Wir haben den Salat!

St. Helena, 25.6.2016

Ausland ist das hier. Britannia rule the waves! S

agt mal… wir sind wirklich ein bisschen schockiert. Entgeistert. Beunruhigt. Natürlich hätte man sich ausmalen können, dass das Brexit-Referendum so ausgeht, aber ich hatte etwas anderes erhofft. – allerdings wissen wir aus Diskussionen, dass nationalistische Tendenzen oder auch nur Empfänglichkeit für Populistisches mittlerweile Kreise von Personen erreicht, mit denen wir sonst deutliche Schnittmengen hatten.
Umso dringender fragt man sich: wohin? Wohin geht die EU? Und: wohin sollen wir? Vielleicht eine Greencard in den USA beantragen, wo man seit vielen Jahren in 50 unterschiedlich strukturierten Staaten zusammenlebt. Oder in Kanada, wo es sogar die Anglo- mit den Frankophonen aushalten. Leider zu kalt. Also doch nach Florida, zu Jeb Bush und Spaß mit Donald genießen. Kleiner Scherz.
Eine Frage möchte ich anfügen : was ist in Deutschland los? Wir lernten hier eben, dass man „in Deutschland nicht unbegleitet in den Supermarkt gehen könne“, weil der Immigrantenmob in 10er-Gruppen dort auflaufe, die Einkaufswagen fülle, um dann ohne zu zahlen von dannen zu ziehen, denn „wir sind Asylanten, Bezahlung ist an Euch“! „… das passiert sogar in Sportmärkten!“ Toller Akut-Bericht auf St. Helena, natürlich von einer Saint, wir sind ja außer einem südafrikanischen Katamaran die einzigen Inselgäste. Ich frage jetzt mal im Ernst, ob das tatsächlich so vorfällt und wo? „Die großen Städte, da wo die alle sind“ wurden genannt. Den dank der spärlichen Internetversorgung selten abgefragten Medien konnten wir das in dieser Form nicht entnehmen. Meine vorsichtige Theorie ist, dass die (ursprünglich südafrikanische) Berichterstatterin, die zur Zeit für 3 Monate aus Botswana in Deutschland ist, einen kleinen Südafrikaschaden mit sich herumträgt un d gern auf soziale Unterschiede hackt. Und dass sie so etwas erzählt, weil einfach nicht sein darf, was nicht sein kann, Empathie zwischen Reichen und Armen im Allgemeinen vielleicht, und der Versuch einer entsprechenden Flüchtlingspolitik, zum Beispiel. Möglicherweise ist die Dame auf diesem Auge so blind wie ich auf dem „(weißes) Südafrika ist einfach nur wunderbar“-Auge. Ich bin gespannt von Euch zu hören.

Lesen werden wir Eure Antworten nicht so bald, demnächst geht es wieder hinaus auf See, 3 Wochen können es bei den herrschenden Fächelwinden bis Brasilien werden. Darum  – und weil wir das Schauspiel als solches gern sehen möchten –  warten wir auch mit der Abfahrt auf Mittwoch der kommenden Woche, wenn die „allerletzte RMS aus England“ (siehe Bericht zuvor!) hier eintrifft und hoffentlich ein paar Zwiebeln und Äpfel und zwei Kartoffeln für uns mitbringt; auf Wiener Würstchen, Parmaschinken und Comtékäse (um mal ein paar EU-Länder zu bedienen) mögen wir aus Brexitland nicht hoffen. Was uns in der Nach-Brexit-Berichterstattung gut gefallen hat, war 1. der Namensvorschlag für ein mit einem unabhängigen Schottland zu vereinendes unabhängiges London, nämlich SCOTLOND, und 2. eine Statistik, die die Altersgruppierung der Wähler und die mittlere Lebenszeit zeigt, die der jeweilige Wähler mit der Brexitentscheidung zu leben hat – im Extrem überlebt demnach der jugendliche „Stay“-Sager den älteren, aber leider tonangebenden „Nein“-Schreihals um 50 Jahre. Hier sind die Leute eher skeptisch, ich denke, man fürchtet um die EU-Finanzhilfen. Aber das Wiedererstehen des Empires wird den Engländern bestimmt – ganz bestimmt! – einiges aus der Schatulle wert sein, auch für St. Helena/Ascension/Tristan da Cunha. Viel Geld für das Nichts?!

Hier auf St. Helena jedenfalls könnte man trefflich siedeln, wenn man mit der Versorgungslage ein bisschen Geduld und nun auch Nachsicht mit den Briten hätte. Ein tolles Beispiel (wirklich!) liefern Milla und Stefan. Heute haben wir wegen eines Wanderausfluges leider ihre Geschäftszeiten verpasst, und so muss ich gleich noch Brot backen. An 5 Tagen in der Woche – außer Mittwoch und Sonntag – stehen die beiden Finnen vor dem Consulate Hotel und verkaufen DIE Alternative zum englischen Toastbrot-Schwamm. Gutes, krustiges Weiß- und Weizenvollkornbrot, demnächst (wenn die nächste RMS aus Südafrika da war, siehe Stichwort „Versorgungslage“) auch Roggenbrot. Mohnbagel, Zimtkringel, Apfelrosen. Zwei Jahre dürfen die beiden hier leben und arbeiten, und wer unter 7.000 Pfund verdient, tut dies steuerfrei – zum Leben reiche das. Na, also. Noch Geschäftsideen? Wobei uns angesichts der Supermarktpreise 7.000 Pfund pro Jahr schon recht knapp erscheinen, das Preisniveau soll allerdings das finnische insgesamt nicht überschreiten. Da wir ja den „Independant“ (der gleich gestern Morgen das Referendumsergebnis herausschrie!) lesen, wissen wir, dass die Mehrzahl der Jobs auf dieser Insel unter der 7.000-Pfund-Grenze liegen. Behausungsmäßig sieht alles ganz moderat aus, oben in den Bergen ein bisschen bescheidener (an Kiwi-Schlichtbehausungen erinnernd), und das Government vergibt Häuser und Gärten, die als ehemalige Regierungswohnungen frei geworden sind, zu Minimalpreisen. Irgendwie geht es. Aber wenn man zu den 7.000 Pfund ein Gärtchen bewirtschaftet? Letzteres etwas, was viele ältere „Saints“ vermissen – man gibt sich sehr wohl dem Fischfang hin aber landwirtschaftliche Aktivitäten sind eher unbeliebt, obwohl sie die Versorgungsengpässe doch deutlich entlasten könnten, und die Inseltopografie würde das nach wie vor hergeben. Kelly aus der Touristeninformation erzählte mir, dass „moderne“ Anbaumethoden, z.B. unter Poly-Zelten, wegen des leichten Technologie-Touches neuerdings Interesse bei jüngeren Insulanern finden (mein Vorschlag: man müsste Gemüse virtuell aus dem Computer zaubern können!) Und vielleicht Weißkohl nur in der Weißkohlsaison essen, denn „wir sind einfach gezwungen, Gemüse außerhalb der Saison zu importieren“. Klar. Zwingend. Aber es gibt die erwähnten Anbaumethoden tatsächlich, und darum gibt es auch mittwochs Salat. Hydrokultursalat und der ist bestimmt ganzjährig in diesem Klima. Bei den Zwiebeln muss allerdings nochmal nachgelegt werden! —

Nichts. Oder: Möhrentag

St. Helena, 23.6.2016
Danke, lieber Neffe, für das Link zum SPIEGELartikel über den hiesigen Flughafen! Das hat uns sehr gefreut!
Zunächst mal, lieber Spiegel, ist diese Insel überhaupt kein „Nichts“, das ärgert mich ein bisschen, und schon gar nicht im „Nichts“. Dieses Nichts ist unser hauptsächlicher Lebensraum, und ohne das „Nichts“ wäre der Mensch… nichts. Ende der Philosophiestunde. Jahaa, ich weiß, wie es gemeint ist.
Die Insel, das haben wir letzten Freitag gesehen, ist erstaunlich vielfältig – karge, trockene Saumbereiche am Meer, fruchtbare Täler, bewaldete (wenn auch weitgehend von der endemischen Flora befreite) Berge, immerhin 800 m hoch. Viel Vulkangestein in interessanter Schichtung. Skurril erodierte Formationen wie „Lot’s Wife“. Dicke Kühe grasen extrem steile Weiden ab. Der Neuseelandflachs, ein Agavengewächs, das ehemals über die Produktion von Sisalseilen für einen bescheidenen Reichtum gesorgt hatte, macht sich übermäßig breit. Ein Regenpfeifer, der Wirebird, führt als unscheinbarer Trockenflächenbewohner ein etwas bedrohtes Leben: die Menschen haben natürlich allerlei unnatürlichen Unfug eingeschleppt oder zum Vergnügen ausgesetzt, Katzen, Hunde, Ratten… und solcherlei Feinde mögen Bodenbrüter nun mal nicht. Aber: der National Trust macht Anstrengungen zu seinem Schutz, und gerade in der letzten „Independant“ – es gibt außerdem noch den „Sentinel“ – stand, dass die Wirebirdzahlen wieder steigen. Freut mich sehr. Und so weiter.
Ganz wesentliche Frage noch zum „Nichts“: wieso kann man aus dem „Nichts“ heraus einen so grässlichen Muskelkater entwickeln wie wir in der vergangenen Woche? Zum Abschluss unseres Ausfluges waren wir auf die dämliche Idee verfallen, man könne ja die 699 Stufen der Jakobsleiter vom „Ladder Hill“ nach Jamestown hinabsteigen. Kann man. Geht auch ganz gut, man hat nur unten ein bisschen Pudding in den Seglerbeinen, und am nächsten Tage kann man sich nicht so recht bewegen… Zusammengefasst ist St. Helena also ein Nichts mit hohen Ansprüchen an die körperliche Fitness, mit (immer noch ) vielen endemischen Pflanzen und Tieren und zwei Zeitungen, mit 2 Radiosendern und regiert von der ersten GouverneurIN seiner Geschichte. Geschichte, die ein sehenswertes Museum sehr schön zeigt.
Wir waren am Freitag natürlich auch in Longwood, das lässt man sich ja nicht entgehen, und am „Tomb“, der Grabstätte, die sich Bony für den Fall seines Todes ausgeguckt hatte, in einem engen Seitental, unter Weiden, nahe an einer Quelle. Idyllisch. Er soll hier öfter spazieren gegangen sein und hat dann auch 19 Jahre streng bewacht hier gelegen, bis er exhumiert und nach Paris überführt wurde. Das Haus selbst – oh, weh! Sicher nicht schlecht, aber ganz sicher nichts für den anspruchsvollen ex-Kaiser. Auf der Fahrt dorthin ahnt man schon – die vielen Flechten an den Bäumen kommen nicht von ungefähr, und in der Tat war Longwood House mitten in den aufsteigenden Passatwolken gelegen. Hübsch feucht da oben! Mahlzeiten wurden unfranzösisch kurz gehalten, da das Esszimmer gegen die extreme Feuchte stets mit (ebenfalls nassem) Holz beheizt wurde. Huust! Und so fort. Kein wirkliches Vergnügen, dazu ein englischer Oberbewacher, der sich als besonders harte Nuss erwies: der Gouverneur Sir Hudson Lowe; der hat seine Pflicht erfüllt und Napoléon nicht noch einmal entwischen lassen, unter anderem, weil er die Bewohnerzahl der Insel mit 3000 Wachsoldaten (!) zu einem Allzeithoch angehoben hat. Miteinander gesprochen haben die beiden nur eine Handvoll Mal und das auch nur im ersten Jahr. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass auch „der Kaiser“ weder ein angenehmer Gefangener noch ein guter Gesprächspartner war (angeblich hat er bezügliche Lowe verlauten lassen, dass er nicht mit Leuten argumentiere, die er nicht auf dem Schlachtfeld getroffen habe…).
Aber St. Helena ist viel mehr als Bonaparte, auch geschichtlich. Alle berühmten Seefahrer waren hier, viele der damaligen Astronomen (Maskelyne und Halley…) und Charles Darwin hat die Beagle für eine Woche vor Jamestown ankern lassen und kartiert, was das Zeug hält – das hat dem Käpt‘n sicher gut gefallen. Damals gab es noch keine Moorings, und der Ankerplatz ist nicht unbedingt ruhig zu nennen…
Nebenbei erhielten wir auf der Tour auch eine kleine Inselkunde für das hier und heute: Robert berichtete über die Sisalproduktion (in der er gearbeitet hat), über die Bedeutung der Insel als Funkrelaisstation, über die Insel Ascension etc. , und wir bekamen den neuen Airport gezeigt. Was für ein Drama… 4 Jahre wurden hier ganze Berge verschoben, um irgendwie im Südosten der Insel eine plane Fläche zu schaffen, auf der große Verkehrsflugzeuge landen können, und als es jetzt so weit war, stellt man fest, dass die Scherwinde so stark sind, dass den Piloten wahrscheinlich der Angstschweiß schon beim Abflug Richtung St. Helena auf der Stirn steht. Man gibt sich aber hoffnungsfroh, dass sich eine Lösung findet. Touristenverkehr mit kleineren Maschinen, möglicherweise ab Walvis Bay in Namibia. Und ganz pragmatisch: eine Frau meinte, dass die Möglichkeit, Medivac-Flüge zu bestreiten, schon die Geldausgabe wert sei. „Money well spent!“.
Der ganz große Touristenstrom wird allerdings zunächst ausbleiben. St. Helena ist wie immer: abhängig vom Fahrplan des Royal Mail Ship ST. HELENA, das nun weiter ackern muss. Nächste Woche kommt sie, und dann gibt es mal wieder Kartoffeln. Und Zwiebeln! Ich war wahrscheinlich nicht die letzte, die auf dem Gang durch den Ort angesprochen wurde: „… where did you get the banana?“ Sieht so aus, als bliebe das Prinzip „kauf das Gemüse, wenn es welches gibt!“ noch eine Weile erhalten. Und heute war Möhrentag. Every Thursday! Das Leben im Nichts!

