AKKA und das Blogabo

Chaguaramas, 8.11.2017

Zum Blogjubiläum – das Ding existiert jetzt 10 Jahre und 10 Monate! – gibt es ein Geschenk: der interessierte Leser kann seit gestern in der Seitenspalte eine Mailadresse hinterlassen und bekommt dann automatisch eine Nachricht, wenn wir einen neuen Beitrag veröffentlicht haben. Dieser Blogeintrag ist der Versuchsballon und ich bin, wie sollte es anders sein, das -kaninchen…

Weil es bei uns nur noch tröpfelweise „bloggt“, dachte ich mir, das könnte angenehm sein.  Zum Verfahren:
wenn man seine Adresse hinterlassen hat, gibt es einen einmaligen Bestätigungsvorgang über WordPress und es kommt eine „Willkommensmeldung“. Nichts Gefährliches.

Und nun los. Test – Test – Test!
Es funktioniert!

 

 

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*Übrigens: für solche Gelegenheiten haben wir verschiedene Mailkonten bei freemail-Anbietern (GMX, Yahoo Neuseeland etc.), so dass nicht jeglicher Müll, also zum Beispiel unserer, auf Eurer Hauptanschrift landet.

Das neue Schiff…

Da liegt er…

Chaguaramas, 4.11.2017

… da liegt er, der Eigner. Ich bitte das unscharfe Bild zu entschuldigen, und ich hoffe, dass sich noch Gelegenheit ergibt, den Herrn schärfer abzubilden – hoffentlich nicht allzu viele Gelegenheiten, aber ich fand das zugehörige Zitat des Tages doch erwähnenswert:

„Das nächste Schiff hat einen begehbaren Motorraum und eine Installation, die man bequem im Sitzen warten kann!“  Man sollte hinzufügen, dass wir das Thema schon vor zwei Tagen hatten, da bezog es sich aber auf meine Vorkammer, die so genannte „Kammer des Schreckens“. Ein neues Schiff – das würde bedeuten, dass ich eine NÄHKAMMER bekäme. Wenn das nichts ist. Andere denken in unserem Alter an kleinere Schiffe, an Wohnmobile, an Gartenlauben. Wir denken an wenigstens 4 Fuß mehr. Oder 6?  Downsizing wird aus unserer Sicht überbewertet… also vielleicht doch über 50 Fuß?

Nein, wir sind noch nicht fertig. Mit, wie man an diesem Posting ablesen kann, den Nerven schon, aber nicht mit der AKKA, und nee, wir denken nicht (ernsthaft) an ein neues Schiff. Schon weil dann noch mehr Chaos zu erwarten.wäre.
Ich sitze noch immer auf dem Vorschiff und nähe bröckchenweise an den Sonnensegeln (mit immer neuen Unterbrechungsausreden wie Regen, Kochen, Surfen), und der Eigner… der gibt den Torsionskünstler. Hier bei den Begleitarbeiten zum Auswechseln des Grauwassertanks für die Dusche. Schon lange leck, schon lange ein Ärgernis, kurz: ein schon lange vor uns her geschobenes Projekt. Die Bilge ist tief. Und eng. Man wünscht sich Captain Frodo  herbei.
Was wieder zu wunderbaren Erinnerungen führt – ach, war das schee, ein Abend mit „La Soirée/La Clique“ in Sydney. Können wir hier nur von träumen.
Unser Traumziel heißt aber zunächst mal: Wasserung. Bald (bitte!)

Wohnen an Bord

Chaguaramas, 29.10.2017

…so geit dat nicht. Nicht ein einziger Blogbeitrag im ganzen Oktober.
Gleich vorweg: zu berichten gibt es nix, wer will, darf gleich weiterbrowsen. Danke übrigens nach Österreich für nette Komplimente und den kleinen Tritt. Eine Facebookfreundin hat mich heute in die neue Facebookgruppe „Wohnen an Bord“ eingeladen – sie hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Schlimmer noch: sie hat mich einfach der Gruppe hinzugefügt, zwangs-eingemeindet (ja, liebe nicht-Facebookler, das geht!). Aber erstens „wohne“ ich ungern, „Schöner Wohnen“ war nie mein Magazin, und zweitens… wir hausen eher. Mein Befreiungsschlag folgte auf dem Fuße. „Leave group“, schleunigst.

