat das bisweilen nicht gereicht. Danach schlängeln wir uns durch enge Gassen zum ParaMira, zur  Eiskaffeepause auf der noch puppigeren Terrasse eines Lunchcafés, buntes Holzdekor, Zäunchen, Gärtchen. Wir hatten es uns übrigens verdient: der Spaziergang vor diesem Sightseeing war Aktivurlaub – erst eine Plastiktüte vom Baum oder Zaun pflücken, dann alle 5 Meter eine PET-Flasche oder anderen Plastikmüll aufsammeln, bis die Tüte voll ist. Und noch ne Tüte… So schafft man was für’s Idyll!

Wir haben natürlich die Flagge gedippt – Brimstone Hill Fortress in der Vorbeifahrt

Vieles ist nicht idyllisch, aber schön und wenn nicht schön, dann interessant. Die gigantische Fortanlage Brimstone Hill Fortress auf St. Kitts ist beides -  da haben wir schon in den 90ern große Augen gemacht und darum den Wiederholungsbesuch gewagt. „Das Gibraltar der Karibik“ – beeindruckend! Oder Nevis – eine Rundfahrt mit dem Maxitaxi über die „Insel der Plantagenhäuser“, prächtig, prächtig und unheimlich: hier kam

Wehrhaft ist gar kein Ausdruck

man auf die brillante Idee, nach Abschaffung der Sklaverei einfach billiges Tagelöhnermaterial zu „produzieren“ -  mit den Nachfahren sitzen wir im Kleinbus. Sehr ansehnliche Anwesen, Idylle mit Kloß im Hals.

Man baut an zwei weiteren Cruiselinerdocks. Urrgs.

Passend zum Thema sitzen wir ein paar Tage (ja, der Blogeintrag ist gut abgehangen!) später in St. Pierre auf Martinique, genehmigen uns ein „Lorraine“ am Ufer  und feiern mit den Einwohnern ein richtig langes Wochenende – erst Pfingstmontag, und oben drauf den Jour de l’Abolition , die Abschaffung der Sklaverei.
Hier ist jetzt Saisonende – St. Pierre ist sowieso ein hübsch verschlafenes Nest, aber nun geht alles in die (Festlands-)ferien, und so schläft es sich nochmal so fest unterm Mont Pélé. Ganz beschaulich!

Zwischen all diesen halb- und unidyllischen Ansichten schaukelt AKKA uns weiter südwärts. Idylle – für mich, wenn Tropik- und Fregattvögel über uns schweben. Und die machen dann das Gefühl gleich wieder zunichte mit ihrem ewigen Zank um die Beute.

Idylle. Kann, muss aber nicht Рes ist auch ohne sehr sch̦n!


* ; seit 2010 gibt es die „Niederländischen Antillen“ als eigenständiges niederländisches Bundesland nicht mehr, sondern es gibt stattdessen 3 kleinere Bundesländer: Sint Maarten, Aruba und Curacao, während die kleineren Inseln Saba, Statia (eigentlich Sint Eustatius) und Bonaire dem Bund als spezielle Gemeinden zugeordnet wurden. Diese Reorganisation hat möglicherweise sein Konfliktpotenzial – wir hörten zweimal „… wir hoffen, dass die Holländer das jetzt machen!“ Bisschen abgehängt sind sie…

St. Martin

Marigot/St. Martin, 8.5.2018

Puh! Ein Hausarbeitstag! Möbelbauen und so… Und Autopflege. Was man so als Yachtie in St. Martin dieser Tage macht… Müde! Warum, dazu später.

Alte Gemäuer, moderne Racer

Antigua war Antigua. Völlig normal und unverändert. Na, doch – die Behörden sind aus den alten Häusern unten am großen Capstan in neue Gebäude umgezogen, die allerdings von alten Gemäuern umgeben sind – wir waren eben länger nicht da. 17 Jahre, um es genau zu sagen. Die Beamten waren auch nicht mehr dieselben, obwohl ich den dicken Immigration Officer gern wiedergesehen hätte. Man klariert mit SeaClear ein, schick am Computerterminal und freut sich über die meckerigen bayerischen Chartersegler, die einen „Mei, is des langwierig“-Affentanz aufführen. Da müsstet Ihr mal in Jakarta einklarieren. Oder in Brasilien… aber das behalten wir für uns, wir wollen ja nicht auf die Kacke hauen. Draußen steppt der Bär bzw. der Segelpapst, denn wir haben Antigua Sailing Week, auch als „Race Week“ bekannt, zu der aus Nah und Fern Boote anreisen, und wer keines hat, chartert sich zu diesem Zweck eines. Wir kommen also mal wieder in den Genuss von Rennatmosphäre , und ein bisschen Rallyefeeling ist durchaus dabei. Weil es uns in unserer sonst geliebten Freeman-Bay zu eng zugeht, ziehen wir in die Falmouth Bay um und können das Geschehen vom Cockpit aus beobachten. Spannende Sache:  6 Tage Regatten. Eine deutsche Frauencrew ist das 20. Mal dabei und kämpft um den Sieg in ihrer Bareboatklasse, den sie hauchdünn im allerletzten Rennen an Engländer abgeben werden. Hat uns trotzdem gefreut. Für solche Anstrengungen fehlen uns leider der Schwung und die Erfahrung. Faaahrtensegler. Wie langweilig. Wir trappeln dafür über die umgebenden Berge und begeistern uns noch einmal für Nelsons alten Dockyard mit seinen Teerlagern, dem Pulverhaus, dem Sailloft, in dessen Nachbarschaft mal ein deutsches Seglerpaar geheiratet haben soll. Eine Plakette hat das Admirals Inn leider nicht angebracht, das fanden wir enttäuschend, aber wir sind natürlich zum Ort der Tat zurückgekehrt.
Das war Antigua!

Wir lösen uns vom Renngeschehen und fahren an einem schönen Dienstagnachmittag los, baumen noch schnell die Vorsegel aus, dann fällt die Nacht. Der Vollmond sorgt für Beleuchtung, und wir segeln mit herrlichem achterlichem Wind nach St. Martin. Am Morgen kommt die Silhouette von St. Barths in Sicht, aber wir entscheiden uns für Mut zur Lücke. Kennen wir doch von anno tuck.  Auch die beliebte Ile Fourche lassen wir steuerbords liegen, kurven um die Westküste von St. Maarten und lassen in Marigot den Anker fallen.

