St. Georges und umzu

Prickly Bay, 7.1.2018

Wie ich es hasse! WordPress zwingt mir einen neuen Editor auf (obwohl ich eigentlich den alten behalten wollte, und jetzt gibt es definitiv keinen Blocksatz mehr. Und ich finde Schriftarten mit Serifen völlig blöde, am Rande bemerkt…). Die Wetterwelt, viel schlimmer, tat gleiches mit einem neuen Programm. Da will man am Tag nach Neujahr mal schauen, wie die Aussichten für die Weiterreise sind und findet keine Dateien mehr. Einfach abgestellt, zumindest den Bezug der Online-Wetterdaten. O.k. – nicht so einfach eingestellt, sondern mit Ansage vor etwa einem Jahr, das darf einem dann schon mal entfallen. Zwei Anrufe später waren wir dann schon wieder mit bei den Wetterbezugsberechtigten und frickeln nun an den Feinheiten von „SeaMan Pro“ herum. Tut man das Rentnern an? Wirklich gemein. Ich warte schon auf Windows 12 oder was auch immer in Seattle in der Röhre ist (angeblich ist nichts in der Röhre, wir werden wahrscheinlich danach alle direkt gechipt und mit einem built-in-Bildschirm versehen). 
Zunächst mal ist aber das Blogproblem zwar nicht gelöst, aber an die Seite geschoben: über einen Umweg kann ich den alten Editor benutzen, und, wie Ihr seht, sogar Blocksatz einrichten (stört das eigentlich jemanden, dass ich das schöner finde?)
Und plötzlich lassen sich auch wieder Bilder in den Text stellen… Hurra.

Einziger Nachteil an dieser Lösung – irgendwann erwischt es mich kalt, weil dann dieser „Classic Editor“ so gnadenlos abgestellt wird, wie die Wetterwelt ihren GribView abgestellt hatte, und dann steht die Rentnerbande wieder da und probiert herum. Mit welchen jubelnden Worte einem das auch noch vorgestellt wird… Marketing, ich sag’s ja. Wenigstens habe ich – die Lösung kam aus dem WordPressforum – Rückendeckung, denn es hieß: „… viel zu unfertig für auch nur den 2 Beiträge pro Woche mit 3 Bildern-Blogger“. Richtig, das bin ich. An der Blogfrequenz muss ich noch arbeiten.

Jetzt zum wahren Leben:
Am Mittwoch kam unser Klofensteraufsteller, danke Jo und Peter/PR2!. Seitdem gibt es nur noch schwache Ausreden für Abreiseaufschub. Tanke zu und ähnliche Sachen. 4 von 5 Einmachgläsern gehen nicht zu. Oder „nochmal in die Stadt“, zum Beispiel, und das war gestern.

Vorbildliche Verkehrsregelung

St. Georges ist wirklich ein verschlafener Platz am Sonntag, trotz Riesen-Cruiseliner und einem kleineren Kollegen – keine Ahnung, was der Cruiselinergast da macht. Lässt sich vielleicht herumkutschieren, was ja in Grenada sehr lohnend ist. Oder genießt All Inclusive an Bord, dabei ist allein der Spaziergang durch St. Georges absolut „Caribbean“. Beschaulich. Bruchbudig. Bunt. Bisschen Reggae hier und Rastalocken da. An dem Wrackstatus nahen Fischkuttern werden Flicken eingeschweißt, natürlich mit SIcherheitsflipflops und Sonnenbrille, so wie es sein muss. Am beobachteten Kutter steht übergepönt „Lunenburg“, das ist Nova Scotia – da darf also ein Fischkutter nach hartem Leben in Labrador sein Gnadenbrot in der milden Karibik fressen. Nett.
Da wir aber nicht AI gebucht haben, waren wir – wie immer – auf der Jagd nach Kaffee, verdient nach dem anstrengenden Spaziergang aufs Fort hinauf. Fast wäre das nichts geworden, wenn nicht die Maria McCafferty ihr Art&Jewellerylädchen geöffnet hätte, mit Kaffeebewirtung und ein bisschen Spaß – das Beste an der verwinkelten Kurve, an dem dieses kleine Atelier liegt, ist eigentlich der Polizist, der den Verkehr regelt. Der hier abgebildete ist der aus dem Vorjahr, aber sie machen das alle sehr schön. Maria konnte dazu erzählen, dass hier eben „Grenada“ sei, und dass Grenada die Verkehrspolizisten außer Dienst gestellt und gegen Ampeln ausgetauscht habe. Und als alle Ampeln dann verbraucht und defekt waren, hat man die Verkehrspolizisten wieder in Amt und Würden gebracht, und würdig ist in der Tat, was sie dort tun. Ein ganz berühmter unter ihnen setzt alles daran, den Verkehr nicht stoppen zu lassen und wirbelt stundenlang, mit eleganten Handbewegungen, aber energisch zur Eile anfeuernd. Immerhin stoßen hier 4 Straßen auf einem Buckel aufeinander, drei steil ansteigend, eine kommt vom Fort heruntergestürzt. Allein das lässt einen genau das tun: anhalten, gucken. Macht was? Verkehrsstau!
Sonst?! Business as usual. Abfahrmodus. Morgen (oder übermorgen?!) geht es westwärts! Bis dahin!

