Bequia und der Weg dorthin

Panorama Horseshoe Reef

Schön, schön! Das Horsehoe Reef vom „Petit Bateau“-Gipfel aus.

 

 

Bequia 13.2.2018

So kann’s gehen: man liegt an der Ile Petit Tabac und zweifelt, ob man noch hinüber ins altbekannte Horsehoe Reef fahren soll. Die Schipperin mag, weil das Riff schön ist, die Eigner mag „aus alter Anhänglichkeit“, unser erster Besuch liegt viele Jahre zurück, Ende der 90er. Zum guten Ankerplatz findet sich das „zum Bleiben schön“-Gefühl, für 3 Nächte. Weil aber die Dinghyfahrten mit dem 3PS-Pöttermotor so mühsam und durchnässend sind, verziehen wir uns danach aus dem wunderbar windigen Ankerfeld „achtert Riff“  ins deutlich geschütztere hinter Petit Rameau, und auch hier kann man es gut aushalten.

Diese gebackenen Banaaanen1

Neuerliche „Bergwanderung“ auf Petit Bateau mit schönen Ausblicken. Mahi-Mahi-Essen bei Julia vom Grillstand Romeo, den Fisch direkt vom

In Julias Küche

Angelboot (der Eigner-Hummer wackelte noch…). Sehr karibisch: unter großen Bäumen auf grober Holzbank hockend, die Kante des mit Wachstuch belegten Tisches ziemlich unter der Kinnlade. Alles extrem lecker! Allein diese gebackenen Kochbananen! Die Rechnung nicht unbeträchtlich, aber lohnend. Eine merkwürdige Diskrepanz: dort dicke Schiffe auf türkisfarbenem Wasser, dazu die herangeschipperten oder auf

Voilà! Karibisch farbenfroh und lecker

eigenem Kiel hergesegelten Touristen, am Strand eine Reihe bescheidener Grillstände und die zugehörigen Ansässigen, zufrieden und fröhlich. Ich glaube, unter den Seglern gibt es mehr Meckerpötte, obwohl man, an der Dicke der Geldbeutel gemessen, denken könnte, es müsste andersherum sein.

Aber auch der netteste Aufenthalt – es waren 6 genussvolle Tage! – muss zu Ende gehen. In Sichtweite

Der Fahrende Winterstiefel von Canouan. Gedränge am Fähranleger.

liegt Canouan, da waren wir noch nicht, also hin. Die Bucht vor Charlestown ist weit, wir ankern im Achtungsabstand vor dem Fähranleger. Die Insel ist ein bemerkenswertes Stück Organisation. Im Süden wurde gerade eine kleine Marina namens „Glassy Bay“ eröffnet –  und im Segelführer steht, man hoffe, der Südteil der Insel werde nicht abgesperrt. Abgesperrt? Ja, genau so wie der gesamte Norden. Ein Luxusresort, ein paar private Villen – und ein Zaun. Wenn das Gleiche jetzt mit der Marinagegend passiert, wohnen die Canouaner demnächst „zwischen den Zäunen“, ein unangenehmer Gedanke. Ob die Anzahl der Bootseinbrüche vor Charlestown auch Ausdruck von Unmut ist?  Eigentlich müssten wir Lebensmittel einkaufen, und es gibt einen richtigen, italienischen „alimentari“, mit angeblich guten Sachen. Der Laden ist einem Italo-Hotelkomplex angeschlossen – vieles hier kommt uns „italienisch“ vor, z.B. die abgesperrte Bucht etwas weiter im Norden. Ankern nicht erlaubt – feudal italienisch am Strand essen darf man sehr wohl. Wir kratzen uns am Kopf – eine wenig heimelige Insel, auch wettermäßig: die Fallböen in der Bucht sind gewalttätig und der Wind soll noch zunehmen – schon auf den paar Meilen hierher hatten wir den vollen Passat auf die Nase gekriegt. Sollen wir noch an Land? Salami oder… ach schiete wat, weiter im Norden gibt es auch was zu kaufen. Cheddar statt Provolone. So machen wir uns auf den Weg – leider liegt Mustique voll im Wind, Bequia können wir gerade so anliegen. Also Bequia.

Zu dieser Strecke schrieb Segelfreundin Susan kürzlich: „… it was a romp, all the way to Bequia!“ Können wir bestätigen – das war wirklich eine „Nummer“. Die See bewegt – an die 3 m. Der Wind in den guten Mitzwanzigern, und immer schön hoch ran. Pedder, der Windpilot, verrichtet sein Werk unermüdlich, wir müssen nur aufpassen, dass uns die flinken, vor dem Wind dahineilenden Gegenkommer nicht umfahren – Verkehr ist reichlich in dieser Jahreszeit. Wir fragen uns, wie all diese südwärts strebenden, auf 1, maximal 2 Wochen beschränkten Charterer ihre Basen in St. Lucia oder Martinique wieder erreichen – die Nordrichtung im voll entwickelten Passat ist wirklich eine „Nummer“… Langsam schälen sich die Umrisse von Bequia aus dem Dunst, die Entfernung ist nicht wirklich weit, vielleicht 20 Meilen, aber eben holperig. Von Steuerbord sehen wir auf dem AIS einen großen Schlepper unseren Kurs kreuzen, bzw. er kreuzt ihn eben nicht – die Peilung steht, wie der Segler sagt. Eine stehende Peilung endet unweigerlich mit einer Kollision, die Annäherung kann die Schipperin, die auf der Cockpitsüllkante sitzt, über ein Stündchen oder so beobachten. „… na, wandert er nun aus?!“ Nee, tut er nicht. Wir wollen mit genau gleicher Geschwindigkeit die genau gleiche Ecke runden, und mit Schleppverbänden ist nicht zu spaßen. Solche Späße hatten wir in Indonesien reichlich, wir eirinnern uns an „Oh, wie schön ist Lummerland“, als sich „eine nicht kartierte Insel“ auf unserem nächtlichen Kurs verirrte. Oh, je. Ein Schlepper und 200 m dahinter (dazwischen sollte der Segler tunlichst keine Durchfahrt suchen!) eine riesige alte Schute mit Landeklappe, sie rücken näher, und auch da das ausdauerndste Starren keine gegnerischen Kurse ändert, wenden wir. Windpilot außer Funktion nehmen. Ach, wir machen eine automatische Wende unter Autopilot, wozu hat man diese beiden synchron zu drückenden Knöpfe. Sehr fein geht das in mäßig bewegter See! Die haben wir allerdings nicht zu bieten. Der Versuch scheitert, vielleicht an einer unglücklichen Folge von Wellen, in denen wir uns feststampfen. Macht nix, passiert halt. Variante Handsteuerung. Gleiches Spiel: Fahrt aufnehmen, sich nicht festfahren, rum die Bude. Jau, und steht. Die Schipperin schaut etwas belämmert, aber Übung macht den Meister, im dritten Versuch ist es geschafft. Die Wende ist von allerlei Geräusch begleitet, mein beliebte Kramablage neben dem Niedergang zum Beispiel entleert sich schlagartig nach unten, Nagelfeilen, Gastlandflaggen, Bändselbeutel, Postkartenvorrat, Bücher, Stifte (der Eigner wird zum Zustand unter Deck später sagen: „Dein Tablet ist noch heile!“ und  „… Du kannst auch gern mal vorn in der Vorschiffskabine gucken!“). Egal, aber durch den Wind ist durch den Wind. Nun folgen 15 Minuten wirklicher Romp – es kommt halt immer drauf an, in welchem Winkel einen die Wellen treffen, und dieser ist… ungünstig. Also halten wir den Ausweichkurs kurz. Die zweite handgesteuerte Wende gestaltet sich schon besser. Wir sind nahe an Bequia, die Ankerbucht liegt voll im Wind, da kreuzen wir nicht rein, wir motorsegeln! Motor an. Der Schipperin am Ruder flattern die Ohren, also hört sie nicht, dass sie nichts hört, aber am leicht hektischen Verschwinden und Wiederauftauchen des Eigners kann sie es ablesen, dass der Motor nicht anspringt – es gibt für alles mal eine Premiere. Später rekapitulieren wir unsere jeweiligen Gedankengänge – Wetterlage, Chance auf Ankern unter Segeln und wo? Zurück nach Canouan? Oder weiter?  Wie ankert man unter Segeln im vollen Passat? Spannende Frage. Der Eigner schaltet dann die – laut Anzeige gute – Starter- und die Verbraucherbatterien zusammen, worauf der Motor wenigstens ein keuchendes Kotzgeräusch macht. Nochmal!  „Gib mal mehr Gas!“  Keuch-kotz-uaa–uaa, wrrrummmm!  Ach, da bist Du ja, kleiner Motor!  Hattest Du Dich verschluckt? Hatte er wohl, vielleicht in einer der komischen Wenden ein Gläschen Wasser durch den Auspuff? Unangenehmes Erlebnis. Vor dem Low Bay-Strand fällt der Anker. Im zweiten Versuch, immerhin. Nachtpause.

