Die Sache mit dem Mehl

Cienfuegos

Cienfuegos, 14.4.2019 (harr, harr – heute ist Ostersonntag, der 21.4. …)

El Ché und El Benny – Revolution und Musik überall

Ein bisschen Geduld braucht es schon hier in CIenfuegos. Und Geduld mit dem Internet! Das geht nämlich so: man kauft sich eine Wertkarte über 1 Stunde (oder besser gleich mehrere, sofern…), sucht sich einen Hotspot (die sind so selten, dass sie in den Stadtkarten eingetragen sind!) und loggt sich ein. Wenn das Netz bröckelig ist, dann passiert es schon mal, dass man sich nicht ausloggen kann und dann tickt die Wertkartenuhr, ohne dass man davon nutznießen könnte. Drum sind auch 5-Stunden-Karten nicht gar so günstig. 1 Stunde kostet 1 CUC, das ist ungefähr 0,8€ –  aber auch die Karten zu kreigen ist ein Abenteuer mit gelegentlicher „no hay tarjeta“-Enttäuschung. Bis morgen, oder übermorgen oder so. Dann heißt es eine freundlich gesonnene Hotelrezeption zu finden, die Karten bevorratet. Mal mehr (zwischen “ woll’n se 5 oder 10?“ und „… na gut, weil Sie so nett sind – ich zwacke eine ab!“). Der Betreiber heißt ETECSA, hat ein Hauptbüro in der Stadt, das gerade renoviert wird („Geschlossen bis auf Weiteres!“), einen Kiosk in unserer Nähe, dem gern mal der Strom ausgeht und der daraufhin schließt und ein Büro im Busbahnhof. Das war eine weitere Begegnung mit solzialistischer Reglementierung: in diesem Glaskubus ist Platz für mindestens 5 Kunden, aber man wird dennoch vor die Tür gewiesen, damit man die Meldung „no hay hasta manana!“ einzeln empfangen kann. Cubanisimo, wie man sagen möchte (also, um gleich allen den WInd aus den Segeln zu nehmen, wir finden es hier schön!).
Ach ja. Kuba. Mal wieder so ein Land, wo man sich überlegen muss, wieviel Verwirrung man/frau zulassen möchte (ich habe gerade begleitend Oliver Stones Buch über den US-Imperialismus gelesen, passt wie Faust auf’s Auge…). Fangen wir in Jamaika an:
Die letzten entspannten Tage in Ocho Rios gingen zwischen Entspannung pur (Wasserfallklettern an den Dunn’s River Falls!) und der spannenden Frage dahin, was man denn tunlichst mit nach Kuba schleppt. Ocho Rios ist nicht das Einkaufsparadies, obwohl es schon ein bisschen bessere Supermärkte bietet als Port Antonio, also gestaltet sich die Auswahl schwierig und ist ohnehin nur in mehreren Gängen zu verschiedenen Supermärkten zu bewältigen. Wir haben halt unsere Rentner-Riten, also muss es „irgendwie“ was Wurstiges geben. Oder so.
Wie sich jetzt herausstellt, sind wir aber gut gerüstet, noch haben wir von der kubanischen Mangelwirtschaft nur ein paar Mangos und Tomaten abgezweigt, und selbst das fühlt sich seltsam an. Die Markthalle in Cienfuegos – zumindest am Sonnabend ein rechtes Trauerspiel. „Trauerspiel mit Auberginen“ muss man anmerken.

Begeistert und mit fliegenden Ohren: Bob, der Drogenhund

Chronologisch: Mittwochs früh in Jamaika losgesegelt, waren wir Freitagmittag in Cienfuegos –  total freundliches Willkommen, wir werden gleich ans Tankdock gelotst, damit die Cubanos tun können, was sie müssen; wir waren gespannt. Zunächst einmal kommt der Mann im Kittel, el doctor, der ein bisschen Papierkram mit uns erledigt (das Übliche: Ratten, blinde Passagiere, Tote oder Schwerkranke an Bord? ). Dann schießt er auf unsere Stirn und misst die Oberflächentemperatur. Kein Fieber. Die gelbe Flagge kann runter. Vertrag mit der Marina machen –  auch für den Ankerplatz muss bezahlt werden, noch wichtiger: wir müssen einfach registriert werden.  Besuch im kleinen Zollbüro mit dem Riesen-Gepäckröntgengerät – der Diensthabende hat 86/87 ein Jahr an der „Universidad de Carlos Marx“ in Berlin studiert, ist aber des Deutschen nur sehr peripher mächtig. Er freut sich auf häufige Besuche durch uns – wer in der Marina, oder, wie wir, vor Anker liegt, muss jeden doofen Rucksack röntgen lassen – die Handhabung stellt sich aber später als eher lax heraus, sofern nicht diensteifrige Jungzöllnerinnen das Heft in der Hand haben. Abschließend die Immigration in Kombination mit eingehender Befragung zu mitgeführten Elektronik- und Frischwaren (nebst Einweckgläsern…) Und als krönender Abschluss… Bob!  Bob ist ein Toy Spaniel und dient in der Marina Marlin als Drogenhund. Was für ein Schauspiel! Wir denken, dass es ihm auch Spaß gemacht hat, in die Grifflöcher unserer Bodenbretter zu schniefen und einen tiefen Atemzug zu nehmen (ums griffloch bleibt immer eine feuchte Sabberspur). Urteil: riecht gut, aber… Mist! Leider keine Aussicht auf ein Belohnungswürstchen. Er wetzt noch einmal los, da muss doch was zu finden sein! Nein? Wo soll ich noch gucken? An Deck? Achterkammer? Was, schon fertig? Langweiliges Schiff… Alles in allem easy, und dank Bob ein rechter Spaß. Wir werden noch vergattert, das Dinghy nur am Dinghysteg anzubinden und auf keinen Fall damit in die Stadt zu fahren oder sonstwie frei schwenkend unterwegs zu sein. Auch wer andere Schiffe besuchen will, sollte „Bescheid“ sagen. Kontrolle muss sein!

Abends treffen wir auf einen Katamaran, den wir schon im vergangenen Jahr in Martinique gesehen haben. „Treib(t) gut“ heißt er, und zum ersten Mal ahnen wir, was kubanische Wirtschaft antreibt. Oder wen oder was sie ausbremst. Adel, die Schifferin, braucht Mehl, das sie vor ein paar Monaten in Puerto Rico nicht besorgt hatte. Mehl? Mehl geht an die Bäckereien, Großküchen oder an privilegierte Hotelbetriebe – im Supermarkt totale Fehlanzeige. Wobei… Supermärkte. Super aufgräumt und super übersichtlich: 5 m grüne Bohnen im Glas, 5 m Haferflocken, 5 m braune Bohnen, 5 m schwarze Bohnen, plus ein bisschen Reis. Wer Kuba anläuft, sollte gut vorbereitet sein. Weil wir aus Jamaika noch ein „man weiß ja nie“-Extrakontingent Weizenmehl mitgebracht hatten, konnten wir bei „Treib(t) gut“ aushelfen – die Suchaktion jedenfalls war denk- bis merkwürdig, denn irgendwie zeigte, wenn überhaupt, alles auf „dunkle Kanäle“. Und eines wurde bei allen Stadtgängen klar: für Brot hat man anzustehen. Und für Kerosin… und so fort. Sonnabendnachmittag in Cienfuegos: eine lange Schlange vor einem der größeren Läden – neugierig werfen wir einen Blick auf offensichtlich begehrte Ware. Öl. Schlichtes Öl zum Kochen. Hast Du einen Beutel dabei? Nein? Großer Fehler in Kuba (und, wie der Eigner nicht müde wird zu betonen, wie damals, vor 89…).