Bilder, Bilder!

Tobago Cays – die Ilot Tabac ist dann doch eher einsam

Prickley Bay, 25.12.2018

Dem Eigner habe ich heute ein Weihnachtsgeschenk (verpackungs- und überhaupt plastikfrei!) bereitet, indem ich bei Facebook ein Fotoalbum für die Saison 2018 erstellt habe – das soll natürlich den Lesern hier nicht vorenthalten bleiben, und deshalb gibt es unter „Geschichten“ jetzt eine neue Galerie!

 

Hier ist sie:
Leewards & WIndwards 2018

Alle Jahre…

… wieder!

… unser Weihnachtsbaum!

Fröhliche Weihnachten an alle!
Unser Jahr klingt in der Prickley Bay auf Grenada aus, vielleicht schreite ich gleich noch zum französischen Schlachter, um irgendetwas ausreichend Festliches zu bereiten, aber sonst: blaues Wasser, Sonnenschein, Ruhe – viel ruhiger übrigens als im vorigen Jahr, als nach den Hurrikanen die halbe amerikanische Charterwelt hier unten versammelt war.

Macht es Euch nett – gute Wünsche von der AKKA!

Tintenfleck

.. und andere schöne Geschichten.

Prickley Bay/Grenada, 17.12.2018
Jawoll – AKKA hat sich bewegt, wer hätte es gedacht. Und das war gar nicht so einfach! Dass der erste Splashtermin ins Wasser gefallen war – bzw. eben nicht – ist ja bekannt. Am Montag, dem Ersatztermin, verschwindet der Eigner am späten Vormittag, um noch letzte Verabredungen zu treffen oder einen der Handwerker zu bezahlen – und kommt nicht wieder. Währenddessen macht die Schipperin die Leinen für das Zuwassermanöver fertig, die Fender vorbereiten, also Dinge, die man nicht wirklich braucht, aber sicher ist besser. Ich stehe an der Mittelklampe und fummele den Tampen zurecht, da kommt Freund Ian vorbeigetrabt, gute Gelegenheit noch schnell „tschüss“ zu rufen, und „we are going to splash now!“. Nee, sagt der trocken, das glaube ich nicht. Morgen. Vielleicht. Was ist los? „Och“ [Ian ist Süadfrikaner!] „Susies boat…“ Susie und ihre Spirited Lady sorgen für einen Verkehrsstau am Travellift. Der Eigner hatte sich das Drama angeschaut, das darin resultiert, dass Michael die Hände entnervt in die Luft wirft: „… can we splash you tomorrow?!“ Klaro, wir haben ja ZEIT. So war es dann auch, alles easy. Spannende Fahrt, es liegt ein Mast im Weg und auch sonst muss so ein Michael an diversen Engstellen vorbeikurven, ich stehe auf dem Vorschiff und mag gar nicht hingucken. Es geht um Zentimeter – in den Wochen zuvor hatte man unsere Nachbarboote teils mit dem Hubwagen aus den engen Parklücken holen müssen. Hohe Travelliftkunst, zumal ja auch noch ein scharfer Zacken ums Bürohaus zu schlagen ist. Coole Socke, der Mann. Und dann: splash! Motor läuft, alle Ventile dicht, wir verholen uns an eine der Moorings. Es ist so schön, wieder zu schaukeln – die Lärmkulisse ändert sich auch radikal: vorher tagsüber Straßenlärm, bis die Papageien zum Sonnenuntergang den Feierabend einkreischen, danach – ziemliche – Stille. Jetzt Dauergewummer von der Ölversorgerpier, wenn eines der Großschiffe dort liegt, aber trotzdem um ein Vielfaches netter. Wenn man mal von Dieselpfützen absieht, eine immer wiederkehrende Sauerei, auch wenn man schon dankbar ist, dass nicht, wie im Vorjahr, das Rohöl schwappt. Wir planen das Wochenende für die Abreise, denn am Sonntag laufen die Visa aus, am 16…