Am Morgen pfeift es immer noch, Port Elizabeth ist von allen Seiten von grünen Hügeln umgeben, von denen Böen auf uns herabstürzen – nicht so schhlimm wie Canouan, aber dies ist eben die Passat-Saison, da bläst es. Dazu läuft etwas Schwell in die Bucht. Gucken wir doch mal, ob wir in der Tiefe des Hafens zwischen den vielen Seglern noch ein ruhigeres Plätzchen ergattern können. Auch das gestaltet sich mühsam, denn nach Norden ist die Bucht sehr tief, dann folgt ein Streifne ankerunfreundlichen, härteren Grundes. Im dritten Versuch hält der Anker – nicht ohne dass hinter uns ein Yachtie-Erdmännchen streng auf unsere Versuche schaut. So sehe ich also aus, wenn ich die Ankermanöver anderer beobachte! Einschüchternd! Kontrolle per Schnorchelgang – sehr gut es gefällt mir nicht. Ich liebe es, wenn mein Anker so weit eingegraben ist, dass man den Bügel kaum sieht; weg ist er schon, aber es guckt noch viel raus… Aber wir haben reichlich Kette draußen, wird schon. Am Abend legt der Wind noch einen Zacken drauf, die Fallböen könnte man als „wütend“ bezeichnen, was mich beunruhigt und mir eine Nacht auf der Cockpitbank beschert. Lieber sofort da sein, wenn der Ankeralarm piept. Schisserige Schipperin.
Am Morgen der Umzug. Weiter vorn ist ein Loch im Ankerfeld. 3m Wassertiefe ist schon recht knapp, aber es funktioniert gut. Schnell sind wir fest, und voll eingegraben, das beruhigt ungemenin. Ein angenehmer Tag mit Landgang folgt, Highlight: Besuch auf dem Rastamarkt. Unser Segelfüher schreibt: „… viele Kunden haben sich vor der  geballten Rasta-Verkaufskraft zu den kleineren Shops und Ständen in den Hinterstraßen verzogen!“  Da sagt er was, der Herr Doyle – aber spaßig ist es schon. Es gibt Kartoffeln, schöne Knubbelmöhren, frische Zwiebeln von der Dame gleich am Eingang, während hinter einem dauernd neue Angebote auf einen einprasseln!  Hier – Soursop! Probier mal – klasse Mango! Das Stück Sapodilla wird mir einfach unter die Nase gehalten, aber lecker ist es. Grapefruit! Lemon! Frühlingszwiebeln. Wir schreiten zum Zahlen. Zack! Eine Tüte grüne Bohnen vom Nachbartisch. Wer hier nicht entschieden „nein!“ sagt, hat verloren. So wie wir – es bleibt einem bei dem Ansturm nur ein hilfloses Lachen. Noch Eier? Noch Zitronen? Guck: ’ne Tüte frisches Basilikum! Und diese Papaya ist für morgen!
Die Anzahl der Bananen- und Zitronengeschenke, die wir zugesteckt bekommen, sind ein sicheres Zeichen dafür, dass wir heute der Rastagemeinde zu finanziellem  Gewinn verholfen haben. Wir werden trotzdem wieder hingehen, für manche Show muss man einfach zahlen. Auf dem Rückweg streichen wir noch ein frisches Baguette ein (klar, gibt es im Dive Shop oder so…). Zufrieden sinken wir auf die Cockpitbänke. Kleiner Pastis zum Sundowner?! Gern.
Kaum ist die Sonne weg, sagt es „bu-bumm“. Hä? Was war das? Und nochmal: „bu-bumm“. AKKA hoppelt! AKKA hoppelt „irgendwie“ auf Grund! Nee… Wir sind ins Flache geschwoit, und da liegen Klamotten. Ankerauf, zurück zum allerersten Ankerplatz, im Schwell, aber mit Sand und ausreichend Wassertiefe. Unter dem Schein der Taschenlampe fällt der Haken, er hält, alles gut, auch wenn der Abstand nach achtern zum nächsten Boot ein kleines bisschen knapp ist. Ruhige Nacht. Bis bewusster Nachbar zum Frühstück auf seinem Vorschiff erscheint: „… hey, AKKA! That’s close!  Dangerous!“  Ich geh‘ mal schnorcheln und guck‘ mit die Bescherung an.  Harmlos, zumindest wir mit unserem zuverlässigen Bügelanker würden nicht auf Drift gehen, was des Nachbarn Befürchtung war – beim seinem CQR-Anker sieht das schon anders aus, der liegt CQR-programmgemäß wie dumm auf der Seite. Von uns eigentlich ganz gut abgeschätzt, aber wo wir schon so gut in Übung sind mit „Umankern in Bequia“, können wir John schnell zu etwas Seelenfrieden verhelfen. Wir sind die Bequia-Ankermeister!

Witzig!

Die Tobago Cays

Tobago Cays, 5.2.2018

Es sollte mehr Wind werden, also verlassen wir den etwas exponierten Platz an der Ile Petit Tabac – der Anker vorn am Riff und das Heck fast an den Korallen auf der Gegenseite macht schlechten Schlaf, da mag der Anker noch so tief im Sand stecken. Drüben, in den eigentlichen „Cays“, sehen wir auch Schiffsbewegungen, also werden wir ein Plätzchen finden in dem Gewusel.

„Luftbild“ von der Spitze von Baradal. RIff-Tief-Riff…

Stimmt! Wir kurven durch’s Anker- und Mooringsfeld. Der Eigner würde gern hinter Baradal gehen, die Insel am Schildkrötensperrgebiet, um vielleicht etwas Wellenschutz zu haben, aber das war nix. Weiter draußen, zum Riff hin macht gerade ein kanadischer Katamaran Platz. Merci bien und Thank you! Rein in das Loch. Hier ist offensichtlich auch Langfahrergebiet, vor uns eine norwegische Kolonie, zur Linken Holländer, zur Rechten Franzosen. Passt. Die ersten Karettschildkröten

Begegnung beim „Berg“_Spaziergang

beobachten das Ankermanöver neugierig. Doch, es ist viel Platz hier  – heute übrigens, nach der 2. Nacht, ist das Ankerfeld schon sehr gelichtet. Glasklares Badewasser und „hinterm Riff liegen“ gefällt mir sowieso seit der ersten „Nonsuch Bay“ 1992 ganz besonders. Voll dem Wind ausgesetzt, vor sich die Brandung, am Ankerplatz Ententeich.

Mittagspäuschen. Es klopft an der Bordwand. ?! Sind wir auf Slip?  Nein, der Anker hält. Ein unbekanntes Gesicht an der Reling. British English. „Da sind Freunde von Euch! Chris and… don’t recall the name. Denen habt Ihr Bücher gegeben, bevor Ihr los seid. Haven’t seen you in 10 years!“ Ähm. Danke. Chris, und irgendwer… Vor 10 Jahren. Wer ist Chris? Wir sollen mal rüberfahren, deren Dinghy sei schlecht. „BROADER VIEW HAMBURG“. Sehe irgendwie rennbootmäßig aus.  Kennen wir nicht. Kennen wir überhaupt Regattasegler?  Kurz vor einem fetten Squall machen wir uns fix auf den Weg. Bei diesem Wind ist übrigens jedes untermotorisierte Dinghy „schlecht“. Wir kommen näher, patschnass… Wer sind Chris und  „I don’t recall the name“? Schmale blonde Frau. Nicht möglich – das muss ein Witz sein! Ihr hier? Christiane und Jochen. Segelacht SOCORRO, unsere Stegnachbarn aus Arnis, Vorbilder mit mehreren Atlantikrunden auf der Uhr. Das ist wirklich überraschend und rührend. Leider erlaubt der Squall keinen Aufenthalt, also verabreden wir uns für einen Schwatz am Morgen. Die BROADER VIEW HAMBURG ist ein Vereinsschiff des Hamburgischen Vereins Seefahrt, der sich vornehmlich Jugendförderung auf die Fahnen geschrieben hat, und sie ist eine echte Rennziege. Der Verein füllt die Zeiten zwischen den Regatten und Ozeanpassagen mit  der Möglichkeit zu „Familientörns“. Was man denn so als Familientörn auf einem Regattaschiff (innen blank, natürlich, Gewicht zählt! Rohrkojen, kein Tisch…) bezeichnet. Viel Zeit ist nicht für das „catch up“, aber wir freuen uns. „Teenie“ Inka ist ein gestandener Twen, eine „Hanna Dampf in allen wissenschaftlichen und sportlichen.Gassen“, Jochen und Christiane völlig unverändert, dazu an Bord ein befreundetes Seglerpaar, eine ziemlich eingeschworene Crew für ein sehr sportliches Schiff.
Wir brechen bald auf. „Wir müssen noch das Reff einbinden, ehe es losgeht, das dauert!“ sagt Skipper Jochen. Viel Segelfläche ist viel Geaste. Mast anpowern, Backstagen…  – dabei ist dies ja nur das Familienprogramm, da zu wenig „action“ für die jüngeren Vereinsmitglieder. Hey, Leute, hier weht der Passat unablässig mit 20 Knoten (plus)!