Saint Helena

St. Helena, 21.6.2016

… oh, nein, oh! Kein Blog, keine Positionsmeldungen, oder letztere nur bedingt in Form einer Satellitenmail. Jetzt aber mal!

Donnerstag, am 16.6. um 5 Uhr früh krackelt das Radio – eine britische Frauenstimme führt ein britisches Radiogespräch mit einem anderen Schiff, 40 Meilen draußen: „St. Helena Radio, St. Helena Radio, St. Helena Radio! Station calling St. Helena Radio, this is St. Helena Radio!“ Als sie fertig sind – ich höre nur die Landstation – hänge ich mich dran; ich hätte sie so früh nicht geweckt, aber so können wir unserer Pflicht, die Ankunft 20 Meilen vor Jamestown anzumelden, geschickt nachkommen. 2 Leute an Bord, alles gesund. „Did you say five-zero tons?“ Nein, wir haben nur one-five tons. „That’s good! Contact the harbour master on channel 14 when you ar 1 mile out! Welcome to St. Helena“. Wir sind fast da. Wir halten Frühstück mit Delfinen, grüßen die ersten Tropikvögel, Tölpel und Feenseeschwalben kreisen in der Luft, und als wir um die Ecke biegen, kommen uns der Begrüßungs-Buckelwal entgegen – er hält sich allerdings etwas bedeckt und scheint in Eile.
Wir auch, wir müssen noch rasch die Bäume wegnehmen, ehe es ein allem Anschein nach komplizierteres Mooringmanöver gibt: wir sollen vorn und achtern an je einer der ausgelegten, gelben Moorings festmachen, und das wird in mehreren Quellen explizit beschrieben: eine Person signalisiert dem Steuermann, wohin er fahren muss. Eine Person besorgt zwei Festmacherleinen an den vorderen Klampen und eine steht im Bug und wirft eine lange Festmacherleine „aufwärts – vorwärts“ in einem Lassowurf über die Mooring. Wir scheinen ein Crewdefizit zu haben – unser Steuermann muss selbst gucken, wohin er fährt, und ich übernehme die anderen beiden Jobs. Und überhaupt, Lassowurf. Wir haben unseren alten Schwedenhaken herausgekramt, das muss auch gehen. Und es geht, allerdings dauert es eine ganze Weile, bis wir – Festmacher aneinanderstecken um sich zurückfallen lassen zu können, Balanceakt auf der Badeleiter etc. pp. – tatsächlich vorn und achtern fest sind.
Landgang! Einklarieren! Der „Ferryservice“ bringt uns hin – macht 1 Pfund pro Nase und Fahrt. Der Schritt an Land ist legendär und wird überall eingehend beschrieben, es kann, je nach Wellengang und Tidenhöhe, ein bisschen feucht, glitschig und bewegt sein. Anno 82 befand sich Prince Andrew auf dem Weg zu Kampfhandlungen in den Falklands und besuchte die Insel – die BBC berichtete live, und während His Royal Highness, wohl gut gebrieft, die bereithängenden Leinen ergriff und auch den Zeitpunkt gut erwischte, in dem das Bötchen gerade oben auf einer heranrollenden Wellen schwappte, und er elegant und trockenen Fußes an Land trat, gab der Gouverneur in vollem Ornat den „routinierten Local“, entschied sich für die freihändige Variante, sprang – und verschwand prompt in den Well en. Es wird gesagt, dass er kurze Zeit später an einen trockeneren Platz des Britischen Empire versetzt wurde – nach British Guyana. Da regnet es einem höchstens auf die Schärpe. Das Leben auf St. Helena – übrigens mit der Betonung auf dem zweiten „e“, mit einem klitzekleinen „i“. Heleeina! Wir eilen zum Harbour Master, der freundlicherweise vor dem Büro auf uns wartet und uns per Handschlag begrüßt. Wir halten den Inselbetrieb auf, er muss zu einer Besprechung „at the castle“, the governor trommelt schon mit den Fingern. Während er sich aufmacht, belästigen wir den Zoll. Ach, ja. Mindestens 12 unterbeschäftigte BeamtInnen füllen den Raum, das erste Symptom einer schlechten wirtschaftlichen Lage tritt zutage. So richtig voll ist es ja im Hafen nicht – die Lop To liegt neben uns, der Rest ist lokaler Fischereiverkehr, plus ein Überraschungsgast namens Don Baldo, eine alteRoRo-Fähre von Chile auf dem Weg zu ihrem nächsten (letzten?) Einsatzort in Äquatorial-Guinea, und Lop Tos und der Don haben schon vor Tagen eingecheckt. Also sind wir schnell durch, und nett, nett, supernett ist man, und nach kurzem Gang durch dieses historisch anmutende Städtchen – Immigration ist auch in der Besprechung „at the castle“ – plumpsen wir im Hof des Consulate Hotel auf die Stühle. Lunchtime mit Fußballfernsehen, es spielen England gegen die Waliser. Ganz normales Inselleben also.

Tag 2 – wir haben Programm! Die Lop Tos haben eine Inseltour arrangiert. Ferryservice um 9, Sprung an Land (siehe oben!). Unter der Steilwand – unter der auch wir liegen, und die einem höchstens einen halben Satellitenhimmel und ansonsten wenig Funkverkehr und damit auch keine Positionsmeldungen erlaubt – reihen sich ein paar koloniale Gebäude, alte Pulverhäuschen etc., und dort wartet Robert Peter mit seinem klapperigen Bus. Wir gehen auf „Historical tour“. Und treffen Trevor Magellan…
Robert ist ein ehemaliger Schulbusfahrer, der nun seinen Lebensunterhalt mit Taxifahrten verdient, er muss Ende 70 sein. Ein bisschen schwer zu verstehen ist Robert, sein er hat fast ein bisschen Südstaaten-Tonfall – ob er das in Ascension aufgeschnappt hat, als er dort in den 50ern und 60ern gearbeitet hat? Jedenfalls – erster Punkt unserer kleinen Geschichtstour – erinnert er sich an den Knall, den 1942 ein Torpedoschuss eines deutschen U-Bootes auf ein englisches Kriegsschiff in der Bucht von Jamestown verursachte. Geschichte aus erster Hand.
Und dann geht es zunächst einmal zu dem, was die meisten mit St. Helena verbinden (übrigens sagen viele „… ach, St. Helena, das ist doch die Mittelmeerinsel, auf der Bonaparte…“). Nö. St. Helena ist eine südatlantische Insel, und das nicht ohne Grund – diesen Herrn Bonaparte wollten sie so weit vom Schuss weg haben wie möglich, und es wurde mit allen Mitteln dafür gesorgt, dass kein französischer Fan „den Kaiser, den Kaiser“ zurück nach Europa holt. Übrigens war auch Wellington hier auf der Insel, und die erste Nacht seines Aufenthaltes hat Napoleon da genächtigt, wo auch Mr. Wellesley geschlafen hat, was diesen angeblich veranlasst hat, „Bony“ eine Nachricht aus Paris zu übermitteln, in dem er ihm wünscht, dass ihm sein Quartier in Jamestown so gut gefallen möge, wie ihm der Elyséepalast in Paris. Kriegsschauplatz-Scherze…
Bekannt ist St. Helena für Napoléons Unterkunft in Longwood, oben in den Bergen – nicht nur, dass die Insel abgelegen sein musste, um den kriegerischen Herrn unterzubringen, nein, auch innerhalb der Insel sollte er möglichst abgeschieden versteckt werden. Allerdings hatte er sich ausbedungen, dass er das geplante Haus besichtigen dürfe. Deprimiert über den Zustand der kleinen, heruntergekommenen Farm ritt er mit seinem General (und sicher einem Rattenschwanz an englischen Bewachern) zurück nach Jamestown, als ihm ein kleines Gartenhaus oberhalb der Stadt ins Auge fiel – fortan Briar’s Pavillion genannt. Ich denke, der Herr verfügte noch über ausreichend Überredungskunst, den Besitzer davon zu überzeugen, dass er kaiserliche Einquartierung bekommen würde; und in der Tat, während der zwei Monate, in denen Longwood erweitert und renoviert wurde, haben sich die beiden angefreundet. Es ist ein niedliches Haus in einem idyllischen Garten; Trevor, ein älterer Herr, der uns das Haus zeigt, weiß kleine Geschichten zu erzählen, von der Tochter des Hausherrn, Betsy, die dem ex-Kaiser als Sonnenschein diente und von den Wutanfällen, die zu dem führten, was man auf dem Kaminsims neben Napoléons Büste zu sehen ist: ein Porzellanteller in Scherben. Fast noch interessanter, was Trevor zu Siedlungsgeschichte der Insel zu erzählen hat – nicht von ungefähr sieht er ein bisschen olivfarben-portugiesisch aus, er heißt auch „Magellan“ mit Nachnamen. 1502 war die Insel von den Portugiesen entdeckt worden, und für viele Jahre ein gut gehütetes Geheimnis. Dann kriegten die Spanier Wind von diesem schönen Platz, an dem man sich auf dem Weg zum Kap verproviantieren konnte, verzeichneten die Insel in den Lotsenkarten, und es dauerte nicht lang, bis eine solche Karte während der steten Scharmützel zwischen den konkurrierenden Seefahrern in fremde Hände fiel. Ende des 16. Jahrhunderts begann dann ein länger andauerndes Bäumchen-wechsel-Dich-Spiel zwischen holländischen und britischen Besatzern/Besitzern.  Trotzdem ist mir die Geschichte vom ersten Langzeitsiedler auf St. Helena die liebste: Joao Lopez. Der hatte in Goa versucht zu desertieren, weshalb man ihm Nase, Ohren, eine Hand und den kleinen Finger der linken Hand abschnitt. So entstellt, sagt Winchester, hatte er wenig Lust, Frau Lopez daheim entgegenzutreten und entschied, auf St. Helena zu siedeln. Über Jahre floh er, wenn Schiffe ankerten, vor möglicher Gefangennahme; irgendwann allerdings nahm man ihn doch mit nach Lissabon. Als Kuriosität wurde er herumgereicht, und nachdem man ihn sogar zum Papst geschickt hatte, äußerte er einen Wunsch: man möge ihn zurück nach St. Helena bringen. Was man tat – noch 35 lange Jahre lebte er hier fröhlich, züchtete Schweine und Hühner und Ziegen und erfreute sich der Dinge, die ihm seine Gärten lieferten. Und wenn er nicht gestorben wäre, würde er noch heute in diesem fruchtbaren Tal oberhalb von Jamestown leben.  Mein Napoléon heißt Lopez!