4 Monate „on the hard“, wie man so sagt, 4 Monate Leben am Zaun, tagsüber mit gemäßigtem Verkehr, nächtens ruhig, wenn denn nicht gerade ein paar wild gewordene Coast Guard-Jungs (ich lasse die Mädels außen vor, die machen so was nicht!) ihren neu erworbenen Auspuff testen oder ein kleines Motorradrennen austragen müssen. Der Lärm der Papageien ist sonnenuntergangsgesteuert und bezieht sich auf die Verteilung der besten Schlafplätze. Meinetwegen könnten die gern den Part der Motorsportler vorm Zaun übernehmen – ich finde das Gekreische anhaltend putzig. Leider sind die Brüllaffen derzeit im Urlaub oder unbekannt verzogen, wir müssten mal suchen gehen.
Wohnen an Bord. Chaguaramas ist für uns bei allem Dreck und Lärm ein ganz angenehmer Ort für einen solch langen Aufenthalt: das Notwendigste für Schiff und Haushalt kriegt man hier am Platz, wenn nicht, schwingt man sich aufs Maxi-Taxi und fährt 20 Minuten nach Glencoe oder in die West Mall. Da gibt es dann hoffentlich auch bald wieder –  nein, nicht Rogga! – FINN CRISP-Knäcke. Wobei das mit dem Verkehr so eine Sache ist, man muss schon ein bisschen taktieren – will man frühzeitig in die Stadt, sollte man das gegen 7 versuchen, danach baut sich der Berufsverkehr auf, und der hat Großstadtausmaße und auch ein bisschen südamerikanisches Chaos, gepaart mit mäßiger – außerhalb der Stadt 2-spuriger – Infrastruktur, aber irgendwie geht’s. Was jeden Nachmittag den kleinen Ort Carenage in Richtung Stadt so verstopft, das weiß der Geier, aber immerhin fährt man in dem Fall, so man eines der wilden Taxis genommen hat, abenteuerliche Schleifen durch die Wohngebiete abseits. Von denen manche, wie wir kürzlich sahen, von Kurierdiensten aus Sicherheitsgründen nicht angefahren werden. Ui, ui ui – bislang war’s aber immer ganz witzig. Wo hält man schon mal an, um dem stressgeplagten Taxifahrer (Mann! Deine Kopfschmerzen kommen von der abartig lauten Reggaemusik in Deiner Karre!) eine Zigarettenpause zu gönnen, die Zigarette aus dem Einzelverkauf (I think, today I buy 2!). Trinidad ist zwar das reichste der karibischen Inselländer, aber die Kluft zwischen Arm und Reich ist definitiv groß. Auch sonst ist nicht immer alles so ganz astrein.

Das schmerzt…

Wir hatten nämlich gerade eine Ölpest in der Bucht, plötzlich ist AKKA umzingelt von anderen Yachten mit eleganten, wellenförmigen Bauchbinden in schwarzbraun, leider teilweise Boote, die soeben erst geschniegelt ins Wasser gelassen worden waren, die Karibiksaison beginnt. Letzten Samstag gab es – auf Facebook, wo sonst ist der Segler vernetzt? – die Frage, wer oder was in der Bucht so nach Kraftstoff stinkt. Wieder mal ein nachlässiger Schiffer, der mit Diesel plumpert? Das gibt es durchaus öfter mal…  aber nicht lange, bis auch die Leute aus der benachbarten Bucht klagten: Rohöl, fieses, dickes Rohöl schwappt durch die Gegend. Bis heute ist nicht sicher, wer oder was das war. Zwei Schiffe hatte man im Auge, aber der Wille zur Aufklärung ist schwach. Geschäfte? Kehren wir es unter den (Öl)Teppich. Die Boatyards hier tun, was sie können, um den wirtschaftlichen Schaden gering zu halten: Segler werden kostenfrei aus dem Wasser gehoben, man leiert der Regierung Entfettungsmittel aus den Rippen und lässt die Schiffe reinigen. Wovon die Natur natürlich wenig hat.

… Dominicaaaa!

Die Wogen um die an Hurrikans haben sich leicht geglättet – wir haben einen kleinen Segler mit Hilfsgütern für Dominica beladen, die auch heile in Portsmouth ankamen und mit viel Begeisterung entgegengenommen wurden. Entgegen allen Beteuerungen von Freund Donnie („we got a 10 out of 10  for our relief efforts in Puerto Rico!“) ist die Lage in Puerto Rico nach wie vor bescheiden. Eine Freundin, die – samt Boot – zunächst Irma und dann Maria in

Ein Haufen Zeug für Dominica

Salinas unbeschadet überstanden hat, meldet sich nach 4 (vier!) Wochen, weil es nach wie vor keinen Strom, kein Wasser, kaum Telefonnetz gibt. Don’t forget Puerto Rico…
Musikalisch machen mir die „Artists for Puerto Rico“ Lust auf einen Besuch. Ich hatte die Insel eigentlich mehr amerikanisch-industrialisert gesehen, aber in dieser Situation scheint sie mir sehr sympathisch „latino“ (drum tröpfelt ja die Hilfe auch nur, Dummbätze…). Vielleicht kann sich ja AKKA mit ihrem Wassermacher in irgendeiner Bucht für ein paar Tage einnisten und ein bisschen was tun? Oder auf dem Weg dorthin. Dominica, St. Martin, BVIs… Irmas und Marias Hinterlassenschaften werden uns begleiten.
Jedenfalls wäre es nicht schlecht, wenn wir langsam fertig würden. 10 Tage noch? Unsere US-Visa waren ein Klacks – viel Lärm um wenig Mühen, die man meistenteils online aufwenden muss; der Interviewtermin bei der Botschaft in Port of Spain jedenfalls war keinen Lärm wert: Fingerabdrücke abgeben, kurz die Beweggründe für eine Dauervisum schildern, das war’s. Der Strom der notwendigen Ersatzteile wird auch dünner – die Fuchs-Familie hat via Berlin ihren Teil beigesteuert, vielen Dank! Zweimal haben uns deutsche Firmen lustige Pakete über UPS geschickt – lustig, weil UPS Trinidad an „yachts in transit“ nicht direkt ausliefert. Dann kommt es, dass die Schipperin den Bus in die Stadt nimmt (knappe Stunde), um dort den Bus aus der Stadt zu nehmen (knappe Stunde zum Zoll am Flughafen Piarco), und dort muss sie sich Frage stellen: „… was machen Sie denn hier? UPS sollte das nach Chaguaramas liefern!“. Na gut, sie geben einem nach etwas Hin und Her das Päckchen mit der Dieselpumpe trotzdem, und dazu 2 Stunden Zeit, um Chaguaramas wieder zu erreichen und mit dem ausgelieferten Päckchen beim hiesigen Zoll vorstellig zu werden. Kennen wir schon von 2009 vorzugsweise mit Postpaketsendungen, und es hat sich nicht geändert, nur, dass die 2 Stunden mit Öffis nicht ganz reichen. Beim zweiten Paket – Übung macht die Meisterin – haben sie schon nicht mehr gefragt, als sie meiner ansichtig wurden, es war auch kein Ganztagesausflug mehr, und ich konnte die Vorführfrist auf 3 Stunden erweitern. Nur, dass jemand mit dem Bus kommt…  ts, ts, ts.  Komische Typen, diese Yachties!