Marigot. Im Ankerfeld

Die Berge sind grün, wie immer.  Landgang zum Einklarieren. Das passiert in der halbleeren Marina Port Louis, einem Neubau, den wir noch nicht kennen. Merkwürdig leer! Ab hier gilt unser Augenmerk dem, was Irma im letzten September hier angerichtet hat. Natürlich hatten wir schon in der Annäherung die großen Hotelbauten ohne Dach gesehen, die sich vor unserem Ankerplatz am Strand reihen, aber hier in der Marina liegen Wracks am Grund. Uff. Wir kommen ja recht frisch aus dem so gerupft ausschauenden Dominica und dachten, Maria sei schlimm gewesen. War es auch, abr die Verhältnisse sind völlig unterschiedlich – dort eine arme Insel, deren Bewohner sowieso Mühe mit dem täglichen Broterwerb haben und wo die Schäden und das Leid der Bevölkerung uns sehr nahe gingen. Hier eine entwickelte, europäisierte Touristeninsel, von der wir dachten, dass eine solche Naturkatastrophe leichter zu bewältigen sei – aber was sich hier bietet, hatten wir weder erwartet noch jemals zuvor gesehen. Moderne Geschäftsgebäude recken zerknautschte Tragbalken in den Himmel. Zwischen unversehrt scheinenden Häusern liegen die Reste von ehemals stattlichen Gingerbread-Anwesen. Dächer fehlen reihenweise, oder es gibt ein Dach, aber das Haus selbst hat Irma entkernt. Am Samstag nimmt uns unsere Freundin mit nach Grand Case und in unsere alte Yachtheimat, die Anse Marcel – ein „hurricane hole“. Ein „Loch“ ist es schon, aber kein Schutzhafen, wie man jetzt sieht, zumindest nicht in einem Super-Hurrikan. Uns fällt der Unterkiefer herunter angesichts der Zerstörung: von der Marina so gut wie nichts mehr zu sehen, die umgebenden Häuser sämtlich ohne Dach, einige der angrenzenden Hotels völlig zerstört, auch das Meridien, das während Louis als Shelter diente. Die gesunkenen Yachten hat man zwar weitgehend gehoben, aber einige liegen noch dort, wo der Sturm sie hingeschleudert hat.  Unsere Gespräche drehen sich stundenlang um die Geschehnisse vom 5./6. September. Die Freundin lebt nach wie vor auf einer „Baustelle“, ihr Appartement ist zwar bewohnbar geblieben oder– nach zermürbenden Trocknungsversuchen – wieder geworden, aber fertig sieht anders aus. Erst nach Wochen, in denen es regelmäßig und in Strömen in die Wohnungen regnet, wird die Decke, die das weggeflogene Dach freigelegt hat, mit Planen abgedichtet. Dann werden die Planen weggenommen, denn „jetzt kommt das neue Dach!“. Das dann doch nicht kommt, also regnet es wieder rein, in die frisch gestrichene Küche. Dem „she does it herself“-Prinzip folgend nimmt sie die Dachabdichtung selbst vor, mit Planen und Zement und Schweinerei. Das Problem?! Die Verwaltung kann sich nicht mit der Versicherung einigen, und dies ist kein Einzelfall.

Das nennt man wohl „Kein Dach über dem Kopf“

Andere Geschädigte waren gar nicht versichert -  so oder so fehlt vielerorts Geld für Wiederaufbau und Wiedereröffnung von Läden und Restaurants. Wo keine Läden und Restaurants sind, kommen auch keine Touristen hin. Und wo keine Touristen sind, sind die Einnahmen knapp, und wo keine Einnahmen, da auch keine Beschäftigungsverhältnisse… So hatten wir uns das wirklich nicht vorgestellt.
Den Ablauf der Irma-Nacht kann ich vielleicht so zusammenfassen: „Hurrikan“ ist, wenn man gerade fertig ist mit Einpacken (das Haus eines Freundes, das Büro, die eigene Bleibe), als der Sturm losgeht. Mitten in der Nacht. Man stützt für eine Weile seine Panoramascheibe, damit sie nicht ins Zimmer stürzt, bis einem die Kraft ausgeht – die Scheibe, oh Wunder, stürzt auf Polster und wird heile bleiben! Man zieht sich ins einigermaßen sichere (?! Wer weiß das schon!) Badezimmer zurück, hofft angesichts der Gewalten, dass man das überlebt und lässt den Scheiß über sich ergehen, im wahrsten Sinne des Wortes: der Ãœberdruck, den dieser Hurrikan mit seinem immensen Wasserpegelanstieg  erzeugt, lässt plötzlich eine Fontäne aus der Toilette schießen. Umzug in die Dusche… Am späten Vormittag ist es vorbei, draußen bietet sich ein Bild der Verwüstung.
„Nach dem Hurrikan“ ist, wenn man sein Auto unter einer abgeknickten Palme und einem Betonpfoste findet, und, wenn man die Tür öffnet, einem ein Schwall von Seewasser mit Fischen entgegenkommt. Wenn plötzlich Schüsse fallen, weil gewitzte Gestalten aus umliegenden Ortschaften anfangen zu plündern (Inschrift in der Anse Marcel: „You loot – I shoot!“). Wenn eingeflogene Soldaten bei den Bewohnern, denen sie helfen sollen, um Getränke bitten, da das eigene Transportflugzeug ausgefallen ist (angeblich, weil der Transport besuchender Festlands-Honoratioren wichtiger war. Egal, es gab kein Flugzeug). „Nach dem Hurrikan“ ist auch, wenn wir aus Trinidad versuchen, Kontakt zu einer Insel zu bekommen, die gänzlich ohne Strom, Wasserversorgung und – ui. ui. ui! – Internetverbindung ist. Ein witziges Erlebnis dazu : jemand entdeckt, dass von einem Hügel (sinnigerweise Mount Hope) manchmal Mobiltelefoniesignale von Anguilla zu empfangen sind, und „wie in einem schlechten Science Fiction-Film“ finden sich bald nachlässig gekleidete „Day After“-Leute ein, die alle wie ferngesteuert ihre Mobiltelefone Richtung Nachbarinsel recken… „Nach dem Hurrikan“ ist, kein Wasser zu haben und wegen Seuchengefaht nicht im Meer baden zu können, und wenn man sich zu Gruppen zusammenschließt und sammelt, was man an Essens- und Wasservorräten noch hat. Und dieses „nach dem Hurrikan“-Szenario dauert Wochen und Monate, mit Schimmel und Feuchtigkeit und endlosen Reparaturarien, bis sich wieder eine einigermaßen normale Versorgungslage eingestellt hat…  Anfang März schreibt der Doyle-Sailing Guide noch: „Shopping can still be kind of a hit and miss“. Das zumindest hat sich erledigt – der frisch wieder eröffnete SuperU  in Marigot bietet sich uns als der bestbestückte Supermarkt in den französischen Inseln dar.