Einkaufstour und Kleinkram stehen noch an, zum Beispiel haben ich bei der Deckreinigung die Stütze vom Klofenster gebrochen, das soll noch repariert werden – der Eigner schwärmt aus. Und schwärmt und schwärmt, hin und zurück, denn die Reparatur schreitet nur Trini-mäßig voran. So kommt der Freitag – ach, was, wir fahren los. Immigration. Es ist das Ankunftsdatum auszufüllen – schnell im Pass nachschauen. Es ist der 15. Juni, und das wiederum, ups, heißt, dass das Visum nicht am 16., sondern am 14. Dezember ausläuft. Heute. Wir haben versehentlich eine Punktlandung hingelegt, und bei Overstaying verstehen die Trinis wenig Spaß. Beim Zoll muss nun gemogelt werden, Abreise um 15:00 wird definitiv nicht stattfinden, rein wetter- und navigationstaktisch (will sagen: die Kurve um die finsteren alten Gasfelder), all das spricht mehr für den Folgetag, und wir wollen ja auch noch den Fensteraufsteller zurück haben. Was nicht klappen soll. Dafür bereiten wir uns eine erste richtige Premiere: bei gutem ablandigem Wind stellen wir fest, dass wir keinen Ersatzsprit im Dinghy haben, und der Tank vom Minimotor ist… leer. Die vielen vergeblichen Fahrten zum Dreher haben wir gar nicht gezählt. Glücklicherweise pickt uns ein Fischer auf, der uns einen langen Landgang zur Tankstelle erspart (er vertankt die 20 TT, die er dafür einheimst, gleich, so sind die Eigentumsverhältnisse!) Der Rest ist einfach: Abreise am Samstag um 12 Uhr, 5 Stunden mit dem Motor voll gegenan bolzen, dann auf Kurs und sehr hoch am Wind motorsegeln, was der Schipperin nicht so gefällt. Bremsen, beschleunigen, krach, bumm. Örrgs!  Im Schiff ist angesichts des raschen Aufbruchs auch noch nicht alles auf „rappelfest“. Die Piraterieparanoia, die wir gern für uns ablehnen, bekommt Futter, weil in der Dunkelheit ein Fischer (?!) auf Minimalabstand an uns vorbeiflitzt, was die angeschlagene Schipperin glücklicherweise verschläft – immerhin blitzt der „böse Bube“ rot und blau, und wer blitzt wird nicht wirklich böse gewesen sein, aber es gibt einem zu denken.
Im Morgengrauen, wir sehen schon die Lichter von Grenada, haben wir doch noch Besuch. Im Cockpit. Es war ein bisschen ruppig und warum ein Tintenfisch auf Höhenflug unbedingt bei uns einsteigen wollte, ist uns nicht eingängig – ihm selbst wohl auch nicht. Als wir ihn entdecken, ist hinterm Steuerrad alles sepiabraun, aber in unserem trockenen Cockpit kann Oktopus seinen Jetvortrieb einsetzen und Tinte verspritzen, wie er will, es geht einfach nicht voran. Ist ihm auch nicht gut bekommen – mal wieder eine Seebestattung. und ein Tintenfleck im Cockpit.

Und ja! Hurra! Wir liegen vor Anker im Badewasser. Und haben kein Internet – darum vorweihnachtliche Grüße via Satellit. Aus Grenada. Ich geh‘ mal Tinte schrubben. —

Wo die Butter schmilzt…

Marmorkuchen mit Kerze

Chaguaramas, 6.12.2018

„Sail until the butter melts!“ – eine alte Segelanweisung der Briten, um den Passat zu finden. Wir sind schon lange da, wo die Butter schmilzt und würden dann auch gern demnächst mal los, aber… trotz der festen Absicht, heute ins Wasser zu gehen, haben wir unser Splash noch einmal schnell verschoben. Die Nähmaschine der Segelmacherin kaputt, der Maler, den wir mit dem Anschliff des neuen Coppershieldauftrages betraut hatten, hatte plötzlich zu viel zu tun, Zitat: „I hate when you all push me…“. Genau das hatten wir über Wochen halt nicht getan, auch der Segelmacherin gesagt, dass wir noch eine Weile hier sind – da schiebt dann jeder Auftragnehmer unsere Aufgaben gern nach hinten. Also: Montag.