Mein Kaiser, mein Kaiser!

Mein Kaiser, mein Kaiser!

Ach ja – wann es Bilder gibt, weiß allein der Internetprovider, und dessen Mühlen mahlen langsam…

Going west

17°2S – 002°10 W 14.6.2016 Tag xy unserer Passage nach St. Helena. Tag 9? Tag 9! Irgendwann verliert die Zahl ihre Bedeutung. Es sind noch genügend Zwiebeln, Äpfel, Kartoffeln an Bord, und die Kühlbox ist auch noch ausreichend beschickt. Wir haben noch ungefähr 220 nm zu bestreiten. Noch eine kurze Bemerkung zu Lüderitz: vielleicht habe ich das Schwergewicht meiner Schilderungen zu sehr auf die Deutschtümelei gelegt. Nein, Lüderitz ist kein „deutsches Nest“ in Namibia, das ist Swakopmund schon eher. Es gibt vielleicht noch 100 deutschsprechende Einwohner, und es gibt zwar einen „deutschen Club“, aber der wird fast ausschließlich von nicht-deutschen Namibiern frequentiert; eine zusammenhaltende „deutsche Gemeinde“ gibt es weniger. Beate, die Wirtin der Alten Loge, meinte, dass das Clubinteresse hauptsächlich im Knobeln und Jägermeistertrinken läge, und das geht auch ohne deutsche Zunge. Auffällig im Stadtbild ist lediglich, dass deutsche Gebäude, deutsche Beschriftung liebevoll gepflegt wird – das ist halt Ortsgeschichte, und Geschichte zu bewahren ist löbliches Tun, denn sonst wäre es ein ziemlich gesichtsloser Wüstenplatz. Gestern haben wir zum zweiten Mal auf unserer langen Reise „nach dem Westen gemacht“. Längengradmäßig sind wir also definitiv „rum“, ein seltsames Gefühl – ich muss mal schauen, wann wir das erste Mal über den Nullmeridian geholpert sind. Klar, im Kanal, aber wo war das? OpenCPN sagt: auf dem Weg von Dieppe nach Cherbourg; mei, war mir da schlecht! Bei solchen Wegmarken drehen die Gedanken gern Ehrenrunden: Äquator. Datumslinie. Die Wendekreise. Und diese Ehrenrunden werden immer nostalgischer – und meine Spannung, was kommt, kriegt leicht skeptische Züge. Ein anderer Segler schrieb neulich aus der Karibik, dass es schwierig sei, an solchen (überfüllten) Plätzen wie in der Karibik die Erlebnisse einer Weltumsegelung zu toppen. Muss man vielleicht auch nicht – wenn wir uns weiter in der Kunst des „auch ganz schön hier“ üben, sollte eigentlich nichts schief gehen. Trotzdem frage ich mich, ob man wohl besuchte Plätze gern noch einmal sehen würde (Bonaire fällt mir ein, Blanquilla, die Roques), aber vielleicht sollten wir lieber die unglaubliche Menge an nicht besuchten Plätzen ansteuern; wir haben ja noch gar nichts gesehen. Die großen Antillen, allen voran Kuba, auch wenn die alten Buena-Vista-Knacker wahrscheinlich nun alle dahin sind. Mittelamerika! Die Bahamas? Kommt Längengrad, kommt Idee. Jetzt erst einmal kommt etwas, wovon Helmut „Lop To“ heute früh auf dem Funk sagte: „… super Ziel…“. Wir freuen uns auf St. Helena. Wir freuen uns auch auf die Queen, die muss dort sein, denn gestern wurde ihr Geburtstag gefeiert, ebendort, da wird sie ja wohl anwesend gewesen sein, oder? Und sie muss dort definitiv feststecken, denn Her Majesty’s Ship, The Royal Mail Service „St. Helena“, ist in London, und sowieso ausgebucht für die nächsten Monate. Und, Überraschung: eigentlich sollte – BER lässt grüßen! – der Flugplatz schon letztes Jahr fertig sein, dann im Januar, nun im Mai, aber Helmut meinte: „Airport is‘ nich‘!“ Wie nett für uns. Ich hätte zwar nicht erwartet, dass sich mit einsetzendem Flugverkehr das Inselflair am gleichen Tag um 180° dreht, aber so werden wir St. Helena noch im Urzustand betrachten können. Irgendwas ist mit der Landebahn. Uns wurde auch schon heute Crew nach Brasilien angedient – ein Amerikaner ist mit seiner Yacht auf der Insel „gestrandet“ und ver sucht seit Wochen, egal wie zu irgendeinem Festland zu kommen. So ist das auf St. Helena. Ich lese gerade mit Vergnügen das Buch „Outposts – Journeys To The Surviving Relics Of The British Empire“ von Simon Winchester. Die „Journeys“ sind zwar auch schon ein paar Tage her, aber es macht großen Spaß, über Ascension (ein Kurzfrist-AKKA-Ziel?!), Diego Garcia oder Tristan da Cunha zu lesen, und besonders Letzteres hat mich in seiner Abgeschiedenheit schwer beeindruckt, ein Ziel, das man in jedem Fall einen Traum bleiben lassen sollte. So hätten es damals wohl auch gern die Einwohner g3habt – ob das heute noch ist? Aber St. Helena ist ja auch ausreichend abgeschieden – drum hat man Herrn Bonaparte dort ja auch untergebracht. So abgeschieden, dass Lop Tos heute mahnten, wir mögen doch bitte mit unserem Frischproviant sehr sorgsam umgehen, die Inselregale seien weitgehend leer. Siehe oben – HMS St. Helena auf Abwegen, da kommt nichts nach. Insofern ist es nicht so ganz unwesentlich, dass wir noch genügend Zwiebeln an Bord haben. Die Karotten muss man leider von der schwarzen Pilzschicht befreien, und von den Tomaten haben nur die südafrikanischen, nicht die grünen aus Namibia überlebt. Die Kürbisse müssen auf die Brasilienpassage warten, und die Kohlköpfe muss ich mal pflegen. Ansonsten gibt es halt mal wieder Dosengemüse mit Zwiebel. Kennen wir ja schon. Damals. In San Blas… Oder in der Lau-Gruppe. Schöne Zeiten, also fügen wir ein weiteres Kapitel an. Es soll in St. Helena günstigen, frischen Tunfisch geben! Wenn das nichts ist – we are going west!

Ach, Luise…

21°19 S und 005°28 E 10.06.2016 Tag 5 unserer Passage nach St. Helena. Alles gut an Bord. Die Anfangsmüdigkeit ist der Passagegrundmüdigkeit gewichen, will sagen: man muss sich drauf konzentrieren, auch zwischendurch ein Nickerchen zu machen, damit die Nachtwachen nicht allzu schwierig sind. Der Wind ist leicht, leichter als wir aus den Langfristvorhersagen erhofft hatten, aber es geht doch immer noch mit ungefähr 5 Knoten voran, „platt vor den Laken“ in die richtige Richtung. Das südliche Afrika versinkt im Kielwasser. Und damit die Erinnerung nicht vollends mit versinkt, noch ein paar abschließende Kapstadt-Noten. Fällt mir nicht ganz leicht… Der Abschied von Südafrika war ohne Wehmut. Keine wirkliche „Yachtheimat“ ist uns Kapstadt geworden, und die anderen Häfen, Richards Bay, Durban, Port Elizabeth auch nicht, aber das waren ja auch eher Stippvisiten. Und doch war es gerade in Kapstadt schön. Der kleine Yachtclub mitten im Industriehafen, nette Menschen, guter Kaffee auf der Restaurantterrasse, alles gekrönt von diesem fantastischen Tafelberg. „Landschaft“, das kann Südafrika einfach, und Kapstadt ist keine Ausnahme. Am besten fand ich den Blick, wenn man ermattet vom Einkauf im Builders Warehouse in Paarden Eiland kam und ein ganzes Stück auf den Berg zu radeln musste. Muss man gesehen haben – atemberaubend, und das lag nicht an der Radelei. Und zum Schluss, als es schon auf den Winter zuging, tauchte die flach stehende (und unermüdliche!) Sonne die Stadt in ein milchiges, melancholisches Herbstlicht – das hieß: schöne Sonnenspaziergänge und zur Kaffee(= Café)-Zeit dann schöne Dramaschatten. Pelzrobben wälzen sich im Hafenwasser, tausende Touristen sorgen für Trubel ründ um meine Einkaufsecke an der V&A-Waterfront und am Nobel Square, alte Herren spielen fetzige Jazzstücke – überhaupt war dort immer für gute Musik gesorgt. Traditionell-Schwarzafrikanisches, Bläsergruppen, Marimbaplayer. Schick. Und genau diesen Ausschnitt sieht man halt auf Kurzbesuch in Kapstadt, aber es gibt ja auch den Alltagsaspekt. Und immer wieder diese dämlichen Sicherheitsfragen. Wenn ich über die Fußgängerbrücke zum Woodstock-Bahnhof gehen wollte, kam mit Sicherheit jemand aus der Yachtie-Gemeinde, der ein „da kann man nicht langgehen!“ einwandte, und die Sicherheitsleute am Gate rufen fröhlich: „… take care, auntie!“. Fährt man mit dem Hausmä dchenbus morgens zum Tafelberg hinauf – wir haben den Ausflug wiederholt, weil es einfach unvergesslich schön ist! – kriegt man die ganze Pracht der besseren Wohngebiete vor Augen geführt. Western Cape – die einzige Provinz, wo man noch „leben“ kann, sagte jemand. Nebenan aufgepeppte alte Wirtschaftsviertel oder solche, wo es mit dem Aufpeppen noch nicht ganz so weit ist, zum Beispiel Woodstock. Und vom Tafelberg in die „falsche“ Richtung geguckt präsentiert sich einem die ganze Bescherung: die Cape Flats. Townships, Wellblechbuden (wenn man Glück hat) oder Plastikplanendächer. Und drunter duckt sich wieder Constantia, allerfeinst, die soziale Schere könnte nicht weiter klaffen. Gegen Ende unseres Aufenthaltes schickt uns ein Freund eine befreundete Familie, die uns zum Italiener ausführen, in einem der ganz alten Gebäude der Stadt. Das Volvo-SUV wird von einem der nigerianischen „Parkwächter“ eingewiesen, der lustigerweise sein eigenes Auto auf immer andere Parkplätze stellt und s o immer ein Plätzchen für einen solventen und (hoffentlich ) großzügigen Parkplatzaspiranten bereit hat („Thanks, my brother!“). Bargeld führt die Familie lieber nicht bei sich, nur eben für Trinkgeldjobs. Der Abend ist schön, das Essen gefällt uns sehr, am besten gefällt mir allerdings die Aussage der Mutter, die von ihrem Zuhause in Franschhoek erzählt und schließt: „… eigentlich sollten wir da nicht mal wählen dürfen… wir leben in einer Blase!“ Eine Blase der Sicherheit, des Luxus, weit weg vom normalen Leben, x-fach umzäunt und bewacht und gesichert. Eine für uns unvorstellbare Art der „Normalität“. Jetzt, gerade auf dieser Passage, lese ich die Deon Meyer-Kapstadtkrimis um Bennie Griessel ganz gern; gut getroffen, das Kapstadtbild, und für mich natürlich nett, sich in der Stadt ein bisschen auszukennen, nicht nur topografisch, sondern auch im Miteinander der Leute. Ein „Heimatroman“ ist es nicht. So war es dann ganz einfach, die Leinen loszuschmeißen. Während die Lop To sich tapfer auf den Weg nach St. Helena machten, sahen wir das Windloch in der nachfolgenden Woche, und es war rasch klar, dass wir lieber nach Lüderitz gehen, statt über Tage in die eine oder andere Richtung zu dümpeln. Sehr gute Entscheidung, hätten wir doch ein paar aufschlussreiche Gespräche und ein bisschen Diamantenrauschgeschichte verpasst. Und eine Woche namibisches Ministadtleben. Wir hingen – von der sensationellen Evoldini, der Herrin über den Hafen Lüderitz, dorthin vermittelt – an der Mooringboje des Diamantendredgers „Rachel“, der am Tag nach unserer Ankunft hinausfuhr, um seinem wirklich mühseligen Geschäft nachzugehen, nämlich 8-10 Tage vor der Küste „staubsaugen“. Die Diamanthaufen, die man Anfang des 20. Jahrhunderts noch von der Oberfläche sammeln konnte, sind natürlich längst abgeerntet – man lag dazu bäuchlings im Sand, hatte ein Sammeltäschchen um den Hals gebunden und raffte so viel zusa mmen wie möglich. Heute ist es lukrativer, an vielversprechenden Stellen, sprich: unterseeischen Senken und Gräben, zu ankern und einen Taucher hinab zu schicken, der den dicken „Diamantensauger“ lenkt. Was genau sie aufsaugen, ist in dem Moment noch nicht klar, und der Wert der Beute steht erst fest, wenn Crew und Schiff gründlich auf Schmuggelware untersucht sind (wie findig die Diamantenarbeiter in diesem Punkt sind, kann man im MUseum sehen!), und wenn der eingesammelte Dreck gewaschen und sortiert ist. Das macht einzig und allein die Firma de Beers, die nicht nur den Hafen Lüderitz penibel überwacht, sondern das gesamte Sperrgebiet. Früher, zu Zeiten der „Diamanteneinsacker“ war das noch anders, und es ergoss sich ein Reichtum über Stadt und Region, der schon ans Abstruse grenzte. Dies ist zwar eine harsche Sandwüstenumgebung, aber man hatte angeblich Wasser genug, um Rosen zu züchten, damit man die Tanzböden mit Rosenblättern bestreuen konnte, obwohl ein Champagnerbad tatsächlich billiger gewesen sein soll als eines im über zig Kilometer aus dem Inland herbeigeschafften Wasser. Ein Stadtleben, das eine gewisse Dame der wilhelminischen Zeit offensichtlich nicht wirklich goutierte. Luise hieß sie und war die Frau eines zu Reichtum gekommenen kaiserlichen Leutnants namens Hans Goerke. Hans hatte seine Luise aus Berlin nach Lüderitz geholt und, damit es ihr auch ja gefällt, ein wilhelminisches Prachthaus an den Felsen oberhalb des Dorfes geklebt. Wir waren da. Salon Studierzimmer, geräumige Ankleide, Schlaf- und Gästegemächer, 2 (zwei!) Badezimmer. Bleiverglaste Zierfenster… Nur dass Hans Luise vielleicht doch nicht die ganze Wahrheit über das Leben in Lüderitz gesagt hat – dass die weißen Tropenkleider im ständigen Sandsturm nicht lange weiß bleiben. Dass man die riesigen Hüte nur im Haus tragen kann. Und dass vielleicht trotz aller Turnhallen und Kegelbahnen und Tanzsäle das gesellschaftliche Leben nur bedingt mit dem von Berlin zu vergleichen ist. Hat er Dir das gesagt, Luise? Hast Du, Hans? Jedenfalls: zwei Jahre hat sie es in diesem diamantenen Käfig aus gehalten. Das Haus ist interessant anzusehen, aber es atmet für mich heute noch den Geist des „Untertan“. Deiner Tochter, Luise, hat es gefallen, als sie als 80jährige das Haus der Eltern besuchen durfte. Und Hans hatte sich wirklich Mühe gegeben…