Schwer darzustellen: dies war mal der lebhafteste Touristenstrand von allen

Aber die Reparaturanstrengungen werden noch lange dauern, und darum sind wir heute müde. Wir haben bei unserer Freundin herumgebastelt, dem Auto eine Heckscheibe aus AKKA-Plastikmaterial gebaut, Möbelbauberatung betrieben und ein bisschen geschraubt. Und nett auf dem Balkon gesessen, Karibikidyll muss sein. Der Blick geht auf den verwaisten, atemberaubenden Orient Beach, der allerdings nicht nur alle Palmen – das waren mal ganze Haine in der Orient Bay! Bacardireklame lässt grüßen! – verloren hat, sondern auch alle Beachrestaurants und Rumpunschbuden, alle Surfläden, Liegestuhlverleiher, alle Pareolädchen… eine Mischung aus Trauerspiel und Idyll. Wilde Pferde haben sich eingefunden und finden das Leben prima. Wenn da nicht die hohen Haufen von Sargassumalgen wären, die in großen Teppichen angeschwemmt und zusammengeschoben werden. Dafür kann allerdings Irma nix -  und außer scheußlich und stinkig tut das Zeug wenig. Es verschandelt einen Strand, den kaum einer nutzt, aber im Grunde kann man Sargassum noch dankbar sein: wenn es schwimmt ist es ein Öko-Paradies, da wollen wir nicht meckern. Wer Mahi-Mahi essen will, muss mit Sargassum leben können.
Ach ja. Schön ist es, hier im warmen Abend-Passat zu sitzen. Wenn da nicht der Gedanke wäre, dass die nächste Hurrikansaison in nicht mal 4 Wochen beginnt, und diese Hausgemeinschaft wieder anfängt, ihre Habseligkeiten wasserdicht zu verpacken. Und zu hoffen, dass der Sturm an ihnen vorüberzieht. Das macht extra müde.
Wir verziehen uns langsam südwärts, fort aus der akuten Gefahrenzone. Die Bilder nehmen wir mit.

Life is too short to sink completely

Zwei Ausflüge

English Harbour, 26.4.2018

Wie verdient man sich ein französisches Mittagessen?! Indem man versucht, ankerauf zu gehen und bemerkt, dass der Anker hängt. So geschehen im Norden von Guadeloupe. Alle suchen in der Bucht von Deshaies eine Mooring – wir auch, denn wir wollen AKKA für einen Landausflug allein lassen, und bei so viel Ankerei ringsum ist das Liegen an einer Mooring etwas übersichtlicher. Da kommt kein Vollpfosten gefahren und lässt seinen auf unseren Anker fallen oder Ähnliches. Am Montagmorgen sind  zwei Bojen frei. Wir dödeln  rum, da ist es nur noch eine – andere hatten die gleiche Idee. Schnell! Schnell! Was allerdings nicht schnell hochkommt, ist unser Anker. Nun gut – Rennen verloren, erst mal schauen. Badekleid, Schnorchelbrille. Herrje. Wir haben eine Uraltkette eingefangen – alle suchen eine Mooring, wir finden eine versteckte. Mittlerweile ist auch das zweite Objekt unserer Begierde schon besetzt, wir haben also Zeit. Manövrierübungen, Theoretisieren, Hilfsleine scheren, den Nachbarn beruhigen, dass wir gar nicht näher kommen können… Es hilft nix – „hol mal den Tiefschnorchler aus dem Vorschiff!“ Wassertiefe ca. 7 m, das heißt, mit 13 m Atemschlauchlänge wird es etwas knapp, denn der Kompressor steht maximal mittschiffs – der muss ja auch noch Elektroanschluss an die Batterien haben, und der ist im Achterschiff. Ein Riesengewurstel!  Runtertauchen, Druckausgleich und die Lage sondieren. Wieder rauf: „… ich brauche mehr Länge!“  Der Eigner tut, was er kann. Runter. Mittlerweile war AKKA fleißig, hat sich im Strom gedreht und schon 3 Lagen von der dicken, rostigen Kette aufgesammelt. Und „blubb!“ bleibt mir die Luft weg. Aufstieg. „… was war das denn jetzt?“ Manchmal schaltet der Eigner mir kurz die Luft ab, wenn er ein Zeichen geben will (à la „es reicht, mach‘ Schluss“), aber heute war die Kabellänge so ausgereizt, dass die Kabelschuhe nachgaben. Auf ein Neues. Im dritten Versuch gelingt es mir, die dicke Kette von der Ankerfluke zu schaufeln. Ein bisschen Fluchen (unten)  und Geschrei (an der Wasseroberfläche) war dabei. Wir hatten im Internet kürzlich eine schöne Diskussion über Bordgeschrei und „…ein gutes Team weiß, was es zu tun hat…“ Gilt offensichtlich nicht für alle Situationen, obwohl wir ein gutes >Team sind, aber es hat dafür Unterhaltungswert für die umgebenden Boote, insbesondere wenn Deutsche in der Nähe sind  (bei dieser Gelegenheit hallo an die diskrete Alisea und danke, dass Ihr „nix gehört“ habt!).   Unterm Strich: AKKA lag wieder sicher vor Anker, ich war mit der Leistung  und meinem Ausflug nach „deep blue“ sehr zufrieden. Manöverkritik: nächstes Mal mit Bleigürtel, ohne treibt der Hintern auf und man arbeitet über Kopf! Der Eigner nicht minder zufrieden und das Belohnungsessen in Deshaies „AMER“ köstlich: Accras de Morue als Vorspeise, dann Magret de Canard und ein Duet von Thon à la Polynesienne und Tartare de Thon. Ãœberaus lecker.

Nach diesem Ausflug in Unterwasserwelten fand der richtige dann doch noch statt, wir hatten uns eine Busfahrt nach Pointe a Pitre ausgedacht. Morgens um 06:30 macht der Bäcker auf, also Café au lait und Croissant auf der Straße, danach „Bus ohne

Frühstück „auf der Straße“

Fahrplan“. Wir nehmen die erstbeste Navette nach Ste. Rose (auf Créole: Sin Wooz!), die kommt, der Fahrer findet uns doof, dass wir nicht auf den direkten Bus warten wollen. „Wann kommt der denn?“ … „…weiß ich nicht!“ Na, dann eben durch die Bergdörfer mit der Navette, ist ja auch interessant. Eltern mit Winzlingen auf dem Weg zur Impfung, Bürotanten, Schüler – der AKKAnaut als solcher hat immer was zu gucken, und der Anschluss in Ste. Rose passiert in kürzester Zeit. Ab hier wird’s flach und zuckrig – Zuckerrohr ist immer noch landwirtschaftliches Erzeugnis Nummer 1.  Bis zum Busbahnhof Bergevin dauert es 2 Stunden, so dass wir berechtigterweise zum 2. Frühstück in einer Metropolenbäckerei einfallen können (Obstsalat, gut, und Pain au Chocolat für den Eigner, Urteil: „… lieber nicht!“). Ziel für heute: Lokalkolorit – gutes Stichwort mit Betonung auf „Kolorit“, denn Pointe à Pitre ist eine eindeutig kreolisch bestimmte Stadt, viel afrikanischer als Fort de France, finden wir. Viele StraßenhändlerInnen verkaufen Obst und Gemüse. Klamotten, Kosmetikartikel. Die Schuhmacher reihen sich mit Miniaturwerkstätten – 2 Orangenkisten, 1 Hocker – aneinander.  Vielleicht ist es auch nur das Viertel, dieser Fußweg von Bergevin zum Hafen, aber es kommt uns sehr afrikanisch vor.