Kaum zu unterscheiden -alt und neu

Das letzte Päckchen war der Abgasbogen, den es bei Baguhn in Hamburg noch am Lager gibt, hurrah. Eigentlich eine „man weiß ja nie“-Bestellung, schließlich hatte man den Eigner schon bei Abreise aus Arnis gewarnt, dass Motorersatzteile nicht mehr lange verfügbar sein könnten. Das ist das grüne Ding aus dem vorletzten Blogbeitrag, liebevoll vom Eigner mit Farbe auf „wie neu“ gepinselt, was auf das o.a. Stichwort „dünner werden“ zurückführt. Nachdem der neue angekommen war, traut sich der Bordtechniker endlich, den alten Abgasbogen  mal mit einem wirklich scharfen Blick zu bedenken, und auch mit einem Schraubendreher anzuklopfen. Was für eine lustige Überraschung – was Schlauchschellen und Farbschichten alles so zusammenhalten können! Toll!

… Freilufttheater. Bitte ohne Regen

Noch was? Neue Solarpanele haben wir an der Reling. Wir suchen immer noch nach dem Zufluss von Deckswasser an den Püttings entlang ins Schapp für DVDs und Sachbücher. Spannend. Die neuen Sonnensegel sind im Bau – mit den ebenfalls montierten Batterien kam endlich der Stoff. Und die Erkenntnis, dass die Schifferin nicht den Neubau des Besandecksegels eingerechnet hatte – das Gute daran ist, dass wir, um das Stoffdefizit zu decken,  eZone für uns entdeckt haben: wir haben jetzt eine Lieferadresse in Miami (wahlweise auch in Kanada und London!), die uns karibikweit alles schickt, was wir brauchen, und das auch noch hurtig und preisgünstig: die Stoffnachlieferung aus den USA war innerhalb 4 Tagen bei uns. Ohne Umweg über den Flughafen – eine wirkliche Empfehlung für alle Karibiksegler.

Hi there! My name is Ganesh!

Mein Freund Hanuman!

Ach ja. Next stop: India!  Wir haben das Divalifest besucht – an einem äußerst regnerischen traurigen Mittwoch, es herrschte wirklich katastrophales, erdrutschiges Wetter. Was „so làlà“ begann, entwickelte sich  zu einem zu Herzen gehenden Lichterfest.

Divali in Chaguanas

Als die Dunkelheit sich über den Stadtteil Felicity legte und der Regen aufhörte, wurden kleine Öllämpchen auf die Mauern gestellt, auf die Innenhöfe, auf die Balkone. Eines. Zehn. Hunderte? Tausende! Sofern sie nicht schon durch LED-Lämpchen ersetzt wurde, nicht unbedingt der Feinstaubrate zuträgliche Beleuchtungsmethode (in Indischen Ballungsgebieten ist die Diskussion um Öllampen in vollem Schwunge!), aber schön und sehr ernst gemeint fröhlich . Als Zuschauer kriegen wir Süßigkeiten in die Hand gedrückt. „Happy Divali!“.
Der Tag an dem das Gute über das Böse siegt.
Es ist Licht am Ende des Bastel-Tunnels…

Happy Divali

Schokolade und Sonne

Chaguaramas, 25.9.2017

Hier ist die versprochene Fotogalerie vom Ausflug nach Santa Cruz.