Alte Zuckerherren-Pracht

Ein paar Tage später lassen wir AKKA allein am Ankerplatz –  was zunächst nicht so einfach zu sein scheint. Die Regel heißt: nicht länger als zwei Tage unbesetzt, die genauere Nachfrage ergibt: „… am dritten Tag wieder hier!“. Das klingt gut! Wir laufen in die Stadt (laanger Malecón, und je weiter man in die Stadt kommt umso auffälliger wird der Duft des Wassers… ganz Cienfuegos kackt hier in die Lagune!). Wir buchen Plätze für den Bus  nach Trinidad, und am

Motorradreparatur im Wohnzimmer

nächsten Tag in der Früh geht es los. Schnell noch bei der Marina und beim Immigration Officer „Bescheid“ rufen, wir sind ja nicht nur brave Staatsbürger, sondern auch nette Gäste. Nee, sagt die Diensthabende, das Schiff allein lassen? Das geht nicht. Oder, naja… „ist aber Ihre alleinige Verantwortung!“. Das versteht sich eigentlich von selbst, denken wir, aber in einem „alles unter Kontrolle“-Land alles andere als das. Dann noch der Immigration-Mann. Nee, sagt der, geht überhaupt nicht! Gar nicht? Das steht im krassen Gegensatz zur Aussage des Kollegen, dass man am dritten Tag… „… dann kommen Sie doch ans Dock, dann vielleicht!“ Kein Platz und sowieso zu spät, Senhor, der Bus, der Bus!  „… dann sagen Sie wenigstens in der Marina „Bescheid“!“ Genau, dachten wir doch, dass unser Ausflug auf voller Linie so genehmigungspflichtig wie ausnahmegenehmigungsfähig ist. Und hopsen auf den Bus, Anfahrt mit dem Mopedtaxi à la TukTuk.

2 Stunden später ist Ankunft in Trinidad, dem ehemaligen Metropölchen der Zuckerbarone, in der sich viele Touristen stapeln. Es gießt in dicken Strömen, augenscheinlich nicht nur ein temporäres Wetterphänomen, sondern auch ein topografisch bedingtes – an den Bergen im Hinterland fangen sich die Wolken, und die Anzahl der mitgeführten Regenschirme zeigt die Regenhäufigkeit ebenso an wie die Anlage der Straßen des Städtchens: die grobe Pflasterung ist konkav, so dass in der Straßenmitte ein fetter Bach bergab läuft. Den wir überwinden, um uns vor dem benachbarten Haus unterzustellen. „… wollt Ihr hier schlafen?  Kommt rein!“ Zack, Zimmer schon gefunden, das war ja einfach, übrigens ist es ein Zimmer mit Dusche, Dachterrasse und 2 Regenschirmen! „Particular“ natürlich – das private Vermieten von Zimmern wurde nach der großen Wirtschaftskrise, die der Zusammenbruch des Ostblocks und seiner Absatzmärkte verursachte, peu à peu erlaubt, und davon wird reichlich Gebrauch gemacht –  zumindest in Trinidads „casco viejo“, der Altsadt, hat fast jedes Haus das merkwürdige, blaue Zeichen für „Arendador Divisa“. Rote gibt es auch – das sind die Unterkünfte, die man in CUP bezahlen müsste, dem Peso Cubano, auch als „moneda national“ bezeichnet, aber wir internationalen Gäste bezahlen alles ein bisschen teurer mit CUC, dem „Peso Convertible“. Recht so. Sie haben es wirklich nötig, die Kubaner. Und auch verdient.
Gegen CUC bekommen wir im „Ché Tango“  ein kleines, spätes Mittagessen. Der Ché, der Ché… In diesem Lokal ist zu Ehren seines Geburtslandes die argentinische Flagge aufgehängt, während man in Kuba ansonsten denken könnte, dass dieser allgegenwärtige junge Mann, Milizführer, Guerrillero Commandante der Armee, Chef der Nationalbank, Wirtschaftsminister, kurz: Volksheld und Märtyrer der Revolución ein Kubaner sei. El Ché, un caballero sin tacha y sin miedo, ohne Tadel, ohne Angst. Er ist einfach überall und öfter zu sehen als Fidel – ist ja auch eindeutig knackiger anzuschauen, und so kauft tourist sich unweigerlich ein schickes Ché-T-Shirt, mindestens (siehe Jamaika, Personenkult um Bob M. ).
Wir laufen dagegen Slalom um die Souvenirshops in Trinidad, schauen alte Zuckerpflanzerpracht an, lungern auf der Treppe an der Casa de Música herum, die aber dank Regen keine Musik bietet; dafür kehren wir im Café Don Pedro ein (auch „particular“, was im Gastronomiefall die Bezeichnung „paladar“ hat und meist im krassen Gegensatz zu den Angeboten in den staatlichen Betrieben steht…) und schnacken lang und breit mit zwei jungen Britinnen über der Brexit (Tenor: auch wenn viele dafür sind, bringt ein zweites Referendum nichts, weil die Leute noch so doof und uninformiert sind wie beim ersten…). Wenn Reisen nicht bildet, dann macht es unweigerlich interessante Gespräche: schon auf der Herfahrt war es heiß hergegangen, denn da war meine Sitznachbarin eine Uni-Professorin aus Floreanopolis und natürlich eingschworene Bolsonaro-Gegnerin.
Den zweiten Trinidad-Tag verbringen wir dann da, wo normal Reisende nicht hingehen (steht halt nicht im Reiseführer…): Trinidad „normal“, und das ist fast noch schöner als der alte Ortskern, da lebendig und interessant. Um zu schauen, was es in den Läden gibt, und das ist sehr, sehr wenig, das meiste auf „libreta“, Rationierungsheftchen. Die Rationen werden (noch) mit dem Gießkannenprinzip an alle verteilt, aber man überlegt, die Privilegierteren (siehe oben, particulares und paladares) auszusparen. Zu den rationierten Dingen gehören u.a. bestimmte Reissorten, bestimmte Bohnensorten, das Kerosin – und natürlich Streichhölzer (womit soll man sonst seine „purro“ anzünden?). Ach, und so vieles mehr. Und Mehl gibt es auch hier nicht, das war ja klar. In Cienfuegos waren mir tiefgefrorene brasilianische Hühnchen aufgefallen – ob Sr. Bolso jetzt groß ins Embargogeschäft einsteigt und die Hühncheneinfuhr stoppt, der alte Solzialistenhasser? Viele Dinge werden von Mini-Geschäften angeboten, entweder aus dem Wohnzimmer heraus oder auch nur 3 Möhren nebst einem Eierkarton an der Straßenecke. Ach ja… und die Wohnzimmer! Ganz prima Ort, um seine uralte russische URAL-Maschine wieder in Schuss zu bringen (fällt unter: interessante Gespräche). Eines ist sicher: bei dieser knappen Ersatzteillage wird alles pfleglich behandelt – wie sonst könnten derartig viele Autos aus den 50ern hier noch herumgurken; wobei es eindeutig ist, dass es vielen Kubanern lieb wäre, auf moderne Technik zurückzugreifen. Ich finde allerdings die Pferde-Taxis ganz charmant und irgendwie auch ganz nachhaltig.
Zum Abschluss von Trinidad noch zwei Museen: die Villa eines Zuckerbarons (prächtig. prächtig, obwohl ich selbst so viel Porzellannippes nicht herumstehen haben möchte, und ich brauche auch keine 3 Rauch-Salons) und eine interessante, ganz systemkonforme Ausstellung zum Kampf der Kubaner gegen die von der CIA geförderten Konterrevolutionäre aus den 70er Jahren, die in den Bergen um Trinidad ihr Unwesen trieben – und auch da waren die Kubaner ganz schön erfolgreich, dafür mag ich sie besonders).
Das war dann viel abzuspeichern und zu grübeln für den Heimweg.