Das Sklavereimuseum in Pointe à Pitre

Am Hafen selbst unser eigentliches Ziel: das Mémorial ACTe. Von Weitem sieht man eine  beeindruckende, moderne Aluminiumfassade, in deren Richtung wir uns durch Fisch- und Gemüsemärkte schlängeln. Nach einiger Wartezeit – trop des elèves, zu viele Schüler! – dürfen wir rein, und was gezeigt wird, macht ein mulmiges Gefühl: die Geschichte der Sklaverei und des modernen Rassismus. Es beginnt mit den Anfängen der Menschheit, weltweit, mit allen „Hochkulturen“, Babylon, China, die Griechen… und bewegt sich von dort in Richtung der Kolonien. Plantagenstrukturen – der anfängliche Tabakanbau lief noch mit bezahlten, weißen Arbeitern! – Wirtschaftsschwergewicht Zuckerrohranbau, der Beginn des Imports von afrikanischen Sklaven. Die natürlich – wie sollte es anders sein?! – unterstützende Rolle der Kirche, die auch noch einen widerlichen Unterschied zwischen den „edlen Wilden“, nämlich den Einwohnern der Inseln, und den Afrikanern macht. Sklavenhandel als Wirtschaftsfaktor, afrikanische Geschichte und der nachfolgende Rassismus. Es ist sehr eindrücklich gemacht, den Audioguide um den Hals gehängt werden wir durch die Geschichte geführt, von Videokasten zu Videokasten, von Exponat zu Exponat. Stellenweise wirklich grauenhaft, und so wie ich mich in Dunkerque im WW2-Museum als Mitverursacherin gefühlt haben, kann ich hier die zentrale Rolle der „herrlichen“ Europäer nicht abweisen, ich fühle mich plötzlich ziemlich „weiß“ inmitten von vielen schwarzen Schülern. Ein kleines geschichtliches Detail fällt mir gerade ein: der Wiener Kongress beschloss die Abschaffung des Sklavenhandels, nicht aber die der Sklavenhaltung. Ui. Die Ausstellung bewegt sich über Abschaffungsbewegungen, die schon Mitte des 16. Jahrhunderts mit den Maroons begann – und über eine besonders grässlichen Schleife von Abschaffung durch die Französische Revolution zur Wiedereinrichtung der Sklavenhaltung durch Napoleon – zu Freiheitskämpfern und zum Rassismus des 20. und 21. Jahrhunderts.  Im letzten Raum ein Videoinstallation zur Sklavenhaltung im Jahr 2014 – Zehntausende (in Deutschland) bis vielen Millionen in Afrika, Asien, Russland. Haarsträubend. Aber der Trost ist nahe: die beiden Ausstellungsteile sind getrennt durch einen langen Gang. Betritt man ihn, beginnt im Kopfhörer Miriam Makeba „Pata Pata“ zu singen, von der Decke hängen großformatige Portraits von Widerstandskämpfern und Abolitionisten. Abraham Lincoln, Victor Schoelcher. Lumumba, Nelson „Tata“ Mandela. MalcolmX, und nicht zu vergessen Rosa Parks. Harriet Tubman und Malala Yousafzai. Es rührt mich, und es rührt mich besonders zu sehen, wie die französischen Lehrer ihre Schüler zum Abschluss durch diese Parade führen. Das macht Hoffnung! Unbedingt einen Wiederholungsbesuch wert.

Dominica

Durchhalten, lieber Baum! Oder: es wird schon…

Île à Goyaves/Guadeloupe, 22.4.2018

Schlechtes Netz. Aber sowas von… Hatte ich kürzlich über das schlechte Netz in Dominica gemeckert?! Rein netzmäßig sollte man zurückfahren – da war es zwar mit Geduldsaufschlag, aber man konnte wenigstens das Telefon als Hotspot benutzen und gelegentlich mit dem Laptop surfen. Nix dergleichen in den ÃŽles des Saintes – nix da in Guadeloupe… .