Jooo.

Lüderitz/Namibia. Am Anker…
31.5.2016

Ich arbeite mal meine Blogschulden ab – wir diskutieren, wann unsere Reise nach St. Helena weitergeht, es ist Gewurschtelwetter, und darum – genauer gesagt wegen akuter Windschwäche – sind wir nach 4 Tagen schöner Leichtwindsegelei nach Namibia abgedreht.
Darum hier jetzt ein gut durchgeschmorter Eintrag noch aus Kapstadt. Damit alles schön chronologisch bleibt!  Joo…

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Cape Town, 21.5.2016

Happy birthday an meinen Vater, der heute 106 geworden wäre und an den Neffen nachträglich!  Jooo…
Dieses „joo“ ist so ziemlich das wichtiges Wort auf Afrikaans. Abgesehen vom zu kaufenden Esel, baia dankie, gesprochen „buy a donkey“, was so viel wie „vielen Dank“ heißt. Joo geht immer. Zum Beispiel als kurzes, bestätigendes „jo…“. Der  Ton sinkt dabei leicht ab. „Oder als General-Fragewort „joo-o?, in der Tonlage ansteigend. In jedem Fall wird das Wort durch ein leicht gezischtes „j“ eingeleitet, Google sagt dazu „palataler Frikativ“. Toll.  Ich sage das, weil wir in den letzten Tagen eine ganze Reihe von Taxifahrern bemüht haben, und Spitzenreiter im Unterhaltungswert war gestern Ivan.  So ein „Jooo!  Joooo! Joooooo!“, Tonlage steil ansteigend, hatten wir noch nicht gehört. Das kam so: „We go to Edgemead!“. „Do you live in Edgemead?“ „No, we live at the yacht club!“  Gelächter und dann „No, I mean your HOME!“  „Yeah, the home is our boat, and that’s at the RCYC…“ Pause. „Joo.“  Wieder Pause. „…and how many days have you been sailing?“  Wieviele Tage wir gesegelt sind?  Jahre!  „?? 9 years?  Joo. Joooo – joooo – noo – jooooo!“ Ansteigender Tonfall!  Ivan quietscht vor Bewunderung und kriegt sich gar nicht mehr ein. Es folgt ein längeres Interview zum Leben an Bord im Allgemeinen und im Besonderen, und weil Taxifahrer es hier gerne haben, wenn man sie für die Rückfahrt warten lässt, war auch Zeit für einen informativen Nachschlag.  Ivan ist coloured und gibt uns an der Ampel, wo wieder einmal ein Vertreter der Berufsgruppe Straßenhändler/Bettler/Fensterwäscher steht, Tipps, wie man damit umzugehen habe, und kommentiert auch die Gefahr, die damit einhergeht, in ruhige, ansehnliche Wohnviertel wie Edgemead zu ziehen. Ganz gefährlich, denn „die Drogenbarone bzw. ihre Dealer zieht es dort hin“. Und dann zieht die Kriminalität ein.  Nein, ein Leben an Bord kann er sich nicht vorstellen – schließlich ist er in einem kriminellen Land aufgewachsen, da weiß man, was Gefahr ist, und dann zeigt er uns seine Elektroschockpistole. Man kann doch nicht einfach irgendwo ankern?! Allein?  Wie furchtbar!  Genau, furchtbar, wenn man solche Ängste mit der Muttermilch aufsaugt.  Joo.
Dann hatten wir neulich George. „George, wo lebst Du denn?“  Na, hier in Maitland. Schlichtes Viertel, aber in Ordnung. Die Kinder sind gut in der Schule, da achten wir drauf und da bezahlen wir auch für. Aha..
Unsere Taxifahrer waren sonst alle weiß oder coloured… „George – habt Ihr Taxifahrer, die zum Beispiel in einem Township wie Kayalitsha wohnen?“  „WHAAT?“ Also, so was Unvorstellbares, da wohnen die Leute, die nur von der Wohlfahrt leben.  „Sag mal, bist Du aus Cape Town?!“  „Iiich?! Ich bin aus Zim, ist doch klar. Schwarze Taxifahrer bei den professionellen Taxifirmen sind oft aus Zim. Und Leute, die hart arbeiten sind sowieso überwiegend aus Zimbabwe… wir kommen mit nix, arbeiten, und nach einer Weile gehört uns ein Auto. Ganz einfach!“ Tja.
Oder Rodney. Coloured as coloured can be. Wir stehen an der Hafenwache zur Stadtmitte. Mit dem Wachpersonal hatte ich auf meinem Fahrrad immer Spaß – Richtung Paarden Eiland macht die Dame den Schlagbaum nicht auf. Geht nicht, nur für Autos – quetsch Dich einfach an der Seite durch! Das Personal Richtung Waterfront, also zu meinem steten Einkaufsplatz und damit hoher Passierfrequenz, winkt immer freundlich, schwatzt auch mal und wünscht einen schönen Tag/Abend.  Das Tor in der Mitte ist der Hammer, mit stets wechselnden Regeln. Manchmal muss man das Fahrrad durch die Wachbude tragen, 3 Stufen rauf, und sofort drei Stufen wieder runter. Es sitzt aber niemad dort drin, und wenn, dann ist er / sie nicht an diesem Durchgangsverkehr interessiert. Und jetzt also mit dem Taxi und Rodney. Zunächst mal ist man als Autofahrer generell scheixxend freundlich, „brother“ und „sister“ ist das Mindeste. Heute haben wir einen schwierigen Fall erwischt, denn in Paarden Eiland rein und zur Stadtmitte raus, das geht gar nicht. Kofferraumkontrolle. Diskussion.  Was sagt Rodney anschließend zu mir über den „brother“?  „… die stellen uns jeden Tag neue baboons hier her!“  Baboons. Paviane. Ich schlucke kurz. „… die kommen aus Kwa Zulu Natal oder direkt aus dem Wald…“  Und dann geht die Tirade los. Ich kriege zum Abschluss unseres Südafrikaaufenthaltes noch einmal eine massive Lektion zu den politischen Verhältnissen. „Apartheidregierung? Die waren saudumm!  Aber die jetzige, die schlägt alles…  Diktatoren sind das hier“  Rodney gerät ins Kreischen: „… all das Gute schaffen sie ab, reißen sie ein, und nichts dürfen wir mehr tun…  Die holen uns noch den Mugabe ins Land!“  Er streckt mir seinen dunkelbraunen Arm hin – es folgt eine Bewegung, die ich schon aus den ersten Tagen in Richards Bay kenne – man streicht sich über die Unterarmhaut und sagt bedeutungsvoll: „Wrong colour!“  – die falsche Farbe. Im Funk krackelt es, Rodney wird gerufen. „oh, yeah, sweetie! I am here, we go to V&A“ säuselt er. Und sagt zu mir: „New baboon on the radio“. TISA. That is South Africa.

Jooo!

… draußen vor allem Sand!

Sossusvlei-Dünen. Das Dead Vlei

Sossusvlei-Dünen. Das Dead Vlei

Kapstadt, 07.5.2016

Schon lange sind wir zurück in Kapstadt, eine ganze Woche. Und Lüderitz hat uns, um es gleich vorwegzunehmen, bezüglich der Kaffeekännchen enttäuscht: draußen nur Diamanten. Und Sand. Endlos.

In Walvis Bay hatte es schon die ersten Dünenvorboten gegeben, die Düne 7 gleich hinter der Stadt lädt zum Krabbeln ein. Wir sind natürlich hübsch in der Mittagszeit dort und verschieben der Hitze wegen den Aufstieg, der sich bereits auf dem unteren Drittel als mühsam herausstellt. Ein Picknick am Fuß tut’s auch. Tagesziel ist Goanikontes, eine Guestfarm 40 km östlich der Stadt im Bereich des Swakop Rivier; viel mehr, außer dass es sonntags Kaffee und Kuchen (draußen nur Kännchen?!) gibt, wussten wir nicht; wir hatten die Besitzerin in der deutschen Botschaft in Windhoek getroffen. Geteiltes Leid.

Das Moon Valley. Steine statt Sand.

Das Moon Valley. Steine statt Sand.