Heute ist ohnehin Festtag, ich habe gestern einen marmorierten Geburtstagskuchen gefertigt, und, passend zu „until the butter melts“, das Schokoladenregal (Trinischokolade ist für mich!) im Peppercorn-Delikatessenladen geplündert . Es schmelzen allerdings nicht nur Schokoladen und Butter, auch die feierlich entzündeten Teelichter tun sich schwer: wenn es so heiß ist, braucht es nicht viel, um den gesamten Wachsvorrat (übrigens noch ein IKEA-Vorrat aus Las Palmas von 2007!) in einen Teich zu verwandeln, der dann in kürzester Zeit die Flamme erlöschen lässt. Für ein bisschen Frühstücksglanz war aber gesorgt, zumal, Jugend forscht, die farbigen Duft-Teelichter länger aushalten als die schlichten. Glanz muss sein, denn in diesem Alter scheint sich am Geburtstag eine gewisse Melancholie einzustellen – ich selbst konnte das schon immer gut, der Eigner macht es mir nun nach. So let’s fill days with life instead of filling life with days.

Eben dieses Leben bleibt ein Geschenkmix: hatte ich mich in der Früh noch geärgert, dass ein freundlicher Mitsegler ganz augenscheinlich unseren Schlauchadapter am Wasserhahn gut gebrauchen konnte –  frech! – gab es beim o.a. Schokoladenkauf auch ein Geschenk an die Schipperin: seit Monaten scanne ich die Gewürzregale in allen Geschäften, vor ein paar Wochen wurde ich beim Kümmel fündig, und gestern gab es ein einsames Glas Fenchelsamen. Die Versorgung mit Gomasio und Brotwürze ist weiter gesichert, yeah!  Und noch ein Positivum: zurück vom Einkauf tönte es gestern (wenig freudig) „… ich glaube, ich kriege eine neue Bohrmaschine zum Geburtstag!“ Resultat: Nachmittagskaffee mit Kuchenkrümeln um die auseinandergebaute Bohrmaschine auf der einen und Handlangerdiensten auf der anderen Tischseite: „Schwester, den Spannungsprüfer! Und das Ohmmeter!“  Es ist natürlich eine schon etwas gereifte BOSCH-Maschine, und hatte der Eigner einen kapitalen Motorschaden vermutet… nein, eines der zuführenden Kabel hatte dem jahrelangen Druck beim Aufwickeln nachgegeben. Ein schöner und schneller Reparaturerfolg, ein echtes Geschenk! Die Segel sind auch schon da, der Rumpf fast fertig geschliffen, wer sagt’s denn.
Wir haben jetzt ein paar halbfreie Tage zu genießen, werden es aber mit ein bisschen Aufgabenschieben schon zu etwas Vor-Splash-Hektik am Sonntag bringen. Wäre ja gelacht…

Ob’s heute außer Marmorkuchen auch noch ein Feierabendbier am Wasser gibt?!  Das wollen wir stark hoffen.

Ein Geschenk

Chaguaramas, 30.11.2018

… ein Geschenk, ein Geschenk! Nicht zu Annas und Eskes Geburtstag, obwohl das natürlich heute passend wäre (herzlichen Glückwunsch nach Kölle und Bärlin!).
Nein, der Eigner radelt eben ins Büro, um unseren „splash“ festzuklopfen. Ich sitze oben auf dem Vorschiff und versuche verzweifelt, des Nähchaos Herr zu werden, von unten tönt es: „Donnerstag, 08:30“. Aha. Nix „ausgedehntes Geburtstagsfrühstück“, eher „fertig werden, um halb neun kommt Michael und schubst uns ins Wasser“. Aber es ist gut so, es reicht jetzt auch wirklich. Der fleißige Eigner hat Aversionen und Furcht überwunden und hat sich in den letzten Wochen ans Pönen gemacht, nun glänzen Salontisch und diverse Schrankinnereien wie die Speckschwarten (dank Tonkinois) und Bad und Pantrybereich eher seidenmatt (dank Epifanes 2-Komponentenlack). Eigentlich ist das auf den meisten Schiffen rosa Arbeit, aber die eher grobmotorisch veranlagte Schipperin wird da den gestellten Ansprüchen nicht gerecht. Prima. So kann ich währenddessen älteres und leider auch neueres Sunbrella mit Chlorbleiche von Stockflecken befreien und danach Gebete sprechen, dass die Säume das überleben. Sehr putzig zu sehen, wie die Bleiche die Pinsel auffrisst! Während der Pantryarbeiten (und auch sonst) wurde alles auf freien und nicht so freien Flächen im Salon gehäuft und an Deck gekocht – alles in allem also erfreuliches Bordleben. „Herrje, wo ist der rot-graue Schlitzschraubendreher?!“ „… den habe ich doch in Brasilien absaufen lassen!“ „Nein, der kleinere. Den hatte ich doch noch eben (Tage später taucht er unschuldig aus einer Plastikkiste auf, die die ganze Zeit unter unserer Nase gestanden hat). So ist das.