Von St. Pierre sind es 55 Meilen nach Portsmouth auf Dominica – die Insel, die im letzten Jahr so brutal von Hurrikan Maria getroffen wurde, und so sieht sie auch immer noch aus: gerupft. Das sollte Reisende nicht davon abhalten, die Insel zu besuchen, im Gegenteil. Als wir vor 20 Jahren dort waren, galt die Bucht von Portsmouth als ein bisschen fragwürdig. Eigentlich hatte die ganze Insel einen „Ruf“, und wir erinnern uns heute noch gerne daran, dass dies die Karibikinsel mit Lehrstoff für uns Charterer war: Straßenhändler bietet die Lieferung von Früchten an. „Gib mal 5 EC$!“ Schön doof von uns, die ECs waren natürlich weg… Heute geht es in Portsmouth anders zu: ein überwältigendes, aber nicht aufdringliches Willkommen durch PAYS (Abkürzung für so etwas wie die Portsmouth Association for Yacht Services. Oder so ähnlich). Einige junge Männer haben sich zu einer Kooperative zusammengeschlossen, sammeln die Yachten im Norden der Bucht unter dem schönen Fort Shirley und verpassen ihnen Moorings. Hauptgeschäft ist allerdings die Vermittlung von Inseltouren, wobei es durchaus eine gewisse Konkurrenz gibt – man ruft eines der Mitglieder über Funk, und kriegt Antwort von einem anderen: „Albert, Albert for SV AKKA!“ Antwort: „Station calling Providence, come again!“ Ein Schelm, der „Kundenfang“ dabei denkt. Dennoch ist die Stimmung wirklich kooperativ, denn Interessentenüberschuss schiebt man sich gegenseitig zu – gemeinsames Anliegen: die Yachties zum Bleiben zu bewegen. Gut. Man kann zwar auch ankern, aber in diesem Fall geben wir das Geld wirklich gern: was nun, 7 Monate nach „Maria“ auf der Insel fehlt, sind nicht Altkleider oder Schulhefte, sondern „Business“, und die Ankündigung, dass wir mindestens eine Woche bleiben wollen, erzeugt ein zufriedenes Grinsen bei Eddison, der zum Kassieren kommt: „… und denk‘ an mich, wenn Ihr eine Tour machen wollt!“ Machen wir. Zwei Tage später ist es so weit. Guide Paul karrt uns über die geschundene Insel, erzählt uns Geschichten vom alten Zauberer, von Mangoernte und von Marie-Galante, dessen pfannkuchenflache Kontour man am Horizont erkennen kann und von wo französischen Wochenendtouristen herüberkommen. Geschichten von den letzten Cariben, die hier leben, in einem „Reservat“, aber immerhin mit zwei Parlamentssitzen ausgestattet. Oder von den reichen Familien, die noch immer das Sagen – und Verdienen! – haben auf der Insel, die aber auch der treibende Faktor sind, wenn es darum geht, sich nach Maria um Wiederaufbau zu bemühen. An vielen Ecken stehen kleine Snackbuden – und Paul kennt sie alle, grüßt und plaudert ein bisschen in die Runde, und wo er gerade nicht anhalten kann, winkt er papstmäßig aus dem Fenster; wir merken: der Mann ist eine Institution! „We’ve got to get this island running again!“ meint er und bezieht sich auf die 20.000 Menschen, die nach Maria das Weite gesucht haben, auf andere Karibikinseln (vermeintlich sicherere?!), England, Kanada. Dominica ähnelt in der Struktur St. Vincent – rauhe, wilde Natur, schroffe Berge, dabei wenig zusammenhängende, landwirtschaftliche Fläche. „Mangos? Mangos kauft man nicht – im Mai/Juni ist alles voll davon, man muss sie nur auflesen!“ Nicht ganz so in diesem Jahr – die Mangolese wird ein bisschen knapper ausfallen, aber sie wird stattfinden: was für das Gros des Grüns in den Bergen sorgt, sind die Mangobäume. Nicht mehr so ausladend und üppig wie sonst, aber sie treiben schneller als all die Harthölzer, die dazwischen stehen. Wenn man genau hinschaut, stehen bei den Laubbäumen fast ausschließlich die Stämme, alle Äste hat Maria abrasiert, das macht den bürstenartigen Anblick der Berge aus. „Maria took it!“ ist Standardsatz auf dieser Tour. Die Dächer, die Palmwedel. Die Vanillepflanzungen, die Kakaobäume – Chocolatier Alan verkauft uns Produktionsreste „pre Maria“, und während er auf neue Kakaokapseln an den Bäumen wartet, renoviert er sein Schoko-Haus. Pausenfüller, und, da er seinen Kakao selbst und „im eigenen Saft“ fermentiert, wird es bis zur nächsten, frischen Schokoladentafel noch etwas dauern. Wir mögen die Sorten Spice und Lemongrass und Mint. Alles – inklusive der Kräuter und Gewürze aus dem eigenen Garten, und der ist auch noch schön anzusehen.
Alan übt sich in Geduld. Und Paul, und die anderen, aber zum Jammern wäre keine Zeit – die nächste Sturmsaison steht vor der Tür, bis dahin sind noch einige Dächer zu decken, und nicht zuletzt einiges an Infrastruktur wieder herzustellen: als Maria kam, war man mit dem Aufräumen hinter Erica – „nur“ ein Tropensturm in 2015, aber einer, der verheerende Ãœberschwemmungen brachte – noch nicht fertig, und so liegen diverse Brücken unbefahrbar in den Bachbetten. „Erica started and Maria did the rest…“ Zur Gelassenheit, die immer durchschimmert, kommt bei allen Erzählungen, dass es so etwas wie Maria noch nicht gegeben hat. Sehr plastisch berichtet uns das Anthony, der uns den Indian River hinaufschippert – vor 20 Jahren war dies eine Kanutour durch einen Tunnel aus Baumwipfeln, gerade breit genug, um zwei Kanus im Gegenverkehr aneinander vorbei hangeln zu lassen. In diesem Jahr – und für einige weitere – ein breiter Fluss, mal flach, mal mit tiefen Auswaschungen. Die Vogeldichte ist gering, ein paar Reiher suchen nach Krabben und ein paar Kolibris nach noch wenigen Blüten. Dass wir keine tropisches Dickicht mehr erwarten konnten, war uns klar – umso interessierter folgen wir Anthonys Maria-Bericht: wie um 2 Uhr am Nachmittag die Meldung kam, dass in der Nacht ein Hurrikan der Kategorie 1 die Insel treffen werde, und um 5 war es ein Kategorie 2. „Nothing special!“ Das gibt es fast jedes Jahr. Ein paar Latten gehen dabei drauf. Dann fällt die Dunkelheit, um 7 ist Maria zum Kategorie5-Monster angewachsen, und es ist ein direkter Hit. Noch eine Weile funktionieren Strom und Telefonnetz, dann sind alle auf sich gestellt. Anthony bekommt es mit der Angst zu tun, allein in seinem Haus mit dem kleinen Sohn – er traut sich hinaus und bringt das Kind zu einem Nachbarn mit einem sichereren Gebäude, gerade rechtzeitig. Dann fliegt alles durch die Luft, was man vorher für sturmfest gehalten hat. Als es hell wird, ist nichts mehr wie zuvor – aber, sagt Anthony, es war gut, dass es in der Nacht passierte. Alle Leute waren zu Hause, niemand hat mehr versucht, in der Dunkelheit um sein Leben zu rennen – am Tage wären viele Menschen von umherfliegenden Teilen erschlagen worden. Die meisten der Opfer sind in Wasser- und Schlammlawinen umgekommen, und es waren insgesamt „nur“ 36. Für ihn steht fest: Maria tagsüber – dann wären wir kein Tropenparadies mehr. Dann schenkt er mir zwei Gingerlilys und eine Heliconenblüte (die blühen heute noch!) und kehrt zur Zeit danach zurück: wie sie mit Hilfe von gestifteten Kettensägen – eine hatten wir in Trididad auf eine Yacht mit Hilfsgütern geladen – den Indian River freigemacht haben. Eine Mordsarbeit, wir sehen die Berge an Ästen und Stämmen, die sich zu beiden Seiten des Flusses türmen. Leute wie unser Busfahrer Paul oder der Archäologe Dr. Honychurch hatten sofort dafür geworben, die Mitmenschen auf „bleiben, wiederaufbauen“ auszurichten. Es scheint zu gelingen.
Wenn es mir gelingt, andere Segler auf „hinfahren“ auszurichten, wäre noch mehr gewonnen. Was soll man mitbringen?! Geld. Zeit. Energie, um mit in den Wald zu gehen und Wanderwege aufzuräumen. Lust auf Touren mit den Einheimischen. Und ein offenes Ohr für ihre Geschichten. Nicht zögern! Unbedingt hinfahren. Es ist nicht alles kaputt, es ist nicht unsicher, und allein wenn ich an unsere kleinen Wanderungen auf die Cabrits und das Fort Shirley denke, macht es sogar ausgesprochenen Spaß. Und die Dominicans brauchen uns.