Man fährt auf die Hochebene hinauf und dann…  mal wieder „Namibia“! Land des nicht enden wollenden Augenschmauses, denn es tut sich vor uns das Moon Valley auf, eine völlig irrational anzuschauende Wüstenlandschaft aus Canyons und Erhebungen. Wie ein plötzlich zu Stein erstarrter, wilder Ozean. Endlich einmal verstehe ich, warum manche Menschen in diesen Tagen solche ansonsten lästigen Drohnen fliegen lassen – ein Südafrikaner holt sich Filmmaterial aus der Luft. Tatsächlich, das müsste man sich mal von oben angucken.

Oase Goanikontes

Oase Goanikontes

Und unten, mittendrin, Goanikontes. Wir beziehen wir einen der Campingplätze unter den großen Bäumen, die einen nun endgültig in Erstaunen versetzen, denn man kurvt durch allerlei giftfarbenes, wildes Wüstengestein ins Rivier-Tal hinunter. Der Fluss ist wie alle namibischen Flüsse – bis auf die beiden Grenzflüsse, den Kunene an der Grenze nach Angola und den Oranje im Süden – für Jahre trocken, um dann manchmal mit plötzlichen Wassermassen aufzuwarten. Das Grundwasser ist entsprechend brackig, aber es gibt genug, um einen mäßigen Pflanzenwuchs zu gewährleisten. Wer hier Baum ist und erst einmal Fuß gefasst hat, hält es dann auch länger aus, wird groß und stark und bietet dem Camper anheimelnden Schatten. Gemüsewirtschaft hat man hier in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts probiert, das war nicht von großem Erfolg gekrönt – siehe Brackwasser – aber Viehwirtschaft geht immer noch, wenn auch die Welt- oder Regionalwirtschaft dem einen Strich durch die Rechnung macht: der Bedarf an Rindfleisch ist zwar hoch – es lebe der Biltongverbrauch! – aber die zu erzielenden Preise sind so gering, dass zum Beispiel unsere Gastgeberin das Schwergewicht ihres Lebensunterhaltes auf Guestfarm und Campingplatz gelegt hat.  Nicht unbedingt zu ihrer Freude, denn sie ist, wie sie in ihrem klaren Norddeutsch sagt, „Farmer aus Leidenschaft“. In dieser Wüste – Oase hin oder her – würde sich der norddeutsche Milchbauer schön umgucken…
Weil Wochenende ist, ziehen auf den umgebenden Stellplätzen namibische Großfamilien ein und machen sich ein paar nette Stunden, es gibt sogar einen Pool zum Plantschen für die Kinder, und Platz ist, wie überall in Namibia reichlich (wenn es nicht um Siedlungen für schwarze Namibier geht…).
Aber noch jemand zieht ein, drüben am Parkplatz für die Tagesgäste, weit entfernt, aber zwischen den Berghängen akustisch nahe genug: die Emmanuelgemeinde von Swakopmund hält eine Veranstaltung ab. Nicht was Ihr denkt, kein Kirchenbetrieb. Am Samstagabend hatten wir die Geräusche noch für Rugbygeschrei gehalten, aber um 04:30 tönt schon wieder Kuduhorn-Geheule durch’s Tal und kurz später dann „Step, step, step-by-step. Step, step, step-by-step“.  Marschkolonnentöne. Was ist das denn? Namibia? Miliz? Nein, es ist ein Bootcamp für das gehörige oder ungehörige männliche Gemeindemitglied, ein paar Mal im Jahr fällt man hier ein.. In jedem Fall: die spinnen, die Namibier. Wir lassen es uns später erzählen: mit Autoreifen im Nacken steile Bergpfade hochhechten und so, und ein bisschen Begeisterung für die Idee, sich Drill bis zur Erschöpfung zu unterwerfen, klingt durch. Also, ich weiß nicht. Die Besitzerin erzählt einiges über das Aufwachsen in Namibia, wie es war und wie es heute ist, und auch da leuchtet durch, das diese Europäergemeinden eben „white and supreme“ sozialisiert sind, deutsche, englische, burische. Kein wirklich unangenehmes Gespräch, aber sicher konfliktträchtig, wenn man es nicht so zwischen Tür und Angel führen würde und wir ernsthaft in die Argumentation einsteigen würden. Natürlich sind wir unbedarfte Besucher ohne tiefen Einblick (das hören wir öfter mal…). Wir hören also aus dem Blickwinkel von Ansässigen, warum die Verhältnisse so sind wie sie sind: Schulbildung  im Abstieg, Finanzunterstützung aus Deutschland mit zu vielen (ungeliebten politischen?) Bedingungen beladen, Entwicklungshilfe durch ahnunglose Idealisten… So richtig glücklich klingt das alles nicht.

Welwitschia. Liegt Jahrhunderte so rum...

Welwitschia. Liegt Jahrhunderte so rum…

Nach Goanikontes gucken wir uns wieder die Mondlandschaft an, die Welwitschias, von denen einzelne Exemplare möglicherweise schon vor 2000 Jahren hier unordentlich auf dem Boden herumgelegen haben. Echte Dinosaurierpflanzen, spezialisiert auf einen fast toten Lebensraum, und offensichtlich so schlecht schmeckend, dass es keine Fressfeinde gibt. Toll. Dann ändert  sich die Landscahft wieder auf Wüste bis Halbwüste, wir fahren am Rande des Namib-Naukluft Nationalparks entlang,

... und blüht trotzdem (die Wanzen freut's)

… und blüht trotzdem (die Wanzen freut’s)

staubige Sache, wie schon seit Tagen. In Solitaire der nächste Halt, sozialpolitisch ganz unproblematisch, dafür mit einem herrlichen Badehäuschen für jeden Stellplatz (davon gibt es drei) und vor allem einem schicken Abendbuffet für uns und die Hausgäste, Schweizer und Franzosen vorzugsweise. Endlich mal in Gemüse schwelgen! Und nach dieser kleinen Verschnaufpause dann Sossusvlei, das vielgerühmte. Ausgangspunkt ist ein riesiger Campingplatz in Sesriem, diverse Lodges in der Nähe (jedoch nicht in SIchtweite). Und Überraschung: es ist ausgebucht. Dazu muss man sagen, dass auf namibischen Campsites anderenorts locker ein kleines Einfamilienhaus untergebacht werden könnte, hier ist mindestens Platz für 3 oder mehr unserer Campmobile, die ja dank ihrer Dachzelte besonders ausladend sind. Also werden wir auf der „Overflow“-Fläche einquartiert, ohne Wasser (nur wenige Schritte entfernt am Sanitärblock) und ohne Elektrizität (als wachsame Camper entdecken wir sofort eine Quelle für Smart-Ladestrom). Und leer ist es hier. Was wollen wir mehr?  Wir stehen sogar unter zwei dürren Bäumen in dieser Wüstenei. Sehr gut. Abends rollt eine Karawane der Mit-Camper auf die Elias-Düne, zwecks Zelebrierens des Sonnenunterganges, wir bereiten derweil etwas zu essen.

Reise-Truck. London-Kapstadt-Kairo in 40 Wochen.

Reise-Truck. London-Kapstadt-Kairo in 40 Wochen. Haben wir für die Auricher gebucht!

Und morgens früh? Wir hatten was gelesen von frühem Aufbruch, damit man den Sonnenaufgang in den Dünen erleben kann, mit Fahrzeuggerumpel ab 04:30 hatten wir allerdings nicht gerechnet; um kurz nach 5 gucken wir aus dem Zelt und sind fast allein. Also müssen wir hinterher, klar, was immer die Meute treibt. Bis in die großen Dünen sind es 70 km, auf Asphalt, aber als sich gegen 6 Uhr die Landschaft im grauen Morgenlicht präsentiert, lachen wir uns schlapp: die Düne 45 sieht aus wie ein gespickter Rehrücken, so viele Sonnenanbeter mühen sich entweder noch den Grat hinauf oder haben es schon geschafft und sammeln sich auf dem Gipfel. Unten auf dem

Düne 45 und Besucher

Düne 45 und Besucher

Parkplatz stehen die großen Überlandtrucks und bereiten das Frühstück für ihre Reisegruppen vor. Wir lassen uns weniger vom Sonnenaufgang faszinieren (der geschieht in unserem Rücken) als vom gigantischen Licht- und Schattenspiel, das sich jetzt zu beiden Seiten der Straße abspielt und halten mehrfach an, um das abzulichten, mit mäßigem Erfolg. Und dann geht es hinein in den Sand. Nach ein paar Kilometern auch schon die nächste Bescherung – eigentlich wollen wir nach einem geeigneten Frühstücksplatz gucken, aber vor uns haben sich gerade 2 HiLuxe unserer Bauart

Es darf geschaufelt werden!

Es darf geschaufelt werden!

schön tief in den Sandkasten gewühlt. Zunächst sorgt Andreas für unsere eigenen Fahreigenschaften und lässt nochmal reichlich Reifendruck ab – ich tapere inzwischen zu den jungen Amerikanern hinüber und beobachte die Buddelarbeiten. „… ich glaube, die wissen nicht so recht was sie tun…“ berichte ich meinem ex-Dakar(service)fahrer, da müssen wir wohl Hilfe anbieten. Vorsichtig schlaumeiern wir sie in die Richtung, auch Luft abzulassen, und schleppen

Sossusvlei.

Sossusvlei.

unsere Gummisandleitern heran – augenscheinlich gibt es „so ne“ und „so ne“ Campmobilverleiher, und wir haben mit Bushlore wohl die professionellere Sorte und damit das besser ausgerüstete Auto getroffen. Nachdem der Dakarschlaumeier auch noch einen kleinen Kurs in „Umschalten auf den Geländegang und Einschalten des Sperrdifferentials“ abhalten konnte, steht der erfolgreichen Weiterfahrt nichts mehr im Wege. „… ist das erste Mal, dass ich mit einem 4-radgetriebenen Fahrzeug fahre…“  Das war augenfällig, aber so lernt man es halt. Learning by digging. Wir wühlen uns bis zum Parkplatz der großen Sossusvleidünen durch, Andreas macht das richtig Spaß. Damals war’s, in Libyen und Ägypten…  Nach einem kleinen Frühstück – unsere mitgebrachte Espressokanne erzielt immer wieder anerkennende Blicke und Kommentare! – drehen wir auch unsere Wanderrunde durch diese sehr beeindruckende Sandlandschaft, hinüber zum „Dead Vlei“, einem trockenen See zwischen himmelhohen Dünen. Das „zwei-Schritte-aufwärts, einen-zurück“ Gerutsche zum Gipfel überlassen wir den anderen – mich dauern auch die schönen Dünen, die so zertrampelt werden.

Von diesen Trampelspuren wird am nächsten Morgen sicher wenig zu sehen gewesen sein: seit 4 Uhr früh herrscht Sandsturm am Campingplatz in Sesriem. Es pfeift, der Sand dringt durch alle Ritzen, wir klappen mit Mühe unser Dachzelt zusammen. Frühstück in dieser Sand-Dusche verkneifen wir uns, wozu gibt es hier ein Camping-Restaurant? Nix ist, der Sturm hat den Strom abgestellt.  Nix ist auch bei einem den südafrikanischen Campern, die gegen 5 eilig aufgebrochen sein müssen: es liegen Stühle um einen halb vom Sturm abgedeckten Frühstückstisch herum, das Zeltdach hängt irgendwo im Baum. Wir machen uns auf den Weg nach Südwest, bis Aus sollten wir es wenigstens schaffen.

Immer elegant

Oryx. Immer elegant

Welches Stück des Weges schöner ist, darum streiten wir uns noch. Ich finde ja die D 707 toll, nach Westen die Dünen, nach Osten das Naukluftgebirge. Andreas findet die Fahrt durch die Berge noch abwechslungsreicher. Wunderbar anzuschauen ist beides. Ziemlich leer, die Gegend, nur ein paar Oryxantilopen beleben die Landschaft.