Und weil es so schwierig ist, ümfassend über Kuba zu schreiben, verspreche ich den Bericht über unseren Besuch in La Habana für „später“!
Ich geben Ihnen mein Ehrenwort (Anleihe bei Uwe B.)

Yah, mon!

Tja, ja… One love, one heart

Ocho Rios, 29.3.2019

Ein historischer Tag!  Die Briten treten aus! Oder nicht… oder doch… oder nur ein bisschen oder vielleicht doch, aber ohne Deal. Oder so. Gerade schickt mir die ZEIT auf Facebook die Eilmeldung, dass das Parlament den Deal abgelehnt hat, aber noch scheint nicht aller Abstimmungen Abend zu sein..
Für uns läuft heute ein historischer (hysterischer, siehe unten) Nordschwell in die Bucht von Ocho Rios. Ach, wie kuschelig wäre es jetzt in der Marina in Port Antonio! Ja, das haben wir genossen! George, der Manager, bot schon den Kauf eines Grundstückes an, aber wie kann man einer täglichen heißen Dusche widerstehen –  dazu mit richtigem Wasserdruck?! Wann gab es das zuletzt? In KAPSTADT, anno 2016. Aber seit einer knappen Woche sind wir in Ocho Rios. Urteil: ist in Ordnung!
Was den Schwell betrifft: fast eine Woche war es hier ententeichmäßig, Ochi, wie es genannt wird, ist auch recht windgeschützt. Als wir gestern Abend vom Tagesausflug nach Montego Bay zurückkamen, sahen wir AKKA allerdings schon von Weitem tanzen. ui, ui, ui… Schlechtes Wetter in Jamaika! Und dann kommt man an Bord, im Cockpit alles nass (geregnet), und es regnet immer noch. Schnell die Biminituch-Seitenteile einhängen, was bedeutet, dass man und frau richtig schön nass werden. Drinnen wandert ein Glas Sauerkraut, eigentlich auf dem Weg ins Schapp, glücklicherweise unversehrt zwischen Salontisch und Sofakante. In der Pantry hat sich das Brot von der Ablage ins Spülbecken gestürzt, und, weil AKKA so schön und tief von einer zur anderen Seite schaukelt, saugt die Spüle Seewasser an. „… das schöne Brot! Mein schöner Roggenmehlvorrat“ kreischt die Schipperin und pfeffert es entnervt ins Cockpit. I am sorry, lieber Eigner! Der rettet derweil an Brot, was zu retten ist und gibt mir großzügig ein trockenes Kissen von seinem „Prinz auf der Erbse“ Polsterberg. Allerdings nur schein-trocken – zwei nasse Buxen in 30 Minuten, das ist Grund genug, sich entnervt in die Koje zu hauen und die Nacht mit Roll- und Verkeilübungen zu verbringen. So ist das Leben!

Das Leben hat aber auch noch andere Dinge zu bieten. Port Antonio war schön und „Jamaika pur“. Das heißt zum Beispiel: Ausflug nach Kingston, man, vor allem frau muss ja Bob Marley seine Ehre erweisen. Ich will niemanden mit neuen Geschichten von stets gleichen Busfahrten langweilen, aber dass wir die 3 Stunden über Stock und Stein (Port Antonio liegt an Arm der jamaikanischen Welt, das heißt, jenseits der Blauen Berge) auf den Notsitzen im Mittelgang verweilen, darf nicht unerwähnt bleiben. Auch nicht, dass es üblich ist, die vorgesehenen 3 Plätze pro Reihe auf mindestens 5 zu erweitern. Mein Nachbar ist ein stiller, asketischer Mensch, der mir in den Kurven seine Hüftknochen in die Seite bohrt. Bei Andreas bohrt nichts, die benachbarte Dame ist ausreichend beleibt, das macht die Sitzsituation weicher, aber eben auch enger. Lustig: auf der Rückfahrt erwischen wir einen Bus so frühzeitig, dass wir zwei nebeneinanderliegende Plätze in der letzten Reihe bekommen, und diese ist voll, zumindest so lange, bis eine junge Dame völlig selbstverständlich auf uns zusteuert und bedeutet, wir sollen mal ein Stück rücken. Wer sagt’s denn – es passt immer noch jemand dazwischen!
Kingston war leider verregnet und das Bob Marley-Museum ein elendes Stück Fußweg entlang einer Ausfallstraße entfernt. Immerhin gelangt man so in eines der besseren Viertel, vorbei am Devon House, das der erste schwarze Millionär der Jamaikaner sich Ende des 19. Jahrhunderts bauen ließ; sonst ist die Hope Road aber eine eher weiße Gegend. Was auch Bob Marley, als er sein Anwesen zwischen Devon House und Gouverneurspalast kaufte, zu kommentieren wusste: „I bring the ghetto uptown!“ Ist ihm sicher auch gelungen, wir hören zur Einstimmung einen seiner alten Perkussionisten demo-trommeln, unter dem Baum, wo die Rasta-Familie sich zum „Spliff“ (=Joint, Tröte…) zu sammeln pflegte, und dem so prächtig zusprach, dass die Nachbarn die Polizei holten. Total unverständlich – Passivrauchen ist doch in diesem Umfeld so angenehm. Heute übrigens ist das mit dem Marihuana anders auf Jamaika – es ist zwar so legal nicht, wie uns die Straßenverkäufer in Port Antonio beteuerten, aber immerhin darf man eine kleine Menge besitzen, man darf sich das Zeug auch vom Arzt verschreiben lassen (gute Idee, wirklich!) und die Rasta, also die, die dieser Religionsrichtung aufrichtig anhängen, dürfen immer und so viel sie möchten konsumieren. Sakrament und Meditationshilfe nennt sich das dann. Es gibt allerdings auch Sakrament und Meditationshilfe in Brownies eingebacken. Für Touristen.
Nun gut – so richtig habe ich das mit dem Rastafarianism noch nicht verstanden und der Besuch im Bob-Marley-Museum hat mich eher noch ein bisschen mehr Distanz einnehmen lassen. Spirituell-Religiöses ist mir zunehmend fremd, da helfen auch Einblicke in solche Welten wenig. Rasta ist eben nicht nur Dreadlocks & Reggae. Rasta ist alles Mögliche: eine gesunde Ernährung (überwiegend vegetarisch mit einigen alttestamentlichen Anklängen), naturnahe Lebensweise, dazu Patriarchat vom (un)Feinsten und … der Redemption Song. Sehr eingängig – ich brauche nur dran zu denken oder drüber zu schreiben, schon habe ich einen Ohrwurm. Meine Lieblingszeile war schon immer „…emancipate yourself from mental slavery, none but ourselves can free our minds…“ sofort gefolgt vom großen Fragezeichen „…have no fear for atomic energy ‚cause none of them can change the time..“ . Merkwürdig fand ich das schon immer – eine der Theorien dazu ist, dass Marley sich hier als, wie man heute sagen würde, Influencer betätigt und General Electric ihm die Strophe bezahlt hat. So richtig „natürlich“ und „ital“ kann der Umgang mit Atomenergie jedenfalls nicht sein. Auch Marleys Todesursache ist ziemlich „rasta“ –  chirurgische Behandlungsweisen entsprechen nicht der  „ital“-Lebensweise; wer es streng nimmt, lässt sich also ein Melanom nicht entfernen. Schlecht. Das alles kommt natürlich im Museum nicht zur Sprache – wir kriegen tolle Bilder zu sehen von einem Mythos. Reggaemusiker, Sportler, Familienvater, Frauen, „2nd-sexiest black man of our times“, gigantische Zuschauermengen. Die Projektileinschläge aus dem Attentat 1976. Sein Exil-Landrover aus London. Nicht zuletzt die Konterfeis der Kinder, die sein Erbe weiterführen. Musik gibt es leider nur häppchenweise (und wir mussten selber singen, na so was!  Buffalo Soldier…), das ist bestimmt marketingbedingt, denn am Ende von Marley-Disney wird man durch den Shop geschleust. 
Der abschließende Film, auf den ich mich eigentlich gefreut hatte, ist schwierig zu verstehen, die Sprache ziemlich „rasta“, grammatikalisch und phonetisch. Zum Beispiel:  „I and I“ sind nicht „wir“, wie man denken könnte, sondern das Ich und der innewohnende Gott. Hm. „I and I were taken to prison!“ „Ital“ wird als Rastafizierung von „vital“ interpretiert, die ersten Silben werden im Rastadialekt gern verschluckt, zum Beispiel das „h“ – das dann ganz unerwartet an anderer Stelle auftaucht, nämlich wenn Rasta versuchen, Hochenglisch zu sprechen. „H-Andrea“. Eine gewitzte Konstruktion ist das Wort für die – nicht erlaubte – Zigarette: blindarette; eine kühne Wandlung von cigarette über see-garette. Yah ist alles Mögliche. Aber „jah“, das ist Jehova… Und so fort.   
Umso gespannter war ich eigentlich, beim Tagesbesuch in Montego Bay (aka Mo’Bay) einen Besuch im Rastafarian Village zu machen, aber mal abgesehen davon, dass die Busfahrt auch hier wieder ziemlich lang war, hätten sich die AKKAnauten vorher dort  anmelden müssen, das war also nichts.
Daher Städtetour. Mo’Bay war so „Jamaika“ wie auch Ocho Rios es ist: man muss über die – in Port Antonio nicht existierenden – Touristenghettos und die angeschlossenen Belustigungseinrichtungen (Dolphin Show, Jewellery und überall die gleichen rot-gold-grüne Flatterkleider und Häkelmützen) hinausschauen, dann wird es spannend und sehenswert. Die Märkte, zum Beispiel. Bis dahin dringen die – festhalten! –  bis zu 6000 Kreuzfahrttouristen täglich nicht vor, und die fahren auch nicht mit dem Bus. In Mo’Bay gab es für den entgangenen Rasta-Village-Besuch aber eine Entschädigung im Kulturzentrum –  neben einer eindrücklichen Ausstellung zur Entwicklung der jamaikanischen Wirtschaft (dank Sklavenhaltung) auch ein sehr gut gemachter Raum zu… yah, mon! Rastafarianism! Hier mit besonderer Betonung auf die Gründung (in den 1930ern), viel Haile Selassie (der wiedergekehrte Messias. Was vom  Rasta-Seitenarm „12 Stämme Israels“ wiederum bestritten wird, die warten auf „Yashua“ bzw. Yesus Kritos…). Eine beeindruckende Dokumentation des „Bad Friday“, an dem sich 1963 lange aufgestaute Aggressionen gegen Rasta entluden, die in Gewälttätigkeit und langfristige Verachtung mündeten. An dieser Stelle ist sicher nicht zu unterschätzen, was der erst in den frühen 70ern konvertierte Bob Marley für die Anerkennung der Religion geschafft hat. Aber ich denke auch, besonders hoch ist das Ansehen der Rasta noch heute nicht, auch wenn man ihnen  – siehe Marihuana – ein paar Privilegien einräumt. Sie selbst sehen das (dank Marihuana?!) eigentlich gelassen. Unser Fahrer aus Port Antonio, Geoff, meinte in einem Nebensatz: „… die sind schon ziemlich regierungskritisch“. Dabei wollen sie – siehe Marley, ausgenommen vielleicht sein Engagement in Zimbabwe – mit Politik nichts am Hut haben, man könnte sagen: sie sind obrigkeitskritisch und wollen einfach in Ruhe gelassen werden. Ob ihnen gefällt, dass sich Leute in aller Welt ohne Ansehen der Hintergründe Rasta-Mützen aufsetzen und Dreadlocks züchten?
Nach dem Marley-Museumskult in Kingston haben wir jedenfalls in MoBay etwas gelernt zur Verfolgung von Gemeinschaften, die ein bisschen „anders“ sind. Sehenswert.