Ein Kater

Unsere Werkstatt samt Fuhrpark unterm Nachbarschiff

Chaguaramas, 25.9.2017

Wir haben einen Kater. Insbesondere ich – der hat mich heute früh schon um halb 5 aus dem Bett getrieben.  Herrje, was für ein beschissener Wahlausgang, noch dazu ohne unsere Beteiligung, denn unsere allereiligste Eilaktion – die Wahlbriefe kamen am letzten Dienstag in Trinidad an und waren schon nach 2 Stunden wieder auf dem Weg zurück! – war nicht von Erfolg gekrönt: nachdem der Expressbrief seit Donnerstagnacht bei DHL Leipzig gelegen hatte, wird er heute zugestellt, frisch für die Tonne. Aber das ist sicher nicht so schlimm wie dieses geradezu grauenerregende Wahlergebnis. 28% der Stimmen in Sachsen für eine Partei, die offen rassistisch/völkisch/fremdenfeindlich argumentiert, das ist gar nicht zu fassen. Wir sitzen hier und sind wie vor den Kopf gestoßen. Klar – ein AfD-Einzug ins Parlament war zu erwarten, aber was das bedeutet, vor allem, was so ein riesiger Stimmenanteil wie in Sachsen bedeutet, kann man nur ahnen. Und hoffen…

Alles im Griff (Jonas am anderen Ende, oben!)

Auf AKKA ist alles bescheuert wie immer, das Schiff sieht aus wie explodiert, woran ich einen nicht unwesentlichen Anteil habe, weil ich nicht mehr weiß, wo vorn und hinten ist. Der Eigner müht sich in Kleinstschritten des Chaos‘ Herr zu werden, poliert Wantenspanner und Toggles etc. Zwischendrin gibt es auch mal Stress der besonderen Art; ich bin ja bekanntlich platzängstlich, und weil ich die längeren Arme von uns beiden

Rigger Jonas in Aktion. Alter Schwede…

habe, kommt mir die schöne Aufgabe zu, am Fußende unserer Betten ins letzte Eck des dortigen Schapps zu angeln und dort die Muttern und Scheiben für die Befestigung der Badeplattform zu lösen und ein paar Tage wieder anzusetzen. Die Kopfhöhe für die Aktion beträgt genau Fußlänge,, vielleicht 30 cm, schiffstypisch halt, und die Aktion findet  auf dem Rücken liegend statt, blind.  Die Schappöffnung reicht gerade so, dass man bis zur Nase hineinrutschen kann.

Restaurierungsobjekt Auspuffkrümmer

Nee, nix für mich, jedenfalls nicht täglich. Die Belastung für den Eigner – der die beschriebene Montageaktion auch als stressig beschreibt, danke! – liegt dagegen im Gehakel mit Zulieferern, z.B. mit dem Edelstahlmenschen: Maße und Ausführung ein bisschen ungefähr.  Bitte nehmt das Teil wieder mit, andere Scheiben dranschweißen und bitte polieren und passivieren. Er ist wirklich ein anstrengender Kunde – Terminabsprache, auch nicht leicht: nach tagelanger Trinidad-Maybe-Time liege ich gerade an der o.a. Stelle, um die Muttern für die ebenfalls dort befindlichen (aber leichter zu erreichenden) Windpilotschrauben gegenzuhalten. Da rumpelt es draußen… und schon höre ich den Chef sagen: „… you are too early! I am still busy!“  Mein durch die Bordwand gebrülltes „… neeeein! Schick‘ ihn nicht weg!“ kam zu spät. Noch ein halber Tag drangehängt. Der „alte Schwede“ Jonas/Trinidad Rigging hat einen Rigg-Check durchgeführt und schätzte sich glücklich, dass wir nicht zu den Kunden gehören, die alles vorher polieren – dann sieht man die Spuren von ersten Anrissen nämlich besser. Und tatsächlich, es waren welche da, also gibt es ein paar neue Wanten.  Und was der Stories mehr sind.

Ende September… eigentlich wollten wir schon bald ins Wasser, aber da sind ja noch Irma, Harvey und Maria. Die schrecklichen Folgen für viele der Karibikinseln habt Ihr ja sicher alle gesehen und vielleicht auch gehört, dass die Virgin Islands, St. Martin und Dominica ein massives Plündererproblem haben – hier laufen gerade Hilfsaktionen per Segelschiff an, und solche Segelschiffe werden in Dominica zur Zeit mit militärischen Ehren: empfangen. Eine französische Yacht wurde gestern von 3 Hubschraubern, einem Coast Guard-Schiff und einem holländischen Kriegsschiff begleitet. Besser ist das….
Für uns sind die Hurrikanfolgen erträglich, aber es gibt welche: das Schiff, das Ende August unsere neuen Batterien und einiges mehr ais Miami bringen sollte, ist noch nicht in Sicht. Hoffen wir mal, dass die nächste Tropical Depression ein bisschen auf sich warten lässt, damit der Frachter mal nach Trinidad hineinflutschen kann. Man merkt übrigens im Supermarkt, dass Importe nicht nachkommen: kein Rogga-Knäcke mehr bei „Peppercorn“. Eine Akkanautenkatastrophe.

Aber na ja – es gibt auch wirklich schöne Momente.  Den Schokoladentag auf dem Green Market in Santa Cruz zum Beispiel. A day out in the sun! Voilà – nebenan gibt es gleich eine Galerie zu einem Ausflugstag ins Grüne. Ein paar sonnige Bilder zu unserem und Eurem Trost.
Vielleicht ist Schokolade auch gut gegen Kater. Ansonsten: der Plan für den heutige  Feiertag – es ist Republic Day! – ist, sich einen kleinen Kater zu holen, Sonnenuntergang mit einem Carib-Bier am Wasser. Das gibt einen ganz winzigen Anti-Kater-Kater.

Irma und José

Hau ab, Irma!