Eine witzige Begegnung. Wenig später sehen wir sie aus der Bucht rennen, Ziel Mustique. Marinetraffic sagt, sie waren um 14 Uhr dort. Mit ihren 10 Knoten. Von so etwas  (alb)träumen AKKAnauten!

Wahrnehmungssache

Happy Island. Ein Ritual: Fruit Punch zum Sonnenuntergang

Ile Petit Tabac/Grenadines, 4.2.2018

Ganz schön voll da drüben, wenn man ins berühmte Horseshoe Reef in den „Tobago Cays“ guckt. Es gibt ein Bild aus 2009, da lag die AKKA dort fast allein, nur Chamicha war noch dabei. Aber das war natürlich in der nicht-Segel-Saison. Selbst hier in Petit Tabac, wo eigentlich nicht mehr als 4 Schiffe hineinpassen, ist tagsüber der Kitesurf-Bär los  – die Tagesgäste schmeißen zu meinem Missfallen ihre Anker gnadenlos auf die Korallen vor der Insel –  aber das ist eben nur am Tag, abends kehrt die Ruhe ein. Vor allem die Chartersegler zieht es dann an die Strandbar, aber außer Strandgut gibt es hier gar nichts. Gut so. Ob wir noch drüben anhalten auf unserem Weg nach Norden wird sich zeigen. Wieviele Schiffe – überwiegend Charterkatamarane – mögen da liegen? 50? In der Nacht sah es aus wie eine kleine Stadtsilhouette, ein Topplicht am anderen. Aber dieses Riff ist zugegebenermaßen schön und eine der großen Attraktionen in den südlichen Grenadinen.

NDinghyparkplatz in Clifton

Der Besuch in Union Island war mit 2 Tagen eher knapp, die Moorings kosten ordentlich Geld und das Örtchen Clifton erinnerte uns etwas an den Besuch in San Pedro de Atacama: nett, aber völlig auf die Gäste ausgerichtet; dort war die Backpackergemeinde bestimmend, hier rekrutiert sich das Gros der Gäste aus den Seglern. In benachbarten Ashton ist sicher „mehr Union Island“, aber bis dahin laufen die Segler nicht. Wir auch nicht. Steil ist es! Im Ankerfeld

Der Charterflotte den Rücken zudrehen…
Petit Tabac

wieder ein paar große Brocken, Katamarane wie die Ocean View aus Polen, und die Ruwani mit ihren 88 Fuß und dabei fast so breit wie eine AKKA lang ist – Monsterkatamarane kommen sehr in Mode, vielstöckig und schwerst luxuriös; die früher erwähnten Super-Monohulls lassen sich nicht lumpen. 130 Fuß, 150 Fuß… für 90 gibt es nur noch ein müdes Lächeln. Allen gemeinsam wohl der Wunsch, den Sonnenuntergang bei Jonte (John T.?!) aus seinem „Happy Island“ zu beobachten und sich die Nase mit Rumpunsch zu begießen. Ein Seglerritual, dem wir uns zumindest für einen Abend nicht entziehen.
Außer den Großen und den Kurzfrist-Seglern gibt es aber auch ein paar, die offensichtlich länger unterwegs sind; so unsere Nachbarn heute Nacht im einsamen „End of the World“-Riff, eine holländische Familie, die ihre Teenietöchter für die Nacht im Zelt auf Petit Tabac

DIe Kehrseite. AKKA und Zeester in P.Tabac.  Im Hintergrund das Horseshoe Reef

aussetzen (mit Abendessen und Frühstücksservice zum Sonnenaufgang. Sehr nett). Wir sprachen kurz, kennen die Verhältnisse alle aus früheren Jahren und finden doch, dass sich immer noch schöne Stellen finden, um die es sich lohnt, die Antillen zu bereisen. Man muss nur den Katamaranmassen den Rücken drehen.

Aber um positive Stimmung muss man/frau sich natürlich auch bemühen. Mit den Locals fällt einem das leicht, egal auf welcher Insel – na gut, mal mehr, mal weniger. Als wir in Clifton nach St. Vincent & The Grenadines einchecken, entwickelt sich, kaum dass der Zollbeamte hinterm Papierstapel sein Mittagessen aufgegessen hat, ein angeregtes Gespräch: „… does Germany have a government now?!“ Nee, sagen wir, Angela ist noch nicht zu Potte gekommen, und machen gleich weiter bei großen und kleinen Koalitionen, bei Randparteien und der Welt- und Europapolitik mit einem Abstecher auf die Kleinen Antillen. „…unsere Regierung ist echt gut, schönes Leben in St. Vincent. Vor allem vor den Wahlen!“ Wir lachen.  Also, ich finde solche Begegnungen immer klasse.
Die Tür geht auf. Zwei Segler. Zollbeamter: „… what can I do for you?! How can I help you?“  „… you kän hälp mie wiz ze pepers!“. Und zu uns: „Unfreundlicher Kerl. Aber so ist das hier, und so war es schon vor 30 Jahren. Nix dazugelernt! Immer unfreundlich.“  Wie bitte?! Ich bin dann auch gleich mal unfreundlich, zur Demonstration, mir fällt kurzfristig das von mir abgefragte Datum nicht ein. Kleiner Scherz von mir.  „… so ist das unter Rassy-Eignern!“, sagt der Herr Rassy-Eigner. Ein Segler, der die Welt durch die graue Brille sieht und uns in eine Bootsmarken-Schublade schieben will. Ich muss rasch raus aus dem Zimmer.
Ein Spaziergang auf den Berg mit weitem Blick auf Petit Martinique und Petit St. Vincent und Carriacou hat meinen Hals schnell abschwellen lassen.   Selektive Wahrnehmung ist, wenn man nur recht intensiv sucht und tatsächlich Negatives findet.
Oder? Wenn wir nur recht gut hinschauen, finden zumindest wir immer etwas Schönes. Eine Frage der Wahrnehmung.

Beamtenspaß

Karibik-Kitsch. Sandy Island, Carriacou

Sandy Island/Grenada, 31.1.2018

Damit sich die Blogverteilung über den Januar ein bisschen schöner ausmacht, kommt hier eine Monatsabschlussgalerie. Morgen geht es wieder auf einen ganz schweren Schlag nach Norden. Union Island. Ich glaube, das werden 6 harte Meilen… Masten und Häuser sind schon in Sicht!