Au revoir, Martinique

Unser schüchterner Vulkan. Mont Pélé

Saint Pierre, 9.4.2018

Ausklariert ham’s, die AKKAnauten. Das geht in Martinique grundsätzlich so einfach wie das Einklarieren, nämlich am Computer. Man muss sich nur durch das Leerformular kämpfen, das einem Deutschland nicht da in der Liste präsentiert, wo es nach französischer Sprachsitte stehen sollte, also unter A wie Allemagne, sondern unter D, wie Deutschland. Nur dass eben mitten in den Ds für Djibouti etc. „ALLEMAGNE“ steht. übrigens unter der Tschechischen Republik. Verwirrend. Aber nein, wirklich ein einfacher Klarierungsvorgang. Computer stehen schön über die Insel verteilt, in der Capitanerie in Le Marin und auch in der dortigen Tankstelle, also muss man sich nicht mal behördenordnungsgemäß verkleiden. Und in Saint Pierre ist es besonders nett, weil elsässisch-deutsch, da steht der Rechner beim Wirt des Alsace à Kay, der auch Gourmet-Kaffeesorten, elsässisches Bier, wahlweise auch Getöpfertes zum Kauf anbietet und Andreas zu einem Eisbein mit Sauerkraut locken wollte. Ich hätte Letzterem glatt zugesprochen, denn leckeres Schwein ist leckeres Schwein (das hat schon Obelix so gehalten!), aber die Kruste der bayerischen Schweinshaxe ist des Eigners Himmelreich – das Eisbeingeschwabbel kann er nicht ab. Na, dann nicht! (Die letzte wirklich gute Schweinshaxe – hab ich bestimmt schon 5mal erwähnt – gab es in Lumut in Malaysia. Heimwehkranke deutsche und österreichische Ingenieure abseits der Halalwege…).
Morgen verlassen wir Frankreich für ein Weilchen – aber hinter Dominica lauert ja schon wieder Guadeloupe, insofern musste man/frau sich jetzt nicht bis zu den Grenzen der Wasserlinie mit westeuropäischen Spezialitäten eindecken (frau musste zugegebenermaßen im HyperU einen Vorrat an „Petit Marseillais“-Duschgel und -Shampoo besorgen. In Reunion war das Shampoo aus Neukaledonien alle, in Trinidad das aus Reunion. Notlage! Le Petit Marseillais hat als Logo einen kleinen Jungen, der ursprünglich nur auf Kernseifepackungen hockte, sich aber zum Markenzeichen einer „schicken“ Marke gemausert hat.)

St. Anne. Kirchplatz mit Fake-Platanen

Das war schon witzig hier in Martinique – es ist so unglaublich französisch. Südfranzösisch eher, dabei, wie in allen diesen kolonialen Ablegern, mit dem lokalen Flair gewürzt, und kreolisch gefällt uns Frankreich ganz gut. Tahitianisch war auch wunderbar. Neukaledonien – naja und La Réunion total normal französisch. Aber wo auch immer man ist, kann man lange gehegte Konsumwünsche erfüllen. Allen voran: QUARK! Mein erster Besorgungsgang in allen französischen Kolonien ist der „Fromage Blanc“.  Gute Würste: Merguez (Lamm), Créole (kreolisch-scharf), Persillade, Aux Herbes, Chipolata. Paté! Foie Gras haben wir gemieden… Aber die Butter! Ohne Tropenbeimischungen. Und der Käse erst… Beim Brot scheiden sich allerdings die Geister an Bord, der Eigner nimmt auch „Baguette“, die Schipperin steht mehr auf „Pain“ oder wenigstens Baguette de Santé – ein bisschen mehr Masse und Geschmack muss sein. So vergehen dann die Wochen, nun wisst Ihr’s!

His Majesty’s Ship Diamond Rock

Der Fort-De France-Bericht hatte ja die Anreise in die Anse Mitan unterschlagen, und damit ein kleines, ebenfalls erzählenswertes Stück Geschichte. Wir kamen am Rocher du Diamant vorbei, zu deutsch: Diamantfelsen. Erst im Englischen kriegt der Fels einen ganz besonders bedeutsamen Namen: Diamond Rock. Genau gesagt muss man in das Schiffsregister der britischen Royal Navy während der Kriege gegen Napoleon schauen und findet dort… Na was? „His Majesty’s Ship Diamond Rock“. Die Engländer hatten diesen kleinen Felsklotz, nicht einmal eine Meile vor der Küste und damit direkt vor der französischen Nase gelegen, zu einer Festung ausgebaut und ballerten um 1804 herum für eine ganze Weile auf alles, was sich zwischen St. Lucia und Martinique an Feindverkehr bewegte. HMS DIAMOND Rock war als richtiges Schiff klassifiziert, nämlich als 6-Kanonen-Sloop. Erst Villeneuve (das ist der, der, bei Bonaparte ohnehin in Ungnade gefallen, den Briten bei Trafalgar unterlag, aber versehentlich Nelson den Garaus machte. * ) konnte das Schiff „versenken“; ich weiß nicht, ob das war, bevor er die Engländer in ihrer Palmwedeltarnung in Marigot Bay übersah oder die sich den Scherz danach erlaubten. Geschichte, Geschichten…