Chaguaramas, 5.9.2017

Jeez, wie man so sagt… wir gucken uns den Scheiß zwar aus der sicheren Entfernung an, aber das ist schon sehr beunruhigend.

Irma wird heute Nacht auf die nördlichen  Leewards treffen, Antigua/Barbuda, St. Martin. Ina, wir hoffen Scoobidoo ist sicher und vor allem Ihr selbst – Eure Hurricane-Routine macht’s vielleicht… Vor allem auf Facebook sehen wir, wie sich betroffene Segler vorbereiten, in die Mangroven verziehen oder auch verzweifelt nach Schlupflöchern oder geeigneter Taktik  fragen – nicht jeder hat diese Routine. Raus aus dem Wasser, an Land abwettern. Oder umgekehrt: das Boot ins Wasser setzen und noch schnell abhauen? Aber wohin? Wer weiß denn wirklich, wohin es Irma zieht? In  jedem Fall wird sie weiter über die BVIs und den Nordrand von Puerto Rico und die DomRep ziehen, aber je weiter die Vorhersagen in die Zukunft schauen, umso unwägbarer wird der tatsächliche Verlauf der Zugbahn. Zum Wochenende wird Irma dann Florida erreicht haben, und es sieht alles nach einer zackigen Kurve nach Norden aus – die Europäer haben die Kurve etwas später als die Amerikaner, das ist Fluch und Segen zugleich. Je länger Irma über Festland schraddelt, umso mehr verliert sie an Kraft, und umso weniger bekommt der Rest der Ostküste ab; wir hoffen es für die Chesapeake Bay und diverse Freunde, die ihre Boote dort haben. Ganz doof, wenn man, wie Kassiopeia, sich das Drama aus der Ferne anschauen muss (fingers and toes crossed, wobei es durchaus Hoffnung gibt.). Biegt Irma vorher ab, bleibt sie über warmem Wasser und legt möglicherweise noch zu, um dann in den Carolinas einzufallen.

Was wir mit größter Bewunderung lesen, sind solche Dinge, wie das Advisory #16 von heute früh sie verzeichnet. Da hat nämlich der Hurrikanflieger der Airforce die nördliche Wand von Irmas Auge nicht untersuchen können – das tut er im Moment. Fest stehen 155 Knoten Wind, an der Nordwand sind es mehr (es sind… um 18 Uhr UT waren es 185. Danke, das reicht). Der Eigner sagt: fast die Geschwindigkeit wie bei meiner Testfahrt mit dem McLaren – nur, dass ich nicht die Nase aus dem Fenster gehalten habe… schlechter Scherz. Ich weiß, dass ich schon bei 40 Knoten und stärkeren Böen schlecht schlafe, egal ob am Anker oder in der Marina; unterwegs auch nicht gemütlich.
Wir hoffen, dass Irma vielleicht ihre Handtasche verschludert hat und sich mal kurz über die rechte Schulter umschaut … das würde den Leewards kurzfristig helfen und der Zugbahn allgemein gut tun, aber leider ist sie gut organisiert. Eines sollte sie auf keinen Fall: auf das mickrige Tropensturmmännchen warten, das ihr auf den Fersen ist. José ist unterwegs…

Für alle, die getroffen werden, hoffen wir, dass es schnell vorübergeht, und dafür steht, dass Irma eher klein und eilig ist. Möge sie nicht noch an Umfang und Behäbigkrit zunehmen.

PS: Doch, sie hat an Umfang zugenommen… Dramatisch. Wir haben gerade die ersten Bilder von Barbuda gesehen – da bleibt einem jedes Scherzen im Hals stecken.

Irma und José, ein doofes Paar

Irma schlenkert

Da steht sie, die AKKA!

Chaguaramas, 31. August 2017

Irma schlenkert…

Langweilig!  Der Blog –  nicht wir haben es langweilig. Donnie, Harvey, Herr Gauland – lauter komische Typen unterwegs derzeit, also muss der landgebundene Segler dauernd ins Internet schauen. Nachdem die Tropical Depression, aus der sich der mittlerweile weltweit bekannte Harvey entwickelte, erst hier, im Golf von Paria entstand, haben wir seit 2 Tagen ein neues Tiefdruckgebiet im Auge: eine äußerst energiegeladene Dame

Unsere Leiter (für meine Schwägerin!)

namens Irma ist von den Kapverden unterwegs und hat schon knapp hinter den Inseln entschieden, ein Hurrikan zu werden – die Meteorologen nennen das einen „major long-track hurricane“. Heute früh sieht man einen sanften Schlenker nach Süden, die Zugbahn könnte dann nächste Woche Trinidad streifen.  Och, nö… Unschön, und noch ein Grund, öfter ins Netz zu schauen.  Was sieht man um 11 Uhr? Jetzt schlenkert sie gerade nach Norden. Wen auch immer es trifft – mit Irma ist definitiv nicht zu spaßen. Eine äußerst unangenehme Erscheinung.