Unser "Weinkeller"

Unser „Weinkeller“

Wir schaffen es natürlich bis Lüderitz – die Straßenqualität in Namibia ist eher südafrikanisch als afrikanisch –  und landen, nachdem wir uns den offiziellen aber exponierten Campingplatz auf der Landzunge an der Hafeneinfahrt angeschaut haben, im B&B „Alte Loge“. Dort wilder Wind, hier eine prächtige Sicht auf die Bucht, über einen geradezu paradiesischen Garten hinweg. Wir kriegen den „Weinkeller“, für eine Nacht, der Keller ist in den Fels gehauen, und wir werden gebrieft, dass der auch an manchen Stellen aus dem Fliesenboden herausschaut. Da

Lüderitz

Lüderitz. Zartes Deutschtum im Hintergrund.

hätte dann eine bundesdeutsche Bauaufsicht wahrscheinlich „Veto! Stolpergefahr!“ gerufen – das geht in „Deutsch-Südwest“ schon eher mal. Wir finden es originell und gemütlich und zum Bleiben verlockend. Geht nicht, die „Alte Loge“ ist schon am nächsten Tag wieder ausgebucht. Schade!

Herrn Stauchs Domäne: Sandfegen

Herrn Stauchs Domäne: Sandfegen

Vor Lüderitz liegt Kolmanskop, auch „Kolmannskuppe“. In dieser Gegend nahm Anfang des 20. Jahrhunderts der eigentliche Reichtum von „Deutsch-Südwest“  seinen Ausgang. Der Eisenbahner August Stauch, seines Zeichens Sandfeger auf einer Bahnstation mit dem optimistischen Namen „Grasplatz“ und ansonsten Hobby-Mineraloge – darum hatte er seinen Fege-Adlatus Zacharias gebeten, ihm doch schöne Steine zu bringen, wenn er was fände. Und der fand. Diamanten lagen hier

Bahnhof Grasplatz

Bahnhof Grasplatz

einfach im Sand herum. So ging es los, und das kleine Örtchen Kolmanskop explodierte förmlich. Erster Ort mit Elektrizität (wegen der Sand-Waschanlage, nicht wegen des Komforts, das kam später). Eine Eisfabrik, man stelle sich das in dieser Wüstenei vor. Die ortsansässigen Damen wurden morgens von der kleinen Straßenbahn abgeholt und zum Shopping gekarrt – Metzger, Bäcker, alles da. Schule natürlich, Krankenhaus und das Wichtigste von allem, eine „Turnhalle“ mit

Jawoll! Gut Holz!

Jawoll! Gut Holz!

Restaurantbetrieb. Man sieht quasi die starken Männer in ihren Turnhemden am Seitpferd imponieren oder wahlweise am Barren bammeln. Kann man heute noch anschauen, denn diese Turnhalle wird tapfer gegen die Sanddünen verteidigt, die den Ort ansonsten langsam unter sich begraben. Seltsam schön, aber auch ein bisschen atemberaubend „altdeutsch“.

Tja... Gleich umme Ecke!

Tja… und Rostock und Schlesien liegen gleich umme Ecke!

Und das war dann die letzte größere Station unserer Namibiarunde, aber der Ausklang war allein als Sightseeingtour eine Reise wert. Ein geologisches Wunder nach dem anderen, dazu Rosh Pinah, unser Übernachtungsort, ein typischer Minenort. Merke: zwei Shoppingcenter nebeneinander, eines mit Shoprite und Co, und gleich daneben neben der Budenhaufen für solche, die wahrscheinlich die grönere Arbeit verrichten. Das Leben der „anderen“. Es geht uns unter die Haut.

Fish RIver Canyon

Fish River Canyon

Nach längerer Fahrt am Oranje entlang, dem Grenzfluss zu Südafrika, kommt der Fish River Canyon, den man gern als den zweitgrößten Canyon der Welt verkauft – da geht es um Länge und Tiefe und Volumen, irgendein Rechenkunststück. Beeindruckend ist das allemal: ein Canyon (Fish River) im Canyon (Gondwana Canyon), eine echte Urlandschaft, mit Zeichen urzeitlicher Vergletscherung, und dazu der Fish River, der sich hier in Millionen Jahren ins Gestein geschnitten hat und auf 2 Milliarden Jahre altem Gestein entlangmäandert.

Namibia. Zwischen Sand und Bergen

Namibia. Zwischen Sand und Bergen

Genug geschwärmt! Namibia war ein wirkliches Wunder, geologisch, landschaftlich, optisch, und ich hätte noch gern längere Zeit im zentralen und südlichen Teil des Landes zugebracht.Und dann sind es noch zwei Übernachtungen bis AKKAhausen. In Grünau wird nochmals gecampt, in Klawer ziehen wir für die letzte Nacht ins Hotel – da möchte man zum Einbruch der Dunkelheit keinen Campingplatz mehr suchen müssen. Sagen uns jedenfalls die die doppelt mit Gittern gesicherten Eingangstüren und -tore des Hotels. Hui. Südafrika in Reinkultur…
Zeit nach Brasilien aufzubrechen!

Draußen nur Kännchen…

Campingplatz „Alte Brücke“, Swakopmund/Namibia

21.4.2016

Tjaja. Draußen nur Kännchen. Geht’s noch deutscher?  Bemerkenswertes Land, dieses Namibia! Wir sind schon halb fertig mit unserer Reise,  die am Sonnabend, dem 9. April, mit der Übernahme eines eilig ausgesuchten Campmobils begann. Brian von der Firma Bushlore wies uns ein: komplizierte Sache, so ein Dachzelt ohne Kinken und geklemmte Daumen aufzustellen, aber das meiste andere kannten wir ja schon. 4-Radantrieb, Reifendruck im Sand und solcherlei. Trotzdem brauchten wir noch den Nachmittag zum Packen. Aber dann! Hey, wir fahren in die Wüste!

Die erste Etappe führte uns an den Cederberg Mountains vorbei bis Springbok,  einem kleinen Kupferbergbaustädtchen, nicht mehr weit von der namibischen Grenze, und dennoch weit ab von jedem anderen  Schuss, da oben im Norden der Northern Cape-Provinz. Seit vielen Kilometern schon hatten wir uns gefragt, was die Leute hier oben eigentlich treiben. Und vor allem: was hat damals die Vortrekker mit ihren Ochsenkarren getrieben, außer der Abscheu vor den britischen Machthabern am Kap? Lange vorbei die Landstriche mit Weinbau und Zitrusproduktion. Kein Rooibos-Tee mehr auf kargem Boden, es ist nur noch heiß und trocken und rot. Dass wir in Springbok noch etwas zu essen und zu trinken bekommen – reine Glückssache, dass an diesem Sonntagabend noch nicht alle Bürgersteige hochgeklappt sind.

Am nächsten Vormittag rollen wir nach Namibia hinein. Die Grenze liegt an einem beeindruckenden Canyon, gut warm haben wir es hier. Und für Spannung ist auch gesorgt, denn die Namibische Polizei will wissen,  ob diese rosa Lappen international gültige Führerscheine sind. Na klar sind sie das, steht doch vorn drauf, „driving license“, und außerdem haben wir ja noch eine amtlich beglaubigte Übersetzung (etwas angejahrt, aus Neuseeland) zur Hand. Ich denke, diese Art der Beweisführung hätte durchaus schief gehen können, aber die junge Beamtin schickt uns schließlich mit einem „… kann das eigentlich nicht erkennen…“ in die namibische Weite. Puuh. Da ging neulich unsere Passkontrolle zwischen Dar es Salaam und Zanzibar leichter: „… oh! Red passports! Diplomats? Bitte hier entlang…“ Schöne Diplomaten mit abgegrabbelten Rucksäcken. Und ohne internationale Führerscheine. Wie kriegt man so etwas, wenn man in Deutschland nicht einmal mehr gemeldet ist? Und dann sind die Dinger auch nur für ein Jahr gültig und müssen persönlich abgeholt werden. Sehr praktikables Verfahren, zumindest für uns…

Die Landschaft wird noch trockener. Keetmanshoop, Tankstopp. Die erste deutsche Kulturüberraschung: der äußerst kleinwüchsige (heißt das so?) Tankstellenhelfer weiß mit detailierten Kenntnissen über deutsche Städte zu glänzen und sagt sie nach Größe oder wahlweise der geografischen Lage nach auf. „… ich war in der deutschen Schule!“. Nach dem Sinn des Gelernten wagt der Eigner nicht zu fragen, zumal sich das auch rein auf Deutschland beschränkt. Schweden? Großbritannien? Nö.

Die nächste Kulturüberraschung steht an. Keetmanshoop ist zwar ein týpisches, also weitgehend sensationsfreies Landstädtchen – Bank, Post, Landmaschinenhandel – aber es hat außer einer eindeutig dem deutschen Erbe zuzuordnenden Backsteinkirche zumindest noch einen weiteren Festpunkt für den deutschen Touristen zu bieten: das „Kaiserliche Postamt“. Da müssen AKKAnauten natürlich hin, parken folgerichtig auch direkt davor und rühren den rituellen Nachmittags-Schnellkaffee an, auf den kaiserlichen Postmeistersstufen zu genießen; und weil die Gelegenheit so günstig ist und uns schon am Vortag von einem Drittel der in Kapstadt erworbenen Sahnetorte etwas übel war (diese Gier aber auch immer!), verfüttern wir die Reste der Torte passend zu deren Kulturprogramm an eine deutsche Reisegruppe. Wir hoffen, dass Schwarzwälder Kirsch vor einem deutsch-kolonialen Amtsgebäude der Höhepunkt dieses „Wikinger-Reise“tages war. Wir brechen auf und schaffen es gerade so eben vor Einbruch der Dunkelheit unser Dachzelt aufzuklappen,  auf einem riesigen, leeren Campingplatz in Marienthal.  Klappt gut und ohne Verrenkungen.

Was mir schon am ersten Tag ausnehmend gut gefallen hatte, bleibt uns auch bei der Weiterfahrt nach Windhoek erhalten: wir rollen auf plattem, hunderte Millionen Jahre alten Meeresboden entlang, parallel zur Abbruchkante der ehemaligen Steilküste. Ab und zu erheben sich mehr oder weniger fern Vulkankegel aus der flachen Landschaft. Faszinierend. Mit Sicherheit ein Paradies für Geologen – ich nehme mir vor, in Windhoek mehr dazu zu erfahren.  Mittags sind wir dort und beziehen ein fertiges Zelt – so müssen wir für Fahrten nicht das Dachzeltgeraffel auf- und abbauen – auf dem Urban Camp, einem recht beliebten Campingplatz am Rande der Stadt. Als wir fragen, wie weit es ist, in die Stadt zu laufen, werden wir mit einem „zu weit, zu heiß“ beschieden, ein „freies“ Taxi koste 10 N$ pro Person, auf dem Rückweg dann 20. Funktaxen das Mehrfache. Hm. Na, gut. Es steht auch an jedem Zelt ein Schild, dass man sich hier in einer afrikanischen Metropole befinde (Metropolinchen eigentlich…) und man immer schön aufpassen solle. Kein Rumlaufen in der Dunkelheit, und was der Dummheiten mehr sein mögen. Dabei war mein erster Eindruck (Shoprite, PicknPay etc. …) eigentlich „nur ein weiteres südafrikanisches Landstädtchen“ gewesen. So sieht es auch aus, mit dem kleinen Unterschied, dass die Masse an deutschen Touristen noch größer als in Südafrika ist und auffällige Mengen an deutschsprachigen Unternehmern sich dazugesellen. „MegaBuild Pupkewitz“ steht dann da, und die etwas muffig erscheinende Dame  im Café Vienna bringt ein „… was wünschen Sie?“ hervor. Das war aber schon, nachdem wir das alte deutsche Fort umschritten, die etwas schräg zwischen Neugotik und Art Décor angesiedelte Christuskirche passiert und festgestellt hatten, dass Herr Lüderitz, der ja eigentlich nur seine persönlichen Geschäftsinteressen in diesem kargen Teil Südafrikas mit kaiserlichem Schutz versehen ließ, nicht mehr da sitzt, wo man ihn bis vor kurzem bewundern konnte: auf einem Pferd auf dem „Reiterdenkmal“. Dort hebt nun ein afrikanisches Paar die Hände, an denen noch die gesprengten Ketten baumeln; nicht zu reden von der Darstellung darunter: kaiserliche Soldaten vor einem Baum mit Gehenkten. Die netten Deutschen aus Südwest. Reiterdenkmal heißt das Monument dennoch.