Und am jetzigen Standort schon wieder „Geschichte“, aber aus einer ganz anderen Richtung. Saint Pierre ist weltbekannt, weil hier am Himmelfahrtstag (!) 1902 die Welt unterging: die Montagne Pélée (aka Mont Pelé, „Kahler Berg“) explodierte kurz vor Kirchgangszeit und 30.000 Menschen, die sich in Saint Pierre aufhielten, fanden einen sehr plötzlichen Tod. Wochenlang hatte der Berg rumort, und es hatten sich allerlei Ungereimtheiten ereignet: Tage zuvor war aus „unerfindlichen Gründen“ das unterseeische Telegraphiekabel nach Guadeloupe gerissen. Riviere Blanche, der Fluss, der am nördlichen Stadtrand in die See mündet, schwoll unerklärlich an, um ebenso unerklärlich vollkommen zu versiegen. Es gab Schlammlawinen und einen kleinen Tsunami. Es starben über 50 Leute durch Schlangenbisse – Schlangen, Feuerameisen und giftigen Hundertfüßlern war der Boden oben am Berg zu heiß geworden und kamen zuhauf ins Tal. Spätestens hier hätte man vielleicht reagieren können, denn wenn das Viehzeug seine Standorte verlässt, ist irgendwas im Busch, aber dem war nicht so. Der Gouverneur von Martinique schickte noch am Morgen des Ausbruchs eine beruhigende Depesche nach Paris, dass alles ruhig und unter Kontrolle sei. Stichwort Kontrolle. Mouttet, so hieß er, wollte unbedingt die Kontrolle. Saint Pierre war die reichste Stadt der Karibik, das kulturelle Zentrum der französischen Kolonien in der Karibik, und es war der Hauptumschlaghafen für die Reichtümer der Insel, drum lagen hier auch 12 Schiffe vor Anker, die auf Ladung warteten. Die GEschäfte konnte man nicht riskieren. Also bildete man ein Kommittee, das die Gefahr einschätzen sollte, die vom Vulkan ausging, der als mäßig aktiv bekannt und schon 1851 und nochmals in den 70ern ausgebrochen war. Wortführer war der naturwissenschaftliche Lehrer des Gymnasiums de Landes, und ob Mouttet den Lehrer beschnackt hat oder umgekehrt – es war „alles ruhig und unter Kontrolle“. Musste es ja, weil man es so wollte; möglicherweise auch, weil Wahlen anstanden und eine Evakuierung der aufmüpfig werdenden schwarzen Bevölkerung einen entscheidenden Vorteil geboten hätte. Ach, im Gegenteil – Leuten, die sich auf den umliegenden Gütern und in den Dörfern unsicher fühlten, wurden aufgenommen und nach Kräften beruhigt, und reichen Städtern, die nach Fort de France flohen, versuchte man, das zu verbieten bzw. ihnen die Rückkehr schmackhaft zu machen. Sehr merkwürdig, sehr tragisch. Klären lässt sich das alles nicht – die beiden Männer waren unter den 30.000 Opfern.

… was com Gefängnis übrig blieb…

Gegen 8 strömten noch immer Menschen Richtung Saint Pierre, teilweise aus Fort de France, denn man wollte am festlichen Himmelfahrtsgottesdienst teilnehmen. Anreisende auf den umliegenden Hügeln wurden so zu Augenzeugen, und es gab ein Schiff, dass dem Inferno entkam und berichten konnte: um kurz vor 8 tat sich die Bergflanke auf, mit einer extremen Explosion trat eine „plinianische Wolke“ aus und „fiel“, wie es ein Augenzeuge beschreibt, auf die Stadt. Die Temperatur in solchen Wolken beträgt bis zu 800 Grad – und da sie „fiel“ bzw. mit über 600 km/h raste, war schlicht kein Entkommen. Die Rum- und Zuckerlager übrigens taten ein Ãœbriges, die Stadt brannte für Tage. Wir haben, was man an Ruinen hat stehen lassen, heute angeschaut. Keine Asche, keine Lava – nur dieser Feuerball hat ganze Arbeit geleistet. Es war übrigens nicht nur der bekannte Gefängnisinsasse, der das Unglück überlebte. Louis Auguste Cyparis war nur schlau genug, sich vom Zirkus Barum als Kuriosität ausstellen zu lassen und so zu Berühmtheit zu gelangen, aber mindestens ein Schuhmacher kam ebenfalls davon, und eine junge Frau, die ein Ruderboot in eine Höhle rudern konnte.
Heute wüsste man es besser – Tage zuvor hatte man die Entwicklung eines Lavadoms beobachtet, und das ist ein untrüglicher Vorbote für eine solche Explosion. Obwohl… ein italienischer Kapitän soll sich in den Tagen vor dem Ausbruch  – trotz Androhung von Disziplinar- und Zollstrafen! – vom Ort des drohenden Geschehens entfernt haben, Zitat: „… wenn der Vesuv so aussähe wie Euer Berg hier, würde Neapel fliehen.“ Ob’s stimmt? Viel wusste man zu dieser Zeit noch nicht über Vulkanismus, aber er sprach aus eigener Erfahrung.
Die Montagne Pelée hat noch weiter gewütet, und ein paar Wochen später Morne Rouge und zwei weitere Dörfer zerstört, dieses Mal zu atlantischen Seite hin, was nochmals über tausend Menschen das Leben kostete.

Grün, lauschig, harmlos. Das neue St. Pierre

Und nun?! Schön ist es hier (wenn man mal von Quallen und Nesselfäden im Wasser absieht), man kann auch nach den im Hafen gesunkenen Schiffen tauchen. Ein schöner Ankerplatz vor der Stadt, oben drüber unser schüchterner Vulkan mit dem satt grünen Kleid und der schief sitzenden Wolkenmütze. Schläft. Oder ist inaktiv?! Nach einer Pause hatte er 1929 nochmals einen Anfall und seit 1932 schweigt er vor sich hin – aber er wird als „unberechenbar“ geführt. Na dann. Wir fahren mal weiter. In Dominica baden die Touristen in heißen Quellen. Ein bisschen weiter nördlich schmaucht der Soufriére auf Montserrat vor sich hin. Dies ist keine besonders stille Zone unserer Erdkruste …

——————————————
* Nächste Geschichte, die ich aber jetzt nicht erzähle: „Tapping the Admiral“  – wie Nelsons Leiche in Brandy eingelegt wurde. Googlen!

Geschichte(n)

Kleines Vorwort:  schon wieder hat mich die Ungeduld erfasst – dieser Beitrag ist schon per Satellit unterwegs, aber er kommt und kommt nicht an, also nochmals „von Hand“.

Anse Mitan, 5.4.2018

Man müsste Geschichte studiert haben. Oder wenigsten einen größeren Arbeitsspeicher im Kopf?! Dieses Hin- und Her! Wer hat hier wen und wann besiegt, wer hat wem welche Insel abgejagt? Ich versuche mich gerade durch die Wirrungen karibischer Kolonialgeschichte zu arbeiten, all das übrigens ohne ausreichenden Internetanschluss (danke, WikiTaxi!); der Eigner muss Tagesgeschehen absurfen, das ist auch wichtig, ich kriege es dann aus zweiter Hand.
Gestern gab es einen Tagesbesuch drüben in Fort de France. Erst musste ich mich mit einem Markthändler anlegen – ich wollte nur wissen, ob „Bois d’Inde“ das gleiche ist wie unser Piment, englisch: Allspice, musste aber sehr lang auf Gesprächsbereitschaft warten, der Typ quatschte unablässig mit der Markt-Informationstante; ja-ja, es hat mich ungeduldig gemacht. Ich habe das Beutelchen unwirsch zurück auf den Haufen geschnackt, da kam die Quittung. Kurzfassung: „putain!“. Nutte… Toller Auftritt.