Am Black Friday haben wir Budget Marine einen Besuch abgestattet und 35 m (es wurden 40, war so schön billig) Spinakerfall gekauft. Da hängt im Zweifelsfall des Eigners Leben dran, wenn ich ihn in den Mast winsche, da wollen wir eigentlich nicht sparen, aber Black Friday ist Black Friday. Sonst haben wir uns aber zurückgehalten und nur das dort versammelte Altenheim bewundert; Brite mit Tropenhelm, Sunblocker und Sandalen/Sockenkombination war eigentlich am schönsten. Die Cruisergemeinde… ganz unsere Altersgruppe.

Weihnachtsdeko!

Wie man sieht, dekorieren wir auch weihnachtlich, hier nach dem Motto: „… das Land wo die zitronengelben Rettungswesten blühen!“ Manchmal muss man schon ausprobieren, ob die Dinger noch Luft halten, zumal die Gästewesten neulich bei der wirklich dramatisch schlimmer Flut im zentralen und südlichen Trinidad einen Noteinsatz mitgemacht haben. An dem bewussten Tag saß ich im Bus und habe bei den Fluten von oben (hier glücklicherweise nicht von unten, von oben kamen nur Erdrutsche…) wirklich überlegt, wie ich im Zweifelsfall zu Fuß nach Hause komme. Tags drauf wurde dann den ganzen Tag Bergungsarbeit geleistet, und dann merkt man doch wieder, wie a. arm die Umgebung ist, auch wenn Trinidad einer der reichsten Karibikstaaten ist und b. wie vergleichsweise üppig unser Leben dagegen ist. 4 Automatikwesten schleppen wir herum; jetzt konnten zwei davon mal sinnvoll sein.

Heute geht die diesjährige Hurrikansaison zu Ende, wir hoffen, dass das atlantische Becken davon weiß und darum:  wir „stricken wir auf die Mitte“, hurra!
Bis bald dann aus anderen Gefilden!

Die Enthalpie…

Chaguaramas, 2.11.2018

… die Enthalpie nimmt zu, hier bei Power Boats, man merkt es an der Zunahme von abreisewilligen Heimaturlaubrückkehrern, die uns Nähmaschinennadeln und Sparkassenkarten aus Deutschland mitbringen (danke, TAIMADA!). Die Klos und Duschen, die wir nun einen ganzen Sommer fast exklusiv genossen haben, sind auch öfter mal besetzt…

Täglich kommt Michael mit seinem Travellift und schiebt Boote hin und her, drum habe ich gerade die Gelegenheit genutzt, AKKA noch einmal fix in ihrem Sommerloch zu knipsen (danke, Tablet!). Wir hoffen, dass SUNDOG hinter uns nicht so bald zurückkehrt, wir würden unsere lieb gewordene Garagenwerkstatt zwischen seinen Rümpfen verlieren. Unser eigener Arbeitseifer nimmt auch ganz leicht zu, es entwickeln sich immer neue Überraschungsprojekte, zum Beispiel Fahrradreparatur. Die Taxifahrt mit dem Rad in die Stadt war umsonst, man war wohl ein bisschen überfordert, also DIY-Modus.  Die 7-Gangnabe am Eignerfahrrad demontieren und reinigen/fetten kostet mehr als 3 Manntage, und ist nur mittelmäßig erfolgreich (aber hochinteressant, Chapeau für die Erfinder solch einer Mechanik. Wer Lust hat youtubet mal Shimano Nexus SG). Das Ergebnis bedeutet, dass wir in absehbarer Zeit wieder einen Boten benötigen. Neue Nabe und all das.

Der Probelauf Motor stellt sich als sehr lustig heraus – wenn es zum Äußersten kommt neigen wir ja zur spontanen Blasenentleerung bzw. Schlimmerem, so auch dieses Mal. „Kannst Du mal das Genähe unterbrechen und den Motor anlassen?“ Klar. „Gashebel steht schon, Gang ist raus…“  Super, leichte Handlangerarbeiten mache ich gern. Der Eigner lässt Kühlwasser aus dem Schlauch rauschen, kann losgehen. Vorglühen. Anlassen. Nudel-nudel-nudel. Nix. Nochmal! Nudel-nudel… oh nein! Gang auf’s Klo. Auf dem Eimer kommen dem Eigner die besten Gedanken… was ist eigentlich mit dem fast unsichtbaren Draht, der zu Montagezwecken aller Art den Notaus-Hebel festhält? Yihaa! Anlassen – und da ist er ja, der Motor. So nehmen die Tage ihren Gang.

Anbei die Fotodoku. Wie man sieht, hat Nachbar FRA 43999, also known as Begamar, schon mal die Segel gesetzt. Wenn das den Abfahrtszeitpunkt herbeizaubert- vielleicht sollten wir auch mal?