Dazu haben wir heute ausklariert. Die Bekanntschaft der Frau Zollbeamtin hatte ich gestern schon gemacht, ich bin nämlich jetzt alt genug und brauche auch eine Lebensbescheinigung – damit die demnächstige Rentenzahlung nicht ins Leere läuft. Die Notwendigkeit einer Unterschrift in fernen Regionen „offiziellen Stellen“ zu erklären, ist immer sehr erheiternd. Am besten eigenlich vor diversen Jahren der Polizist auf der Ile des Pins in Neukaledonien – der hat lange erwogen, dem Eigner den Wunsch zu erfüllen und sich, obwohl der Stift in seiner Hand schon zuckte, dann doch dagegen entschieden. Zu viel Verantwortung… In Trinidad verlangte der Zollbeamte neulich nach ebenfalls langem Überlegen einen Handstand zum Nachweis der Lebendigkeit; wenn der Vorgang ins Scherzhafte übergeht, ist die halbe Miete schon eingestrichen. Auch meine Customs Officerin war sich so schlüssig nicht, aber dann ging’s doch. Prima, und so waren wir heute zum Ausklarieren schon alte Bekannte. Die Unterschiede der Klarierungsvorgänge sind wirklich eklatant. Manchmal per Maschine, manchmal persönlich, dafür aber ruck-zuck. In Tonga begibt man sich auf mehrstündige Wanderungen durch den Ort, um die zuständigen Beamten aufzustöbern. In Singapur reicht man die Papiere im Kescher auf’s Behördenboot – hier nun wieder eher langwierig. Karibisch eben. Was nicht schlecht ist, weil man ja auch – sorry an die hinter uns Wartenden – das eine oder andere Schwätzchen abhält. Der Eigner war diese Mal mit – ich bin ja die Sekretärin und gewöhnlich für schnöde Behördengänge zuständig -, und er geniert sich ein bisschen, weil ich zu den Caribe-Rap-Klängen aus dem Zoll-Lautsprecher auf dem Stuhl wackele. Die Immigration Officerin mochte dann ihre ernste Miene nicht lang durchhalten: „It is carnival!“  Karneval?  Nee, Karneval ist doch im August! „You are in Carriacou! Carnival is next week! Grenada Carnival is in August!“  Und grinst sich eins: wir in Carriacou haben eben Karneval and „Spicemas“. Lots of partying…  So rocken wir dann von dannen. Zwischenstation: den Pelikanen und Tölpeln auf Sandy Island einen letzten Besuch abstatten.
Und dann: St. Vincent & The Grenadines. Mal schau’n!

 

 

 

Erinnerungstrunken

St. Georges/Grenada, 21.1.2018

Es regnet Hunde, Katzen, Bindfäden, alles zusammen, und eigentlich wollten wir heute 5 Meilen weiterrücken – aber nix da. Vor die Abfahrt hat das AKKA-Bastelkommitee das Verschrauben der Radarschüssel gesetzt, und das macht bei diesem Wetter keinen wirklichen Spaß. Die Schüssel war offen… naja, Ihr ahnt schon. Der für-uns-neue (das ist eine neue Sitte aus dem Englischsprachigen für Gebrauchtes, dort „new-to-us“) Plotter versieht wunderbar seinen Dienst, aber warum nun das Radargerät plötzlich seinen Dienst einstellt, das weiß der Geier. Der Eigner schiebt ein paar Tage vor sich her, was die Schipperin vorschlägt, nämlich die Verbindung zwischen Geräteanschluss und dem Kabelverteiler im Mast durchzumessen (alles in Butter) und auch in den Besan zu steigen und zu schauen, ob irgendwas zu sehen ist. Natürlich ist die Schipperin nicht schlau genug zu wissen, dass das dort oben alles ziemlich gut verpackt ist (hat ja auch 13 Jahre ohne Mucken funktioniert!), aber vielleicht hängt ja ein Kabel lose… Er lässt sich erweichen. Wir öffnen die Schüssel – stimmt, alles gut verpackt und nix Loses in Sicht. Er kommt runter, er schaltet das Radar ein… und die Antenne fängt an zu drehen. So ist das mit den vibrations der Schipperin. Dann machen wir die Schüssel provisorisch zu. Und das Radar steigt wieder aus. Die Stimmung sinkt. Wir machen einen Ausflug zum örtlichen Raymarinevertreter, der will – frühestens – am Mittwoch kommen, freut sich aber über des Eigners Wochenendlektüre, ein DIN A4-Blatt, dicht beschrieben mit der Abfolge der Fehler. Checking Hardware, antenna not rotating, no data, Antenne dreht aber kein Signal – eine veritable Kurzgeschichte, aufgepeppt mit vergeblichen Versuchen, dem Problem durch Softwareupdates beizukommen. Auf dem Rückweg – die Stimmung steigt wegen einer extrem lustigen Busfahrt wieder auf den Normalpegelstand – entscheiden wir schon, die Verabredung abzusagen. Es geht auch ohne. Nur noch die Schüssel wieder verschrauben, und das machen wir Sonntag, vor der Abfahrt. Und jetzt ist Sonntag! Wir schicken die Katzen, Hunde und Bindfäden rauf in den Besan, sollen die sich kümmern. Ach, Nachsatz: gestern konnte der Eigner es nicht lassen und hat mal das Radar angeschmissen. Läuft.

Während wir also das Wetter misstrauisch beobachten, kommt von einer Freundin über Facebook das Link zu einem Blog, der mir diesen griesen Tag gleich bunter gestaltet: die Unterschiede zwischen den verschiedenen Robbenarten. Nicht, dass es unzählige Robben in der Karibik gäbe, aber ich weiß, dass die Bezeichnung der Seelöwen und Seebären auf unserer Reise – Galapagos/Neuseeland/Südafrika/Argentinien… – nie wie aus der Pistole geschossen kam, und hier gibt es ein paar eingängige Erklärungen. Steffi schrieb dazu: „… schöner Blog!“ und ich sofort zurück: „… ich will keine schönen Blogs mehr!“  Tatsächlich, das ganze social media-Gebell und die vielen mehr oder weniger wertvollen Verlautbarungen gehen mir zunehmend auf die Nerven. Aber weil der verlinkte Artikel so schön ist,  habe ich doch gelinst. Bei vielen Blogs ist sofort klar, dass man mit den Inhalten nichts anfangen kann – meine Schublade dazu heißt: „und dann hat die Oma Apfelkuchen gebacken“-Blog. Was unseren eigenen betrifft, begegnet mir immer wieder, letzte Woche erst „massiv“, dass Leute beteuern, unseren Blog zu kennen und zu schätzen. Dann wird mir immer ganz mulmig, und ich frage mich, wer das alles liest. Meine Antwort dazu später, aber erst zum „Passenger on Earth“: der hat mich gleich gefangen genommen, nicht nur wegen der uns bekannten Robben, sondern auch wegen des Titelbildes von einem der Namibia-Highlights, der Spitskoppe, und vielen anderen „kennen wir doch“. Oodnadatta Track. Patagonien. Galapagos. Schließlich fand ich eine Erklärung zur Intrusion an den Torres del Paine… – o.k., dies ist ein Blog mit Inhalt, den möchte ich öfter mal anschauen; und hier bin ich als Leserin sicher willkommen, denn er wird explizit für die Leser geschrieben.
Und unser Blog? Meiner? Der wird vorrangig für uns geschrieben, und für ein paar Familienmitglieder, ein paar Freunde, alles andere mag ich gar nicht wissen. Weil er für uns geschrieben wird, muss ich ihn natürlich auch lesen, und heute ist die Gelegenheit günstig, mal über die Suchfunktion nach Seelöwen- oder Seebärenfehlern zu suchen! Los geht’s. Und dann passiert, was mir öfter passiert – ich tauche in eine Reiseretrospektive ein, ganz tief. Heute die zwiespältlige Wahrnehmung von Südafrika. Und unsere Bahnreise nach Zim. Und die Victoriafalls. Als unser Zug längst in Dar es Salaam angekommen ist und wir über Zanzibar in der Serengeti gelandet sind, ist es Mittagszeit, und ich muss mich losreißen. Haben wir tolle Sachen erlebt und gesehen? Haben wir. Und doch: mit den Erinnerungen ist das so eine Sache! Als ich neulich ebenfalls über Facebook Kontakt zu einem Segler hatte, der sich gerade anschickte, von Reunion nach Kapstadt zu segeln und sich Sorgen machte, verfiel ich in meine „Geduld-und-Spucke“-Routine. Und dass für uns der Indische Ozean, aber insbesondere die Strecke nach Südafrika nicht besonders aufregend gewesen sei, Betonung auf „besonders“. Ich erinnere mich bis auf die letzte dicke Front mit den langanhaltenden Gewittern tatsächlich nicht an Extremes, aber die Nachfrage ließ mich das alte Logbuch aufschlagen. Neben des Eigners immer schönen Zeichnungen steht da doch: „… A. ist schlechter Laune. Das Salzwasser ist bis in die Pantry geflogen!“  Habe ich tatsächlich vergessen. Verdrängt?! Verdrängt. Also lese ich meinen moderat formulierten Blog und weide mich an den schönen Erlebnissen. Wenn die schlechten erwähnenswert waren, wird es schon da stehen. Warte mal, was steht denn da für den Tag mit der schlechten Laune, südlich von Madagaskar?! Steht da was?  Klar. Klingt munter, es ist ordentlich Wind und Welle, und wir hatten Besuch von den „Madagascar Jumping Dolphins“, die eine gigantische Schau für uns abgezogen haben. Erstens: daran erinnere ich mich sonnenklar, denn nicht nur wir, sondern auch die Damen und Herren von der Delfinshow hatten ein unglaubliches Vergnügen. Zweitens: bis zum Zeitpunkt des Blogschreibens war ich wohl schon wieder trocken. Und drittens: es ist gerade wieder passiert – ich lese meinen Blog und bin erinnerungstrunken.
Schön so. Mögen unsere Erinnerungen uns noch lange erhalten bleiben.