Fort Saint Louis, Fort de France. EIn Klotz am Strand

Zur Entschädigung gab es eine Führung von Luic durch die alte Festung Fort Saint Louis, sehr gesittet, sehr informativ. Ziemlich französisch leider, und ich habe fast den Eindruck, dass meine in St. Laurent du Maronis als „schwierig“ beklagte Führung durch das Bagne einfacher war, rein sprachlich. Einen Vorteil haben solche Sprachlücken allerdings – man versucht, sich im Nachhinein einzulesen.
Das Fort ist tatsächlich beeindruckend; klar gibt es dickere, höhere – aber was man im 17. Jahrhundert alles auf die Beine, in diesem Fall auf den Strand gestellt hat, ist bewunderungswürdig. Kasematten, Pulverhäuser, Zugbrücken, unerklimmbar steile Mauern. Noch heute sitzt die französischen Marine hier und nutzt den schönen Sitz über der Bucht.

Es waren nicht nur die Briten und die Franzosen, die hier versucht haben, sich gegenseitig Land abzujagen, insbesondere waren auch die Niederländer in ihrem „Goldenen Zeitalter“ aktiv. Die Motivation für 3 Niederländisch-Englische Kriege mutet ein bisschen „trumpy“ an: „… was kümmert uns der eine oder andere Grund? Wir möchten ein Stück mehr von dem Handel, den die Holländer haben!“ Duh, wie der Amerikaner sagt. Harte Zeiten.

Das ehrenwerte Fort Saint Louis hat den Holländern und ihrem Admiral de Ruyter jedenfalls eine merkwürdige Niederlage eingebracht. Eigentlich waren die Holländer überlegen, es war auch schon alles kaputt, was kaputt gehen konnte, die Franzosen – im 3. „Dutch War“ hatten sich die Engländer mit den Franzosen zusammengetan! – hatten bereits begonnen, ihre eigenen Einrichtungen zur Barrikade zu machen, aber man weigerte sich schlicht aufzugeben. Nach drei Tagen, als das Verteidigungsgeballer der Franzosen dank Munitionsmangel schon erloschen war, gab es die Ãœberraschung: der Kampfesmut der Holländer ließ plötzlich nach. Angeblich von der unangenehmen Seereise – gegen den Passat von Brasilien kommend – mit Seekrankheit und Skorbut geschlagen, zog Herr de Ruyter ab. Vive la France!

Die erwähnte Kooperation zwischen Briten und Franzmännern hat allerdings nicht lange angehalten: Fort Saint Louis ist zum Meer hin wunderbar geschützt, eine echte Bastion. Was also, wenn man sich von hinten anschleicht? Haben sie gemacht, die Engländer, und hatten Erfolg – so wurde aus Fort Saint Louis „Fort Edward“, zu Ehren Admiral Vernons. Aber nur kurz… und hin, und her, und wieder hin, wie es hier in den Antillen über Jahrhunderte gegangen ist. Das Gegenbeispiel mit umgekehrten Rollen liefert St. Georges/Grenada. Die Briten starren auf See, Franzosen kommen vom Inland. Ãœberraschung! Es versteht sich von selbst, dass man in Fort de France 2 weitere Forts auf den Höhen über der Stadt gebaut hat. Ein Fort braucht zum Schutz eben ein Fort. Oder zwei.

Und was war so wichtig an diesem und den anderen Inselchen?! Richtig! Der Zucker. Vor allem die Marine musste mit Rum versorgt werden, ein bisschen Tabak und Baumwolle fiel nebenbei ab. O.a. Admiral Vernon hat übrigens dafür gesorgt, dass der starke, karibische Rum ab 1740 mit heißem Wasser verdünnt wurde – ich kann es mir so recht vorstellen, wie die trunkenen Seeleute nach ihrem „tot of rum“ sehr fröhlich in die Seeschlacht zogen – möglicherweise auch in die Schlacht mit den eigenen Beinen. Also: Grog ist dünner, also besser als Rum, so viel steht fest. Die Sitte der täglichen Rumzuteilung wurde übrigens bei den Briten erst 1970 (neunzehnhundertsiebzig!) aufgegeben, existiert aber als Ausnahmeerscheinung weiterhin, die Queen muss nur sagen: „Splice the mainbrace!“, dann geht es los. Hicks! Zum Spleißen der ekelhaft dicken Brassen bedurfte es auf alten Rahseglern zusätzlicher Motivation, drum: Rum. (Die Kanadier halten die Sitte mit dem Befehl „Up Spirits!“ hoch. Nicht weniger „hicks“.)

Wir haben keine Rahen zu brassen, also keine Brassen zu spleißen und halten uns daher fern vom Rum. Wir werden dieser Tage dann ein Inselchen weiter nach Norden und der alleraktuellsten Geschichte auf den Leib rücken: das von Hurrikan Maria geschundene Dominika steht auf dem Plan.
Bis dann!

Happy Easter!

… und Joyeuses Pâques und frohe Ostern! Gestern abend ist unser Internetabo ausgelaufen und das WIRD JETZT NICHT ERNEUERT, sonst hängen wir nächste Woche noch hier. Ostereier gab es, abgesehen vom Frühstücksei, nicht, wir wärmen die vom letzten Jahr auf: die waren vom Eigner handbemalt, vielleicht suche ich noch einmal ein Bild heraus… Wun.der.schön!  Hier sind sie, im Nachgang:

Guyana-Ostereier!

Mal gucken, ob wir das mit der Weiterreise hinkriegen – wir haben diverse Optionen: St. Anne (ca. 1 Meile). Anse d’Arlet (15 – in Worten: fünfzehn! – Meilen) oder den ganz großen Schlag nach Fort de France. 20 unglaubliche Meilen… – wofür es aber heute schon zu spät ist, ich denke es bleibt bei St. Anne. Wenn wir allerdings dort das Internetabo wieder auffrischen – wer weiß, wer weiß, wann es weitergeht. Kleiner Scherz. Leider tut es die Digicel-Karte nicht, die ich eigens erworben habe – dabei hatte Digicel Grenada bis St. Lucia ihren Dienst treulich getan. Es ist auf nix Verlass. Also raus mit den Osterwünschen – per Satellit. Hoffentlich kollidiert Tiangong nicht mit der Mail!
Bis bald und habt einen schönen Feiertag!