Deutsche Politik (wo wir gerade beim Thema „unangenehme Erscheinungen“ sind) gewinnt bei uns derzeit wieder ein bisschen mehr Aufmerksamkeit, zumal unsere Wahlunterlagen noch nicht hier sind –  wenn das mal klappt, denn die Trinipost zurück braucht auch ihre Zeit. Ach, Herr zu Guttenberg, Du hast den 3-Tagebart schön! Vollends wahnsinnig macht einen allerdings der Strom der unverschämten Kommentare im Netz. Naja, und Bitterfeld…

Auf der hohen Kante

Ansonsten jökeln wir an AKKA herum, wie man sieht – 5 der rostigen Fußleistenschrauben konnten wir nicht entfernen, insofern werden uns ein paar Rostnasen noch eine Weile begleiten – danke, Herr Chong! Unser hiesiger Holzwerker Nick sticht ebenfalls nicht durch besonderes Leuchten hervor – wir denken mit Sehnsucht an Arnis, Matthias Paulsens Mannschaft, an scharfe Stechbeitel und exakt gebohrte Löcher für die

Nicht mehr so viel Gwinde übrig!

Teakproppen.  Der Eigner leiht sich

Holzarbeiter Nick beim Ackern

meinen Messerschleifstein und sorgt für „anständiges Werkzeug“ und bohrt mal einen Proppen zur Demo vor, denn nachdem er am Morgen Nicks verbliebenen Holzstaub weggefegt hat, gähnen ihn um einige der Proppen kreisrunde Krater an. Nick dazu: „… dat is because of de countersink!“  zu deutsch: das liegt an meinem stumpfen Forstnerbohrer. Schwaches Gelächter von unserer Seite. Was alles nicht heißt, dass wir unglücklich sind – nur ein

Nick mag auch Metall!

bisschen angestrengt.
Der Eigner pendelt zwischen hoher Kante und ganz tief im Motorraum, lauter Kleinscheiß. Mich beschäftigt die Frage, ob die Regel „hast Du eine, hast Du 10!“ auch für unsere Hausschabe gilt, und verteile alte Cockroach Motels und frische „Combat“-Schmiere an strategischen Punkten. Passiert halt mal, bislang waren wir ja von Heerscharen verschont geblieben. Hoffen wir das Beste.
Heiß ist es, das sollte man noch anfügen, schweißtreibend heiß, glücklicherweise nicht so feucht wie drunten am Äquator, obwohl der Mittagsguss („waah! Die Luken!“) täglich heimsucht. Alltag eben. Zur Erheiterung lesen wir ab und an im eigenen Blog, was immer schöne Erinnerungen wachruft, freuen uns mit Abseglern (siehe geänderte Blogroll, TRITON und so!) und an den Fortschritten, die die Crew der Walkabout auf ihrer laaangen Wanderung auf dem Continental Divide Trail macht.  Ach, und die LopTo hat sich an der Rendsburger Hochbrücke von der Schiffsbegrüßungsanlage bejubeln lassen. Ganz komisches Gefühl, dass die auf dem Weg in die Schlei sind!

Zum Wochenende werden wir endgültig die Beantragung von US-Visa angehen, wer weiß, wann wir hier einen Interviewtermin bekommen, es wird also Zeit. Unsere Pläne sehen derzeit den schlichten Weg nach Norden vor, durch die alten Charterregionen, aber Kuba liegt auch noch relativ am Weg, die Bahamas – und trotz Donnie würden wir gern die USA besuchen, also: B1B2-Visa. Wir machen mal vorsichtig Pläne – und ich sehne mich nach dem Moment, wo AKKA wieder schwimmt. Dann hat auch das „mit dem Pinkeleimer die Leiter hinunterbalancieren“ ein Ende.  Aber bis dahin… Batterien. Sonnensegel.  Vor Oktober wird das nix, und die Irmas dieser Welt tun ein Übriges.
Bis dann!

 

The Cricketeers

19 Uhr in Port of Spain. Auf zum Cricketspiel! Wir sind nicht allein…

Chaguaramas, 15.8.2017

Leider, leider gibt es kaum Bilder vom letzten Sonnabend – die Schipperin ließ die Kamera auf dem Cockpittisch liegen, der Eigner hatte gar nicht beabsichtigt, sie zum anstehenden Großereignis mitzunehmen, dabei war es durchaus abbildenswert. Nun müssen es Smartphonebilder zeigen: unser erstes Cricketspiel! Als Zuschauer.
Um selbst Cricket zu spielen, müsste man sich ein neues Sportgehirn anschaffen. Ich liebe seit Jahren diese äußerst merkwürdige Anlauf- und Wurfbewegung – die Regel ist, dass der Arm, nachdem er Schulterhöhe erreicht hat, nicht weiter gestreckt werden darf, also streckt der Bowler ihn schon während des Laufens – wie man dann zu derartig energiegeladenen Wurfbewegungen kommt, ist mir als Werfidiot ein Rätsel. Der Ball darf auch nicht über Hüfthöhe des Batsman ankommen… das gibt alles Abzüge in der B-Note oder sonst irgendwo auf der kaum verständlichen Anzeigetafel. All das wird von ohrenbetäubendem Fan-Lärm begleitet. Vuvuzelas, Hupen, Geschrei. Hat jemand Bill Brysons „Downunder“ gelesen und erinnert sich an das Kapitel vom Cricketspiel in Adelaide? Ich dachte, ich sei dank dieser Lektüre gut vorbereitet – man geht hin, schaut ab und an auf das Spielfeld, ansonsten vergnügt man sich anderweitig und wartet, dass die Mannschaften zur Teepause schreiten und dass der Tag vorbeigeht. Nichts dergleichen!