Er ist da!

LIR… und davor ein Kap Hoornier – die Galatea aus Regensburg…

Prickly Bay, 9.1.2018

… er ist da, oder: Die Sache mit der Kiefersperre

Hier, in den südlichen Antillen, gibt es derzeit schicke Sachen zu sehen, und wir haben wieder einmal das alte Problem: Kiefersperre.
Man liegt am Tag nach Neujahr auf der Cockpitbank, schaut vom Buch auf und… hui, hinter uns kommt aber jemand dicht vorbei.  Aufsetzen, gucken… (im AKKA-Jargon heißt das: „… das Erdmännchen machen“). Und siehe da, es kommt niemand wirklich nahe vorbei, sondern die normalen Größenverhältnisse sind ein bisschen verschoben. Vorbei geschlichen kommt: LIR, genauer gesagt: „Child of Lir„. Eindeutig Nautor’s Swan, silbergrau, sehr elegant. Kinder hüpfen auf dem Vorschiff, dazu gibt es ausreichend Platz. Ein Männlein steht neben dem Ankerkasten. Kasten?  Ich glaube, der Ankerkastendeckel ist fast mannshoch. LIR dreht einen komischen Kreis durch unsere beengtes Ankerfeld – die wollen doch wohl nicht hier mittendrin…?! Nein, wollen sie nicht, oder sie wollen nicht mehr. Irgendwie ist Größe doch manchmal etwas unhandlich. In der Vorbeifahrt winkt ein einsamer, weiblicher Gast – oder die Eignerin? – freundlich aus dem Cockpit. Was man als Fahrtensegler immer für Vorurteile hat: natürlich winkt sie freundlich, denn wahrscheinlich sind das ganz normale Leute, nur mit einem geringfügig größeren Boot… Ich hatte mich auch nicht entblöden können, „woo-hooot!“ zu rufen, da muss man ja zurückwinken. Ich gebe zu, ich bin / wir sind beeindruckt. Wir googeln natürlich sofort – Google schweigt sich zwar meistens über die persönlichen Details der Eigner großer Yachten aus, aber wir stellen fest, dass die schicke LIR nicht mal ins Googleverzeichnis der größten Superyachten passt. Geht erst bei 112 Fuß los, mickrige 104 Fuß sind da nicht erwähnenswert.
Das bringt unsere Erinnerungen in Fahrt, insbesondere an unsere erste größere Kieferklemme: 1988 in Puerto de Mogan, als wir „Blue Fascination“ sahen. Schon in meilenweiter Entfernung – ich glaube, wir kamen aus Teneriffa –  staunen wir: „… was ist das denn für ein Spargel?!“. Der Mastenwald der Marina ein Wald von Streichhölzchen und dazu ein einzelner Spargel. Wir erinnern uns gern, Google leitet uns auf You Tube, das uns einen netten Abend bereitet. Wer ein bisschen Zeit hat, kann die frechen Beiträge über die Weltumsegelung der „Blue Fascination“ über You Tube anschauen. Wir finden den 3. Teil namens „Das ist Segeln – wie bitte, das nennt Ihr Segeln?“  besonders nett… Wir hatten damals so lange in Puerto de Mogan an der Yacht herumgelungert, bis man uns an Bord gebeten hat. Auslöser war, glaube ich, dass ich – laut genug – bemerkt hatte. “ … Isernhagener. Da hängt ein FFN-Ballonseidenanzug!“ (sie kann so peinlich sein, die Schipperin!). Zwar war die Familie aus Kirchrode, aber hannöversch ist hannöversch, und das tut einer Kieferklemme keinen Abbruch. ich hatte sie wegen des Kühlraums, wegen des echten Warhol (statt Marilyn die Eignerin!) und wegen des Feinporzellans, der AKKA-Eigner, damals noch schnöder Chartergast auf einer – immerhin – Swan mit Melamingeschirr, war ganz allgemein platt.
Das wirkt nach. Dabei waren weder die Blue Fascination  noch die LIR die größten Schiffe, mit denen wir jemals das Badewasser geteilt haben: das größte war die Twizzle2, an der Île des Pins in Neukaledonien, die wir allerdings mit 188 Fuß für unseren Bedarf etwas überdimensioniert finden (aber eine Kieferklemme wert).
Irgendwann ist die LIR weg vom Ankerplatz, schon kommt eine neue Silhouette am Horizont auf: „MARIE“. Die rangiert größenmäßig dicht hinter der hypermodernen Twizzle , aber die neue Mode ist – wie wir schon letztes Jahr in Uruguay bei der „Dona Francesca“ gesehen haben – Schiffsneubauten auf alt zu trimmen. MARIE ist so eine. Nach MARIE kommt TALIMA, und wir gewöhnen uns an die klemmenden Kiefer. Lediglich die großen Motoryachten aus St. Georges mögen nicht mit AKKA kuscheln kommen, aber die großen Segler haben eben Geschmack. Mittlerweile versiegt der Strom der Luxusyachten, deren Eigner sich nach den Weihnachtsferien wieder auf die Golfpätze verziehen (hatte ich oben was zu Vorurteilen gesagt? Nee…). Und die Skipper haben ihre Ruhe und segeln gemütlich ans nächste exotische Ziel.

Und was soll der Titel dieses Blogeintrags?!
Ja, er ist da! Wir haben unser Elektronikproblem gelöst, die Risikotaste gewählt und aller Wahrscheinlichkeit nach gewonnen: nach einigem Überlegen haben wir nochmals eBay bemüht, einen zuverlässig erscheinenden Anbieter ausgesucht und einen Ersatzplotter des alten Typs in den USA bestellt. Ein funktionierender, alter Raymarine C80, unser altes Radar, das alte AIS – alles spielt miteinander. Ist doch gut, wenn reiche Eigner (siehe oben?!) gern mal ihr Elektronikequipment wechseln und die gar nicht so betagte Ausrüstung als Brosamen für AKKAnauten und Co. abfällt. Gestern konnten wir unser Päckchen bei eZone abholen. Die Lieferprozedur hatten einen lustigen Moment, denn ich dachte, man könne im bestehenden eZone-Konto aus Trinidad einfach die Anschrift ändern. Man kann, doch das heißt mitnichten, das an diese Adresse geliefert wird! Glücklicherweise war ich gerade online, als die Nachricht kam, dass das Paket innerhalb zwei Tagen in Trinidad landen soll…  Stooop! Wir sind in Grenada! Ich hätte ein eZone-Grenada-Konto eröffnen müssen; aber es ging dennoch alles glatt, dank wirklich netter Mitarbeiter in Trinidad und Grenada. Guter Service.

Und jetzt? Noch einmal Wäschewaschen, noch einmal Zoll wegen eines kleinen Absperrhahns für unseren Wassermacher (und eine ungleich teurere Abwicklung mit Fedex) und dann auf nach… Carriacou. Immer noch Grenada. Mal andere Buchten sehen.

A very happy one…

Die AKKAnauten…

… und die AKKA grüßen zum Jahreswechsel!

Prickly Bay, 31.12.2017

Ein glückliches Neues Jahr 2018 allen freundlichen Lesern! Wir sind gespannt. Reisetechnisch. Politisch…

Auf AKKA herrscht „business as usual“. Ein bisschen unusual ist das Wetter, das sich seit 2 Tagen von der eher trüben Seite zeigt, dafür ist der Stromeintrag aus Wind recht gut (ich muss gleich mal Wasser machen!). Und die Träume in der Nacht sind bunt, denn viel Geschaukel (am Anker!) lässt einen viel Mist träumen. Soll aber ab Montag wieder besser werden, zumindest zeitweilig.

Entdeckung der letzten beiden Tage: man kan viel Geld ausgeben in Grenada. Einerseits, weil es oberhalb der „Prickly Bay Marina“ einen Laden gibt, der „Boucher“ heißt. Beim Besitzer handelt es sich um einen waschechten französischen Schlachter, der alle Unmöglichkeiten der französischen Cuisine bietet. Terrine, Fois Gras – und tolles Fleisch von (un)glücklichen Rindern. Selbst das gebratene Hühnchen ist schmackhafter als wir es in letzter Zeit aus Supermärkten gewohnt waren, und die Frage: „… wie hätten Sie das Hackfleisch denn gern? Fein? Mit mehr oder weniger Fett?“ ist mir seit Jahren nicht begegnet.  MAn ahnt: ich muss gleich aufhören zu schreiben, die Pantry ruft. Die Kühlbox ist voll bis zum Rand, und meine Einmachgläser schon lange leer. Das Jahr 2017 findet einen produktiven Abschluss.