Yihaa!

Chaguaramas, 9.10.2018

Es liest sich wieder flüssig! Ein Wunderheiler aus Berlin hat es möglich gemacht…  Danke, Sven / LatiMera !  Das war für uns ziemlich spannend, weil es einfach unangenehm ist, Zugänge an Wildfremde weiterzugeben, und seien sie noch so professionell, und sich dann auch noch verständlich machen zu müssen. Nun ja, Letzteres liegt mehr daran, dass ich nicht verstehe.
Jetzt wird die Seite noch ein bisschen poliert, und danach versinken wir wieder in den alten WordPress-Schlaf.
Und weg mit dem Test-Blogpost!

Ach, zuvor kann ich natürlich noch ein bisschen Alltag hinzufügen. Als da wäre: gestern eine wunderschöne MaxiTaxi-Tour in die Stadt. Des Eigners Fahrrad schaltet nicht mehr, und die Schipperin steigt mit dem geklappten Vieh im Segelsack in den Kleinbus. Volle Musikdröhnung, schlechte Stoßdämpfer, aber die Klimaanlage, die funktioniert übermäßig gut. Ich war noch nie so froh, aussteigen zu dürfen, denn MaxiTaxi heißt häufig „voll“ und MaxiTaxi mit einem Fahrgast mit Fahrrad auf dem Schoß und Rucksack auf dem Rücken heißt „ziemlich“ voll, so voll, dass frau den Kopf nicht aus dem kalten Luftstrom nehmen kann. Für den letzten Punkt des Verbotsschildes (üblich sind: not eating/drinking/no obscene language…) , „no love-making“, wäre kein Platz gewesen. Mal schauen was Mikes’s Bikes mit dem Patienten anfangen kann. Beschwingt ging es weiter zu Radica, wo ich ein Stück Palstipanescheibe für unsere Cockpiteinfassung besorgen will. Geistesgegenwärtig lasse ich ein Yard abschneiden. Hätte aber 1,5 Yard sein müssen, wie mir auf dem Rückweg siedendheiß einfällt. Niederschmetternd.
Daheim angekommen ist das Cockpit aufgeräumt, der Eigner liegt schweißüberströmt auf dem Boden und versucht, längst festgerottete Teile der Steuersäule abzubauen – es wird für die nächsten Tage spannend, denn das Cockpit ist gesperrt, wegen Steuersäulenmalerei, eine weitere Aktion aus der Serie „Nachbesserungsarbeiten Malaysia“. Soeben ernte ich ein sehr mildes Lächeln (ganz gefährlich!), als ich vorschlage, man könne im Vorschiff das Fenstergitter entfernen und das Luk zum Ausstieg benutzen. Ach, wie war es doch vordem in Malaysia so bequem – da gab es das kleine Billighotel. Aber ohne zweites Fahrrad… Nix da, es wird gegessen, was auf den Alltagstisch kommt.
Das Paket… es ist noch nicht angekommen, aber in Trinidad – es hatte sich in Frankfurt wohl 3 Wochen Auszeit genommen und dann noch ein Weilchen beim Zoll in Grenada (!?! Was macht es dort?) geschmort.
Bleibt noch die Politik. Das war eine harte Woche. Die Kavanaugh-Anhörung haben wir uns in voller Länge angetan, das Entsetzen über die Vorgänge will noch nicht weichen; heute hat Freund Donnie sich auch noch bei K. entschuldigt für das „Unrecht“, das ihm angetan wurde. Die Krönung bot der Wahlsieg von Bolsonaro in Brasilien – ich liege seit Wochen im Facebook-Clinch mit unserem Zahnarzt (weiß, sehr männlich, natürlich) in Intermares, der mich zwischen herablassend und oberlehrerhaft von den Vorzügen dieses Rechtsaußen überzeugen will und voller Stolz Bilder zeigt, deren Darstellungsweise an klassische totalitäre Systeme oder Sekten gemahnt. Es graust einen.

Es wird wirklich Zeit, dass wir ins Wasser kommen; fragt sich nur wohin. Aber der Blog ist wieder lesbar, das ist doch was!

 

Umlaute und so…

Chaguaramas, 29.9.2018

Nur ganz kurz – wer auch immer über die letzten drei Beiträge hinaus zurückblättert, wird feststellen, dass die Darstellung der Umlaute versagt… Irgendeine Programmumstellung muss das bewirkt haben – noch dazu ist „unser“ Server letzte Woche umgezogen und hat Passwort-Ärger gemacht. Ich liebe es…

Ich habe eine Idee, woran es liegt, werde heute noch einmal ein You Tube-Video zur Umstellung der config.php anschauen und dann hoffentlich meine Furcht überwinden, das Teil zu ändern. Manche Leute mögen keine Elektrik – ich mag FTP nicht anfassen.
Aber vorher ist ausreichend an Bord zu tun – das nennt man „procrastination“ oder auch Verschieberitis.