Yah Mon!

Demnächst dann: Kuba!

PS: heute keine Bilder, warum auch immer…

Rasta!

Hibiskus und Blue Mountains

Port Antonio, 14.3.2019

„Rasta!“ ruft Geoff aus dem Autofenster. Geoff ist unser Fahrer, und wir, das sind die AKKAnauten plus Judy und Thorben, die Tivolis aus Kalifornien. Die Fahrt kam lustig zustande, denn Geoff kam am Ankunftstag zu uns an Bord – als Wasserschutzpolizist. Ob die Aktion nun lediglich der Kundenanwerbung dient oder tatsächlich dienstlich bedingt ist, haben wir nicht geklärt – ist ja auch egal; gelegentlich tritt Geoff auf dem Ponton mit schussicherer Weste auf. Nach Eintrag ins WaSchPo-Buch kommen wir rasch auf „… am Mittwoch fahre ich mit Tivoli in die Blue Mountains – wollt Ihr mit?“  Klar wollen wir, Blue Mountains, da riecht man den Kaffee schon jetzt meilenweit!

Per WA wird der Termin festgeklopft (WhatsApp zieht Kreise!), und so finden wir uns vor der Polizeistation ein, die AKKAnauten erst einmal vor der Stadtpolizei, es war allerdings die Marinepolizei gemeint. Wir klettern in Geoffs alten Japaner, ist ja ein Fünfsitzer, so eine Karre. Dass ich unterwegs öfter mal anbieten werde auszusteigen, wenn wir das Durchschlagen der Achse oder Auspuffschaben verhindern wollen, ist vernachlässigbar. Geht auch so. Geoff grinst sich eins – er spart auf ein neues Auto, ein richtiges SUV, das lohnt sich bei einer Familiengröße von 6 Personen natürlich auch, und SUV… doch, das geben wir zu, ist hier im Nordosten von Jamaika nicht das Schlechteste. Erst geht es die Küstenstraße entlang, aber spätestens, wenn man Buff Bay hinter sich gelassen hat, wird es holperig. 1 1/2 Spuren, unbefestigt oder ehemals befestigt. Und kurvig! Der Eigner sagt: „…reichlich Stellen, an denen man nicht falsch abbiegen möchte!“ Tief geht’s runter… Streckenweise will die Hupe nicht stillstehen, denn Gegenkommer müssen ja gewarnt werden. Natürlich kann Geoff, als uns ein nicht hupender Gegenkommer von Fenster zu Fenster anraunzt, mit dieser Fuhre weißer Touristen im Fond schlecht den Polizisten herauskehren und lässt dessen arrogante Ansprache freundlich an sich abtropfen. „…einer von den Kaffeeplantagenbesitzern, denen gehört die Welt…“ lacht er, als es weitergeht.  Geoff ist eine ziemliche Nummer. Er lässt sich was einfallen, um das Salär aufzubessern: Passangelegenheiten? Einwanderungsfragen? Flugtickets? Geoff regelt, besorgt, kann alles. Und eben auch Touri-Touren. Wir bekommen Jamaika-Geschichten geliefert, über Drogen und Narkotika udn anderes aus der Polizeiwelt, Parteienzwist  -wir haben heute eine kleine Nachwahl zu erleiden, es herrscht Straßenkampf. Per Lautsprecherwagen – Überbevölkerung, Erziehungspolitik.