Da war der Besuch im Transnamib-Museum eindeutig netter. Herr Konrad führt uns in die kleine Ausstellung über die Entwicklung der Eisenbahn in Deutsch-Südwest ein und beantwortet auch Fragen zur Familiengeschichte der Konrads und zu den auffälligen Sprachgewohnheiten: wir können gar nicht glauben, dass er mit seinem eindeutig hamburgisch gefärbten, reinen Deutsch hier geboren und gar in 3. Generation ansässig ist. Man spricht halt deutsch in den Familien, die Kinder besuch(t)en die deutschen Schulen… Ganz langsam wird’s wohl weniger mit dem Deutschtum „… beim Schreiben fängt es an, das beherrschen meine Kinder schon nicht mehr so gut…“ Andere, mit denen wir sprechen, verweisen auf die  vielfältigen Kontakte in die alte Heimat, die kulturerhaltend wirken. Unser Schluss ist eigentlich: diese Gesellschaft war und ist deutsch-national geprägt und konnte sich, obwohl die Kolonialjahre sehr gezählt waren (25 vielleicht),  gut hier halten, denn danach kamen die Südafrikaner, namentlich die Buren. Es ließ sich wohl gut weiß-überlegen leben, die Ideen waren ähnlich, wahrscheinlich sind sie es noch. Was sicher seinen Niederschlag in der modernen Politik des befreiten Namibia findet – die Diskussionen um Landumverteilung sind akut wie eh und je. Und wenn man die Vororte zu den Städten und Dörfern anschaut, gibt es wenig Unterschiede zu den Townships Südafrikas. Interessant fand ich die Aussage einer Deutsch-Namibierin, der ich erzählte, dass mir mehrere weiße Südafrikaner gesagt hatte, sie würden nach Namibia gehen, wenn es in Südafrika zum politischen Chaos käme: „…. dann haben wir hier auch keine Chance. Wirtschaftlich hängen wir 100%ig  an Südafrika. Wie ein Satellitenstaat…“ Und Herr Konrad vom TransNamib-Museum? “ … hätten wir mal unsere Währung an den chinesischen Yüan gehängt…“  Hätte, hätte…

Sagen wir übrigens auch. Hätten wir mal. Keinen Besuch in der wunderschönen, kleinen „Earth Science“-Ausstellung auf dem Gelände des Ministeriums für Mining and Energy gemacht. Wir hätten was verpasst, es war wirklich interessant. Wir hätten allerdings auch nicht einen Nachmittag bei der Polizei verbacht. Und einen Vormittag bei der deutschen Botschaft… und auch nicht die Firma PG GLASS kennengelernt. Ich hätte noch mein  schönes Sony-Tablet, Andreas seinen Pass, seinen Laptop. Und wir zusammen viele Bilder aus den letzten Monaten. Als wir nämlich unser Auto von diesem Ministeriumsparkplatz (Elektrozaun und Schlagbäume) fahren wollen, ist eine Scheibe eingeschlagen, und wir sind Rucksack und Handtasche los. Ja, macht man nicht und hätte, hätte. Hätten wir den Kram halt nicht im Innenraum, sondern im Campingabteil gestaut. Immerhin lernt man auf diese Weise interessante Leute kennen. Namibier, denen es nicht anders gegangen ist, zum Beispiel. Witzige Polizisten (mei, sind das lange Leitungen hier!). Helke, die im Ministerium auch für die Earth Science Ausstellung verantwortlich ist und uns über den ersten Schrecken hinweghilft, telefonieren lässt und einen Begleiter für die Polizei bereitstellt. Auf dem Campingplatz treffen wir danach eine Truppe Franzosen, die ein ernsthaftes Offroad-Abenteuer hinter sich haben, unsere Altersgruppe übrigens, und die uns ihre Routen und Roadbooks zeigen und uns aufmuntern. Nach zwei Tagen Aufräumungsarbeiten geht’s mit leichter Verspätung, aber mit neuem Tablet weiter nach Etosha. The show must go on – unser Reiseschwung und besonders die Neigung, das Auto irgendwo unbeaufsichtigt stehen zu lassen, haben allerdings etwas abgenommen, und immer wieder stellen wir fest: „… Mist, das Satellitentelefon…“ Mist, meine Haarbürste, Mist, der Führerschein, das Powerbank, die USB-Adapter. Und dann die Daten, viele, viele ungesicherte Bilder… Ganz schöner Käse.

Etosha ist für uns „so làlà“. Zwei Wochen zuvor noch in der Serengeti, dagegen müssen mancherlei Nationalparks abfallen, nicht nur Etosha, aber es macht trotzdem Spaß. Und damit ist auch schon der nördlichste Punkt der Reise erreicht.  Der nächste Platz liegt schon südwestlich und  ist wunderbar staubig, wunderbar, weil man trotz Wüstenumgebung in Flussbett des Aba Huab unter Bäumen im Schatten liegt. Wüstenelefanten werden uns zwar avisiert, aber lassen sich nicht blicken – das sind die mit den extra langen Beinen, damit kann elefant in kargen Gegenden 60, 70 km täglich laufen. Wasser braucht der Wüstenelefant übrigens spätestens am 5. Tag – tapfere Kerle! Aba Huab ist der Fluss am Fuße von Twyfelfontein – und weil der meist trocken liegt, sind „tapfere Kerle“ auch die Leute, die sich in den 40er Jahren hier neben der Großwildjägerei an Ziegen- und Schafswirtschaft versucht haben: ein David Levin mit Frau und 3 Kindern. Nach 12 Jahren wurden die „Twyfel“ an der Zuverlässigkeit der Wasserquelle zur Gewissheit, dass sich das Siedeln hier nicht lohnt. Wenn man sich die Gegend anschaut, müsste man das eigentlich von Anfang an geahnt haben, sagen wir, aber wir haben hier schon reichlich Beispiele für extreme Siedlungsräume gesehen, will sagen: wir haben keine Ahnung. Nicht umsonst gibt es hier ein bekanntes Lehrinstitut für Landwirtschaft in extrem trockenen Landschaften. Was Twyfelfontein aber zu bieten hat, sind Hunderte toller Buschmann-Felsgravuren, Tierabbildungen, aber auch ein paar topografische Hinweise zu Wasserlöchern. Wenn man die Vielzahl der abgebildeten Tiere betrachtet, wird einem klar, dass es hier vor 2000-4000 Jahren deutlich feuchter gewesen sein muss. So viele Giraffen! Rhinos, Elefanten, Antilopen, und weil es sich um Nomaden handelte, die auch die gar nicht so weit entfernte Küste besuchten, gibt es auch einen Pinguin und eine Robbe zu sehen. Sehr schön, und unser junger Führer, Karon, der sich hier das Geld für das nächste Schuljahr verdient (sehr mühsam…) macht die Besichtigung zum Gewinn.

Weiter! Es folgt wieder ein Bergbaustädtchen, Uist. Wir sind die einzigen Gäste auf dem Campingplatz des Brandberg Restcamps, in den Zimmern tummeln sich allerdings 20 Grundschüler auf Schulausflug mit dem Erziehungspersonal. Glücklicherweise sind wir früh dran, so dass ich den 25m-Pool für mich habe, das Freibadgequietsche setzt erst später ein. Diese Lodge war bestimmt mal das soziale Zentrum der Mineurgemeinde, drum auch das Schwimmbad. Heute ist noch ein bisschen Zinnabbau im Gange und sehr viel Mineral-Kleinverkauf von der lokalen Bevölkerung, durchreisende Opfer – Touristen – gibt es täglich. Stimmung: den Siedlungen im australischen Outback nicht unähnlich. Wer nichts zu tun hat – und das sind augenscheinlich einige – sitzt vor dem Supermarkt im Schatten.

Nach Uist kommt eines der Highlights dieser Reise. Schade, dass ich im Moment noch keine Bilder zeigen kann, denn die Spitzkoppe, die sich neben den Pondokbergen aus der Ebene erhebt, ist einfach nur schön. Fantastische Gesteinsformationen für viel Gestaune und viele Erinnerungen an den Ayers Rock/Uluru und die Kata Tjutas. Unser Lunch genießen wir unter dem Steilhang der Großen Spitzkoppe, bewundern Klippschliefer beim Baumklettern, lassen Starlinge und Weber in unseren Suppenschalen baden und trinken und erfreuen uns an den Erdmännchen, die den Glanzstaren die gespendeten Apfelstücke klauen.

Zum Abend wollen wir in Henties Bay sein, also fahren wir Richtung Küste. Ein weiteres Naturwunder setzt ein: aus der Wolkenwalze, die wir unterqueren, strömt Regen auf den Wüstensand. Da freut sich jedes staubige Wüstenpflänzchen. Henties Bay stellt sich als gruselig-lieblose Ansammlung von Ferienhäusern heraus, hier ist der Hund verfroren, also weiter nach Swakopmund. Und dort trifft uns der deutsch-koloniale Schlag. Nicht, dass es noch viele bauliche Spuren gäbe, vielleicht die alte, kaiserliche Kaserne, ein paar Gründerzeitvillen, dazu ein bisschen Fachwerk-Dekofake hier und da. Aber die Bevölkerung ist zu einem Großteil so deutsch wie die Straßenschilder. Von „Erichs Restaurant“ über „Swakopmunder Buchhandel“ bis „Hier nicht parken“. Bleibt anzumerken, dass die Amtssprache englisch ist, wenn man nicht von Hause aus Nama oder Ovambo spricht… Aber ich gebe es zu: “ Draußen  nur Kännchen“ fehlt noch. Wir hoffen diesbezüglich auf Lüderitz…

Mbalageti

Einfach "Serengeti"

Einfach „Serengeti“

Windhoek, 12.4.2016

The first bit of this blog entry is for you, Manjit! We hardly have words for our stay in Mwanza. Thanks a lot for inviting us to stay at Hotel Tilapia and for all the treats and the time you took to catch up on old times. It was pure joy to meet you again. Thanks also for showing us around  – the old bus station and your new „diversification“ grounds. However, what we had not planned on, was that Serengeti trip and it turned out to be beyond expectations. The lunch at the beautiful „Serenity on the Lake“ to start with, and then Saidi took us into good old Serengeti… To say the least: Mbalageti was just fantastic. The epic views of the Serengeti plains from the terrace, your friendly staff, the nice food they prepare out there in the wild (from now on,  I’ll have a hint of cinnamon on my pumpkin soups, too…). And then you put us into that suite, where you could have seen two old backpackers speechless. You know that AKKA is half the length of #28? I loved the shower. No, I loved the bathroom and the bedroom, the decor, the setting, the sound of hyena in the night.  A perfect stay, a perfect setting and we never saw as many wildebeest as this time. The wildebeest must love Mbalageti, too…

Whoever reads this and would like to do a trip to the Serengeti away from the crowds: start from the west and try Mbalageti Luxury Camp (they have very nice „chalets“ and standard rooms, too!). Indulge in some luxury off the beaten track, see leopards, lions, elephants, and if you go slightly off-season, enjoy a green Serengeti and last but not least the “ migration“ with tens of thousands of wildebeest.

Thanks, Manjit. An addition to our chapter „unforgettable“.

MBA Migration

Der geneigte Leser wird uns verzeihen, dass wir den Blog für diese persönliche Dankadresse benutzt haben. Ja, wir sind zurück aus Tanzania.