When Steel Talks…

Chaguaramas, 25.9.2016

When steel talks, everybody listens!
Das Konzert am Sonnabend war ein Höllenspaß. Die 5 großen Steelbands in Miniformationen, Mini heißt hier: um die 40 Musiker, inklusive Ratsche sowie des Eigners Lieblingsinstrument= Bremstrommel und der Cow Bell. Cow Bell kann man schlecht mit „Kuhglocke“ übersetzen, weil das klanglich in die falsche Richtung führt. Im zuletzt verlinkten Exodus-Link ist das Intro „Cow Bell“, mehr Klacken als Läuten. Ich sitze gern ganz vorn, zum Gucken und Hören – Nachteil: weiche Watteohren. Gesamturteil: es war dieses Mal noch besser als im vergangenen Jahr, keine schiefen Gesangsacts, kein Nessun-Dorma-Geknödel, dafür 5 mal 1 Stunde (!) Pan „mit Geschmack“.
Geschmack 1: Phase Two Pan Groove mit ein bisschen Jazzigem. Sehr gut, aber für den einen oder anderen vielleicht anstrengend. #2: Die Desperadoes mit Klassik, und zwar in einer Weise, dass wir mit offenen Ohren und Mündern sitzen und staunen – wo man Steelbands sonst eher entfesselt sieht, ist dies eine Demonstration von höchster Konzentration und toll arrangiert, weil ein wirklich virtuoser Oboist nicht übertönt wird. Sehr klasse. Dass das Publikum dann zu Jacques Offenbachs „CanCan“ erstmals an diesem Abend durchdreht, mag man ihm verzeihen .  Es wird zwar nicht bierzeltmäßig geschunkelt, aber gern gesungen, besser: mitgebrüllt, und irgendwann hält es auch nicht mehr alle auf den Plätzen. Vor allem ältere, füllige Damen lassen dann vor den Bühnen die Hüften kreisen (nein, ich nicht!). Nach dem Offenbach-Thrill dachte ich: das wird schwer für die nachfolgenden Orchester. No.3, Exodus, ist dann – bis auf den besagten Bassisten – auch nicht gar so doll, das Aroma „Big Band“ zu viel Blech, zu wenig Pan. Finde ich. Kommt Nummer 4, die Trini All Stars – das hat dem Eigner gefallen: eine Rock-Röhre als Gesangs-Act. Pan mit Rock ’n Roll-Geschmack und super Stimmung!
Zum Schluss die Renegades – da geht einem dann auf, dass man eben nicht „Trini“ ist. Schon der einleitende Rap ist so gut wie nicht zu verstehen, und dann… die Renegades laufen zur ganz großen Calypso-Form auf. Die Zuschauer – bis auf die 3 Handvoll doofe Yachties – singen, gestikulieren, es werden nicht nur die Refrains skandiert, sondern auch die teils langen, balladesken Strophen mitgesungen; ein Gesang, der allerdings im infernalischen Lärm der Orchester nur ein Hintergrundgeräusch bildet. Wir tippen auf die Karnevals-Calypsos der letzten 30 Jahre. Kein „This is my island in the sun“-Belafonte-Zeug, sondern ziemlich freche Sachen; Calypso hat seine Wurzeln im  Politisch-Kritischen, das Wort ist angeblich eine Verballhornung eines Yoruba-Wortes, Kaiso, aus Sklavereizeiten also. Die ganze Steelbandbewegung hat diesen widerborstigen Hintergrund – nicht umsonst war afrikanische Trommelmusik während der Kolonialzeiten verboten, und wo Trommeln verboten sind, sinnt man auf Ersatz“instrumente“. Doch auch als die alten Ölfässen schon längst und immer vielfältiger gestimmt werden, ist Steelbandmusik noch lange als „asozial“ verpönt. Ein Schelm… Der Rap am Anfang des Renegade-Auftrittes ist daher nicht ganz untypisch – irgendwas war mit dem Premierminister, und das Publikum johlt… Fast hätte ich mir ein „Pat Bishop“-Hemd gekauft, wie man das so als begeisterte Konzertbesucherin macht. Pat Bishop –  nicht Patrick, sondern Patricia – war eine Arrangeurin, Pan-Lehrerin, Orchestercoach, Dirigentin, vielfältig und hoch begabt; alles nicht so selbstverständlich, denn „Woman on de Bass“, heute in jedem Orchester weit verbreitet, war Anfang der 70er noch eine Ausnahme. Für Frauen gehörte es sich einfach nicht, sich in solch einer Subkultur zu betätigen –  das änderte sich erst als die Steelbandmusik in den 80ern hoffähig wurde. Eine junge Inderin machte 1974 den Anfang am Bass und kriegte prompt einen Calypso gewidmet: „…we want de woman on de bass!“ Un‘ nu‘? Gehen schicke Yachties dorthin und lassen sich einen Abend lang die Ohren betäuben. Sehr klasse!