Wir waren bei „Cricket light“, könnte man sagen, offiziell heißt das „T20“. Twenty20 ausgeschrieben, eine mediengerechte Form des Spiels und zuschaueranfängerfreundlich dazu. Um es gleich vorweg zu nehmen: ich fand es klasse (ich schaue ja auch gern 1500m Kraul bei Schwimmwettbewerben), der Eigner ließ das Geschehen eher an sich abprallen, es fehlte ihm an teamsportlicher Dynamik.
Soll ich mal probieren, das zu erklären? Total einfach!
1. das Spielfeld ist oval, in der Mitte ist eine rechteckige Fläche, das Pitch, an beiden Enden ein kleines Tor aus 3 Stäben, das Wicket
2. eine Mannschaft hat immer Pause, bis auf zwei Batsmen (Stichwort: Teamsport)
3. ein Werfer der Feldmannschaft versucht, mit einem kleinen Schlagball das Wicket zu treffen
4. vor dem Wicket baut sich der Batsman der gegnerischen Mannschaft auf und versucht, mit einem Schlagstock den Wurf abzuwehren und aus dem Pitch zu  schlagen (der andere hat… Pause)
5. Aufgabe der – unglaublich aktiv im Feld stehenden – Restmannschaft ist, den Ball zum Pitch zurückzuwerfen
6. in der Zeit, in der der Ball noch nicht zurück ist, müssen die beiden Batsman von einem Wicket zum anderen laufen, das wird als „run“ gezählt

CRICKET!

Und beim T20 ist ein Inning auf 75 Minuten begrenzt (deswegen auch keine Teepausen!) und es werden nur 2 Innings mit 20 Overs und 150 Runs gespielt, das ist doch alles völlig selbsterklärend  – sehr einfach!  Spannend, oder?
Nun gut, da ist noch mehr. Trifft ein Werfer das Wicket, muss der jeweilige Batsman gehen, „wicket“-Punkt für die Werfermannschaft. Oder auch wenn der Batsman selbst das Wicket berührt. Ein Werfer wirft 6 Mal, das nennt man ein Over, danach ist Seitenwechsel zum zweiten Werfer, das kann sehr lange so hin und her gehen. Schlägt der Batsman den Ball weit ins Aus, werden gleich 6 Runs gezählt, und 4 Runs, wenn der Ball vorher im Feld aufschlägt.

WICKEEEET!

Ach, Mist – lest das doch selbst bei Google nach! Es war jedenfalls so, dass die AKKAnauten sich häufig zweifelnd anschauten, woher nun plötzlich „runs“ kamen, wir konnten mit unseren Adleraugen auch die Flugbahn des Balles nicht immer verfolgen und waren gern überrascht, wenn der Batsman den hinter sich schlug – nur wenn ein „wicket“ fiel, veranlasste uns der losbrechende Höllenlärm aufzuspringen, zu schreien und die Triniflagge zu schwingen. Ende des ersten Inning: 152 runs, 9 wickets für die Trinidad Knight Riders. Nun hat Trinidad „Pause“, bis auf die zwei Wicket-Verteidiger, die Reihe ist an Barbados.

Jesse füttert derweil gebackenes Huhn

Während wir staunen, jubeln, schreien, serviert unser völlig außer Rand und Band geratender Touroperator und Mädchen-für-alles Jesse James gebackene Hähnchenteile, scharfe-salzige Ananasstücke mit Kräutern – und Cola-Rum, dem er selbst auch gut zuspricht und immer lockerer in den Hüften wird. Eine Mitseglerin übersteht den frei (aus Wasserflaschen) strömenden Rum bald nur noch schlafend. Wir halten uns nach einem Becher des starkes Gemisches lieber ans Wasser – wir müssen ja Cricket verstehen lernen. Und dancing girls – ein Mischung aus Carnival Queen und Cheer Girl, jedenfalls knapp bekleidet –  am Spielfeldrand beobachten

Am Ende des Abends – besser: zu Tagesanbruch, es ist 01:00 h – wandelt sich die ganze rot gekleidete Trinigemeinde endgültig zum Hexenkessel. Sieg über die Barbados Tridents, die nur 151 runs und 8 wickets erzielen konnten. Wahnsinn!  Wir kämpfen uns durch die äußerst paniksicheren Minitüren der Tribüne ins Freie. Wir waren beim Cricket. Endlich!

Vergnügungsrausch

Einfach nur… Pan!