Rasta Barista

Wir schrauben uns höher, um umso tiefer zu blicken. Besuch bei einem Kaffeefarmer mit Rundgang durch den „Kaffeegarten“. Die Kleinfarmer sind auf Kooperativen angewiesen, denn der Verkauf funktioniert nur ab einer bestimmten Erntemenge, die so ein Gärtchen nicht erreicht; ich glaube, unter einer Tonne geht nichts, und doch landet vieles vom guten Kaffee bei den großen „blendern“ à la Nestlé – dafür tut uns aber die Kaffeeverkostung in 1600 m Höhe gut, frisch vom Strauch bzw. aus dem Pott, denn auf dem offenen Holzfeuer röstet die nächste Kaffeeladung. Schöner Einblick! Schöner Ausblick!

Hier wird geröstet!

Kaffeeverkostung

Anschließend gibt es eine Wanderung im Nationalpark – und ich befleißige mich des Plastiksammelns. Mensch, Leute… hört doch mal mit dem Scheiß auf! Was sucht eine Styropor-Fastfoodbox da oben im Wald? Nebst Flaschen und Chipstüten. Man fasst es nicht, aber trotzdem ist so eine Portion Waldbergluft eine Wohltat.

Blue Mountains

Wir wandern und quatschen, und das dauert so lange, dass wir den Programmpunkt „bis 14:00 Uhr in Kingston“ auf „an einem anderen Tag“ verschieben. Um 14 Uhr ist nämlich die letzte Führung im Bob Marley-Museum, zu dem Zeitpunkt sitzen wir noch immer in frischer Bergluft und genießen ein nettes Mittagessen. Und lachen uns schief – Geoff ist wohl das, was man einen heiklen Esser nennt. Das Restaurant ist eher „nette internationale Küche“, Sandwiches, Paninis, Salate und in den Hauptgerichten leicht currylastig, aber Geoff fragt ungnädig: „… gibt es nichts Jamaikanisches?“ Die Bedienung ist genervt. „… we are not a jerk centre!“ . Jerk ist eine typische, nein, die jamaikanische Gewürzmischung, die einem an jeder Ecke entgegenweht – Zimt, Pfeffer, Knoblauch, Chili, Piment, Ingwer – jede Hausfrau hat ihre eigene Mischung. Schnell löst sich die Strenge in Besorgnis auf „… was isst Du denn überhaupt?“ Was, kein Gemüse? Keinen Salat? Kein Schwein, kein Rind?  Ja was denn?  Reis mit Bohnen… und vor allem Makrele aus der Dose! Zwar lässt sich Geoffs „I live on Grace!“ mit „ich lebe von der Gnade“ übersetzen, aber GRACE ist der große jamaikanische Dosenfutterhersteller.  Witzbold. Dafür sieht Geoff ziemlich fit aus, und er ist großzügig genug, dass seine Kinder essen dürfen, was sie wollen.

Handcart mit Kokosnüssen

Und dann geht es auf dem gleichen Weg wieder zurück. Kirchgänger überall. Es ist Aschermittwoch, Jamaika hat zwar keinen Karneval, aber der Aschermittwoch ist Feiertag. Wir wühlen uns durch ein dörfliches Reggaefest, von Aschermittwochsdemut ist schon keine Spur mehr, es geht laut und lustig zu. Ja, ja, der Jamaikaner trinkt mehr Rum als Bier…. „Rasta!“ grüßt Geoff aus dem Fenster. Eine der Rastlockenmützenträger verkauft uns gekühlte Kokosnüsse

Hinterachse – man beachte die schlaue Bremse

– und der Eigner entwickelt eine Leidenschaft für dessen Fahrzeugtyp, den „handcart“.  Stopp an der Polizeistation in Buff Bay –  Geoff muss noch einen Pass und ein Ticket für eine Reisende deponieren, die am Folgetag nach Trinidad fliegt, dazu wird (auch in den Kurven) gern das Smartphone geschwungen und lautstark arrangiert. Was eben so ein viel beschäftigter Polizist alles zu verabreden hat. Noch ein paar Mal „rasta!“ und wir sind wir zurück. Klasse Tag.

Das Mahlzeitintermezzo und das ganze Gelächter über das Essen und die Esserei hat übrigens einen Nachgang, denn am nächsten Morgen kommt die Polizei, mit dem großen Dienstboot. Und zwei Styroporboxen. Frühstück! Geoff hat uns Ackee & Saltfish besorgt. Ackee, die Nationalfrucht der Jamaikaner, gekocht mit Salzfisch, dazu Kochbanane. Ja. Kann man essen. Bisschen fischig – ich steh‘ mehr auf Jerk. Rasta!

Hühnerwahn

Port Antonio/Jamaika, 5.3.2019

Fühlt sich nett an, mal wieder in einer Marina zu liegen: Erroll Flynn-Marina nennt sich die, und man muss sie anlaufen, wenn man in Port Antonio einklarieren will. Auf Funk meldet sich zwar niemand, aber in der Annäherung sieht man einen dunklen Herrn im Blaumann auf dem Steg gestikulieren: „… hintenrum!“. Machen wir. Anleger suutsche und damit sind wir da – eine Premiere seit Südafrika 2015: erstmalig wieder „Neuland“. Jamaika. Bob-Marley-Land (und Usain-Bolt-Land, nicht zu vergessen).

Jetzt ist es früh am Morgen, glücklicherweise sind wir in der Zeitzone von Havanna/Bogota angekommen, wo die Uhren wieder normal ticken: Sonnenaufgang kurz nach 6 statt kurz nach 7, und weil wir die Passage noch in den Knochen haben, sind wir früh wach. Was wir hören, hatten seit langem nicht mehr: karibische Hühner sind des Wahnsinns, genauer: karibische Hähne! Spätestens ab 3 Uhr wird gekräht, was das Zeug hält, und zwar konzertiert. Dazu singt ein (trunkener?) Mensch „I love you-hou!“ vom Ufer – ich nehme es auf meinem Gang zum Klo für bare Münze. Wirklich nett hier!
Die Passage war gut, nicht mehr, nicht weniger, aber es ist doch augenfällig, wie sehr einen solche langen Wochen am Ankerplatz von den Eigenheiten und Folgen heftiger Bootsbewegung entfernen… will sagen: die ersten 36 Stunden waren der alte Klassiker. 8 Stunden gut, dann setzt sie ein, die Seekrankheit. Man sollte meinen, dass sich das irgendwann gibt, tut es aber nicht, aber da ich damit in bester Gesellschaft bin – Admiral Nelson ist mir der liebste Kollege in diesem Kreise – versuche ich, es mit Fassung zu tragen, und mit ein bisschen Kotzen. Zitat Segellehrer Walter Liehman, immer wieder tröstlich: „Du kotzest wie andere niesen!“. Einzig die Tatsache, dass Andreas zum 1 1/2-Handsegler mutiert, ist völlig doof. Die angepeilte neue Taktik ist die alte: Chemoprophylaxe. Ich werde versuchen Scopodermpflaster zu bekommen, denn die an Bord befindlichen sind viele Jahre alt, abgelaufen 2009, oder ich steige wieder auf Pillen um.  Glücklicherweise hatte ich in Suriname zufällig „Stutgeron“ wiedergefunden und besorgt, wovon ich, als es nun auch in der zweiten Nacht nicht besser werden wollte, eines genommen hatte; nun fragt sich die Patientin, ob die Pille geholfen hat oder ob ich sowieso „durch“ war… – das geschieht ja planmäßig nach einer gewissen Zeit. Ich schiebe es auf die Pille – und bastele mir so eine „Placebowirkung“. Jedenfalls  waren Tag 3 und 4 prima Segeltage.

Mittlerweile hat sich die Geräuschkulisse geändert. Weed cutter (riecht gut, Landgeruch ist was Feines!)l statt Kikerikii-iii. Ich werde mir gleich mal ein altes Scopodermpflaster hinters Ohr kleben – falls eine halluzinogene Wirkung eintritt und ich dem Hühnerwahn anheimfalle und krähe, gibt es hier an Land  vielleicht Rettung. 