Wir scheinen jetzt mit AKKA da angekommen zu sein, wo andere Segler schon immer waren: „…irgendwas ist immer!“, technisch gesehen. Vom Stromsuchen hatte ich erzählt. Dass ein Lautsprecherkabel unerreichbar unter den Bodenbrettern seinen Anschluss verliert, hat den Eigner erst gewundert und dann einen ganzen Tag Such- und Reparaturbemühungen gekostet. Zur Entspannung gibt er schon mal Ankerplätze in Kuba im Plotter ein. Die Gattin wirft beiläufig ein, dass sich mit den immer lustiger werdenen Entwicklungen in den USA vielleicht doch eine Cyclonsaison in Mittelamerika anbieten würde. Braver Mann – er gibt prophylaktisch die Einfahrt in den Rio Dulce ein,  und zäng, da hängt der Plotter sich auf (Anmerkung für den Neffen: der von Malaysia aus in den USA bestellte und von Dir mühselig nach Kapstadt  geschickte Ersatzplotter ist in Trinidad auf dem Elektronikschrott gelandet, ein wahrhaft teures Abschreibungsobjekt…). Die Schipperin wird folgerichtig nervös und versucht herauszufinden, wie man die AIS-Signale ersatzweise auf Tablet oder Laptop kriegt – wenigstens das, denn Radar ist mit dem Plotterausfall in jedem Fall tot. So ein Mist.  Beim folgenden Frühstück ein Geistesblitz – ja, das gibt es! Schiete wat auf Tracks und Wegpunkte, die im ausgefallenen Plotter begraben sind, versuchen wir doch mal ein Werks-Reset. Tadadadaaa!  Da ist er wieder, der Plotter. Prognose allerdings: sehr wackelig. Hatte ich oben gesagt, man könne viel Geld ausgeben? Kann man. Ein Ersatzplotter der neuesten Generation bedingt nämlich auch ein neues Radar. Wir sind ja schon ein paar Tage unterwegs und mittlerweile sind die Systeme digital und die Übertragung geht per WiFi.
Wir werden mal auf Informationstour gehen, vielleicht schaffen wir es mit der alten Konfiguration noch bis ins „Zollfreie“. St. Martin, oder so. Richtig. geizig sind wir auch.

Auf in die Pantry, das Gulasch und der Schweinsbraten vom „Boucher“ warten (nochmals richtig, an dieser Stelle sind wir nicht besonders geizig!).  Und wenn ich Zeit habe, lese ich ein Büchlein über die erwähnte Grenada-Revolution, aus Revolutionärssicht. So was gibt es nur im Eigenverlag. An der Supermarktkasse.

Wir wünschen Euch ein wackelfreies Silvester, in jeder Hinsicht, und einen guten Rutsch!

Bis bald!

Weihnacht?!

Deutsche Ecke in Grenada…

Prickly Bay/Grenada, 26.12.2017

Fröhliche Weihnachten an alle!
Für manche ist es schon vorbei, das Fest der Völlerei und des Geschenkestress – und ich hoffe, es waren dennoch ein paar angenehme Tage! Und für uns… keine Völlerei, kein Geschenkestress. Doch schon – ich habe dem Eigner eine neue Zahnbürste beschert, und die Reaktion war eine altersgerechte: „… aber meine alte Aronal-Bürste [aus den 80ern!] sieht nur am Stiel so schlecht aus, von den Einsätzen habe ich noch genug!“  Ach ja… mal wieder Plastikmüll verschenkt. Ich werde ihn zu recykeln wissen. Völlerei gab es auch, denn was wäre Weihnachten ohne Schokolade.
Nachbarn bedauerten sehr, dass Weihnachten diesmal „nicht stattfindet“.  Doch, tut es, nur anders als in Europa, und für uns genau so, wie wir es mögen. Einfach „so gut wie gar nicht“, keine feinen Kleider, in denen das Kind sich nicht wohlfühlt, kein Gesang, den man lieber stecken lassen würde.  Freundlich-nachdenklich stimmt der Austausch mit den Geschwistern über alte Sitten. Ich erinnere mich mit Schaudern an meinen obligaten Weihnachtsvortrag, ganz früher ein Gedicht, später die biblische Weihnachtsgeschichte. „Markt und Straßen steh’n verlassen, still erleuchtet jedes Haus…“, und  „Es begab sich aber zu der Zeit…“  Sitzt immer noch. Die Schwägerin – es lebe die familiäre WhatsApp-Konferenz! – berichtet vom traditionellen Heiligabendessen mit Gänseklein samt Gurgel – so scheint denn jeder sein kleines Weihnachtsschaudern in sich zu tragen. Aber wir waren uns allseits einig, dass der Weihnachtsduft – Baum, Kerzen, Kekse, neue Bücher! – unvergesslich ist, dafür musste man schon mal ein bisschen schief singen. Und dieser Tage? Da kriegt man so viel nette Post, das ist besonders herzerwärmend – vielen herzlichen Dank in alle Welt! Wir freuen uns, dass es den allermeisten gut geht,  dass es, wo es nicht so gut war, doch gutgegangen ist und denen, die zu kämpfen haben, Mut und Besserung!

Weihnachtsessen!
(Photo: Steffi Müller!)

Unser Heiligabendessen sieht man hier… das halbe Rind auf dem linken Grill ist der von den Semi-Brasilianern Thommy und Steffi, während sich meine Zucchini- und Schweinespieße rechts (bitte die Lupe bemühen!) eher bescheiden ausmachen. Aber lecker war’s und nett auch. Für mich eine Reise durch die Reise: das Hemd aus Samoa, eine Flaschenhülle aus einer San Blas-Mola, eine aus Fiji-Stoff. Der Wein noch aus Australien, die LED-Dauerkerze, die wundersamerweise Wachsduft verströmt, aus Neuseeland, und sitzen tun wir auf einem Kitenge aus Südafrika. Ja, ja, ich höre schon auf – wir geraten zunehmend ist rückblickende Schwärmen.
Also: auf in Neue Jahr. Aktiv und mit Lust auf Neues!  Wir werden es versuchen!

Fröhliche Weihnachten nochmals!

Nice, nice…

Rum!

Prickly Bay, 17.12.2017

Nice, nice… oder: wie die Zeit vergeht.

Wir hängen hier am Anker, merkwürdigerweise in einer Art „German corner“, und vorgestern, als ich meine Schwimmrunde um die Schiffe drehte, sagt Susanne von der Shogun: „… geht Ihr eigentlich von Bord?“  Nö. eigentlich nicht. Schon, ich lasse mich 1-2mal täglich ins Wasser fallen, frau muss ihrer Verpflichtung als Ankerfeldbürgermeisterin gerecht werden und gelegentlich mal nach… Bingen (Shogun) schwimmen, oder Arethusa (Frankfurt), Cariad (Arnis). Oder raus zur Serenity, bis ganz weit in die USA. Gleich vor uns liegt Dänemark in Kraulweite. Die Welt zu meinen Flossen.

Die Woche hatte ein paar Elektrosachen im Gepäck – nach dem Brasil-Batteriendrama für das Thema etwas sensibiliert, produzierten wir hier reihenweise Fragezeichen, weil wir nicht so recht auf volle Ladung kommen wollten. Einmal Wassermachen schmiss uns gleich 1 1/2 Tage zurück. Der Eigner lacht frech, wenn ich sage: „… da stimmt doch was nicht!“, nicht weil ich nicht recht hätte, sondern weil es so wunderbar undefiniert schlau ist. Ich habe null Ahnung von Elektrik (und dem Tun des Motors bin ich auch schicksalhaft ergeben, immer noch), aber ich habe bei den nachfolgenden Forschungsarbeiten erfolgreich als Handlangerin gedient, oder Augenlangerin. Und das waren wirklich weitreichende Forschungsarbeiten – immerhin sind es drei Solarpanele und ein Windgenerator, die in unsere Batteriebank einspeisen, so dass es allerlei Gründe für Fehlschaltungen gibt.  Isses nur das Messgerät, spinnt Philippi? Spinnen die Anzeigen? Kontakte – und wenn ja, welche? Am Ende des ersten Forschungstages (ja, ja, lange Siesta!) war klar: es ist das steuerbordsche Panel, das keinen Eintrag bringt. Zweiter Tag: warum bringt es nichts?  Und   so weiter. „Bitte mal die Ampere ablesen…“ ruft es dann freundlich durch die Luke. Ich kauere im Eck, das – abmonierte  – Brett mit den Geräten auf den Knien. „5 Ampère. 6…“  Das Solarpanel schweigt beharrlich. Der Chef legt eine direkte Leitung. „Halt mal die Kabelenden direkt auf die Kontakte!“ Klaro (meine Schwägerin schaudert es jetzt, aber die fließenden Ströme sind gering, Barbara!). 12, 13 Ampère. Super, es fließt Strom in die richtige Richtung! Ist der Fehler nun vor dem Schaltkästchen am Panel oder drin, im Decksdurchlass oder mehr Richtung Batterien? Es gab ein paar entnervte: „… ich weiß schon nicht mehr, was ich gemessen habe!“ Darauf gehört eine Kaffeepause. Und so, liebe Leut‘, geht eine Woche dahin, aber wir ham’s, die Steckerverbindung  im Deck war die Schuldige.