Chaguaramas, 31.7.2017

Die AKKAnauten im Vergnügungsrausch. Rauschhaftes Analysieren des Manometers für das Kühlmittel, zum Beispiel – schon allein von den vielen Auskünften, die man zu dem Thema bekommt, kann einem schwindelig werden! Von Erstklässler-Einführung („… der Zeiger steht dann auf xy psi…“) über brasilianische Ungefährangaben zu fast unverständlichen Mails aus Italien, die ganz haarscharf am Thema vorbeigehen. Immerhin konnten wir mittels das unbezahlbaren You-Tube herausbekommen, dass der angezeigte psi-Wert im Vakuumbereich ein paar Werte in „inch Mercury“ zeigt. Nun fällt alles an seinen Platz. Es war uns ein Vergnügen…
So richtig vergnüglich ist das heiße Wetter nicht, man schwitzt vor sich hin, Mittagsschlaf kommt einem plötzlich als physiologische Notwendigkeit vor, die Computerlüfter tun unermüdlich ihren Dienst, und dennoch haben wir uns das Vergnügen geleistet, in der Hitze (zwischen den tropischen Regengüssen) die Decksluken auszubauen und neu abzudichten. Für das Polieren haben wir uns Raul als Helfer gedungen, AKKA steht jetzt (mit PHOSPHORSÄURE!) gereinigt, poliert und eingewachst da und wartet auf ihren Splash, irgendwann Ende September, und davor wird das Wachs auspoliert. Ein Vergnügen für die Arme.

Ein wirkliches Vergnügen bot der letzte Sonnabend: wir hatten Karten uns zum „Big 5“-Konzert im Queenspark in Port of Spain gekauft und saßen dann rentner- und schwerhörigengerecht in einer der ersten Reihen, um uns von den 5 „großen“ Steelbands von Trindidad (Tobago spielt da eine untergeordnete Rolle) beschallen zu lassen. Die 5 großen sind die Bands, die die Trini-Steelband-Wettbewerbe am häufigsten gewonnen haben, Die Deperadoes (die kommen,nomen ets omen, aus dem schlimmsten Viertel von PoS), die Phase II Pan Groove, die Renegades (ich glaube, eine der ältesten Bands), Exodus und Trinidad All Stars. Also, ich find’s immer wieder mitreißend. Man hätte vielleicht einige Klassiksachen und ein paar von den gängigen Covers weglassen und dem „nessun dorma“-Knödler das Mikro wegnehmen können, aber was da so an Calypso und Soca abgeht, macht mir immer neuen Spaß. Andreas fand als alter Suzie Quattro-Fan Gefallen an einer veritablen Rockstimme, die mit den Renegades um die Wette röhrte, ich mochte die americanos, die mit Phase II Pan Groove auftraten. Und das Abschlusstück der Renegades war genau meins: ich hatte zufällig auf die Uhr geschaut, um 20:45 ging’s los, und es wollte einfach kein Ende nehmen. Man denkt bei jedem Decrescendo, dass es nun fertig ist, aber dann nimmt das Ding wieder Fahrt auf, wieder und wieder – einfach klasse. Gute 20 Minuten später war der Calypsodrops gelutscht. Mein Highlight.  Das Publikum war absolut „local“, wir waren umgeben von schick gemachten Damen der Gesellschaft von Port of Spain – ein paar Männer waren auch dabei. Im Hintergrund wurden heftig die Hüften geschwungen, und den allerersten Applaus gab es gleich für die Ankündigung: „… there will be no intermission!“  Keine Pause, so muss es sein. Gequatscht wird sowieso die ganze Zeit, es dürfen auch Kühlboxen mitgebracht werden, und wem danach ist, singt mit. Das geht uns natürlich ab – viele dieser Instrumentalstücke sind Karnevalsongs, da gerät der Saal natürlich in Wallung. Natürlich nicht „Saal“, sondern Zelte im Park. Zum Abschluss die Trinidad All Stars mit einer Moko Jumbie-Show. Menschen auf riesig hohen Stelzen, die wahrlich nicht herumeiern, sondern wilde Tänze hinlegen. Nach 4 Stunden Lärm schwingt auch  die AKKAnautin die Hüften (zaghaft!) Richtung Taxi, heimwärts.
Gesamturteil: da könnte ich nochmal hin, und ich fand es besser als die schon sehr beeindruckenden Pan Finals 2009, wo man aber entfernt vom eigentlichen Geschehen auf den Tribünen saß.

Wilder Kerle auf Stelzen – Moko Jumbie.

Heute geht unser Vergnügungsrausch weiter, wir schließen uns einer Gruppe von Seglern an, die mit uns Dunkirk angucken wollen.  Das wird „ui“! Zunächst einmal wir als deutsche Verursacher des Dramas, und dann noch ich mit meiner Gewaltbildphobie. Meine Alternative: den Abend bei einem Eimer Popcorn in der Kinolobby zu verbringen. Andererseits interessiert das Thema jeden Weltumsegler, der a. (allzu) viele Plätze deutscher Expansionsaktivitäten gesehen hat und b. diese „Miracle of small ships“ hautnah nachfühlen kann.  Schauder.

Zur Entspannung ist der nächste Vergnügungstermin schon geplant. Mal was Neues! Wir gehen zum Cricket. Das wollte ich schon immer mal, und der Bericht wird dann spielzeitgerecht viele, viele Seiten lang!  Bis dann!

Och, nee…

Chaguaramas. 17.7.2017

Darf ich vorstellen: frisch getauft, der Tropical Storm Don.
und seit heute Nacht dazu das Ding, das dann einen Namen mit E kriegt . Es ist definitiv eine unruhige Saison auf dem Atlantik.

Das ist Don. Hoffentlich weiß er, wo’s lang geht…

Huch! Zwei!