Testposting

.. ein kleines Testposting vor der Abreise. Es war mal wieder am WP zu basteln… Morgen geht es los nach Jamaika. Bob Marley… und solche Leute.

Spanish Water

HAPPY BIRTHDAY, LIEBER BRUDER!
Vielen Dank für Deine Geduld und Deine Postmasterdienste und überhaupt!

Willemstad Waterfront (mit Rheinterrassen)

Spanish Water/Curaçao, 22.2.2019

… da haben wir echt Schwein gehabt: gestern hat Nicolas Maduro die Grenzen zwischen den ABC-Inseln und den Islas Roques geschlossen – nichts geht mehr auf den Roques, die wir letzten Monat noch so wunderschön fanden. Schön sind sie immer noch, nur dürfen derzeit keine Segler rein. Das ist ein Elend, wirklich. Die Entwicklung, die Stimmung, die tatsächliche Lage beschäftigt uns doch ziemlich – für uns stehen Venezuelanachrichten ziemlich weit oben auf der Prioritätenliste. Und dann „muss“ frau auch immer noch Stellung nehmen zu irgendwelchen dämliche SocialMedia-Beiträgen, die – ja was wohl? – Dinge überzeichnen, Maduro als venezolanischen Messias beschreiben oder wahlweise als kommunistischen Höllenhund.  Aber so weit wir das miterleben konnten, ist die Lage in Venezuela wirklich „aid“-bedürftig, da darf Nicolas wettern, so viel er will. Wir trafen eine Krankenschwester, die ihren Job in Caracas geschmissen hat, weil sie monatelang den Mangel verwalten musste und zuletzt nicht mehr dafür bezahlt wurde. Hm.  Nicolas?! Was kriegst Du davon mit?  Und Du, Guaidó – gerätst Du zwischen die Mühlräder? Wenn einen die Gemäßigten wie die Rechtsaußen gleichermaßen unterstützen und die Linken nicht mehr sehen können, dass man eigentlich mal Mitte-links war, sondern einen für „obskur rechtsextrem“ halten…  Irgendwie hat ihn die Welle von achtern eingeholt (klassische Beschreibung aus dem Yachtieleben. Wenn einem das mit dem Dinghy passiert und man will landen, gibt es eine  Bruchlandung).  Jedenfalls ist heute wett-konzerten und morgen…  Nicht schön.

Leuchtturm mit Müllausbeute

Wir hingegen hängen in Spanish Water im stets und kräftig (allzu kräftig!) blasenden Nordostpassat – um an das Dinghybild von oben anzuknüpfen: wenn wir an Land wollen, ist alles prima, aber der Rückweg, gegen Wind und Welle, beschert uns regelmäßig nasse Klamotten. Es sei denn, frau bleibt stehen und balanciert die Bescherung aus. Und der Eigner am Motor dahinter macht sich rechtzeitig klein. Betonung auf „rechtzeitig“. Gelingt nicht immer.

Aufforderung zum Beach Cleaning – außer von uns leider von niemandem angenommen

In Klein-Curaçao hatten wir zwei schöne Tage, einen davon mit einem bemerkenswerten Beach-Cleaning. Ich will niemandem auf den Keks gehen, dass man das ja nun ÜBERALL lesen könne, aber es ist so ein schönes Beispiel. Klein-Curaçao ist unbesiedelt bis auf eine Art Hausmeister mit Hund. Kein Grund, viel Müll anzusammeln – wie kommen dann Hunderte von gebrauchten Spritzen, Kanülen, Blutrobenröhrchen (volle und leere) an den Nordstrand von Klein-

Stillleben

Curaçao? Von den üblichen PET-Flaschen und Hunderten von Deckeln ganz zu schweigen. Sicherlich ein „Unfall“ bei der Entsorgung von Krankenhausmüll, klar, aber das Zeug ist eindeutig aus Puerto Rico hierher gedriftet. Klasse.  Macht was!  Sammelt selbst, und nicht nur am Wasser, versucht es zu vermeiden, sucht Recyclingmöglichkeiten, pusht für andere Verpackungsmaterialien. Das Wort zum Samstag…

Spanish Water, Fort Beekenburg. Als die Spanier und die Holländer…

Ansonsten warten wir auf ein gnädiges Wetterfenster nach Jamaika – wir sind nicht ganz allein, es warten im Moment sogar die Hiesigen auf ein gnädiges Fenster nach Bonaire, 35 Meilen entfernt. Nicht zu reden von der FLOMAIDA, die gern von Aruba nach Nordosten will – und wir gucken nach möglichst wenig Welle von ebenso möglichst achtern. Weicheier.  Die Zeit versüßen wir uns mit Fahrten ins nette Willemstad, zum Beispiel zum Besuch von „Kura Hulanda“, einer Mischung aus Africana-Sammlung und Sklavereimuseum – sehr sehenswert. Wenn nicht gar zu viele Kreuzfahrtgäste da sind (am Donnerstag waren es geschlagene 4 Schiffe!) sitzen wir auch mal auf den „Rheinterrassen“ und schlürfen Café Latte – ich glaube, eigentlich heißt das „Iguana“, aber „Rheinterrassen“ hatten das schon anno 2009 Kölsche Segler genannt, sehr treffend: man sitzt direkt am Wasser, direkt an der Schwingbrücke und hat zu gucken. Vor allem Kreuzfahrttouristen. Tattoo-Beurteilung und so.
Oder: im Kleinbus schäkert der Eigner auf der Beifahrerbank mit der beleibten Bäckerin auf dem Notsitz in der Mitte und leiert ihr nach einem ersten gekauften noch einen Rabatt-Fruchtkuchen aus den Rippen/aus dem Verkaufskorb. Spaziergänge in der Umgebung. Rentnerleben. Und schon 3 (drei!)mal haben wir uns unters Seglervolk gemischt, einmal zum BBQ, zweimal beim „Captain’s Dinner“. Die Administrateuse hat auch zu tun, ein neuer Laptop musste her (sehr nett, wenn sich unter einem Touchscreen eines ohnehin waidwunden Rechners Luftblasen bilden und den armen Bediener zur Verzweiflung bringen). Womit sich auch erklärt, warum wir zum Captain’s Dinner marschieren: dort lassen sich, während wir uns mit Seglern amüsieren und Shrimp-Spieße speisen, notwendige Systemupdates laden. Computerleichen pflastern unseren Weg (siehe oben, Recycling).

Aber Anfang der Woche, dann sollte es so weit sein. Jamaika. Wir melden uns von unterwegs…