Den Fingerhut voll hat er sich verdient! Hicks!

Der Eigner – man muss ja die Tage mit Aktivität füllen* – hat zusätzlich zu den bestehenden, neuen Panelen eines der alten zusätzlich installiert, das uns im Notfall ein bisschen mehr Sonnenstrom serviert. Saubere Sache das, wir mussten es gestern schon außer Betrieb nehmen, so gut funktioniert’s. Ich bin dem Bordingenieur grenzenlos dankbar, für Gehinrschmalz, Ausdauer und dass er im Gegensatz zu mir eigentlich nicht zum FLcuhen neigt. Ob wir die umfangreichen Testprotokolle jetzt wegschmeißen können? Ich bin dagegen, es geht nichts über Hänsch’sche Skizzen, was wie geschaltet und dann für gut oder  ungut befunden wurde. Modern Art!

Auch sonst ist es „nice“ hier. Der Wind weht im Gegensatz zu Trinidad mehr oder weniger beständig, der noch in Chaguaramas unaufhaltbare Schweißfluß ist zum Erliegen gekommen – klar, es ist immer noch warm, aber so lässt es sich gut aushalten. Internet bezahlen wir teuer, nämlich an Digicel, das unser Tablet zum Hotspot macht, aber es wäre auch teuer, in der Prickly Bay Marina Bar einzufallen und sich 5 Stunden an sicher nicht nur zwei Bier festzuhalten, so ganz „kostenfrei“ ist WiFi dann eben doch nicht. Heute freuen wir uns gerade über den neuen amerikanischen Maulkorberlass für Ausdrücke wie „wissenschaftlich bewiesen“, „transgender“, „diversity“ und andere Merkwürdigkeiten. Das ist ein guter Witz. Oder auch nicht. Ansonsten nehmen uns/mich das Internet und die alten und neue Kontakte auf eine stete Nostalgiereise. Gestern abend treffen wir Henk und Marie von der Lady of the Lowlands, unserere Nachbarn in Pangkor und Parallelsegler zwischen Südafrika und Brasilien. Ach, wie war das schön… im Pazifik, in Neuseeland, in Südafrika. Galapagos. Weißt Du noch? Letztes Jahr um diese Zeit? La Recoleta in Buenos Aires. Und Puerto Williams erst!  Stimmt, wir werden alt. Macht nix.

Monaaffen im Regenwald.

Es ist bei aller Nostalgie aber nicht so, dass wir Grenada ganz unbeachtet an uns vorbeigehen lassen – letzten Samstag lud uns Karen/Serenity ein, einen Sonntags-Inselausflug mitzumachen, und das war toll. Allein die Fülle an Gewürzpflanzen, die uns vorgeführt wurden, war die Reise wert. Zitronengras. Zimt. Kaffir-Lime. Muskat. Nelken. Woher der getrocknete Ingwer, den unser Lunchrestaurant (The Belmont Estate, wirklich empfehlenswert!)

Miss Mona herself

anbot, kommt, ist nicht klar geworden, würde mich aber interessieren, denn Ingwer geht bei uns an Bord gut und ist alle naslang alle. Im Belmont Estate wird auch Schokolade produziert, an den Kakaopflanzen fuhren wir immer wieder längs.  Es ist auf Grenada nicht so, dass man bestimmte Früchte oder Gewürze in Monokultur produziert, sondern eher, dass jeder seinen mehr oder weniger großen Garten hat und die Ernte verkauft, lokal, an Kooperativen, auf dem Markt. Die Gesellschaft, die die Muskatproduktion kontrolliert, weiß genau, wer wie viele Muskatbäume bewirtschaftet, und wer in einer Woche statt mit 20 mit 40 Pfund Muskatnüssen aufschlägt, hat mit Sicherheit beim Nachbarn über’n Zaun geerntet.

Zuckerrohrpresse, von anno tuck

Eine Art der Monokultur gibt es dann doch, nicht auf extrem großen Flächen, aber doch unübersehbar: Zuckerrohr, und zwar für die Rumproduktion. Wir werden bei der Rivers Distillery abgeladen, und das gefällt uns sehr gut. Nicht wegen des Rums, den es natürlich auch zu probieren gilt – mein Urteil: nix für mich! 80% Allo -hicks!- Allohol. Schmeckt alkoholisch. Erst kühl auf der Zunge, dann warm, und dann Allo-hicks!-Allohol, aber in der Tat brennt nichts. Rivers

Angejahrte Destille

produziert ausschließlich für den -hicks!- Inselgebrauch. Es ist ein „Rhum agricole“ nach französischer Machart, also direkt aus dem Zuckerrohr, nicht aus der Melasse von der Zuckerproduktion. Wir waren ja mal in Queensland in der Bundaberg-Destillerie – alles schwer hygienisch (warum eigentlich bei so hohen Alkoholgehalten?!) und in hochtechnisierten Maschinenanlagen. Zentraler Punkt hier: das Wasserrad aus dem 18. Jahrhundert (1754 oder so), das vom reichlich fließenden Regen aus den Bergen angetrieben wird, und das wieder eine Kombination aus kettenbetriebenem Förderband und Zuckerrohrquetsche treibt. Gewaltige, uralte Teile, so recht was für den kleinen Ingenieur mit dem Stabilbaukasten. Mit einem sehr stabilen Stabilbaukasten! Der ausgequetschte Saft wird – dank Wasserrad – nach oben gepumpt, wo getrockneter Zuckerrohrrest Siedepfannen beheizt, der Saft wird eingekocht und der Sott von Pfanne zu Pfanne geschöpft, in schweißtreibender Handarbeit. Mit jeder Pfanne wird er klebriger und zäher. Es war arbeitsfreier Sonntag, also nichts Aktives zu begucken – aber es sieht weder lecker aus noch riecht es lecker. Die Pampe muss dann eine kleine Woche Fermentieren, und das Produkt, garstig anzuschauen, wird dann in einem uralten, ausgeklügelten Destillensystem zum Antoines Rivers Rum gewandelt. Prost! Hicks!  Schön und interessant war’s! Auch ohne „hicks“. Keine Ahnung, wie viel Gewinn das abwirft – die Führung kostete nicht viel, daran kann’s nicht liegen. Das Produkt ist – künstlich? – verknappt und nicht gerade der billigste Rum in Grenada. Ein Hang zur Tradition? Der Bedienstete, der uns führt, sagt: „… hält 20 Leute in Lohn und Brot!“ Grenader stehen wohl auf Rivers Rum. Don’t say „rum“, say „Rivers“!.
In jedem Fall steht der Grenader, oder doch einige, auf USA. Die USA, die 83 so heroisch in die laufende Revolution eingegriffen haben.  Wenigstens ist der umstrittene – „Hilfe! Kalter Krieg! Die Sowjetunion baut einen Stützpunkt!“ – Flugplatz, der hier gleich um die Ecke liegt, in Maurice-Bishop-Airport umbenannt worden, das ist ja schon mal was. Wer aber was wie beeinflusst hat, das müssen wir noch erforschen, ein politisches Geschwurbel bester Güte: erst ein Diktator. Dann ein Revolutionär und sein New Jewel Movement (JUWEL für Joint Endeavor for Welfare, Education and Liberation) – ein sozialistischer Klassiker. Dann eine innerparteiliche Konterrevolution. Und dann die USA… Oder vielleicht doch andersherum, erst die USA, dann die Konterrevolution und danach das US-Militär?! Merkwürdige Sache! Was bleibt ist, dass die Insel alle 3 Meilen mit einer Post- und Gesundheitsstation versorgt ist, die noch heute als solche funktionieren. Wie sagt der brave Amerikaner da?  „That’s socialism! Eeeek!“
Eine witzige kleine Insel. Es gibt noch zu gucken!