Auch sonst haben wir Spaß – ich konstruiere noch an den Matratzenbezügen und schleppe daher die schweren Matratzen einmal täglich aus der Kammer in den Salon. Das nimmt der Eigner zum Anlass, die Ruderanlage – unter den Kojen  – zu revidieren – logische Frage am Abend: „… wo möchtest Du heute schlafen?“ Klar, auf dem Salontisch, Matratze liegt ja schon. Dass er allerdings bei kniffeligen Anpassungsarbeiten für den Reißverschluss kommt und scheinheilig fragt, ob wir die Wegerung an den Kojen schon mal abgenommen haben, jetzt, wo doch gerade die Matratzen… „Nicht JETZT!“. Projekt 1027 ist geboren.
Der letzte Spaß ist aber dieser: ein schon Wochen altes Projekt  ist noch immer nicht fertig. Wir erwarten ein Paket aus Deutschland – Ersatzteile für die Windsteueranlage, ein freundlicher Mensch hat uns einen gebrauchten AP-Navigator spendiert, ein paar Kleinteile… Seit dem 30. August stand das Tracking auf „wird ins Zielland transportiert“. Dass wir schon nach 3 Wochen ungeduldig wurden, goutierte weder die TriniPost („… es WIRD transportiert WERDEN!  Nicht im System heißt: nicht in Trinidad!“) noch die Deutsche Post: „… ist natürlich längst abgegangen, stellen sie nach 4 Wochen einen Nachforschungsantrag!“. Da der Versender in Urlaub ist, haben wir das etwas früher getan. Die Post hat auch eine Facebookseite, und ein hilfsbereiter Geist stellte eine – ansonsten nirgends vermerkte – Bonner Rufnummer zur Verfügung, an die man sich wenden könne. Die übliche Hotline-Leier. („…wenn Sie uns loben wollen, drücken Sie die 9“ – passierte wohl eher selten, wenn es kein Scherz von mir wäre). Ich verstehe, dass die Hotlines dieser Welt den Unmut aller Menschen auf sich versammeln, aber dass die Trulla zu mir sagt: „… darüber kann ich mit Ihnen nicht sprechen, sie sind nicht unser Rechtspartner!“ verschlug mir den Atem. Rechtspartner ist nämlich der Absender und ich nur die blöde Paketveranlasserin und -empfängerin. Auch der Hinweis, dass der Absender verreist sei, weicht die Abwehrhaltung nicht auf, dabei wollte ich nur wissen, ob man irgendwo sehen kann, wann und wo das Paket verflogen wurde, und was „wird gesendet“ heißt – wenn es Futur sei, dann wann? Kurz: Gruß aus der Deutschen Bürokratischen Republik. Zwei Tage später ein neuer Versuch, ganz cool und in der Hoffnung, einen anderen Gespächspartner zu finden. Klappt. Es ist Donnerstagabend. Mit der Aussage, das Paket sei definitiv  („… soweit ich sehen kann…“, sehr spaßig) aus Deutschland abgeflogen, gehen wir ins Wochenende; die TriniPost weiß noch immer von nüscht, aber hier ist durchaus manches bisweilen etwas… verzögert. Die deutsche Statusmeldung steht beharrlich auf „wird für die Sendung vorbereitet“ und „Next step: wird ins Zielland transportiert“. Am Montag ist in Trinidad Nationalfeiertag Nummer 3, nach Emancipation Day und Independence Day nun der Republic Day. Congratulations! Wir machen einen Tag Nachforschungspause. Gestern Abend fiel es mir wieder ein. Na, Deutsche Post? Any news? Ja, sicher! Neues Datum! 21.9., nur 23 Tage nach der letzten Meldung:
07:25 „–“   Hm. 2 Gedankenstriche. Was das wohl heißt? Wir machen uns Gedanken zu Ihrem Paket? Sendung gefunden und neu aufgenommen? Oder nur das Tracking geändert? Dann:
08:45 „… wird ins Zielland versendet“ und „Next step: Erreicht das Zielland“. Geheime Frage: falls ja, wann?
Es bleibt spannend. Und spaßig. When the postman talks, everybody listens. Lasst uns Positives hören, liebe Post!