Zwischen Bonaire und Curacao

Klein-Curacao, 4.2.2019
Wir haben es nett – nach 12 Tagen Staub (und was für welcher!) und gemäßigtem Autoverkehr auf Kralendijks Uferstraße samt testosterongeschwängerten Motorradfahrern (Wheelies und viel sinnfreies „wroom-wroom“) heute nur das Dauerbrausen des Passatwindes vor dem Strand von Klein-Curacao (denkt Euch das Cedille…), sanftes Geschaukel dazu. Perfekt. Mit uns liegen hier ein amerikanischer Kat mit „Chris & Chris“ und ein Taiwan-Clipper aus Kanada. Chris, der Eigner, hat das Boot in Aruba gekauft und ist auf Übungstour und hat dazu Chris, den Segel-Newbie aus dem vereisten Mittleren Westen eingeladen, entsprechend hölzern sah ihr Ankervorgang aus. Der Taiwan-Clipper versorgte uns zum Sonnenuntergang nochmals mit Hafenkino durch angestrengtes Mooringfischen, aber was reden wir Un-Segler über andere: auch 12 Jahre unterwegs machen nicht jedes Manöver perfekt. Es ist fast ein Jahrzehnt her, dass wir hier gelegen haben; damals wie heute schwingt die Frage mit, ob wir das eigentlich s o uneinklariert dürfen. Aber schön ist es schon. Im Moment trommelt Regen aufs Cockpitdach, also fällt der geplante Strandbesuch ins Wasser. Ausreichend abgeschieden ist es, daher frönen wir statt der Internetsucht, die mittlerweile wirklich Formen annimmt, dem „Weather-on-Demand“-Rätseln per Satellit. Frage: wann geht es weiter nach Jamaica?! Wir bestellen: sanfte Wellen, dazu Wind möglichst halb oder gar leicht achterlich, bitte sehr. Vordringlicher allerdings die Frage, was der Coast Guard-Hubschrauber gerade über uns wollte. Der wird uns doch keinen Kollegen mit einem Strafzettel schicken? Meine Behörden-Paranoia…
Der Besuch auf Bonaire war eine gemischte Wundertüte. Sehr erfreulich, Rosi und Bernd (Hannoveraner Sparkassler) wiederzusehen, die dort zu überwintern pflegen und uns mit Kaffee, Kuchen, Inseltouren und Sundowner versorgen. Noch mehr Kaffee und Internet gibt es im Eiscafé Luciano (sowas von gut!), dazu halten wir eine Pazifikberatung für noch zögerliche Co-Segler, was immer auf „unbedingt machen“-Monologe von meiner Seite hinausläuft. À propos Versorgung… den Supermarkt Cultimara, in dem wir uns anno 09 nach langen Wochen in Venezuela auf „Almhof Raamjoghurt med Aardbeien“ gestürzt hatten, gibt es nicht mehr, dafür aber „van den Tweel“ und „Warehouse“ und diverse andere, und damit alles, was das zugewanderte Herz begehrt. Und noch viel, viel mehr. Das beschauliche Bonaire hat sich verändert. Kralendijk wächst wie blöde, es wird gebaut, was das Zeug hält, bzw. was ein Baumarkt nach Europastandard hergibt. Gewerbegebiete explodieren, und nicht jedermann ist glücklich darüber – die Alteingesessenen vermissen die Beschaulichkeit, und die ganz alt Eingesessenen, nämlich die Nachfahren der Sklaverei, haben sowieso das Nachsehen gegenüber zugereisten zumeist weißen Touristenbespaßern, Scherpunkt auf „holländisch“. die Amerikaner mögen Bonaire als Ruhesitz, und alle, alle haben sie ein Auto. Zwei Kreuzfahrtschiffe am Tag sind eher die Regel als die Ausnahme (es gab auch 2 Tage ohne, äußerst angenehm!), und die spucken Gäste zu Tausenden aus, man atmet geradezu auf, wenn das letzte Tuten am Spätnachmittag ertönt; der Sonnenuntergang ist zumeist exklusiv für die Insulaner. Angenehm auch, wenn es mal ein einzelner „kleiner“ Cruiseliner ist, die Zahl er einfallenden Heuschrecken macht es auch hier. Der Hit: ein Schiffssignal, das nicht „tuuuut“ macht, sondern „tuudeluu-di-daa-da-duuuu“. „Disney Wonder“ heißt der zugehörige Dampfer und das Städtchen füllt sich für einen Tag mit gepunkteten Röckchen à la Minnie Mouse und lustigen Haarreifen mit Mickey-Ohren, alles dargeboten von umfangreichen Cola- und Burgerverzehrern (ja, ja, ich bin auch umfangreich, was ja nicht heißt, dass ich die Wahrnehmung verschweigen muss). Da loben wir uns den Indonesischen Warungstand in der Ecke der Plaza Juliana, der noch immer gute Satéspießchen „mit alles“ bietet – Nasi und Bami und Lebersauce, Gurkenscheiben, Kroepok. Und mit „viel scharf“. Ich biete den Disney-Wonder-Gästen eine Beratung in indonesischen Essgewohnheiten, kann aber meine Begeisterung nicht erfolgreich übertragen. Vielleicht sollte man einen Nasi-Burger erfinden oder ein Saté-Hot Dog. Wie der Unterwasservergleich ausfällt, wissen wir nicht so recht, es haben sich die Perspektiven verschoben – 2009 war es Ende der Hurrikansaison mit milden Winden, vielleicht liegt die Wassertrübung, die wir oberflächlich wahrnehmen, daran. Und 2009 hatten wir den Pazifik noch nicht gesehen, also war die Begeisterung groß. Aber allein das Schwimmen nagelt mich für Tage an einem solchen Ort fest. Die Mooring liegt auf 4 m Sand auf hellem Sand. Die kleinen Plattfische sieht man nur, wenn sie sich bewegen, aber es gibt auch prächtige Papageienfische, die den Mooringblock beknabbern, ab und zu kommt ein Grouper vorbei. Und für die Schwimmerin hat der örtliche Schwimmverein am Grund zu Trainigszwecken zwei Schnüre gespannt, die perfekte 50-m-Bahn.
Aber irgendwann ist es gut – bye, bye Flamingos, bedankt, Bernd und Rosi – wir reisen weiter, zunächst mal gewaltige 12 Meilen nach Curacao. Und hoffen, dass uns nach Wochen mal wieder reichlich Internetzugang ins Haus steht!

Los Roques

Kralendijk/Bonaire, 27.1.
…. oh, oh, das Internet! Ganz schlecht hier auf Bonaire, und dann muss ich entdecken, dass unser Roques-BEitrag, zu dem ich gerade einen Nachtrag schreiben wollte, gar nicht rausgegangen ist. Hier ist er, mehr später!

Francisqui/Los Roques, 15.1.2019
Sunset, Sundowner. Wir sind gerade vom Strand geflohen, einer Wiederholung unseres lauschigen Sonnenuntergangsrituals von gestern stellten sich heute die Sandfliegen entegen. Oder andersherum: wir mochten die Sandfliegen nicht, also gibt es einen Campari mit kaltem AKKA-Wasser im Cockpit, ausreichend entfernt von den fiesen Beißern. Die anderen Strandbewohner hätten uns gern noch etwas geduldet: zwei schwarze Hunde, die das Inselchen „Cayo Frances Medio“, nachts allein bewohnen (und jedes nahende Fischerboot verbellen). Einer der beiden ist schon recht dienstalt dort, aber tägliches Patten durch freundliche Strandbesucher aus Gran Roque hält wohl jung. Erinnnert uns stark an „Mousse“, den wir Old Shatterpaw nannten, den Einsiedlerhund von Ilot Casy in Neukaledonien.
Also… Los Roques. Venezuela. So ganz sind wir noch nicht durchgestiegen, was hier los ist. In jedem Fall sind die Roques eine friedliche Enklave im aktuellen politischen Durcheinander in Venezuela. Viel wurde geredet, ob man hierher gehen sollte, natürlich hatten wir auch drüber nachgedacht, aber alle Verlautbarungen aus letzter Zeit waren so positiv, dass wir einfach nicht anders konnten, als einen Wiederholungsbesuch zu starten. Ein „Wagnis“ ist es nicht. Das Einklarieren geht leicht – Guarda Costa, Hafenmeister, Parkverwaltung, Immigration sind die Stationen; unser sehr schwaches Spanisch half ausreichend, und der Hafenkapitän spricht sogar ein bisschen Englisch. Außer einem Franzosen liegen nur 3 oder 4 einheimische Segler vor Gran Roque – wir wissen allerdings, dass unser deutsch-brasilianisches Schwesterschiff Leonora sich irgendwo in den äußeren Inseln versteckt (Leonora ist eine Stiefschwester, sie hat nämlich nur einen Mast…). Ein paar mehr werden es noch sein, ab er dafür, dass Segel-Hochsaison ist und sich in den Antillen die Yachten knubbeln, tut sich uns ein kleines Paradies auf: tolles Wasser, einsame Buchten. Hier in Francisqui sind ein paar Motorboote und zwei kleineres Segler aus Caracas verankert, die nur gelegentlich genutzt werden, ein paar Jungs von der Hauptinsel kümmern sich um ihr Wohlergehen. Tagsüber bringen die Fischerboote aus Gran Roque Tagesgäste an den Strand, aber auch das bewegt sich im Bereich von vielleicht 2 oder 3 Familien. Man sitzt auf mitgebrachten Plastikstühlen im seichten Wasser, plaudert und plantscht und bedient sich aus den mitgebrachten Kühlkisten. Manchmal tönt ein bisschen Son über den Strand oder auch Festlands-Südamerikanisches, alles sehr entspannt