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* Hausfrauenaktivität: die Entdeckung, dass zwei der verbliebenen Packungen Knäcke Mehlkäfer haben, führt zu einem Anfall von Brotbackwahn. Geschmacklich o.k. hätte ich eigentlich von vornherein wissen müssen, dass die Konsistenz fragwürdig wird, ehob sich doch der Teig nur um Millimeter über Knetebene. Folgerichtig hole ich zwei Roggen-Weizensteine aus dem Ofen. Am ersten Abend haben wir noch tapfer beide gesäbelt, am Morgen stieg der Eigner auf Knäcke (ohne Mehlkäfer) um, dann flogen die Steine über Bord. Diagnose: die Trockenhefe aus Singapur tat’s nicht mehr. Der zweite Versuch mit dem letzten Päckchen Trockenhefe (Singapur, best before 05/16) war von Erfolg gekrönt. Wir sollten aber mal Hefe kaufen.

Bekennerschreiben

Prickly Bay nach achtern geschaut…

Prickly Bay/Grenada, 7.12.2017

Es gab mal eine schöne Kolumne in einem der großen, englischen Yachtmagazine, da durften Segler mehr oder weniger anonym ihre kleinen Sünden schildern, betitelt „The Confessional“. Der Bekenner. All die peinlichen Hafenmanöver, die kleinen Fehler mit den großen Folgen. Immer sehr amüsant zu lesen. Und „amüsant“, das können wir auch!

Zum Beispiel… der Dinghymotor. Siehe letzter Blogbeitrag. Die Geschichte entspann sich ja gegen Feierabend, als das Tageslicht schon der Dämmerung wich. Die Schipperin macht ein langes Ärmchen und checkt alles, was geht, Benzinhahn, Chokehebel… pliert auch in die Tanköffnung: o.k., es schwappt. Während unserer Stottertour zum Strand legt der Eigner sich dann schon mal eine Meckertirade für den Außenbordmechaniker zurecht, denn morgen, ja morgen präsentieren wir ihm den invaliden Patienten. Von wegen „kerngesund“! In der Frühe ist es so weit, es hat sich nichts geändert. „Sag‘ mal, es hat zwar geschwappt…“  Wir sind uns einig: „… ja,. ich habe es auch gesehen, Benzin ist drin!“  Aber man kann ja mal vorsichtig die Motorhaube abnehmen. Stimmt. Ausreichend Benzin ist da. Wenn die beiden Fahrgäste auf einer Seite des Dinghys sitzen und der mickrige Kraftstoffrest an einer Stelle zusammenläuft.  Wie wunderschön peinlich wäre der geplante Auftritt geraten. Jihaa!

Am Montag dann Ausklariertag. Immigration zuerst – wir blicken sogleich ins ernste Gesicht „unserer“ Dienstverweigerin in Scarborough (Zitat: „you are causing me unnecessary work!“). Ha, sagt sie, die Leute, die im Juni ohne Sign-out losgefahren sind. Also gibt es ein bisschen Geschwätz mehr hinter den Glasscheiben, aber man lässt uns schließlch in Frieden ziehen. Unsere 6 Monate sind um, wahrscheinlich ist man froh, uns loszuwerden.  Dann Zoll. Easy. „Wann wollt Ihr fahren?!“ Morgen um 6, first light, first thing. Nee, dann müsst Ihr um 05:30 wiederkommen. Ach ja? Dann fahren wir halt jetzt! Bumm, Stempel, Abfahrt 16:00.
Es wird dann doch der Dienstag um 8, aber das muss der Zoll ja nicht wissen; dagegen darf der Leser wissen, dass solch eine Übertretung der Schipperin nie recht ist, und sie daher zur Frühstückszeit, während der Eigner noch ausgiebig eZeitung liest, ostentativ Abreisevorbereitungen trifft. Szenen einer Bootsehe. Aber dann flutschen wir bald durch die Monapassage und biegen nach Osten ab: das Seegebiet nördlich von Trinidad ist wegen der Nähe zu Venezuela ein bisschen, nun ja: unsicher? Lustige Fischersleut, die in der Gegend um die Hibiscus- und Poinsettia-Gasfelder nach Tunfisch Ausschau halten, gucken auch gern mal nach weißen Segeln am Horizont, und ändern darauf spontan ihre Fangpläne. Elektronik, Cash, da schwimmt eben doch einiges von Wert auf dem Wasser. Die letzten erfolgreichen Ereignisse dieser Art liegen zwar 2 Jahre zurück, aber weitere Versuche hat es wohl gegeben – mittlerweile schienen auch Trinis die prima Idee kopiert zu haben! -, also: Vorsicht. Als Maßnahme bieten sich an: einen weiten Bogen Richtung Tobago schlagen (was heißt, gegen den Wind zu segeln), vorzugsweise bei unsichtigem Wetter oder nachts unbeleuchtet zu fahren, Radar haben die Jungs in ihren schnellen, übermotorisierten Kisten nämlich nicht. Meine Methode der Wahl. Unsichtig war es am Dienstagmorgen nicht gerade und Nacht schon gar nicht, denn der Eigner vertritt mehr den Standpunkt: „… ach, ich sehe lieber, wenn da jemand kommt!“ So schleichen wir unter der Nordküste von Trinidad entlang, der Wind schwach, es läuft auf Motoren hinaus. Wir buchen es unter „Wassermacherfahrt“, zu irgendetwas muss das Gerappel gut sein. In der Bucht von Las Cuevas machen wir Mittagspause, das sind ungefähr 25 Meilen nach Osten, von hier können wir hart am Wind noch leicht nord-nordöstlich kurven, um einen „ungefährlichen“ Wegpunkt 12 Meilen östlich der bösen Buben anzusteuern.  Schön, den Anker fallen zu lassen, im freien Wasser ein Mittagssüppchen zu bereiten und ein bisschen vorzuschlafen, denn mein Taktikpart steht nun an: unbeleuchtet in der Nacht fahren. So gut es geht – bei Vollmond. Um 21 Uhr geht es los, es ist ausreichend Schiffsverkehr, was ein sicher trügerisches Sicherheitsgefühl erzeugt, aber im Endeffekt… wir sind zeitlich und räumlich ziemlich weit weg vom Hotspot. Trotzdem glotzt man sich die Augen aus. Die zweite Wache ist meine, alles prima. Als wir den Wegpunkt erreicht haben, und ich den Kurs direkt auf Grenada wechsele, weicht die Spannung, ich merk’s. Was für ein hirnverbrannter Blödsinn – mit der weichenden Spannung merke ich, wie der Magen weich wird. Oh nein, der will die Kürbissuppe loswerden, na so was. Ich habe noch nie gern gegenan gebolzt, so auch hier, aber dieser Fall von Seekrankheit ist voll „psycho“. Nachdem die Suppe raus ist, und der Eigner mich freundlicherweise eine Stunde früher ablöst, ist alles wieder gut.  Wie sagt ein trini-ansässiger Segler?  „Ich bin da hundertmal gefahren –  noch nie was passiert!“. Und dafür opfere ich die schöne Suppe.

Am späten Vormittag kommen die Berge von Grenada in Sicht, und… uff. Was ist das denn? Hunderte von Masten. in der Prickly Bay, in der Hartmann’s Bay, und hinter Hog Island kann man Clarks Court ahnen. Nee, ne?  Wir gucken uns an. Gleich weiter nach St. Georges? Ach, lass‘ uns mal gucken – und siehe da, nach dem ersten Schreck finden wir ein Plätzchen, um den Anker fallen zu lassen. Letzte Reihe, wenn man zum Heck rausguckt, schaut es sogar einsam aus. Und für „Show“ ist gesorgt, denn links neben uns liegt ein Amerikaner, der für sein Dinghy einen elektrischen Lift benutzt – er fährt drüber, Knöpfchen gedrückt und schon entschwindet

Nach vorn sieht’s schon voller aus!

das Dinghy  samt seiner huldvoll winkenden Besatzung nach oben. Der Eigner, seit vorgestern der Altersgruppe der 72-jährigen angehörig, ist begeistert: „… ein Treppenlift zur See!“ Gibt es dann zum nächsten Geburtstag. Ach, übrigens… man kann es hier aushalten. Der Fülle-Schock hat sich schon gelegt.