Die faulen Tage in Zanzibar waren schnell herum. Wie der Zufall es will, fand ich in Linn vom Demara Guest House eine dankbare Abnehmerin für Justice Malalas „We have now begun our descent“  (Gepäckentlastung!) und kriegte im Gegenzug einen Lesetipp über eine Familienhistorie in „Rhodesien“ und den ganzen alten, britischen Kolonien. „Don’t let’s go to the dogs tonight“, Alexandra Fuller. Fand ich schon im Flughafen in Dar, gleich neben einem anderen Lieblingsbuch*. Für Literatur war gesorgt. Und wegen der Gepäckentlastung wurde beide für das Smartphone heruntergeladen… Tolle Bücher, die wir aber eigentlich gar nicht benötigten: Mwanza am Victoriasee war das Ziel, Jetfast brachte uns nach kleineren Schwierigkeiten mit der Gepäckklappe gut hin. Komisches Gefühl, wenn alle auf dem Rollfeld um die eigentlich doch ganz gut und modern aussehende Maschine herumspringen, man hört dieses endlose, sägende Elektromotorgeräusch, „“iiih-äääh-iiih-ääah“ und nix passiert, und dann fliegt man doch irgendwann los. Leider war den Kili nicht zu sehen, nur endlose Drama-Wolkenlandschaft, subäquatoriale Wetteraufregung halt. Der freundliche tanzanische Fischereiingenieur, der gerade von der Uni in Japan zurückkehrte und an meinem Traumort Kigoma arbeiten wird, war sichtlich erleichtert, als wir endlich gelandet waren.  Diese Gepäckklappe… Unser Gepäck wäre nicht rausgefallen, das hatten wir mit in der Kabine. Samt Nagel- und Haarschneideschere.

Mwanza überrascht uns. Statt ein paar zigtausend Einwohnern und ebensovielen Schlaglöchern in den 80ern und 90ern jetzt Asphaltstraßen, glitzernde Bankenpaläste ( naja, für tanzanischen Standard), nicht nur eine Mall und dazu fast 1 Mio. Menschen, die den Ostersonntag noch festlich-kirchlich gekleidet auf dem Sonntagsmarkt begehen. An Manjits Hotel, dem nun schon altehrwürdigen Tilapia, ist die Hölle los. Zwar ist die Straße immer noch heimelig rumpelig, aber derartig viele SUVs auf einem Haufen… früher waren das alles Landrover und Landcruiser, aus dem Nutzfahrzeugbereich.  An diesem Sonntag begießt sich hier halbe Ex-Pat-Gemeinde die Nase, in Gesellschaft von fein herausgeputzten Original-Mwanzanesen, alle Tische im Garten am Seeufer sind

Rock City rocks. Ostermontag am Strand

Rock City rocks. Ostermontag am Strand

voll, und die indische Gemeinde ist um den Cricket-Fernseher der Strandbar geschart (wir verstehen bis heute nicht, was da geschieht). Für uns gibt es auch  „Indisch“, ein Chicken Korma im ersten Stock, während sich die Abendsonne auf das ewig schwedisch anmutende, benachbarte Felsenufer senkt. Immer noch eine nette, afrikanische Stadt. Rock City „rockt“!

Dass das immer noch so ist, überprüfen wir am Ostermontag. Und finden unsere und Manjits alte Wirkungsstätte nicht, den „Tanganjika Bus Service“. So ein Gewusel! Immerhin schicken uns Passanten hierhin und dorthin, bieten uns sogar an, uns mit dem eigenen Wagen zu fahren – nee, danke, asante sana, lass‘ mal. In uns keimt ein Verdacht: das kennen die Leute nicht, das ist ja fast 30 Jahre her, und 80% hier sind sicher unter 30. Werden wir etwa alt? Rückzug zum See, nochmal gucken wo wir 1993 mit der MV BUKOBA mit unserem Range Rover inmitten von Bananenstauden und Süßkartoffelsäcken aus Uganda via eben jenem Bukoba angekommen sind. Sehr afrikanische Gestade, mit all den Garküchen für die Inselpassagiere. Die Jugend Mwanzas ist am Strand von Capri Point versammelt. Schwedische Schären pur, oben drüber luxuriöse Villen und ein paar Relikte aus Deutsch-Ostafrikanischen Zeiten.

Dienstag endlich ist Manjit von einer Reise zurück, was für ein Spaß. Wir werden durch die Stadt kutschiert, bekommen seine neuen Fertigungsstätten (Wassertanks und -leitungen, Speiseöl und mehr…) zu sehen und den alten Busbahnhof. Der Busbetrieb ist aufgegeben („… das fraß zu viel Geld…“ – unser Klische vom indischen Geschäftsmann in Ostafrika). Natürlich gibt es Rallyetalk, aber das ist alles weit weg, für uns und für Manjit; die Kinder sind groß und arbeiten in den väterlichen Betrieben, die Großfamilie, die früher großenteils über dem Busbetriebshof wohnte, ist verstreut, in Kanada, London… Oder weilt nicht mehr unter uns. Jassie, Sheera…

Mittwoch. Frühstück nicht mit Bären, aber, wie täglich, mit Milanen. Das ist insofern bemerkenswert, als am ersten Morgen Andreas aus dem Buffetraum auf die Terasse tritt, um einen Tisch am Seeufer anzusteuern. „…ssswisch…“ macht es, und der Eigner schaut verblüfft. Was war das denn?? Na einer der Milane, die auf den Dachkante sitzen und schauen, ob jemand mit Baconstreifen aus dem Haus tritt. Und fort ist der Speck, schnell und zielgerichtet! Würstchen oder mein Obst gehen bei Milans überhaupt nicht. Gut für mich. Gestärkt drehen wir unsere Runde, um einen günstigen Anbieter für unseren geplanten Ausflug in die Serengeti zu finden; Serengeti ist nämlich ein nicht ganz leichtes Unterfangen. Selbstfahrer sind nicht sonderlich beliebt, Leihwagen mit Fahrer teuer, dazu kommt noch der Parkeintritt von 60 US$ pro Person und Tag. Alles – gegenüber den 90 ern unverändert – hochpreisig, nur dass wir damals Wagen und Campingzeug hatten; dann tut sich eine Möglichkeit mit Exotic Expeditions auf. Das machen wir! Mittags sitzen wir bei Manjit im Büro, kriegen – längst an Nescafé oder Ricaffé (mit Zichorie!) gewöhnt – feinen italienischen Cappucino aus der noch feineren Gastronomiemaschine. Wir buchen den Rückflug nach Johannesburg. Andreas schwatzt mit Manjit. . „…nee“ sagt der. „Serengeti? Das machen wir anders. Ich muss zwar leider wegfliegen, aber natürlich…“ Mir wird schon ganz anders, noch eine Einladung? Im Tilapia laufen wir schon als special guests. „Kijereshi?“  „Nein, das existiert zwar noch, aber Ihr müsst ja noch Mbalageti sehen. Und Saidi ist frei, ist ja Nebensaison…“ Der Eigner freut sich unverblümt, ich blümele noch ein bisschen peinlich berührt herum.

Saidi und Gäste

Saidi und Gäste

Der Rest steht oben, aber ich sag’s auch gern noch einmal: es war einfach unvergesslich. Die Serengeti als Landschaft noch einmal zu sehen. Dann die Viecher. Saidi hat ein scharfes Auge und sieht gleich zweimal Leoparden im Baum. Er weiß wo die Löwen gern herumlungern, erblickt aber auch welche im Augenwinkel, die gerade mit einem Zebrabein winken. Und als wir uns am Abend dann unserem Ziel nähern, ist sie da, die berühmte

Gnus

Gnus

„migration“, da hätten wir stundenlang zuschauen mögen: „uh, uh, uh“ sagende schwarze Massen. Neugeborene Kälber, die sofort im Gnugalopp der Mutter und der Herde folgen. Hyänen, die im hohen Gras auf Abendessen lauern. Wenn die Gnus etwas stört, dann hält der ganze Zug an. „uh, uh,uh“

Die Twin-Bed-Seite unserer Suite

Die Twin-Bed-Seite unserer Suite

Und oben auf dem Hügel liegt Mbalageti Luxury Camp, Manjits Lodge, seit 8 Jahren im Betrieb, aber mit deutlich längerer Bauzeit, anders kann es gar nicht sein. Alles mit sehr viel Liebe zum (afrikanisch-rustikalen) Detail hergerichtet. Eines der Merkmale: Elefantenhinterlassenschaften einzubauen, nämlich alle Formen von Bruchholz, lackiert, natur, als Einfriedung, als Garderobenhakenersatz. Und tausenderlei Africana dazu. Die Mannschaft begrüßt uns mit

Frau mit Elefantenholzgeländer

Frau mit Elefantenholzgeländer

Säften, extrem freundlich und brieft uns („…im Gelände nur von 7 bis 7 frei herumlaufen!“), verabredet eine Abendbrotzeit und dann führt uns jemand zum Zimmer. Zum Glück geht Fidelis an dem Zeichen „executive suites“ vorbei. Standard room heißt es, sehr gut. Und dann doch: „Suites 27/28“. Himmel! Ja, genau, Himmel. Wenn man erst mal wieder zu Atem gekommen ist, dann ist es himmlisch. Ein Tanzsaal von Bad mit Dusche und Badewanne und Pipapo samt

Und immer aufmerksam!

Und immer aufmerksam!

Bademantel. Und Elefantenholz als Duschgelfläschchenhalter. 4-Poster-Kingsize-Bett mit Moskitonetz, natürlich, wie es halt sein muss. Eine Stoffgiraffe bewacht das Schlafgemach. Gemütliche Sitzgelegenheiten in Schlaf- und Wohnräumen. Da weiß der gemeine Akkanaut gar nicht, wo er/sie zuerst Platz nehmen soll. Huh. Auf den Schreck gibt es ein formidables Abendessen mit Blick auf die in der Nacht versinkende Serengeti. Und Hippogebrüll und Hyänengebell zum Dessert. Warum man nicht allein durch’s Gelände stiefeln soll, bekommen wir auf dem Rückweg gezeigt: der Wachmann, der mit einem Löwenspieß bewaffnet ist, leuchtet im Dunklen Gruppen von Wasserböcken an, und wo Antilopen am Weg stehen, sind die Jäger nicht immer weit.

Ein Zebra-Streifen!

Ein Zebra-Streifen!

Seronera und Umgebung...

Seronera und Umgebung…

So ist das in Mbalageti. Saidi fährt uns an einem Tag ins Zentrum des Parks, da wo man leicht hinfliegen kann, und es auch reichlich tut. Da wo eine Schlange von 6 oder 7 Touristenautos den Standort von Löwen anzeigt. Da wo wir mitten in Scharen von anderen Guckern unser Lunchpaket leeren (ich glaube, Saidi ging es im Wesentlichen darum, adäquate „rest rooms“ anzusteuern,

In Pose

In Pose

die Toilette ist der Touristin Himmelreich!). Aber die Tiere? Und diese einmalige und einsame Landschaft? Hatten wir alles und ganz exklusiv, und bei Saidi kann man sich drauf verlassen, dass er einen sicheren Platz für der Akkanautin Himmelreich ausgesucht hätte: er sucht einen solchen nämlich auch für einen Reifenwechsel in der Wildnis aus. Wo man weit gucken kann. Keine Büffel, keine Löwen, Elefanten,

Leckeres Essen irgendwo?

Leckeres Essen irgendwo?

Leoparden oder Cheetahs in Sicht. Letztere, die Geparden, habe ich als mein persönliches Geschenk bei diesem Serengetibesuch empfunden. Mutter mit 3 Kleinkatzen, zwar im hohen Gras, aber mit Geduld doch zu sehen.
Muss ich noch weiter schwärmen? Es war ein wahrlich passender Abschluss unserer weiten Reise von Kapstadt durch das südliche Afrika. Danke an Manjit, der dem Ganzen dieses Sahnehäubchen augesetzt hat. Und danke an den Eigner, der seine Frau unbeirrt durch die Welt schleppt.
MBA Cheetah

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  • Christina Lamb: The Africa House – die Geschichte von Stewart Gore Browne und seinem britischen Herrenhaus Shiwa Ngandu, das dort steht, wo Livingstone einst seinen liebsten Hund (!) an die Krokodile verlor…