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Mousse ist übrigens vor einem Jahr gestorben, aber er war so beliebt bei vorbeireisenden Seglern, dass man ihm eine Gedenktafel gesetzt hat. Ein wirklich toller Kerl – absolut autark, was wir damals für „Fischfernsehen“ als Zeitvertreib gehalten hatten, stellte sich als Beutebeobachtung heraus: Fisch und – bääh – Seegurken waren nämlich sein Liebstes, aber auch die eine oder andere Krabbe konnte hund gut mal knacken. Je älter er wurde, umso unwilliger war er, seine Insel zu verlassen; Gönner wollten ihm einen geruhsamen Lebensabend in Nouméa bereiten, aber dieses Ansinnen machte ihn wütend. Auf seine alten Tage hatten Segler ihm einen Tierarzt aus Nouméa an die Seite gestellt, der ab und zu mit dem Ultraleichtflugzeug kam und nach dem Rechten schaute. Ohrekzem, schwaches Herz und so… Rest in peace, Old Shatterpaw, DU warst ein netter Kumpel!

St. Georges und umzu

Prickly Bay, 7.1.2018

Wie ich es hasse! WordPress zwingt mir einen neuen Editor auf (obwohl ich eigentlich den alten behalten wollte, und jetzt gibt es definitiv keinen Blocksatz mehr. Und ich finde Schriftarten mit Serifen völlig blöde, am Rande bemerkt…). Die Wetterwelt, viel schlimmer, tat gleiches mit einem neuen Programm. Da will man am Tag nach Neujahr mal schauen, wie die Aussichten für die Weiterreise sind und findet keine Dateien mehr. Einfach abgestellt, zumindest den Bezug der Online-Wetterdaten. O.k. – nicht so einfach eingestellt, sondern mit Ansage vor etwa einem Jahr, das darf einem dann schon mal entfallen. Zwei Anrufe später waren wir dann schon wieder mit bei den Wetterbezugsberechtigten und frickeln nun an den Feinheiten von „SeaMan Pro“ herum. Tut man das Rentnern an? Wirklich gemein. Ich warte schon auf Windows 12 oder was auch immer in Seattle in der Röhre ist (angeblich ist nichts in der Röhre, wir werden wahrscheinlich danach alle direkt gechipt und mit einem built-in-Bildschirm versehen). 
Zunächst mal ist aber das Blogproblem zwar nicht gelöst, aber an die Seite geschoben: über einen Umweg kann ich den alten Editor benutzen, und, wie Ihr seht, sogar Blocksatz einrichten (stört das eigentlich jemanden, dass ich das schöner finde?)
Und plötzlich lassen sich auch wieder Bilder in den Text stellen… Hurra.

Einziger Nachteil an dieser Lösung – irgendwann erwischt es mich kalt, weil dann dieser „Classic Editor“ so gnadenlos abgestellt wird, wie die Wetterwelt ihren GribView abgestellt hatte, und dann steht die Rentnerbande wieder da und probiert herum. Mit welchen jubelnden Worte einem das auch noch vorgestellt wird… Marketing, ich sag’s ja. Wenigstens habe ich – die Lösung kam aus dem WordPressforum – Rückendeckung, denn es hieß: „… viel zu unfertig für auch nur den 2 Beiträge pro Woche mit 3 Bildern-Blogger“. Richtig, das bin ich. An der Blogfrequenz muss ich noch arbeiten.

Jetzt zum wahren Leben:
Am Mittwoch kam unser Klofensteraufsteller, danke Jo und Peter/PR2!. Seitdem gibt es nur noch schwache Ausreden für Abreiseaufschub. Tanke zu und ähnliche Sachen. 4 von 5 Einmachgläsern gehen nicht zu. Oder „nochmal in die Stadt“, zum Beispiel, und das war gestern.

Vorbildliche Verkehrsregelung

St. Georges ist wirklich ein verschlafener Platz am Sonntag, trotz Riesen-Cruiseliner und einem kleineren Kollegen – keine Ahnung, was der Cruiselinergast da macht. Lässt sich vielleicht herumkutschieren, was ja in Grenada sehr lohnend ist. Oder genießt All Inclusive an Bord, dabei ist allein der Spaziergang durch St. Georges absolut „Caribbean“. Beschaulich. Bruchbudig. Bunt. Bisschen Reggae hier und Rastalocken da. An dem Wrackstatus nahen Fischkuttern werden Flicken eingeschweißt, natürlich mit SIcherheitsflipflops und Sonnenbrille, so wie es sein muss. Am beobachteten Kutter steht übergepönt „Lunenburg“, das ist Nova Scotia – da darf also ein Fischkutter nach hartem Leben in Labrador sein Gnadenbrot in der milden Karibik fressen. Nett.
Da wir aber nicht AI gebucht haben, waren wir – wie immer – auf der Jagd nach Kaffee, verdient nach dem anstrengenden Spaziergang aufs Fort hinauf. Fast wäre das nichts geworden, wenn nicht die Maria McCafferty ihr Art&Jewellerylädchen geöffnet hätte, mit Kaffeebewirtung und ein bisschen Spaß – das Beste an der verwinkelten Kurve, an dem dieses kleine Atelier liegt, ist eigentlich der Polizist, der den Verkehr regelt. Der hier abgebildete ist der aus dem Vorjahr, aber sie machen das alle sehr schön. Maria konnte dazu erzählen, dass hier eben „Grenada“ sei, und dass Grenada die Verkehrspolizisten außer Dienst gestellt und gegen Ampeln ausgetauscht habe. Und als alle Ampeln dann verbraucht und defekt waren, hat man die Verkehrspolizisten wieder in Amt und Würden gebracht, und würdig ist in der Tat, was sie dort tun. Ein ganz berühmter unter ihnen setzt alles daran, den Verkehr nicht stoppen zu lassen und wirbelt stundenlang, mit eleganten Handbewegungen, aber energisch zur Eile anfeuernd. Immerhin stoßen hier 4 Straßen auf einem Buckel aufeinander, drei steil ansteigend, eine kommt vom Fort heruntergestürzt. Allein das lässt einen genau das tun: anhalten, gucken. Macht was? Verkehrsstau!
Sonst?! Business as usual. Abfahrmodus. Morgen (oder übermorgen?!) geht es westwärts! Bis dahin!

Bilder, Bilder!

Tobago Cays – die Ilot Tabac ist dann doch eher einsam

Prickley Bay, 25.12.2018

Dem Eigner habe ich heute ein Weihnachtsgeschenk (verpackungs- und überhaupt plastikfrei!) bereitet, indem ich bei Facebook ein Fotoalbum für die Saison 2018 erstellt habe – das soll natürlich den Lesern hier nicht vorenthalten bleiben, und deshalb gibt es unter „Geschichten“ jetzt eine neue Galerie!

 

Hier ist sie:
Leewards & WIndwards 2018